1,5 Jahre Frau Klein – Was ich von Dir lernen durfte

IMG_0525Frau Klein ist heute anderthalb Jahre alt. Anderthalb aufregende, emotionale, spannende, einmalige und wundervolle Jahre liegen hinter mir. Vieles hat sich dabei um ihren großen Bruder gedreht, einiges um uns alle und so manches ganz allein um sie. Und deshalb ist es an der Zeit einmal zurückzublicken und zu erkennen, was ich alles gelernt habe in diesen 1,5 Jahren. Das war gar nicht so wenig.

Jedes Kind ist anders.
Eigentlich ist das nicht neu. Aber ich hätte nicht gedacht, dass Kinder aus derselben „Brut“ so dermaßen unterschiedlich sein können. Im Wesen, im Charakter, in der Entwicklung, in sich selbst. Es ist wunderbar und vor allem auch wieder sehr hilfreich für meine Arbeit. Denn auch wenn man sich beruflich mit Eltern, Kindern und Familien befasst, so schwingt doch die eigene Erfahrung als Mutter immer wieder mit hinein. Da ist es gut, wenn man nicht nur von einem Kind ausgeht, sondern selbst erlebt hat, wie unterschiedlich Kinder sind, wie unterschiedlich sie auf exakt gleiche Abläufe oder Verhaltensweisen von uns reagieren. Und welche unterschiedlichen Bedürfnisse sie in der eigentlich komplett gleichen Umgebung haben. Sie sind wie Pflanzen, die, auch wenn sie dem gleichen Topf entspringen, sich von der gleichen Erde nähren, das gleiche Licht bekommen, dennoch so unterschiedlich entwickeln.

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Es ist sehr bereichernd, weil ich mich auch so immer wieder neu ein- und umstellen muss. Langweilig wird uns so nie.

alle Eltern sind anders
Auch nichts neues. Aber dass wir auch bei jedem Kind teilweise so anders reagieren. So viele Dinge so anders machen, vielleicht schon entspannter sehen oder wissen, wann es gut tut, früher schon klarer oder konsequenter zu sein. Das tut gut. Wichtig hierbei war auch die Erfahrung nicht zu vergleichen, was man wie anders macht und ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Ein zweites Kind fordert anders in einer anderen Zeit. Die Dinge und Gegebenheiten sind oft anders und so sind wir auch anders. Das ist kein Vor- oder Nachteil für eines der Kinder, sondern Tatsache, die ihnen auch zeigt: Menschen sind nicht nur verschieden, sondern die gleichen Menschen können ganz unterschiedlich sein und (re)agieren.

eigenen Vorstellungen im Fluss wandeln ist erholsam
Bei Herrn Klein hatte ich klare Vorstellungen von gewissen Dingen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, ihn länger als ein Jahr zu stillen. Das hat sicher auch dazu beigetragen, dass er sich großteils selbst bis zu 1 Jahr abgestillt hatte. Ich war überzeugt nach einem Jahr wieder arbeiten gehen zu wollen und ihn in die Krippe zu geben. Wir taten das mit Überzeugung und es funktionierte super.
Frau Klein stille ich mit 1,5Jahren immer noch und auch viel. An Abstillen ist noch lange nicht zu denken und es stört mich nicht im geringsten. Im Gegenteil, ich genieße diese Zeit sehr. Sie ist auch sehr viel anhänglicher und eine Fremdbetreuung halte ich bei ihr für undenkbar. All das fühlt sich gut und richtig an. Ich habe nichts davon erzwungen oder runterdrückt. Vielleicht verändert man sich einfach selbst auch im Laufe der Zeit und mit der Verschiedenheit der Kinder. Was auch immer es ist – dieser Veränderung leise zu folgen tut gut.

Es ist, wie es ist, sagt die Liebe. 

Auf mich selbst achtgeben ist so wichtig
Mit zwei Kindern ist man noch mal geforderter, aber das heißt nicht, dass das Leben mit einem Kind ein Spaziergang ist. Frau Klein hat mir nur gezeigt wie wichtig es ist, dass ich gut auf mich achte. Dass ich mir Auszeiten und Ruhepausen nehme und gönne. Dass es uns allen gut tut, wenn auch wir als Erwachsene gut auf uns achten.
Vor allem wenn man auch körperlich noch so gebunden ist durch das Stillen, wenn das ältere Kind viel einfordert, um seinen Platz zu finden, ist es wichtig, dass man Zeit für sich allein hat. Um durchzuatmen. Um zu sich selbst zurückzufinden.
Als Herr Klein noch allein da war, war Duschen immer so eine Notwendigkeit. Er ist mir oft ins Bad gefolgt und dann hatte ich keine Ruhe und keine Nerven für Entspannung. Frau Klein habe ich von Anfang an klar vermittelt, dass mir Duschen wichtig ist. Dass es mir gut tut, auf meinen Körper zu achten. Mich zu pflegen. Denn wenn ich mich sauber und gut fühle, strahle ich das auch aus.

Bei mir selbst sein
Die wohl wichtigste Lektion, die mich Frau Klein so eindrucksvoll lehrt. Sie ist so sehr bei sich, so ganz in sich versunken. Sie geht und erforscht die Welt auf ihre Art. Sie bleibt da, wo sie sein möchte. Sie folgt anderen, wenn ihr danach ist. Wenn ihr Bruder sie ruft, läuft sie entweder fröhlich quietschend zu ihm oder reagiert überhaupt nicht. Weil sie gerade versunken ist in etwas. Weil sie keine Lust auf Zweisamkeit hat. Weil sie so ganz bei sich ist. Wenn er sie dann immer wieder fragt, sie holen will und berührt, schüttelt sich ihn energisch ab, schreit ihn an. Man hat das Gefühl dass, könnte sie reden, sie sagen würde: „Lass mich in Ruhe. Ich will jetzt nicht.“
Ich bewundere das. Nicht das Gefühl zu haben, etwas verpassen zu können. Wenn sie müde ist, lege ich sie in ihr Bett, egal was in der Wohnung los ist. Dort dreht sie sich zufrieden auf die Seite und schläft. Weil ihr das jetzt wichtig ist.

Mit fällt es schwer so ganz bei mir zu bleiben. Ich schaue immer wieder auf und um. Was tun die anderen? Wo stehe ich hier in dem Gefüge? Kann ich wo was einbringen? Ich folge begeistert jeder Idee und lasse mich mitreißen, anstatt bei mir zu bleiben und das zu tun, was mir eben noch so wichtig war. Natürlich kann ich auch ganz versunken sein in etwas. Aber das Gefühl etwas zu verpassen, bleibt dennoch manchmal.

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Es tut so gut zuzusehen, wenn sie so bei sich ist. Es sieht so gesund aus, wirkt so richtig. Dabei ist sie klar und auch wenn Herr Klein dann enttäuscht ist, so ist diese Erfahrung auch für ihn eine gute Lektion.

1,5 bereichernde Lehrjahre liegen hinter mir. Ich freue mich auf unzählige weitere. Danke, Frau Klein. Ich hab Dich lieb!

 

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  1. […] Frau Klein ist jetzt 1,5 Jahre und isst seit ein paar Tagen richtig gut. Vor einem Jahr haben wir ihr die kulinarische Welt eröffnet. Sie hat die ganze Welt immer wieder interessiert probiert und so ziemlich alles immer wieder ausgespuckt. Sie hat nichts wirklich gegessen und am liebsten weiter viel und häufig gestillt. Es hat viel Kraft und Nerven gekostet – das viele Stillen, aber auch das ewige Essenauffangen, das Herrichten und Kochen für Nichts. Die Frage, wann sie denn endlich… Und jetzt ist endlich. Jetzt isst sie. Da verschwindet ein Stück Brot auf Nimmerwiedersehen im Mund. Da werden Nudeln gekaut und geschluckt, Heidelbeeren inhaliert und Wassermelone gezutzelt. Stillen ist nun kaum mehr Nahrung, nur mehr Nähe. Einfach so. […]

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