Ich bespaße die Kinder nicht, ich bespaße mich

Ich bespaße die Kinder nicht. Ich bespaße mich.

Corona Woche 2 ist fast geschafft. Am Anfang der Woche dachte ich noch, dass mich jetzt langsam der Lagerkoller überkommt. Und die Ohnmacht darüber, nicht zu wissen wie lange das noch gehen soll, ereilt. Ich fühlte mich wirklich etwas neben der Spur, spürte Frustration und Unruhe.

Aber allein zu sehen und zu akzeptieren: Da ist Unruhe. Die Situation ist nicht leicht – für niemanden. Dieser Kontrollverlust zehrt an den Nerven. Das hat mir schon geholfen. Mich nicht darin zu verlieren, sondern es als Tatsache anzunehmen. Und wieder hielt ich mich an mein Mott: Tag für Tag. Moment für Moment. Schritt. Atemzug. Besenstrich. Gemeinsam mit den Kindern durch diese Zeit schwingen. Und plötzlich wurde diese Woche ganz gut. Klar ist es anstrengend von morgens bis abends die Kinder hier im Haus zu haben, hundertmal am Tag den Kühlschrank zu öffnen, Töpfe zu befüllen, zu leeren, zu waschen. Totalchaos im Wohnzimmer täglich. Und dazu die vielen Fragen und Wünsche.

“Was essen wir heute?”
“Ich hab Durst!”
“Schau mal Mama, bei Lego hab ich heute…”
“Mama ich mag ein Pferdeausmalbild ausdrucken. Darf ich auch drei?”
“Darf ich eine Süßigkeit?”
“Mir ist langweilig.”

Aber dann, als gestern nachmittag alle irgendwie zufrieden spielten und mir auffiel, wie wenig sich die Kinder derzeit streiten (definitiv weniger als im Alltag) und ich nebenbei kreativ herumwerkelte, da musste ich ein wenig lächeln. Und war dankbar.

Vielleicht, dachte ich, liegt es daran, dass ich lieber mich, als die Kinder bespaße? Ich bin ja – trotz meiner vielen kreativen Hobbies – überhaupt keine Bastelmama. Das liegt daran, dass ich die Sachen, die man mit Kindern basteln kann, selten schön finde, sondern eher als herumstehende Staubfänger betrachte. Und dass es meist eher eine Sauerei ist, bei der Mama machen soll und die Kinder irgendwie halbbegeistert mitmachen. Meine zumindest. Das ist einfach so. Die kippen gern ins Schnipseln und Kleben und Malen, aber nicht, wenn ich ihnen irgendwas zeigen will. Sondern dann, wenn sie es wollen. Und ich bin froh.

Also suche ich mir an solchen Nachmittagen derzeit selbst irgendwelche Projekte. Derzeit ist das viel mit Papier, da kann ich am Tisch sitzen, bin irgendwie da, dennoch in meiner Welt und freue mich, irgendwas zu fabrizieren. Meistens kippen die Kinder dann auch ins Tun und so kommt es dann zu Momenten wie heute, wo alle irgendwie beschäftigt und scheinbar – zumindest eine Zeit lang – zufrieden sind.

 

Und ich finde das irgendwo auch wichtig. Dass die Kinder sich selbst ihr Spiel suchen und nicht immer auf mich angewiesen sind. Klar kommen sie und jammern ihnen sei fad oder “Kannst du mit mir xy bauen?” Und klar schlage ich auch mal vor “Sollen wir ein Puzzle machen?” oder irgendein Spiel spielen. Aber es ist nicht diese dauernde Bespaßung von mir. Nein, stattdessen bespaße ich lieber mich. Denn auch wenn ich in der Küche stehe und koche, während die Kinder spielen oder ich aufräume, stricke, lese oder mich um meine Pflanzen kümmere, so tue ich das für mich und für die Kinder bin ich da, aber eben beschäftigt.

Auf facebook gibt es ja derzeit noch mehr Gruppen für all die Eltern, die jetzt daheim sind mit den Kindern. Mit Spiel- und Bastelideen zum Umfallen. Und ich möchte nur raten: Lasst die Finger davon. Das ist der totale Overkill. Klar gibts da nette Ideen, aber man gerät ur schnell in einen Stress. Es überflutet uns, diese unzähligen Vorschläge. Und dann sieht man die zig Varianten und Ergebnisse. Und am Ende sind die noch schöner, als die eigenen. Im schlimmsten Fall kippt man ins Vergleichen und wird frustriert. Ich habe mich da bewusst von distanziert.

Letztendlich ist es das gute Mittelmaß, das man finden muss. Sicher ist jetzt die Möglichkeit da, sich mal wieder ausgiebig und in Ruhe mit den Kindern zu beschäftigen. Mit ihnen zu sein, sie ganz zu erleben und zu erfahren, wie sie rund um die Uhr ticken. Das mag ich auch. Aber es ist eben auch eine herausfordernde Zeit, in der wir mal Ruhe für uns brauchen und uns wieder neu spüren müssen: Was ist da los in mir? Wie geht es mir mit dem Wahnsinn? Was brauche ich jetzt?

Ich bin gespannt, wie es weiter geht und wage nicht daran zu denken, wie lange es noch so geht. Am Mittwoch beginne ich einen neuen Job und darauf bin ich jetzt mal sehr gespannt. Homeoffice daheim mit Kindern. Wer wird dann den größten Spaß haben?

 

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