IMG_5753Der Herbst hat sich eingeschlichen, ohne dass wir es bemerkt haben. Erst jetzt, wo wir uns wieder bei Tee in wärmere Gewänder kuscheln, die sich Blätter an den Ästen im Wind festkrallen und orange Kugeln im Gemüsebeet leuchten, stellen wir fest: Der Herbst ist da!

Ich liebe den Herbst, aber es gibt unzählige Menschen, die ihn nicht mögen. Weil er das Ende des Sommers und der Sonne bedeutet. Aber ob Laubliebhaber oder nicht – etwas Wohliges, etwas Seelenbalsamierendes, können wir in dieser Zeit alle gebrauchen.

Deshalb lade ich Euch ein zu einer Wertschätzungsrunde. Ob in der Familie, nur zu zweit, mit Freunden oder zu zwanzigst – erzählt Euch einander, was Ihr wirklich und wahrhaftig aneinander schätzt.

Wir haben das im Wohnprojekt schon öfter getan, damals, als wir noch lausige 14 Köpfe waren, die das Projekt in die Startbahn trugen. Es war keine leichte Übung zu Beginn, aber am Ende eine echte Seelenmassage.
Dazu saßen wir alle im Kreis und nach und nach setzte sich eine Person in die Mitte. Zwei Minuten lang hatten nun alle Zeit, dem-/derjenigen in der Mitte zu sagen, was sie an ihm/ihr schätzen. Da kommt vieles. Von “Dein Engagement im Projekt” über “Deinen Humor” bis hin zu “Deine Ehrlichkeit”, “Deine Direktheit in der und der Angelegenheit.”, “Deine Art wie Du mit der und der Situation umgegangen bist.” etc.

Das Besondere daran: Man kann, muss aber nichts sagen. Daher kann die Person in der Mitte davon ausgehen, dass die, die etwas sagen, dass auch wirklich und wahrhaftig meinen.

Es ist gar nicht so leicht da zu sitzen und quasi nur Blumen geschenkt zu bekommen. Eine nach der anderen. Ich bin sicher knallrot geworden. Aber es tut gut. Und das darf es. Denn: Am Ende waren ALLE dran, alle tragen einen bunten Strauß Blumen vor sich her, es herrscht eine wundervolle Stimmung und es bringt unglaublich viel Energie in so eine Gruppe.

Mit mehr als 15 Leuten ist es schon recht schwierig, diesen Kreis zu veranstalten. Weil die Zeit zu lang wird. Da empfiehlt es sich dann, einfach 10-15 Minuten Zeit zu geben, in denen alle im Raum umher spazieren und ihre wertschätzenden Worte auf Post Its schreiben und diese der Person auf den Rücken kleben. Da weiß man dann oft hinterher nicht, was von wem kam. Aber darum geht es auch gar nicht.

Komplimente zu machen ist keine leichte Sache. Sie zu bekommen auch nicht immer. Dabei ist es die einfachste Art, jemandem ein Geschenk zu machen. Wenn sie echt sind. Und ehrlich.

Ich merke das, wenn sich Menschen hinsetzen und mir eine email schicken, nur um mir zu sagen, was sie von meinem Blog halten. Das ist Bemühung, die jemand nur macht, wenn er es wirklich meint. Genauso finde ich es wichtig, Herrn Groß zu sagen, wie wunderbar er eine gewisse Situation gemanagt hat. Wie er mit den Kindern umgeht. Oder auf welche Art und Weise er für mich da ist, mich stärkt.

Weil das alles nicht selbstverständlich ist. Und weil es mehr wiegt und länger nachhallt als ein “Super! Toll gemacht!”

Auch unsere Kinder verdienen diese Wertschätzung. Daher kann man solche Runden auch einfach dem gemeinsamen Essen anhängen.

Was war das letzte Kompliment, was Euch jemand gemacht hat? Welche wertschätzenden Worte hallen noch immer in Euch nach? Was motiviert Euch wirklich zum Weitermachen in dunkleren Momenten? Erzählt!

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2 Antworten

  1. Die Tochter hat dieses Spiel vom Englischcamp mitgebracht. Es hiess dort “Warme Dusche”. Und sie hat gesagt, es fühlt sich wunderbar an, wenn man in der Mitte sitzt und alle was tolles über einen sagen.
    Über deine Fragen muss ich ein wenig nachdenken (grad schreit ein zahnendes Baby im Manduca an mir. Da geht das nicht so gut)

  2. Ich liebe an meinem Großen (8), dass er eine enge Beziehung zu seinen Gefühlen hat u sich nicht scheut, diese zu zeigen. Als sein Bruder zur Welt kam, lag er abends im Bett u war bedrückt … Ich habe mich dazugelegt u dann sagte er, dass er seine Schwester nun nicht mehr so lieb habe… Was für ein Vertrauen! Ich habe ihm gesagt, dass man seine Liebe nicht teilen muss, sondern dass jedes Baby mit einem Rucksack voller Liebe ankommt. Und tatsächlich: einige Tage später sagte er, dass mit seiner kleinen Schwester nun auch wieder alles im Lot sei und er genau doppelt so voll von liebe sei wie zuvor. Das war ja nun nicht ein direktes Kompliment an mich, aber eine wunderbare Situation, weil ich merke, dass mein Sohn ein sensibles, liebevolles und mutiges Kind ist.

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