Erkenntnisse der Woche – unschuldig

IMG_3451Letzte Woche war ich ja doch sehr frustriert, und wenn ich das bin, dann denke ich oft als erstes daran, was ich übersehen haben könnte, was ich falsch gemacht haben könnte. Wo ich versagt habe.  Natürlich ist das nicht immer so gravierend, wie es nun klingt. Aber ich denke, dass es normal ist, dass man sich als Eltern oft die Schuld für irgendwelche “Fehltritte” oder unerfüllten Erwartungen gibt. Womöglich ist das auch besser, als die Schuld ausschließlich beim Kind zu suchen. Aber zu viel Opferrolle, tut uns auch nicht gut.

Wir haben so einige Baustellen mit Herrn Klein. Von nicht allen erzähle ich hier, weil sie zu privat und persönlich sind und ich ihn doch etwas schützen möchte. Wir überlegen viel und diskutieren, was wir machen können, um ihm zu helfen, ihn gut zu begleiten. Und natürlich diskutieren wir auch, wie das so kam, wie es kam und warum er da ist, wo er ist.

Diese Woche schaute ich Frau Klein an und stellte wieder einmal erstaunt fest, dass sie so grundverschieden ist. Dass sie vieles so anders macht, sich so ganz anders entwickelt. Ein so ganz anderer Mensch ist. Und dann habe ich überlegt, was wir bei ihr anders gemacht haben. Und die Feststellung war: Nichts! Jedenfalls nichts so grundlegend anders, dass es solch enorme Auswirkungen haben könnte. Natürlich macht man beim zweiten Kind gewisse Dinge anders, ist routinierter, versteht vieles eher oder mehr. Aber wir haben ja unseren Erziehungsstil, unseren Lebensstil und uns selbst nicht komplett auf den Kopf gestellt. Und da stellte ich fest: Aufhören! Ich bin nicht für alles verantwortlich, was aus meinen Kindern wird. Natürlich ist es meine Aufgabe, sie gut und geschützt aufwachsen zu lassen, ohne sie dabei einzuengen. Ich habe dafür zu sorgen, dass sie sich sicher, gut und frei entwickeln. Aber ich muss die unerträglich schwere Verantwortung des Alles – richtig – machens von mir streifen. Denn erstens kann man nicht alles richtig machen, dieser Anspruch wäre zu perfektionistisch und zu hoch gesteckt. Und zweitens reagiert jedes Kind anders auf das sogenannte richtig.

“A person’s a person. No matter how small.” Dr. Seuss

Ein Kind kommt als Person auf die Welt. Persönlichkeitsstrukturen und Charakterzüge sind schon vorhanden. Wir formen diesen Menschen ja nicht komplett durch unser Tun und Nichttun. Das sollen wir auch gar nicht. Deshalb ist es aber auch wichtig uns manchmal die Bürde der Vollverantwortung abzustreifen.

Ich war danach tatsächlich sehr erleichtert. Es geschieht schnell, dass wir zu viel denken, zu viel grübeln und zu viel interpretieren und reflektieren. All das ist in Maßen gut, aber nicht in Massen.

Was jedoch noch wundervoller war: Ich konnte Herrn Klein danach ganz anders, ganz neu und vor allem ganz eigenständig betrachten. Konnte sehen, was er ist und nicht, zu was wir ihn gemacht haben. Denn das haben wir nicht. Nicht allein, sondern nur er und wir mit ihm. In erster Linie ist er ganz er selbst. Und das ist wichtig und genau da sollten wir ansetzen.

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Comments

  1. Gabi says

    Ja, vielleicht sind die überdimensionierten Schuldgefühle die Kehrseite des Gedankens, ein Stück Rohmaterial in die Welt gesetzt zu haben, dass man beliebig formen kann und muss…. das ist Quatsch, wie du ja auch schreibst.

    Ich glaube dass es oft so ist, dass das erste Kind das “erziehungstechnisch anspruchsvollere” ist. Oft beobachtet… auch in meiner Familie. Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber ich glaube nicht, dass es nur an unserer Unsicherheit oder an Anfängerfehlern liegt. Die zweiten Kinder sind meist sozialer eingestellt und genügsamer.
    Bei meinem Ältesten hatte ich immer das Gefühl, das schwierige Verhalten trat mit der Geburt seines Bruders auf. Obwohl wir versucht haben, alles genau “richtig” zu machen, obwohl er zähneknirschend versucht hat, das neue Baby anzunehmen und “lieb zu haben” merkte man, dass ihm die Situation einen deutlichen Knacks verpasst hat. Ich fand das damals schrecklich.
    Lieben Gruß
    Gabi

  2. Mirjam says

    Danke für diese Gedanken! Sie entlasten nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind – es muss nicht das Produkt einer guten Erziehung sein, sondern darf ganz allein sich selber sein. Ich weiss es eigentlich – aber es tut sehr gut, es hier so deutlich zu lesen! lg, Mirjam

  3. FrauPN says

    Danke für diesen Artikel.

    Genau diese Erkenntnis habe ich in letzter Zeit bei meiner großen Tochter, oder eigentlich natürlich bei beiden Kindern, auch gewonnen.

    Es gibt Leute, die wollen mir einreden, meine Kinder seien “schlecht erzogen”, weil sie oft nicht tun was man von ihnen möchte, worum man sie bittet, weil sie keine “Manieren” haben etc. Und manchmal da dachte ich auch “was hab ich bloß falsch gemacht?” “hätte ich strenger sein müssen? Mehr Regeln aufstellen müssen?”

    Natürlich sehe ich oder sehen wir einige Dinge lockerer als womöglich andere Eltern. Und ja, ich finde mein Kind mit seinem Sturkopf oft weitaus sympathischer als das Kind das anstandslos ja und amen zu allem sagt. Aber es ist natürlich auch anstrengend und wirklich nicht leicht manchmal.

    Aber ich ziehe mir den Schuh meine Kinder zu verziehen auch nciht mehr an.
    Meine Tochter ist so wie sie ist. Sie war schon als Baby so und ist heute als viereinhalbjährige noch immer so. Wenn sie etwas nicht will, will sie es nicht. Da kann man sich auf den Kopf stellen, drohen, erpressen, schmeicheln…. Es bringt sie nichts davon ab.

    Wir können vorleben, Dinge die uns wichtig sind vermitteln, begleiten, lieben.
    Viel mehr nicht. Formen können wir wirklich nur bedingt. Sie ist so wie sie ist geboren und sie ist großartig. Wie jedes meiner Kinder ist und sein wird.

    Alles Liebe

    Tina

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