Alles okay, oder?

Woche drei des Coronawahnsinns begann turbulent. Miniklein streikte zusehends am Morgen. Frau Klein verlor nach und nach die Motivation für ihre Schulaufgaben. Und ich wusste plötzlich nicht mehr, wer eigentlich die Idee hatte, dass wir pünktlich um 9Uhr morgens am Tisch sitzen müssten.

Also stellte ich den Wecker aus und erklärte den Morgen zur Gemütlichkeit. So lagen wir heute Morgen zu viert im Bett und kicherten, bevor wir und nach und nach hungrig in die Küche wälzten. Frau Klein stellte fest, dass man auch im Pyjama lernen kann und ich versuchte mich zu erinnern, dass heute mein erster Arbeitstag im neuen Job war.

Und irgendwann lief dann alles ganz gut. Der große Le beschäftigte sich mit Flächenberechnungen und den vier Fällen. Frau Klein schrieb ein paar Sätze auf und Miniklein knetete uns leckere Kekse. Fast schon harmonisch.

Am Nachmittag versanken die Kids in ihre Spiele. Im Wohnzimmer wurden Höhlen gebaut, Hörspiele liefen hoch und runter, Miniklein beschloss die Fensterscheiben zu “putzen”. Und ich saß an meinem Schreibtisch im Schlafzimmer und konnte tatsächlich etwas arbeiten.

Ist doch alles gar nicht so schlimm, dachte ich. Druck rausnehmen. Einfach die Kinder bissl machen lassen, weniger vorgeben, alles fließt. Nebenbei ein paar Osterkarten gestaltet. Sauerteig angesetzt. Brot gebacken. Alles easy. Dachte ich.

Dann kam der Abend. Bewegungsmangel wurde im Wohnzimmer kompensiert. Müdigkeit wurde laut. Und dann verlor ich mal wieder die Nerven. Sehr sogar. Und das heute nicht zum ersten Mal. Die Abende sind der Staudamm im Coronafluss. Da zeigt sich dann auch, was in mir wirklich los ist. So vieles ist okay, so vieles kann ich lassen. Aber tief in mir drin ist Unruhe. Unsicherheit. Ungewissheit. Da werkeln viele Gedanken zur derzeitigen Situation. Die Ohnmacht, nichts tun zu können, als den Anweisungen von “oben” zu folgen. Und dabei irgendwie alles beisammen zu halten. Schon wieder einkaufen, weil drei Kinder fressen wie die Tiger. Das siebzehnte Ausmalbild ausdrucken. Erklären, warum es nach dem Frühstück keine Gummibärli gibt. Fälle und Nomen unterscheiden, Rechenfehler finden und dabei die eigenen Gedanken zu Ende denken wollen. Müssen. Dreizehn Mal am Tag die Küche aufräumen. Pflaster auf blutende Wunden kleben. Selbst genug essen und trinken. Streit schlichten. Über halblustige Witze lachen. Geburtstagsgeschenke heimlich organisieren und dabei den großen amadingsRiesen umgehen. Und atmen. Immer wieder atmen.

Ja, es ist alles okay soweit. Ich bin froh, dass die Kinder das hier eigentlich alles ganz gut mitmachen. Dass sie fröhlich sind und immer wieder plüschig. Und doch ist alles auch im totalen Ausnahmezustand. Und das spüre ich. Spätestens, wenn ich wieder die Nerven verliere. Aber zum Glück ist dann im Bett alles immer wieder gut. “Ich hab dich lieb, Mama.” Und dann steht die Welt für einen Moment still. Und alles ist okay. Jetzt. Hier.

Und morgen ist ein neuer Tag. Gute Nacht!

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