Im Sommer auch mal nichts tun

Seit Wochen wird mir von sämtlichen Seiten das Nichtstun auferlegt. Ruhe geben. Erholen. Auftanken. Energiereserven füllen. Atmen. 

Klingt ja eigentlich wunderbar. Ist ja doch genau das, was ich will, wenn ich durchs Leben rase, den Alltag stemme und denke: Boah, einfach mal durchatmen. Mal nichts tun müssen, das wäre toll.

Aber dann versuche ich das und merke – so einfach geht das gar nicht. Das fängt ja schon damit an, dass ich lange nicht erkannt habe, was Nichtstun wirklich ist. Nämlich wirklich nichts zu tun. Ich redete vom Lesen. Vom Meditieren. Vom Schreiben. Vom Klavier spielen. Vom Spazierengehen. Aber all das waren Dinge, die ich gern tat und für die ich zu wenig Zeit hatte, wenn ich im Alltag gefangen war. Dann sagte ich: „Heut hab ich nix gemacht. Nur auf dem Sofa gelegen und gelesen, ein bisschen Klavier gespielt.“ Naja und in Wirklichkeit habe ich dann ja auch noch ein bisschen auf Facebook herumgeschaut, Emails gecheckt. Ja und vorher eine Ladung Wäsche in die Maschine geworfen, die hinterher aufgehängt gehörte. Soviel zum Nichtstun.

Im Prinzip ist das mit dem Nichtstun wie mit dem Nichtdenken beim Meditieren. Ähnlich schwierig. Nur können wir eben doch viel einfacher dafür sorgen nichts zu tun, wir müssen nur mal bewusst alles liegen lassen, auch die Hände und Finger und vor allem den Kopf. Das Nichtdenken ist da ja viel schwieriger, weil die Gedanken einfach so von selbst in unseren Kopf hopsen. Und sich auch nicht so leicht weglegen lassen wie ein Handy aus der Hand.

Also zurück. Jetzt bin ich krank und da lässt sich das Nichtstun nun wirklich üben. Weil man da ja zuweilen selbst fürs Handy keine Energie hat. Und da stellt sich heraus wie unglaublich erholsam das ist. Dieses einfach daliegen. Die Schatten an der Wand betrachten, die die Sonne von außen zuweilen zeichnet. Gedanken nachhängen – hier darf man das ja einfach so – und sich wundern, wo die einen hinführen. Dem Tinnitus lauschen (okay, das ist denen vorbehalten, die einen mit sich herum tragen). Sich wundern über all die Geräusche, die man vom Hof her hört. Nach und nach alle Anspannungen lösen. Es bringt wirklich Ruhe in den Körper, die Seele.

Und ich glaube Kinder brauchen das genauso wie wir. Wenn ich auf dem Sofa sitze oder liege kommt Miniklein oft zu mir, legt sich neben mich, wuselt mit seinen kleinen Fingern in meinen Haaren herum und hat einen Daumen im Mund. So kann er ewig neben mir liegen und ich denke mir oft: „Ist er schön wieder müde? Warum spielt er nicht? Hat er Hunger?“ Dabei genießt er einfach nur das Nichtstun und meine Nähe. Was für eine wundervolle Kombination.

Die Großen bräuchten das auch öfter. Ihnen merkt man jetzt die Ferienreife an. Und ich denke es tut uns allen gut die Tage und Wochen, die wir in Wien sind so wenig wie möglich zu planen und zu fixieren, sondern eher auf uns zukommen zu lassen, um Zeit für Nichtstun bereit zu halten. Denn auch noch so tolle Ausflüge, Playdates und Unternehmungen sind mit Aufwand, mit Stress, mit Organisation und schlichtem Tun verbunden. Dinge, die uns den gesamten Alltag sonst regieren. Die wir einfach mal lassen sollten.

Ich wollte dieses Jahr meine Sommerferienideenliste erweitern und überarbeiten. Stattdessen habe zwei Dinge herausgestrichen und ersetzt durch: Nichtstun und Bäume umarmen. Ersteres weil siehe vorigem Text und letzteres, weil es dem ersteren recht ähnlich und gleichzeitig extrem wohltuend ist. Und weil ich finde, dass es schade ist, dass es so einen negativen Ruf hat. Bäume sind wunderbare Wesen und vor allem im Sommer helfen sie uns wo sie können mit ihrem großzügigen Schatten, ihrer Kraft und Stärke.

Die Liste könnt Ihr Euch hier herunterladen.

Viel Freude damit und einen feinen, erholsamen Sommer!

Und jetzt zurück zum Nichtstun.

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Comments

  1. Liebe Nadine, das Nichtstun tut tatsächlich einfach gut, und ja, wir sonst aktiven werden oft von aussen dazu gezwungen. Aktuell bin ich gerade sehr in meiner (Tat)Kraft, aber vor einem Jahr hatte ich schwangerschafts- und geburtsbedingt Gelegenheit dazu, das Nichtstun zu üben (ganze 20 Wochen lang absolute Bettruhe). Eine wertvolle Zeit war das, wovon ich immer noch zehre. Auch bei uns habe ich die 4 Sommerferienwochen, wo wir zu Hause sind, bewusst leer gelassen. Liebe Grüsse aus der Schweiz :-)
    (habe ich schon geschrieben, dass ich deinen Blog sehr mag? Ich lese nun schon seit Jahren bei dir mit und mag deine offene und ehrliche Art sehr)

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