Elefantenkacka im Wohnzimmer

IMG_5887Als ich vor 4 Wochen Sommerferien mit beiden Kindern daheim stand, hab ich eine Liste an Aktivitäten angelegt. Eine für draußen. Eine für drinnen. Einfach, weil Herr Klein sich hin und wieder schwer tat, sich selbst eine Beschäftigung zu finden. Und weil ich selbst auch mal wieder neue Dinge ausprobieren wollte. Ich war voller Ideen und Tatendrang. Nach 2 Tagen hingegen war ich frustriert und schob die Listen in die Tiefen unserer Papierunordnung. 

Was war schief gelaufen?

Ich hatte Herrn Klein begeistert meine neuen Spielideen präsentiert. Dabei hatte meine eigene Begeisterung uns beide überholt. Ich hatte zwar zwischendurch gebremst, eingeparkt und das Steuer an Herrn Klein übergeben, dabei aber vergessen zu erwarten und zu akzeptieren, dass er eventuell gar nicht weiterfahren wollte. Dass ihn das, was ich da angeboten hatte, nicht interessierte. Zumindest nicht heute. Nicht jetzt.

Erst an dem Tag, an dem eine Tüte Mehl und nichtvorhandene Eier zu einem intensiven, langanhaltenden Spiel führte. Da hatte ich die Lektion neu aufgewärmt verstanden und verdaut. Bisher war nämlich vieles von dem, was ich für spannend und toll hielt an Herrn Klein abgeprallt. Weil ich es ihm zeigte, weil es so mein Spiel war. Nicht sein.

Als Erwachsene kommt uns das innere Kind oft abhanden. Die Freude am Spiel beschränkt sich meist auf eine seltene Runder „Siedler von Catan“ mit Freunden und Bleigießen zu Silvester. Wenn wir dann Eltern werden, kehren wir zum einen in unsere eigene Kindheit zurück, zum anderen sind wir selbst überwältigt von all dem, was es heute so zu spielen gibt. Und dann wollen wir loslegen. Die Hauptbeschäftigung von Kindern ist Spielen. Und wir spielen mit. Begeistert. Ausdauernd. Führend. Und freudiger als das Kind selbst.

Denn das Spiel der Kinder ist am wertvollsten, wenn es selbst initiiert, frei und offen ist. Wenn so wenig wie möglich vorgegeben ist und so wenig wie möglich eingegriffen wird. Sprich – wenn wir uns zurückziehen und sie tun lassen. Denn dass Kinder Spielgefährten brauchen, dass kommt erst später. Im Kindergarten. Und dann suchen sie die sich auch. Natürlich wollen sie das auch vorher hin und wieder – aber das äußern sie auch. Klar und deutlich. Und dann ist es auch ok dass wir mitspielen. Nach ihren Regeln und ihren Vorstellungen. Dann sind die Schienen der Holzeisenbahn eben Futter für die imaginären Hasen, dann gehen Spielzeugautos schlafen und Tiger wohnen am Bauernhof. Da wird ausgeflippt, wenn man die Autos falsch herum einparkt, wenn man den falschen Wagon an an die falsche Lok hängt. Das gehört dazu. Denn das Spiel gehört den Kindern.

Wie wir richtig spielen, richtig Türme bauen, richtig den Stapelturm zusammenbauen ist in unseren Köpfen. Und herzlich egal. Denn Kinder machen das. Irgendwann. Sie sehen doch jeden Tag den Stapelturm richtig zusammengebaut im Regal stehen, bevor sie ihn auseinandernehmen und die Teile kreuz und quer zurück stapeln. Oder an Fische verfüttern. Das brauchen wir ihnen alles nicht zeigen. Viel zu oft habe ich beobachtet, wie schnell Kinder das Interesse an einem Spiel verlieren, weil jemand eingreift um ihnen zu zeigen, wie man eigentlich damit spielt.

Erst heute, im Kindergarten (der Vorteil, wenn die Eingewöhnung länger dauert – man kann so herrlich viel Spannendes beobachten): Herr Klein schnappt sich ein Kartenspiel aus dem Regal. Herr Klein kennt keinerlei Kartenspiele oder Spiele mit Regeln. Er hat ein paar Versionen von Memory daheim, aber noch nie wirklich Memory damit gespielt. Dass er das Kartenspiel wählte lag lediglich an der abgebildeten Karte mit dem Auto vorn auf der Schachtel. Ein anderes Kind kommt hinzu und soll laut Pädagogin „zeigen, wie man das spielt.“ Das Kind beginnt die Karten entsprechend aufzulegen, was Herrn Klein herzlich wenig interessiert. Er fährt mit den Auto- und Zugkarten auf dem Boden entlang, als wären es kleine Matchbox. Der andere Bub steigt drauf ein, am Ende spielen sie verschiedenste Varianten von Spielen mit diesen Karten, nur nie das eigentliche Spiel. Sie hatten Spaß. Möglich war das vor allem deshalb, weil die Pädagogin sie irgendwann mit den Karten allein gelassen hat und nicht darauf bestand, dass sie richtig spielten.

„Aber ich will doch mit meinem Kind spielen.“
Klar wollen wir das. Das ist auch wichtig und soll so sein. Aber ein Spiel, dass wir aussuchen und beginnen wenn uns danach ist, wo wir die Regeln festlegen, ist nicht immer ein erfüllendes Spiel für die Kinder. Wenn wir also mit ihnen spielen wollen, können wir etwas anbieten und schauen, ob das Kind darauf eingeht. Und dürfen wohl oder übel akzeptieren, wenn wir auf Ablehnung stoßen. Das schönste Spiel mit Kindern ist jedoch das, bei dem wir in der Nähe sitzen und beobachten und einsteigen, wenn wir eingeladen werden. Auch wenn das heißt, dass man Elefantenkacka im Wohnzimmer vom Boden kratzen soll.

weitere Posts zum Thema findet Ihr auf meiner englischen Seite:
http://mamas-in-the-making.com/2013/01/free-play/
http://mamas-in-the-making.com/play/

und bei Janet Lansbury
http://www.janetlansbury.com/2013/07/unexpected-toy-find-2/

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