IMG_4261Dieses Jahr werde ich 37. Ich fand das die letzten Jahre sehr erschreckend, dass ich nun auf die große Zahl mit der 4 zugehe. Dann habe ich mir überlegt, dass es ja gar nicht ungewöhnlich ist heutzutage, dass man 80 wird. Wovon 40 ja gerade mal die Hälfte ist. Also ist die große 4 ja gerade mal ein halbes Leben.

Von diesem halben Leben war ich 10 Jahre lang Kind, viel zu lange Teenager – die Erinnerungen an diese Zeit sind eher mit Magengrummeln verbunden – 10 Jahre unterwegs und auf der Suche nach mir selbst. Und erst die letzten 10 Jahre habe ich mich gut, findend und bei mir selbst erlebt. Und das zunehmend mehr. Also habe ich das Gefühl, noch eine gute und eher entspannte, dennoch nicht langweilige Zeit vor mir zu haben. Weniger verzweifeltes Suchen, dafür offener für neue Wege und das Auslassen von  dem anstrengenden “Darf ich nicht verpassen”. Seitdem schaue ich der großen 4 ganz anders entgegen.

In letzter Zeit finde ich bei jedem Blick in den Spiegel mehr und mehr zarte, blassgrau schimmernde kleine Härchen auf dem Kopf. Vor einiger Zeit habe ich diese immer geschnappt und ausgerissen. Heute lächle ich. Begrüße jedes einzelne und nehme es an. Das graue Haar. Und das Älterwerden.

Es fühlt sich gut an. Ich habe das Gefühl, an einem guten Punkt zu stehen. Dinge fügen sich. Und die Vorstellung, noch ein paar mehr graue Striche zu tragen, stört mich keineswegs. Meine Mutter färbt sich seit den ersten grauen Zeichen die Haare. Sie kann damit nicht aufhören, weil sie den Übergang nicht schafft. Weil ja grau nachwächst und sie das nicht erträgt. Ich möchte das gar nicht anfangen. Im Gegenteil, warum soll grau immer einfach nur grau sein? Und trist? Warum steht grau nicht für angekommen? Zufrieden? Entspannt und ruhig? Ich sehe das grau ganz und gar nicht als Wegfärbung von bunt und wild. Ich sehe es als Glitzer zwischen dem tristen braun. Ein kleiner Schimmer hier und da. Als Aufleben. Und genau so fühle ich mich auch.

Wie geht es Euch mit dem Älterwerden? Den kommenden grauen Haaren? Verbannt Ihr sie, oder akzeptiert Ihr den Glitzer zufrieden lächelnd? 

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5 Antworten

  1. Ganze zehn Jährchen älter kann ich dir sagen, dass dem mischgefühligen Schwellenüberschreiten zur 40 eine ziemlich gute Zeit folgt. Wenn denn alles so läuft, wie es laufen soll. Auch, wenn sich körperlich das eine oder andere Zipperlein einstellt so empfinde ich die “seelische Befreiung” und das endlich mal sein, wer ich sein möchte als total angenehm. Man fühlt sich angekommen, stellt nicht mehr alles in Frage, lässt sich nicht mehr alles gefallen, Stichwort: “Ich bin zu alt für diesen Sch****!”, gern mit einem Augenzwinkern gesagt. Naja, kurz, es ist nicht halb so schlimm, wie ich befürchtet hatte, ich bin immer noch ich, und auch, wenn einem die eigene Endlichkeit natürlich mit zunehmenden Alter bewusster wird, lebt es sich gut.
    Lieben Gruß
    Gabi
    PS: Durch Glitzer werde ich straßenköterblond….. noch habe ich wenig im Haar, bin aber noch nicht sicher, wie ich damit umgehen will :)

  2. Da ich mich schon seit Anfang meiner Zwanziger mit den Grauen rumschlagen muss (meine Große nannte mich schon “Silberschweif”, Hilfe!), färbe und schnibble ich schon eine ganze Weile wie ein Weltmeister. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Mein Scheitel wandert ständig von hier nach da, weil ich vereinzelte, auffällige Härchen oft am Ansatz abgeschnitten habe. Nun sind sie noch auffälliger, da sie nachwachsen und wie Antennen in die Höhe ragen ;-). Aber ich gebe den Kampf nicht auf, noch fühlt es sich so an, als gehörten die “Grauen” nicht zu mir und so lange lass ich mich nicht unterkriegen ;-).
    Schick doch mal bitte etwas Entspanntheit zu mir!

  3. Sehr schön geschriebener Artikel! Ich werde heuer 36 und ich bin noch in dem Stadium wo ich jedes graue Haar sofort gnadenlos entferne. Zum Glück sind es bis jetzt ganz wenige. Auch so manches Fältchen im Gesicht lässt sich nicht mehr leugnen. Lange Zeit habe ich wesentlich jünger ausgesehen als ich war, aber schön langsam hab ich das Gefühl, dass das nicht mehr zutrifft. Mittlerweile sehe ich genauso alt aus wie ich bin. Der Gedanke an die 4 macht mich auch nervös. Vielleicht vor allem deshalb, weil ich das Gefühl habe noch nicht soweit zu sein um 40 werden zu können. Ich habe irgendwie mit allem zu lange gebraucht oder zu spät angefangen und jetzt habe ich das Gefühl, dass mir für so manches die Zeit davon läuft. Eben weil noch nicht alles so ist, wie ich es mir wünsche. Aber ein bisschen Zeit habe ich ja noch :-)…

  4. schönes thema! ich fast 46, bin seit fast 10 jahren grau. und trage es mit ultrakurzemhaarnachobengegelt und mit fassung. viele sprechen mich drauf an, die allermeisten findens schön. färben kommt für mich nicht frage (hennarot steht mir nicht und chemie mag ich nicht auf meinem kopf.) aber das wirklich entscheidende an diesem alter ist, dass man all diese äusserlichkeiten mit zunehmendem gleichmut betrachten kann und sich innen immer bunter fühlt. wie sagt, ich glaub, aristoteles so schön: je länger der mensch kind bleibt, um so älter wird er. na also ;-)

  5. …und in der Bibel steht: “Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder, dann könnt ihr das Reich Gottes (d.h., sagt Fidi, das Leben jetzt) nicht erlangen.” – Und danke für diese so offenen Berichte aus dem Alltagsleben. Ich (75) lese sie mit größtem Interesse; manchmal auch -ich gestehe es- mit einem schmunzeln…

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