Warum wir mehr tun sollten, was uns Freude macht

Immer wieder höre ich Eltern klagen, dass sie neben ihren Kindern zu nichts kommen. Hobbies liegen längst verstaubt im Keller herum, Freunde trifft man nur noch am Spielplatz und abends überkommt uns die Müdigkeit so schnell, dass wir beim Lesen eines Buches vor Satzende schon eingeschlafen sind. “Etwas tun was Freude macht? Später wieder, wenn die Kinder groß sind.” denkst Du. Aber wirklich, muss das so sein?

Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass wir auch als Eltern die Zeit haben, uns um uns selbst zu kümmern. Und wenn wir sie nicht haben, dann wird es höchste Zeit, dass wir sie uns wiederholen. Denn sie ist da. Versteckt im Alltag.

Das Problem ist, dass wir die meiste Zeit, die wir hätten um uns mal etwas für uns zu gönnen, am Handy verdaddeln oder scheinbar endlos dem Haushalt hinterher jagen.

weniger Handy

Ersteres ist ein Riesenproblem unserer Zeit. Ich erlebe immer wieder Eltern, die rund um die Uhr am Handy sitzen. Ich nehme mich nicht aus, ich bin da wirklich auch suchtgefährdet. Aber seitdem ich mir dessen bewusst bin, seitdem ich einige Apps gelöscht habe und mich doch wieder mehr einem Buch statt dem Handy widme, komme ich zum einen mehr zum Lesen, zum anderen lassen mich die Kinder auch mehr in Ruhe, wenn ich genau diese brauche. Weil sie das, was sie sehen, nachvollziehen können. Während wir beim Handy ständig abgetaucht sind in eine andere und für sie (und eigentlich ja auch uns) nachvollziehbare Welt.

Noch schlimmer – wir sind eigentlich oft erschöpft oder müde und anstatt diesem Impuls nachzugehen, hängen wir uns vors Handy. Was uns kein bisschen entspannt. Was uns kein bisschen zur Ruhe kommen lässt. Und wir wundern uns, warum unsere Kinder uns dann keine Sekunde in Ruhe lassen.

weniger Zeug

Der endlose Haushalt ist das andere Problem. Hier kann ich nur sagen: Wir haben grundsätzlich zu viel Zeug. Egal welche Wohnungen ich betrete – oft bin ich schockiert von der Menge an Zeug, von der Menge an Klamotten die ein Kind besitzt. Und es wundert mich ehrlich nicht, dass wir da nicht nachkommen. Ich habe 2017 schon sehr viel reduziert und tue es immer weiter. Klar sieht es hier manchmal aus wie Kraut und Rüben. Aber es ist auch recht schnell aufgeräumt. Weil es nicht zig tausend verschiedene Dinge sind, die herumfliegen. Allein darüber könnte man ein Buch schreiben.

mehr Freude

Was ich aber allen Eltern unbedingt empfehlen möchte ist: Tut mehr von den Dingen, die Euch wirklich Freude bereiten. Gestern Abend habe ich seit Ewigkeiten mal wieder Papier, Pinsel und Farben ausgepackt. Frau Klein hat sich sofort dazugesetzt und mitgemacht. Le ist die ganze Zeit herumgeschlichen und hat zugeschaut, wie ich das mache, was ich mache. Dann ist er in sein Zimmer verschwunden und hat in Ruhe gespielt. Auch nachmittags sitze ich derzeit öfter mit einem Buch vor der Nase da. Manchmal setzen sie sich dann mit ihren Büchern dazu oder sie gehen spielen. Manchmal stricke ich oder probiere ein paar kreative Ideen aus. Es fällt mir immer wieder auf, dass die Kinder am entspanntesten sind, wenn ich es im Tun auch bin. Und irgendwie ist das doch auch logisch, oder?

Unsere Kinder spüren dann einfach, dass wir etwas tun, was uns Freude bereitet. Womit wir zufrieden sind. Das macht sie auch zufrieden. Ihnen liegt sehr viel an unserem Wohlbefinden, deshalb sind sie auch besonders unruhig, wenn wir es sind. Wenn wir gestresst sind, genervt dem Haushalt hinterher jagen, Zwischen Emails und Nachrichten umherspringen.

mehr Flow

Viele glauben, dass das erst möglich ist, wenn die Kinder ein gewisses Alter haben, in dem wir ihnen erklären können, dass wir jetzt etwas anderes machen. Aber ich bin überzeugt, dass das auch früher geht und vor allem früher schon wichtig ist. Denn auch da spüren die kleinen Kinder, wie es uns bei den Dingen geht, die wir tun. So haben meine Kinder schon recht klein lernen dürfen, dass ich einfach eine Pause brauche, wenn ich mit Buch und Kaffee oder Tee am Boden sitze und lese. Sobald ich das Handy oder den Laptop vor der Nase habe, kommen sie dauerhaft und wollen etwas. Sobald ich die Kalligrafiefeder heraushole und damit am Tisch sitze, schauen sie mal neugierig, dann kommen sie selbst ins Tun.

Also überlegt doch mal, was Ihr gern tut. Was Euch Freude bereitet. Wobei Ihr vielleicht auch ein bisschen in einen Flow kommt? Es kann auch eine alltägliche Beschäftigung sein, die uns Freude macht, wenn wir sie einfach bewusst und gern machen. Ich zum Beispiel hänge gern Wäsche auf. Dabei kann ich wirklich gut entspannen. Seitdem ist das eine Hausarbeit, die mir nicht mehr zur Last fällt.

Also legt das Handy mal beiseite und tut etwas Schönes. Es kann ja auch “nur” eine Tasse Kaffee sein und dazu die Lieblingsmusik. Denn dieses scheinbare “Nichtstun” wird viel zu oft unterschätzt.

Was könntest Du morgen schon tun, was Dir Freude macht?

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Comments

  1. Danke für die Erinnerung! Du hast so Recht und die Erfahrung habe ich ja selbst schon gemacht, aber die guten Gewohnheiten.. 🙄 Warum ist das eigentlich an Neujahr und im restlichen Jahr so schwer?
    Deswegen nochmal herzlichen Dank ❤️ Auch für deine anderen klugen, tollen Artikel!
    Liebe Grüße,
    Gesa

    • Tja, das kenne ich auch zu gut. Aber je öfter wir uns daran erinnern (oder erinnert werden), umso mehr werden wir es verinnerlichen. Davon bin ich überzeugt. Danke Dir und Alles Liebe! Nadine

  2. Danke für diesen Beitrag. Unser erstes Kind kommt im März und ich darf mir ständig anhören, dass man ab dann keine Hobbys, keine sozialen Kontakte von vorher und kein eigenes Leben mehr hat. Man macht und tut nur noch für das Kind, bis es erwachsen ist. Im gleichen Zug wird sich dann bitterlich beschwert, dass das alles so ist. Ich frag mich da manchmal, wie ich überhaupt 30 werden konnte. Meine Eltern hatten so eine Einstellung nicht und auch ich teile sie nicht. Aber “das Kind ist ja noch nicht da, du wirst schon sehen…”. Deswegen danke, dass du mir zeigst, dass es definitiv auch anders geht und man dennoch noch Dinge machen kann, die einem Freude bereiten. Wege gibt es doch immer, etwas zu bewerkstelligen ohne in dauerhaftes Rumgemecker zu verfallen, wie sehr man sein Leben vermisst.

    • Ach schade, liebe Rabea, dass Du schon jetzt mit solchen Kommentaren konfrontiert bist. Da spricht oft sehr viel Unzufriedenheit aus den Menschen. Natürlich nimmt ein Baby viel Raum ein und braucht viel Zeit und Zuwendung, aber das heißt nicht, dass wir unser Leben komplett aufgeben müssen, bis die Kinder 18 sind. Vieles verändert sich, Prioritäten verschieben sich immer wieder, aber wenn wir gut auf uns achten und bei uns bleiben, dann können wir es dennoch schaffen auch unser “eigenes” Leben unabhängig vom Kind erfüllt zu leben. Und wie Du sagst – rummeckern ist überhaupt keine Lösung. Wege gibt es immer. Ich wünsche Dir dafür Alles Gute und noch eine schöne Schwangerschaft. Nadine

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