Realitätscheck

Unlängst wurde ich gefragt, ob ich überhaupt noch blogge. Ja, es war lange ruhig hier. Corona hatte meinen Kopf komplett leer gefegt. Nichts, rein gar nichts wollte aus mir heraus fließen. Selbst für die “Mit Kindern Wachsen” Juliausgabe brachte ich keinen Artikel zustande. Doch jetzt langsam merke ich, dass alles wiederkommt und wie sehr ich das Schreiben vermisst habe. Im Oktober wird es auch wieder einen Artikel von mir in der MKW geben. Tut das gut!

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Mutter und sie sagte: “Nadine, kannst du mir einen Realitätscheck geben? Muss ich wirklich alles schaffen? Muss ich alles allein schaffen?” Auch sie ist getrennt vom Vater der Kinder und bestreitet den Alltag großteils allein mit den Kindern. Jedes zweite Wochenende hat sie frei. Frei. Das klingt, als wäre sie dann vogelfrei und würde nur jubilieren und feiern. Aber dieses “frei” nach zwei Wochen mit den Kindern rund um die Uhr ist auch ein hektischer Versuch Ruhe, Freunde, Self care, Hobbies etc. unterzubringen. Meist fällt man nämlich erstmal auf’s Sofa und weiß gar nicht wo anfangen. Da fällt Stress und Dauerbeschallung ab, da wird es still in einem. Das ist oft der Moment, in dem ich merke, wie viel das gerade wieder war.

Freunde und Verwandte zeigten der Mutter auf, sie habe das ja so gewollt und jetzt müsse sie das auch schaffen. Immerhin habe sie ja jedes zweite Wochenende frei. Da könne sie sich doch erholen. Da schoß eine Wut in mir herauf, dass ich am liebsten aus dem Fenster gebrüllt und die Welt gerüttelt hätte. Denn wenn wir nicht aufhören damit, Frauen zu sagen, was sie wann und am besten auch noch wie zu schaffen hätten, dann wird sich auch nichts daran ändern, dass die Frauen erschöpft daheim sitzen, viel von der Kinderbetreuung übernehmen (weil sie ja EH daheim sind) und sich mehr und mehr von ihren Männern entfernen, die brav ihrem Job nachgehen, draußen in der Welt unterwegs sind, unter Menschen sind und am Wochenende als die Helden gefeiert werden, wenn sie ihr Kind am Spielplatz anschaukeln.

Ich bin jetzt fast 7 Monate allein mit den Kindern. Ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, dass ich sehr viel mehr mache als vorher, wenn die Kinder bei mir sind. Ja, abends habe ich erst Feierabend, wenn alle drei schlafen, und das ist derzeit oft sehr spät. Morgens bin ich es nun, die den Tag ins Rollen bringt. Aber dazwischen war ich schon immer großteils zuständig. Und weil mir suggeriert wurde, dass sich das so gehört, habe ich auch nie hinterfragt, ob das nicht anders sein sollte. Stattdessen bekam ich Dinge zu hören wie “Naja, dann bist du jetzt halt mal ein paar Jahre Hausfrau, ist das so schlimm?” Ich werde verrückt, wenn ich auf diese Frage antworten soll.

Nein, ich habe lange selbst nicht gecheckt, wie schief die Schieflage war, die sich in unserer Beziehung (und in so vielen anderen Beziehungen auch) eingeschlichen hatte dadurch, dass ich hauptsächlich für die Kinderbetreuung da war und er arbeitete. Eine Schieflage, die uns aufgefressen hat, weil ich lange, schon lange nicht mehr die lustig-fröhliche war, die ich eigentlich tief in mir drin bin und jetzt – endlich – wieder werde. Weil sich eine Distanz auftut, wenn einer im Leben draußen unterwegs ist und eine nur drinnen im Alltag rudert. Weil da Ärger und Traurigkeit nagen und wachsen, wenn man das Gefühl hat viel (zu viel) zu tun aber das doch zu sollen und zu müssen und um Himmels Willen nicht jammern zu dürfen. Diese Erkenntnisse tun weh, verdammt weh.

Wenn ich gefragt werde, was ich im Sommer mit den Kindern mache, dann sage ich “Ich fahre mit ihnen zwei Wochen nach Deutschland” und werde angelächelt. “Das ist doch schön.” Wenn der Papa mit den Kindern eine Woche zelten fährt, wird gesagt: “Woah echt? Mit drei Kindern allein?” Und dann möchte ich schon wieder brüllen.

Nein, so lange die Väter gefeiert werden für alles, was sie tun und von Müttern nur erwartet wird, was sie ja sowieso tun, so lange wird sich nichts ändern in unserer Gesellschaft. Da können wir von Feminismus und Gleichberechtigung reden wie wir wollen. Denn auch wenn endlich viele Mütter aufwachen und Bücher wie “Raus aus der Mental Load Falle – wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt” * von Patricia Cammarata hier aufzeigen, was wo schief läuft, so liegt es eben auch an der Gesellschaft um uns herum, hier mit Ansichten und Einstellungen zu unterstützen und nicht noch oben auf die Trigger und wunden Punkte zu drücken.

Also, hier ist der Realitätscheck: Nichts müssen wir! Genug sind wir! Mehr als genug. Und wir tun vieles, das gut und auch gern. Das letzte, was wir brauchen, wenn wir nicht mehr weiter wissen, ist ein Kübel kaltes Wasser, der uns zeigt: Und das auch noch!

Der Mutter habe ich gesagt: “Es ist viel, verdammt viel. Und es ist genug, was du tust. Du darfst sagen: Mehr geht nicht mehr.” Dann kamen die Tränen und dann war sie dankbar, einfach nur dafür.

Und auch in mir steigen die Tränen auf. Da ist viel Ärger. Viel Wut. Und viel Schmerz, durch den ich gegangen bin und immer noch gehe. Aber ich weiß, dass der Weg richtig ist und vor allem ist es meiner. Niemand ist ihn vor mir gegangen. Und niemand wird ihn genau so gehen. Und deshalb hat mir auch niemand zu sagen, was ich auf diesem Weg zu schaffen und tja, selbst zu meistern hätte. Niemand!


Buch "Es ist genug, Mama"

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Warum ich Kinder habe

Warum ich Kinder habe

Coronawoche gefühlt 8000. Und im Internet geht es heiß her. Eltern, die die letzten Wochen erschöpft gegen die Wand gefahren sind, bäumen sich auf. Ihr Ziel: Aufzeigen, was Eltern leisten. Sie tun das, in dem sie Rechnungen schreiben und dem Staat vorlegen. Weil Hilfspakete geschnürt werden, die allen helfen, nur nicht den Eltern, die gerade Dreifaches leisten.

Man kann von der Art und Weise dieser Aktion halten, was man will. Aber natürlich gibt es da jetzt die anderen Fronten, die rufen: “Seid Ihr völlig verrückt geworden?” Nur verpacken sie das hübscher in Aussagen wie: “Ihr habt wohl den Schuß nicht gehört? Warum habt Ihr denn überhaupt Kinder bekommen?” Und das ist der Moment, in dem ich die Wände hochgehe.

Ich will Euch mal sagen, warum ich Kinder habe. Einfach, weil ich immer Kinder haben wollte. Ja, so einfach ist das. Und ich sehe nicht ein, das näher erklären zu müssen. Ich halte es für äußerst natürlich, dass Menschen Kinder bekommen möchten. Genauso für natürlich halte ich es, dass es Menschen gibt, die das nicht wollen. Niemand, NIEMAND muss sich für diese persönliche Entscheidung rechtfertigen. Ich brauche keine Erklärung, warum ich ein Kind in die Welt setzen will. Ich glaube gar nicht, dass es die überhaupt gibt, außer “Ich wünsche mir das.”
Dann gibt es die, die keine Kinder wollten, aber aus Versehen welche bekommen haben. JA, auch das gibt es und die hat man genauso wenig zu verurteilen wie die, die welche haben wollen, aber nicht können. Niemand hat hier über irgendwen zu urteilen.

Dass Menschen aber immer wieder andere für ihr Tun und Handeln und Denken verurteilen, das kann ich nicht verhindern. Niemand schafft das, weil Menschen so sind. Und am liebsten verurteilen sie die anderen, weil sie sich sonst mit sich selbst beschäftigen müssen. Und das kann weh tun.

Was mir aber weh tut und noch viel mehr, was mich rasend macht, ist, was dieser Aufschrei dieser “Was habt Ihr denn geglaubt, was Kinderkriegen ist?” Fraktion jetzt wieder mal aufzeigt: Wir Eltern dürfen nicht schwach sein. Wir dürfen nicht erschöpft sein und überlastet und überfordert. Wir müssen stark sein. Elternsein war eine klare Entscheidung und die macht gefälligst Spaß. Punkt. Und genau DAS ist das Problem unserer Gesellschaft. Eine Mutter darf vielleicht mal fertig und übermüdet sein, aber sie darf sich darüber nicht beschweren. Hat sie doch so gewollt. Eine Mutter muss immer mit rotzverschmierten Klamotten herumlaufen und dabei freudig Biogemüse kochen. Das ist ihre Aufgabe. Dafür hat sie sich entschieden, als sie Kinder wollte. Aber sie soll sich bitte nicht aufregen und sagen, sie kann nicht mehr. Weil das ist doch ihre eigentliche Berufung. Glücklich schätzen kann sie sich, diesem Wunder Leben beizuwohnen! 

Und deshalb machen wir das auch und tun und tun und tun. Weil uns vermittelt wird: Das ist Euer Job! Das habt Ihr so gewollt! Und so muss das sein. Interessiert uns nicht, was ihr alles gleichzeitig macht. Das bisschen Haushalt neben dem eh nur Teilzeitjob. Und was glaubt Ihr, wie unsere Eltern das früher geschafft haben? Nach dem Krieg und auf dem Feld. Und da steige ich völlig aus der Diskussion aus, da bin ich nur noch fassungslos. Denn dieser Generationenvergleich hinkt an so vielen Stellen, dass mir schwindlig wird, wenn ich anfangen soll den aufzudröseln. Und ehrlich: Wenn Eure Waschmaschine kaputt ist, dann hilft es Euch auch sehr, wenn jemand sagt: “Stell Dich nicht so an, geh halt an die Donau mit dem Waschbrett, so wie früher. Die Leute haben das auch geschafft.” Und das schau ich mir dann an. 

Nein, unsere Eltern haben das früher so “super” geschafft, weil auch ihnen schon vermittelt wurde – und ihnen noch viel mehr: Gejammert wird nicht! Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration durfte nicht jammern. Da hatte man dankbar zu sein für alles, was man hatte und mehr sollte man sich um Himmels Willen nicht einbilden. Und nein, die haben das eben nicht super geschafft. Die hatten genauso wenig Unterstützung von der Gesellschaft. Die waren genauso fertig und sind es oft heute noch. Und so bin ich aufgewachsen in einer Welt, in der man schließlich gemacht hat, was zu machen war. So, wie es verlangt war. Ohne zu jammern. Unsere Eltern waren auch immer so super glücklich und entspannt dabei, gell?

Und heute habe ICH ein Problem damit mal NICHTS zu tun, mal die Füße hoch zu legen und mir zu erlauben ein Buch zu lesen, anstatt das Bad zu putzen. Und ja, wenn ich dann ins Bad komme, dann finde ich das auch nicht schön und so bin ich in einem ständigen Konflikt mit mir selbst. Aber vor allem in einem mit meinem inneren Antrieb, der da – aus der Vorgeneration infiltriert – immer sagt: “Es gibt noch was zu tun, sei nicht so faul!” Und ich mache natürlich immer weiter. Warum? Weil ich meine Kinder liebe. Weil ich keine Erklärung brauche, warum ich sie bekommen habe. Und weil ich dafür nichts zurückhaben will und keine Rechnung stelle. Aber was ich endlich GOTTVERDAMMTENDLICH nochmal will ist, dass eine Mutter sagen darf: Ich kann nicht mehr. Das ist zu viel. Ich bin fertig. Ich bin am Ende. Und Väter übrigens auch. Und dass wir endlich endlich endlich begreifen: Wir sind genug. Denn in dieser Gesellschaft sind wir nie genug. Zu wenig im Job, weil ständig mit den Kindern daheim. Zu wenig bei den Kindern, weil wir müssen ja unbedingt arbeiten gehen. Zu wenig für Freunde da, weil wir schon wieder zu müde sind für einen Abend unterwegs. Weil alle da draußen immer nur denken: Sie sind ja Eltern geworden, sie haben das ja so gewollt. Sollen sie mal nicht jammern. 

Dabei ist es einfach verdammt viel, was wir machen und leisten. Vieles und noch viel mehr, was aber da draußen die nicht sehen, die uns kopfschüttelnd beobachten, wenn das Kind im Supermarkt aber WILL WILL WILL brüllt. Und weil wir jetzt, zu Coronazeiten, einfach komplett überfordert sind. Weil wir eben noch viel mehr leisten, rund um die Uhr leisten, wenn Schulen, Kindergärten und Spielplätze gesperrt sind. Und jetzt, wo alles nach und nach gelockert wird und sich niemand mehr auskennt, wer was wann wo darf und was nicht und welche Regeln wo gelten und auf jede und jeden mit dem Finger gezeigt werden, die es anders und nicht regelkonform machen, da ist man noch viel mehr am Sand.

Und warum das so wichtig ist, dass wir als Eltern mal sagen wollen, dass wir nicht mehr können, ohne gleich die moralische Keule im Gesicht zu spüren? Weil wir total zusammenbrechen, wenn wir uns das selbst nicht eingestehen dürfen. Wenn wir immer den “Muss ja” Teufel im Nacken sitzen haben. Der macht uns fertig. Aber so richtig. Die Gesellschaft macht uns fertig. Denn die sieht nicht, die fordert nur. 

Ich sag’s Euch, ich kann nicht mehr. Corona macht mich auf so vielen Eben fertig. Ich weiß nicht, wie die Schule wird nächste Woche, wie sich Miniklein im Kindergarten tut, in dem so vieles jetzt anders sein wird als vorher. Ich muss arbeiten gehen und dort zusehen, dass ich Sollen und Müssen gut schaffe, während der Kopf unter ständiger Anspannung steht. Weil normal funktionieren in diesen Zeiten einfach eine ganz andere Liga ist. Ich weiß nicht, wie der Sommer wird, der 9 Wochen lang fragt: “Was machen wir heute schönes bei 39Grad in der Stadt?”. Ich weiß nicht, wie der Schulstart im Gymnasium für den Großen wird, weil sowas ohne Corona schon irre ist. Abgesehen von der Mental Load, weil hier die Kinder auch mal zum Zahnarzt, zum Augenarzt müssen, ständig neue Schuhe, Jacken und Hosen brauchen und momentan jeder Ausflug ein logistisches Kleinunternehmen darstellt.

Ich kann nur mit diesem Strom schwimmen und Tag für Tag, Woche für Woche neu eintauchen. Ich habe zum Glück Ressourcen gefunden, die mir dabei helfen. Aber wenn ich nicht vorsichtig bin und wenn ich mir nicht immer wieder sage: ich darf müde sein. Ich darf heute genervt sein. – dann kann ich nicht mehr weiter machen.

Also hört auf Eltern zu fragen, warum sie denn Kinder bekommen haben, wenn sie jetzt so überlastet sind. Lasst Eltern auch mal erschöpft sein und steigt vielleicht selbst mal aus dem “Immer nur Müssen” Zug aus. Der tut nämlich niemandem gut. Unser Job hier ist mindestens so systemrelevant wie der von LehrerInnen und Pflegepersonal und SupermarktmitarbeiterInnen. Wir sind nämlich oft alles in einer Person. Danke!

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WMDEDGT – Coronawoche irgendwas

WMDEDGT :: Coronawoche irgendwas

Der Wecker klingelt um 5.55Uhr. Aber ich bin schon vorher wach. Eigentlich war ich gefühlt die ganze Nacht wach und habe öfter nachgesehen, ob das Klo noch da ist. Und die Uhr läuft nachts auch wie sie soll. Ich habs für Euch überprüft. Derzeit “trainiere” ich mich zur Frühaufsteherin mit Hilfe des Buchen Miracle Morning*. Warum? Weil ich die Stille am Morgen genießen möchte, weil ich Zeit für mich haben möchte. Das habe ich mit Corona und älter werdenden Kindern einfach nicht, denn die sind auch abends lange wach hier so ohne Schule. 

Und warum nicht 6Uhr? Weil 5.55Uhr einfach eine u(h)rschöne Uhrzeit ist. Vielleicht werde ich aber auch gerade einfach ein bisschen bekloppt. Ich ziehe mich also an und wanke in die Küche. Dort liegt schon mein Tagebuch gähnend herum und ich beginne meine Morgenseiten. Das sind meist 3-4 Seiten Tagebuch, dann noch eine Seite Freude und Dankbarkeit. Danach bin ich halbwegs wach. Ich warte auf das Erwachen des jüngsten Kindes, das mich meist halb 7 in der Küche erwischt und müde sagt: “Ich will aber noch mit Dir in Dein Bett kuscheln!” Und dann muss ich da hin zurück mit ihm. Heute aber nicht. Er schläft heut mal, also setze ich mich hin und meditiere noch ein paar Minuten so ganz in Stille. Herrlich ist das. 

Kurz vor 7Uhr gehe ich hinauf aufs Dach. Die Kinder wissen Bescheid, ich habe ihnen das am Vorabend gesagt. Am Dach gibt es nämlich zweimal die Woche morgens Tai Chi. Das ist der Vorteil(naja einer von vielen) in diesem Haus, da gibt es in solchen Zeiten viele Angebote von Menschen hier, die etwas können und gemeinsam machen wollen. Eines ist eben Tai Chi und das wollte ich schon immer ausprobieren und ich muss dafür jetzt nicht mal das Haus verlassen. Herrlich ist auch das. Es windet oben und das Gras ist nass. Aber wir bewegen uns sanft dem graublauen Himmel entgegen. Die fließenden Bewegungen tun gut. Am Ende bin ich etwas erfroren, aber hellwach. Als ich heim komme, sitzen die drei Nasen vor dem ipad. Aber diesen Preis zahle ich für so einen Start in den Tag. 

Zum Frühstück gibt es frisch gebackene Waffeln und Kaffee. Läuft, würde ich sagen. Dann kommen die Schulsachen auf den Tisch. Der große Le stirbt einen Heldentod, weil er einen Aufsatz schreiben soll. Ich überrede ihn, mit ein wenig Mathe zu beginnen, um wach zu werden (ja, bei ihm ist Mathe ein Kinderspiel). Die Tochter sucht stöhnend und ächzend ihre Zettelwirtschaft hervor. Ich freue mich jetzt schon auf ihr Chaos, wenn sie mal selbst für alles verantwortlich ist. Ich selbst habe den Laptop vor der Nase und würde gern etwas arbeiten. Aber bald schon begleite ich Bruchrechnungen beim Großen und Umkehraufgaben bei der Tochter. Nebenbei muss ich zugeben, dass ich Dekagramm als Einheit nicht kenne und auch nicht kennenlernen will, denn mein Kopf platzt mir sowieso gleich und wozu hat das Kind einen österreichischen Vater, den es auch fragen kann? Der Kleine Herr Miniklein will eine Perlenkette fädeln und braucht Hilfe. Mein Kaffee schwindet zusehends. Amoklaufen klingt verlockend. 

Der Große schafft irgendwie doch noch seinen Aufsatz, nachdem ich ihm vorschlage den am Computer zu tippen. Und plötzlich ist er stolz auf seine 196 Wörter. Das ist auch ungefähr die Menge an Nerven, die ich an diesem Vormittag verloren habe. Wie viele Nerven verliere ich in einer gesamten Pandemie? Erkläre bitte den Rechenweg. Male das Ergebnis bunt aus. 

Gegen Mittag telefoniere ich mit einer Freundin und wir tauschen ein bisschen Coronafrust aus. Das tut gut. Die Kinder sind unrund und laut, das ipad scheint ihre Flucht vor allem zu sein momentan, aber dieses Mal halte ich dagegen. Nach dem Essen sind dann alle etwas ruhiger und ich kann mich noch kurz auf ein Meeting vorbereiten. Dann kommt der Papa der Kinder und übernimmt die Betreuung. Ich kann mich in eine leerstehende Nachbarwohnung flüchten, die ich derzeit als Büro nutzen darf. (Noch so ein Vorteil hier im Haus)

Hier habe ich mein erstes Arbeitsmeeting online seit meinem Arbeitsantritt im April. Spannend. So viel Physik, dass mir bald wieder der Kopf platzt. Ich verstehe kaum was, aber das muss ich auch nicht, bin ja mehr für die Kommunikation zuständig. Und letztendlich tut es gut, mal die anderen Menschen zu sehen, für die und mit denen ich arbeite. 

Nach dem Meeting brauche ich wieder Essen und arbeite weiter. Ich spüre zwar die Müdigkeit der letzten Nacht, gleichzeitig aber richtig gute Arbeitsenergie. Dieses frühe Aufstehen kann schon was. 

Um 18Uhr übernehme ich wieder die Kinderbetreuung und der Abend wird seinen Lauf nehmen. Abendessen, Kinder schlafen legen und vermutlich und sehr sicher werde ich auch nicht alt heute. Manchmal drehen wir abends noch eine Runde mit den Inline Skates, mal sehen wer von uns dafür heute noch Energie aufbringen kann. Eine Runde staubsaugen wäre auch angebracht. So sind sie, diese Coronatage. Blauer Himmel und graue Wolken :: alles dabei.

Wie geht es Euch in dieser irren Zeit nach so vielen irren Wochen?

Mehr Erzählungen eines ganz normalen 5. im Monat gibt es drüben bei Frau Brüllen unter dem Sammeltitel WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag).

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