Kopfstand

Heute vor einem Jahr stand unser Leben auf dem Kopf. Der Test zeigte positiv und wir wankten zwischen Schock und Unglauben. Drei Monate hat es gedauert, bis wir akzeptieren konnten und vor allem auch eines: Freuen. Heute ist dieser ungläubige rosa Strich 4 Monate und ein paar Tage bei uns und irgendwie ist es, als hätte es nie anders sein sollen.

Wenn ich gefragt werde, wie es uns geht so zu fünft, kann ich nur lächeln. Gut geht’s uns. Verdammt gut und manchmal kann ich das selbst nicht glauben. Ist es anders als vorher? Natürlich. Ist es anstrengender? Vielleicht? Ist es schön? Dreifach!

Natürlich sind 4 Monate keine lange Zeit. Die Kinder suchen noch ihren rechten Platz im neuen Gefüge. Denn auch wenn Herr Klein unglaublich liebevoll und freudig auf Miniklein zugeht, so spürt man, dass er mich sucht, den Papa braucht und in Frau Klein einen wichtigen Halt findet. Miniklein hingegen erforscht seine Welt komplett und sucht dabei ganz nebenbei seinen Platz hier in diesem Haufen kichernder Erbsen. Denn das sind sie, seine Geschwister. Und manchmal nicht selten auch seine Eltern. Und Frau Klein? Ja, sie ist das Sandwichkind. Klemmt mittendrin zwischen dem großen und dem kleinen Bruder. Fühlt sich groß und klein zugleich. Und kennt sich nicht so recht aus. Sie will lesen können, wie der große Bruder. Sie hält an der Windel fest, wie der kleine. Sie sucht uns und kämpft. Und hängt sich manchmal an ihren großen Bruder, die Konstante, die sie kennt.

All diesen drei Kindern mit ihren drei komplett verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, das ist die wahre Herausforderung. Frau Klein will auf den Gatschspielplatz. Herr Klein will Fußball spielen. Miniklein hätte größte Freude nackt im schattigen Wohnzimmer herumzukugeln. Was tun? Wer ist wie müde? Wer war schon viel draußen, wer noch kaum? Wer hatte gestern Vorrang? Wer kämpft lauter um seinen Willen? Und wo in all dem bin ich? Was will ich? Was brauche ich? Denn eins ist klar: Wenn ich nicht gut auf mich achte, dann gerät das ganze Gefüge ins Wanken. Ich brauche Schlaf, ich brauche gutes Essen, viel davon, ich brauche Zeit für mich und den Liepsten. Die Tage sind zu kurz für alles. Und so bleibt mir nur jede Situation ganz individuell zu betrachten. Was ist jetzt wichtig? Was ist jetzt möglich?

Aber am Ende eines Tages, an dem vielleicht nicht alle auf ihre Kosten gekommen sind, gibt es Kuschelzeit mit jedem Kind. Miniklein natürlich beim Stillen und Schlafenlegen. Dann Frau Klein und dann Herr Klein. Das tut gut. Das muss sein und das geht sich aus. Jeden Tag.

Und dann sitze ich abends auf dem Sofa und bin selig. Weil der Kopfstand vor einem Jahr unnötig war. Weil wir das ja doch auf die Reihe kriegen. Weil ich dann unglaublich stolz auf uns bin. Und auf unsere Kinder. Weil ich sehe, wie das, was wir tun und wie wir es tun, aufgeht. Dann tut es mir manchmal leid, dass Herr Klein unser Versuchskaninchen ist. Er muss alles mit uns zum ersten Mal durchmachen und zurückblickend hat er es da nicht immer leicht gehabt. Da profitieren die Kleinen ganz klar. Und wir natürlich auch. Denn wir sind gelassener. Und vielleicht ist gerade deshalb beim dritten Kind alles nochmal entspannter.

Wenn ich in der Zeit reisen könnte würde ich genau ein Jahr zurück reisen, meinem damaligen Selbst die Hand auf die Schulter legen und sagen: “Das wird ganz wunderbar.” Aber das wäre ja langweilig. Denn im Nachhinein war es ja ganz aufregend vor einem Jahr. Ganz spannend auch. Und es hat dazu gehört. Das Drama. Die Nervosität. Darauf ein Lächeln. Und einen Kopfstand.

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Comments

  1. Schön… :) Bei uns ist es nun auch so weit bzw. im Januar dann ;) Ich sehe der Herausforderung gelassen entgegen, keine Ahnung, warum… einfach wird es sicher auch nicht… aber warum mir jetzt schon Sorgen machen? Erst mal möchte ich mich auf die Schwangerschaft konzentrieren und hoffen, dass alles gut geht die nächsten Monate :)

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