IMG_7262Was für ein Umzug!! Seit zwei Wochen sind wir nun im Räumungswahn. Leben im neuen Heim und versuchen nach und nach alles wohnlich zu richten. Wir improvisieren wo wir müssen und schieben, schrauben und entpacken. Ein Chaos, dem wir scheinbar hinterherlaufen. Und mittendrin die Kinder.

Egal mit welchen benachbarten Eltern ich rede, alle sind irgendwo mit den Nerven durch. Weil die Kinder so… ja so anstrengend, so neben sich, so außer der Spur sind. Weil sie wüten und toben und alle auf ihre eigene Art und Weise zeigen, dass ihre Welt Kopf steht und sie das erst verarbeiten müssen.

Das einzige, was wir da als Eltern wirklich tun können? Verstehen. Verstehen, dass die Welt der Kinder Kopf steht. Dass all das, was sie sich bisher in ihrem Leben mühsam zurechtgerückt haben, plötzlich nicht mehr da ist. Komplett gelöscht und an einem neuen Ort verrückt und verschoben neu aufgebaut. Anders.

Eines Abends, als der Liepste die schreiende Frau Klein versorgte, begann Herr Klein derweil mit zwei Schraubenziehern gegen die niegelnagelneue Wand zu hämmern. Mit der Schraubseite versteht sich. Der Liepste war ganz außer sich. Wie er denn auf so Ideen kommen kann? Wie er sowas machen kann? Dabei liegt die Antwort viel näher: wir schrauben und bohren den ganzen Tag, klopfen die Dübel in die Wand. Er sieht. Macht nach. Es ist nicht dieser eine Moment, den wir verstehen müssen. Es ist die gesamte Situation, der Umzug, den er versucht zu verstehen, nachzuvollziehen. Also beobachtet er. Ganz genau. Mehr als wir bemerken. Und macht dann quasi mit. Unwissend, dabei Schaden anzurichten. Wir können ausflippen und schimpfen. Wir können aber auch einfach nur verstehen (und erklären).

Aber nicht nur bei Umzügen gilt dieses Verstehen. Sondern eigentlich immer. Wir Eltern sind viel zu oft versucht Dinge gerade zu rücken und zurechtzubiegen, bevor wir überhaupt verstehen. Bevor wir sehen, was mit unseren Kindern gerade passiert, wo sie stehen im Leben und in ihrer Entwicklung. Wer um sie herum wütet und tobt und eigentlich selbst gestresst und genervt den Tag durchwandert (wir etwa??).

Und selbst wenn wir es wissen, wenn wir verstehen und sehen, ist es nicht immer leicht, diese Momente oder Phasen zu ertragen. Entsprechend zu handeln oder zu reagieren. Gelassenheit zu behalten oder wiederzufinden. Aber es hilft uns vielleicht den Fokus wegzulenken vom Richten wollen, vom ändern wollen, von der Harmoniesehnsucht. Und das ist vielleicht der viel wichtigere Schritt. Erst mit dem Verständnis und der Akzeptanz der Gesamtsituation können wir zu genügend Ruhe gelangen um dann eine wirkliche Veränderung herbeizuführen, glaube ich.

Ich wünsche Euch allen ein wundervolles Jahr mit Euren Kindern. Mögen sie lachen, kreischen und wüten – macht mit! Versteht und seht und wenn Ihr Euch gar nicht mehr rausseht: schließt einfach mal die Augen. Denn wenn nichts mehr hilft, kann nichts tun auch nicht viel hinrichten. Alles Liebe !

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Eine Antwort

  1. Das erinnert mich an unseren Umzug. Da kennzeichneten wir auch die Bohrlöcher an den Wänden. Und abends befand sich eine kunstvolle Bleistiftzeichnung des Wolfes an der Wand. Seine Begründung: er habe angezeichnet, wo wir bohren sollen.

    Ich wünsche dir ein schönes, zufriedenes und buntes neues Jahr. ich freue mich auf viele Einblicke, Denkanstösse und Ideen auf deinem Blog. Danke, daß du schreibst! ich lese gern hier mit.

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