Spaß 06/14 – Kochladen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJe älter die Kinder werden, umso vollgerümpelter werden ihre Kinderzimmer. Eine Tatsache, die wir wohl alle kennen. Denn nach Autos, Bausteinen und Büchern kommen Puppenwagen oder -buggy, kleiner Tisch und Stühle, Parkgarage, nicht zuletzt Kinderküche und Kaufladen. Jeder kleine Fleck ist zugestellt und jedes Spiel soll möglich sein, alles notwendige dafür vorhanden.

Dabei ist vieles von dem gar nicht notwendig. Ich möchte sogar behaupten – eher hinderlich. Denn die heutigen Spielküchen sind ja keine kleinen Kochfelder mehr, sondern wahre Miniaturausgaben unserer Einbauküchen. Da gibt es nicht mehr nur einen Herd, sondern auch aufwendige Spülen, Schränke, eingebaute Waschmaschinen und jeglichen Schnickschnack. Natürlich freut es die Kinder, aber es schränkt sie auch ein. Denn es ist alles fix vorgegeben. Dazu kommt, dass die Küche oft einen fixen Platz hat und nur dort Küche gespielt werden kann. Bei vielen steht sie dann da rum, wird zugerümpelt und irgendwann vergessen. Ähnlich geht’s mit dem Kaufladen. Der ist sperrig, dazu gibt es dann Kassen und Waagen, Einkaufskörbe bestückt mit allem, was es im hiesigen Supermarkt gibt. Und noch viel mehr. Und wenn das alles ausgespielt ist, braucht es ein Kasperltheater? Ein Kinderbügelbrett und -staubsauger? Schultafel? Und und und… ?

Im Spielraum habe ich mal überhört, wie unsere Leiterin einer Mutter riet: Nimm einen großen Karton, mal zwei Kreise drauf und überlass den Rest den Kids. Ich war aber Mutter und wollte diese eine Kinderküche. Weil ich sie schön fand.

Jetzt haben wir beim Umzug eine alte Truhe im Keller gefunden. Die steht momentan im Wohnzimmer, weil sie noch keinen fixen Platz hat und eigentlich auch erst noch handwerklich hergerichtet werden soll. So hat Herr Klein sie derweil im Beschlag. Und als er neulich sagte, das sei sein „Kochladen“, da wusste ich, dass ich die Kinderküche endgültig hergeben kann. Und dass unsere Spielraumleiterin recht hatte. Kinder sind selbst viel kreativer als das, was wir ihnen vorgeben.

Denn in seinem Kochladen, da kann er sein kleines Bistro führen. Das tut er nämlich gern. Ich soll was zu essen bestellen, er kocht es und verkauft es mir dann.

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Seine Herdplatte war ein Geschirrtuch und die Knöpfe ganz imaginär.
Er verkauft dort genauso gern Schuhe oder Autos. Und was er nicht braucht, verschwindet im Inneren der Truhe.

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Er kann aber auf dieser Truhe genauso gut sitzen, seine Autos entlangfahren oder seine Eisenbahn aufbauen. Frau Klein kann sich daran hochziehen und wer weiß, was sie irgendwann noch mit dieser Truhe aufführen. Ich bin sicher, ihnen fällt etwas ein. Derweil ist es der Kochladen, der Platz im Kinderzimmer schafft.

Aber es braucht ja gar nicht umbedingt eine Truhe. Eine Kiste, ein Karton, eine Obstkiste, Bananenschachteln, ein Baumstumpf…. Alles dient als „Kochladen“. Geschirr, Dosen, kleine Verpackungen für den Verkauf – all das findet sich im Haushalt. Und im Sommer kann man eine Obststiege im Garten aufstellen kann eine der wunderschönen „Mud – Kitchen“ zulassen.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Nadja

    Toller Artikel! Ich möchte auch gerne schon seit langer Zeit das Kinderzimmer entrümpeln. Die Küche wurde immer viel bespielt, aber seit dem Umzug steht sie im Kinderzimmer (vorher im Wohnzimmer) und wird nun nicht mehr angerührt. Klar ist das schade, das Teil war ja auch teuer ;-) Weihnachten kam noch ein Kaufladen hinzu, er ist zwar sehr schön, aber in der Tat auch sehr sperrig und nimmt viel Platz weg und bespielt wird er gar nicht.
    Man braucht diese Sachen nicht. Meine Tochter ist 2 1/2 und sie spielt so unheimlich fantasievoll, ich liebe es ihr dabei zuzusehen. Wir spielen oft einfach nur mit Luft :-) Neuerdings mag sie auch Rollenspiele sehr gern. Küche und Kaufladen kommen erstmal weg (muss nur noch der Partner von überzeugt werden) ;-)

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