Mein Weg zum Glück

“Was meinst Du, was ist das eigentlich, dieses Glück?, was bedeutet es?” fragte mich der Liepste neulich, nachdem er diesbezüglich ein langes Gespräch mit seinen Geschwistern hatte. Ich überlegte. So aus dem Hut heraus erschien mir diese Frage ein etwas sehr weites Feld. Dennoch fiel mir spontan nur eine Antwort ein: Zufriedenheit.

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Glücklich bin ich, wenn ich zufrieden bin mit dem, was ich habe. Natürlich kann man Träume haben und Ziele. Aber glücklich kann man trotzdem sein. Ich stellte fest, dass wir oft das Glück als etwas ganz Großes betrachten, etwas fast unerreichbares. Denn wer behauptet schon glücklich zu sein. Das ist doch diese Ding da, dieses riesige, von dem alle reden und keiner hat es. Oder?

Natürlich hat Glück viele Facetten. Ich kann einfach zufrieden glücklich sein. Und ich kann total ausflippen vor Glück. So zum Beispiel, wenn ich gerade ein Kind geboren habe und die Hormone da auch noch mitmischen. Aber jetzt sitze ich hier, mein Baby ist fast ein Jahr alt und dennoch glaube ich glücklich zu sein. Ruhiger glücklich. Zufrieden glücklich.

Ich war überrascht wie einfach es mir in den Kopf kam, dass ich glücklich war. Wirklich. War es so einfach? Das Glück? 2016 war alles andere als einfach. Ich war (und bin) erschöpft und müde, oft überfordert, mit den Nerven am Ende. Ich trage Sorgen in mir, ärgere mich über Dinge. Aber grundlegend kann ich dennoch sagen: Ich bin glücklich. Das wiederum hat mich sehr glücklich gemacht.

Das müsste ich mal verbloggen, dachte ich. Aber einfach so schreiben: “Hey ich bin glücklich, und Ihr?” war mir zu banal. Also habe ich überlegt: Wie kam es eigentlich dazu? Denn wenn ich zurückdenke, so war ich ja nicht immer glücklich. Im Gegenteil, es gab wirklich dunkle Zeiten in meinem Leben. Mal mehr, mal weniger. Es gab wirkliche Tiefpunkte und steinige Wege. Letztendlich haben mich aber alle hierher geführt und noch dazu ein paar Strategien:

Vom Schmied und mir
“Jeder ist seines Glückes Schmied.” sagt eine alte Volksweisheit und ich finde, da ist etwas dran. Gerade mit dem Aufkommen der sozialen Netze und meinem Herumsurfen auf Twitter und Facebook habe ich gemerkt, wie viele Menschen diese Orte als Mülleimer und Jammerhaufen verwenden. Wie viele Menschen über Banalitäten schimpfen und damit die Verantwortung von ihrer eigenen Unzufriedenheit von sich schieben und den Menschen in ihrem Umfeld umhängen. Immer waren die anderen Schuld, über alles wurde gejammert und gemeckert. In vielen kleinen Leben schien nichts rund zu laufen und immer waren die anderen Schuld. Mich nervte das zuweilen und ich erkannte erstmals: Wenn ich immer nur über die anderen schimpfe, wie kann ich da zu mir zurückkommen und zufriedener werden? Ich beschloss also: Ich will das so nicht. Ich bin verantwortlich für vieles in meinem Leben. Natürlich kann ich keine Krankheiten oder Katastrophen vorhersehen. Aber für mein kleines Glück im Alltag bin allein ich selbst verantwortlich. Wenn ich unzufrieden war, so war das mein Problem und nicht das der Menschen da draußen. Und irgendwie war ich so bald auch viel zufriedener.

Tür zu
Und dennoch gab und gibt es Tage, da möchte ich da draußen alle anschreien. Da bin ich genervt von der Welt und der Menschheit. Aber ich habe gelernt: Da kann doch keiner was für und wenn ich das immer überall gleich ins Netz brülle oder meinen Freunden umhänge, dann ziehe ich eine Spur an Unzufriedenheit nach mir. Also sumpfe ich in meinem schlechten Tag umher, sehe zu, dass er vergeht und hoffe auf morgen. Und derweil lasse ich die Tür zu.

Alles fügt sich mit Geduld
Was ich auch über die Jahre immer wieder gemerkt habe (und was mich wirklich beeindruckt hat) war die Tatsache, dass sich alles ergibt zur rechten Zeit. Ich kann vieles auf Biegen und Brechen wollen. Aber wenn die Zeit nicht reif ist, dann wird es schief und krumm und halb und führt sicher nicht zum Glück. Natürlich hat man vieles in der Hand, aber ganz oft ist Geduld gefragt. Meine Jobs zum Beispiel habe ich immer dann bekommen, wenn die Zeit wirklich reif war, wenn die Unzufriedenheit im alten zu groß war. Und dann kamen auch die besseren, erfreulicheren Angebote quasi daher. Ob wir in Europa bleiben oder in die Welt hinaus ziehen nachdem der Liepste mit dem Doktor fertig war haben wir auch an einem Abend beschlossen, als es einfach an der Zeit war und wir spürten: jetzt braucht es die Entscheidung. Und dann war sie gut und fühlte sich richtig an. Und manches muss einfach eine Weile ruhen, wenn es zu verwoben ist. Dann sieht man wieder klarer. Das ist wie bei einem Puzzle, bei dem man erst am nächsten Tag wieder ein Teil findet, obwohl man am Vorabend die Kiste dreimal danach durchsucht hat.

Beim Namen nennen
Aber ich kann nicht immer nur warten. Manche Dinge, in die auch andere Menschen involviert sind, muss man einfach ansprechen. Das ist nicht einfach. Aber als ich wusste, dass ich Kinder will aber diesen Mann auch behalten, da war mir klar: Das sind fundamentale Dinge, über die müssen wir reden. Denn ich will nicht mit 38 feststellen, dass dieser Mann keine Kinder will. Auch das Thema Hochzeit kam von mir denn es war mir aus verschiedenen ganz unemotionalen Gründen wichtig. Hätte ich verträumt auf einen Antrag gewartet würde ich vermutlich heute noch warten. Ganz oft habe ich auch erlebt, dass mich so Gespräche im Nachhinein sehr beglückt haben. Wir haben die Tendenz um den heißen Brei herum zu reden weil wir uns vor der Auseinandersetzung scheuen. Doch je eher wir große Brocken ansprechen, umso besser und unbefangener können wir sie gemeinsam beleuchten als wenn sie sich in verschiedenen Köpfen schon eingefahren haben.

Ich selbst sein
Ich habe lange Zeit versucht dazuzugehören, mich anzupassen. Habe gehadert was an mir anders ist als an anderen. Wollte anders sein. Auch so sein wie die da. Oder die da. Habe an mir selbst herumgezupft. Aber mehr und mehr bin ich darauf gekommen, dass ich so bin wie ich bin ganz okay bin. Klar habe ich einige Macken abgelegt oder zur Ruhe gelegt. Ich grunze morgens nicht mehr jeden an sondern bleibe einfach still bis ich genug Koffein im Körper habe. Ich jammere weniger (siehe oben). Ich versuche und versuche und versuche mich sehr daran die Menschen in meinem Umfeld so zu nehmen, wie sie sind. Das ist schwer und herausfordernd. Aber ich war sehr verurteilend und von Vorurteilen behaftet, das wollte und will ich noch immer ändern. Das ist eine Baustelle. Aber grundlegend bin ich ich selbst. Und das tut gut. Unlängst meinte eine Leserin ich wirke so bescheiden feminin, dabei könnte ich doch viel energetischer und stärker sein. Aber ich spürte sofort: Nein, genau das hier bin ich und wenn das für manche zu leise scheint – so sei es. Aber alles andere bin nicht ich. Das habe ich zu lange versucht zu sein. Dazu gehört natürlich auch erst einmal herauszufinden, wer man ist. Aber das ist eine andere Baustelle, über die ich an anderer Stelle mal schreiben werde. Aber wenn ich merke, dass ich mich zu sehr verstellen muss, dann halte ich inne und ziehe mich zurück. Verbogen war ich lange genug.

Träume
Naja und zu guter letzt habe ich immer Träume im Kopf. Immer etwas wonach ich strebe. Das erfüllt mich. Das gibt mir immer wieder Motivation für die Dinge, die vielleicht nicht so viel Freude machen. Das lässt mich durch die grauen Tage kommen. Und ich weiß, was meine eigentlichen übergeordneten Ziele und Wünsche sind. Egal wie hoch, wie fern, sie beglücken mich.

Tja, so einfach gehts, das mit dem Glück. Ich habe noch kein einziges Buch gelesen über das Glücklichsein, obwohl es tausende gibt. ich glaube wirklich, dass es nicht viel braucht. Ich will kein Urlaub in der Südsee, kein Haus in der Karibik, keine Yacht, keine Villa, keine teuren Kleider und Gold im Ohr. Ich will dieses kleine bunte Glück. Und wenn ein Tag noch so grau ist, so kann ich mir sagen: “Ja, heute ist ein echter Misttag. Aber grundlegend und generell bin ich glücklich.” Wow.

Wie geht es Euch? Seid Ihr glücklich? Was bedeutet für Euch Glück? Was braucht Ihr zum Glücklichsein?

 

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Elsa und Pippi – Und dazwischen Du

Heute bist Du vier Jahre alt. Vier Jahre Frau Klein. Vier Jahre Kichererbse. Vier Jahre unendlich große, willensstarke Herausforderung.

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An dieser Stelle könnte ich schreiben wie lieb ich Dich habe, wie lustig und kunterbunt Du bist, wie kreativ und zum Knutschen herzig. Ich könnte schreiben wie sehr ich Deine Art Bücher selbst zu erzählen liebe, Deine Bilder, die Du malst und die Selbstverständlichkeit, mit der Du uns von Deiner imaginären Freundin Marina erzählst. Ich könnte erzählen wie lustig Du es oft mit Deinem Bruder hast, wie gut Ihr Euch ergänzt, vor allem im Spiel und wie unterschiedlich Ihr beiden seid. Das wäre die Erzählung von der Pippi, die Du so sehr liebst.

Aber da wohnt noch die Elsa in Deiner Brust. Die, die es schwer hat, die nicht sie selbst sein kann und sich von der Welt unverstanden fühlt. Die eine Schwere in sich trägt und erst frei ist, als sie in ihrem einsamen Eispalast in den Bergen lebt. Die Elsa, an die man nicht heran kommt, die eine Welt aus Eis um sich herum geschaffen hat, die man nicht zu durchbrechen vermag. Ja, auch das bist Du. Und das bricht mir das Herz.

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Denn ich sehe, dass Dir die Elsa zu schaffen macht.

Du möchtest so oft so gern den Eiskönigin-Film schauen und musst nach kurzer Zeit abbrechen, weil Du es nicht schaffst, nicht aushältst. Dann schwenkst Du zu Pippi um und fühlst Dich wohler. Im Leben kannst Du leider den Film nicht einfach abbrechen. Kannst den kleinen Bruder nicht aus- und wegschalten, dessen Dasein Dich so oft verzweifeln lässt. Du kannst den großen Bruder nicht einfach wegdrücken, der es besser drauf hat sich ins Licht, in den Vordergrund und ins Geschehen zu rücken. Der mit seinem Schulstart, der Begeisterung fürs Lernen und Lesen stets Aufmerksamkeit bekommt, weil er uns mit seiner natürlichen Begeisterung ansteckt.

Zu oft stehst Du daneben, dahinter, im Schatten. Und wenn Du Dich zeigst, dann kommen Deine Gefühle mit. Und die entgleiten Dir oft so wie die Kräfte der Elsa. Dann bricht ein Eissturm aus Dir heraus. Dann tobst und wütest Du. Und ich verstehe Dich, spüre Dich so sehr und kann es doch so oft nicht greifen. Weil es anstrengend ist, weil es zehrt. Weil alles, was wir geben, nicht genug ist. Weil Du anderes suchst, was wir scheinbar nicht geben. Weil Du versuchst zu kompensieren auf Arten, die uns nicht gesund erscheinen und wir Dir daher Grenzen aufzeigen, die Du nicht erträgst. Die dann Dein Bild von der Unverstandenen, Ungeliebten bestätigen.

Dabei verstehe ich Dich. Manchmal zu gut. Weil Du mein inneres Ich bist, wir zwei uns ähneln, dass es weh tut. Mir das Leben mit den drei Kindern aber oft in die Quere kommt. Dann ist da wieder Dein kleiner Bruder, der mich braucht. Der Große, der etwas wichtiges zu melden hat. Und manchmal die ganz normale Erschöpfung meiner Rolle.

So bleibt mir nur Dir heute zu wünschen, dass sich die zwei Herzen in Deiner Brust bald wieder verschmelzen. Zu weder Pippi noch Elsa, aber zu der Frau Klein, die ganz wunderbar ist so wie sie ist. Wenn sie zufrieden und in ihrer Mitte ruhend einfach Kind ist, einfach Kichererbse, einfach groß und klein und kunterbunt. Ich liebe Dich ganz genau so, auch wenn es mir manchmal schwer fällt, das zu zeigen und Du unter Tränen rufst: Du sollst lieb zu mir sein! Ganz in mir drin bin ich das. Glaub mir.

Deine Mama

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Friday Fives

Die erste wirkliche Alltagswoche dieses Jahres ist geschafft. Sie war noch sehr holprig, da sie mit einem 2,5-stündigen Zahnarztbesuch anfing und erkältend dahinschlich. Aber dennoch bin ich für vieles dankbar…

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1 – Spielraumauftakt. Am Dienstag haben meine Spielräume wieder begonnen. Ich war vom Montag noch sehr ausgelaugt und müde und musste mich erst wieder hineinfinden, habe mich beim Herrichten schwer getan und war etwas unrund. Aber dann war es so schön, es gab so viele schöne Momente mit den Kleinen, die mich so beglückt haben. Und die Eltern schienen auch recht zufrieden und entspannt. Ich freue mich wieder über diese Arbeit.

2 – Babysitter. Diese Woche lag auch ein wichtiger Termin an, der mit Kind schlecht machbar war. Leider auf dem Tag, an dem der Liepste während seiner Karenz arbeiten geht. Also musste Miniklein bei seinem kleinen Minifreund und dessen Papa bleiben und das hat wieder super funktioniert. Für diese kleinen Möglichkeiten und Freiräume bin ich unfassbar dankbar, sie erleichtern das Leben ungemein.

3 – Austausch und Hilfe. Es gibt auf Facebook ja unzählige Gruppen zu unzähligen Themen. Aber es gibt für mich nur eine, zu der ich immer wieder zurückkehre, die mir wirklich als einzige hilft und wo der Austausch achtsam und respektvoll ist. Das ist die RIE-Mindful Parenting Gruppe, in der ich immer immer Hilfe finde, wenn ich sie brauche. Und da wir seit nun fast einem Jahr so dermaßen anstehen mit einem Thema, habe ich dort mal wieder einen Hilferuf hinausposaunt und wirklich wertvolle Inputs bekommen. So so dankbar.

4 – Ideensprudel. Zeit zu haben zu arbeiten ist wirklich extrem bereichernd und wertvoll. Vor allem wenn die Arbeit Spaß macht. Aus mir sprudeln die Ideen mal wieder nur so heraus. Das tut so gut und ich bin dankbar, dass da in mir ein Faß steckt, dass nie leer wird.

5 – Freundschaft. Diese Woche wurde ich für einen Artikel über Freundschaft befragt und dabei ist mir meine längste Freundin mal wieder sehr bewusst geworden und ich habe gesehen, was ich an ihr habe. Bin ich dankbar dafür, dass es sie in meinem Leben gibt!

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