Wertschätzung

Als Bloggerin beschäftigt mich das Thema Likes und Klicks und Kommentare natürlich ganz automatisch. Zu sagen, ich würde nur für mich schreiben und mir wäre das egal, wäre geheuchelt. Wenn man sich hinaus in die weite Welt des Netzes wagt mit seinen Gedanken, dann wünscht man sich natürlich eines: Wertschätzung. Und die erfolgt da draußen nunmal in Form von Likes und Klicks und Kommentaren.

abendsonne

Rabaukenmami hat gestern einen Artikel dazu geschrieben. Wie wichtig diese Likes für uns sind. Und sie hat gefragt, warum es z.B. in Italien Usus ist, dass alles geliked wird, in Deutschland aber nicht. Ob die Deutschen zu faul wären. Aber darum geht es für mich dabei nicht. Denn ich will weder, dass bei mir alles geliked wird – das deutet für mich schon wieder auf fehlende Auseinandersetzung mit dem Inhalt hin, sondern auf unbedachte Klickerei im Netz – noch will ich, dass meine Artikel, die mich doch Mühe, Gedanken und Zeit kosten – im Nirgendwo verschwinden. Als Bloggerin mit einer durchschnittlichen Reichweite geschieht das aber leider ganz schnell. Dennoch denke ich, dass die Deutschen bzw. deutschsprachigen Leser*innen nicht faul sind. Es fehlt ihnen ja nicht an Energie, um auf einen Daumen zu klicken. Ich finde vielmehr, dass es vielen da draußen an Wertschätzung fehlt. Denn die Wertschätzungskultur ist uns, finde ich, so ziemlich abhanden gekommen. Daran ist zum einen die Schnellebigkeit des Internets Schuld – keine Zeit für einen Kommentar, keine Energie für Auseinandersetzungen mit Meinungen. Wiederum sind aber auch viele andere Blogger*innen mit Schuld. Denn anstatt seinen ganz eigenen Blog zu gestalten und zu befüllen, wird eruiert: Was schreiben die anderen, wie bauen die anderen ihre Seite auf, wo kann ich mich in Form von Guest posts oder Blogparaden anhängen und vor allem: welche Kooperationen kann ich für mich gewinnen? Gewinnspiele, Verlosungen, Produkttests und Co sind der neue Trend um eine große Leserschaft aufzubauen. Und ich frage mich: Was für eine Leserschaft wollt Ihr? Um jeden Preis die große breite Masse? Die jedes Gewinnspiel anklickt? Und ich frage meine Leserschaft: Was wollt Ihr geboten haben? Klimbim, von dem ihr bisher nicht wusstet, dass Ihr ihn vermisst?

Ich war da scheinbar bisher immer recht naiv. Habe gebloggt, was mir gefallen hat. Habe mich wenig um Produkte und Verlosungen bemüht, weil ich meine Leserschaft nicht nerven bzw. langweilen wollte. Hab mir ganz nach Pippi Langstrumpf die Welt gemacht, wie sie mir gefällt. So war ich schon immer, und so bin ich weiterhin. Dafür habe ich bezahlt. In From von: versunkenen Posts, stagnierenden Followerzahlen, wenig Feedback. Das zehrt, wenn das Bloggen Teil der Selbständigkeit ist, die man ausübt und mit der man indirekt – auch wenn manche das nicht glauben mögen – Geld verdienen will und muss. Denn nein, 3 Kinder finanzieren sich nicht von selbst.

Nun könnte ich also mitschwimmen im Strom und verlinken und verlosen was das Zeug hält und Kooperationen einholen. Aber das will ich eben nicht. Da bin ich wiederum zu stur. War ich auch schon immer, werde ich wohl auch immer sein. Ich will hier einen Blog gestalten, der inhaltsreich ist, anspricht, Freude macht zum Weiterstöbern. Aber dafür brauche ich einfach eines: Eure Wertschätzung. Natürlich flattern hin und wieder furchtbar liebevolle und mich beglückende Emails ein, das erfreut mich immer sehr, aber das ist in Summe einfach nicht genug, um hier so weiterzumachen wie bisher.

Und so bin ich gerade an einem Stillstand, war kurz davor das ganze Ding in den Boden zu stampfen, darauf rumzutreten wie ein Rumpelstilzchen. Aber dafür fehlt mir gleichzeitig die Energie und die Kraft, die ich sonst aus dem Blog gezogen habe. Und so wird sich hier nun erst einmal etwas Ruhe finden und eine Neuorientierung. Ich werde nicht mehr nur über Eltern und Kinder bloggen, sondern die Türen öffnen für mehr Themen. Denn so sehr ich mich auch bemüht habe hier meinen Stil zu fahren, so habe ich mich doch in ein Mambloggerkorsett gezwängt, habe Themen ausgelassen, weil ich dachte, sie würden nicht passen. Und dafür im übersättigten Themendschungel gewühlt.

Wie es mit meinen Angeboten weitergeht, werde ich sehen. Einige Ideen, die ich habe, werde ich nun erst einmal ruhen lassen, schlafen lassen. Bis Weihnachten will ich viel Zeit mit den Kindern verbringen, denn ab Jänner ist der Liepste in Karenz und ich werde wieder arbeiten können. Was? Das werde ich sehen.

Im Moment werde ich hier auf der Couch sitzen und stricken. Werde mich erholen und neue Kraft schöpfen. Und versuchen so viel Arbeit wie möglich von mir zu schieben. Und hin und wieder schreiben. Denn ohne Worte, ohne Satzhäkelei, geht es in meinem Leben nicht. Das Schreiben ist meine Leidenschaft. Und wird es immer sein.

Von Euch wünsche ich mir, dass Ihr die Dinge, die Ihr mögt, auch genug wertschätzt. Nicht nur hier, sondern überall. Im Netz, im Leben, in der Familie. Bedankt Euch, wenn der Busfahrer für Euch die Tür noch einmal aufreißt, wenn Euch jemand den Weg freimacht. Teilt Euren Liebsten mit, wenn Ihr Freude habt und die Zeit genießt. Es lässt die Freude verdreifachen. Und schätzt das, was Ihr habt, anstatt nach Dingen zu schmachten, die Ihr nicht braucht. Und ich werde mich darin auch wieder neu üben, denn perfekt bin ich selbst nicht darin.

Und zum Schluss noch ein Dank an alle, die hier immer wieder mitlesen. Ich will nicht so klingen, als wäret Ihr mir egal. Ich weiß, dass es Euch gibt, ich bin Euch dankbar und schätze Eure Treue sehr!

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Sonne und Wolken

Der letzte Kindergartentag. Der erste letzte von dreien dieser Art. Und der erste von womöglich vielen Abschieden und neuen Abschnitten. Bei drei Kindern hat man da einiges mitzumachen. Und das, wo mir so etwas so besonders schwer fällt. Weil die Sensibilität mein Herz zerquetscht, zu schnell Tränen drückt und mir dennoch diese in der Öffentlichkeit nicht erlaubt. Unangenehm ist es mir, unwohl fühle ich mich. Schon seit Tagen. Und gleichzeitig bin ich vorfreudig, denn das, was kommt, wird spannend. 

Herr Klein war die ganze Woche sehr eigenartig. Er schien mir etwas neben sich, ebenfalls zerrissen zwischen alt und neu, zwischen groß und klein. Ganz begreifen wird er die Veränderung noch nicht. Was bedeutet es, seine Freunde nicht mehr täglich zu sehen? In einem Alter, in dem man recht schnell und einfach noch neue trifft. Und mit dem Urlaub stehen zwischen Abschied und Neuanfang noch so viele Tage und Wochen, dass es unwirklich ist. Und das Neue so unklar. Auch für uns.

Deshalb lasse ich das Neue noch undeutlich und blass in der Ferne schweben und konzentriere mich heute auf das, was es ist: Ein Abschied. 5 Jahre Kindergarten liegen hinter uns. Ja, Herr Klein ging schon mit einem Jahr in die Krippe, spazierte dort hinein, als wäre es nichts besonderes und das, was er gesucht hätte. Im Kindergarten tat er sich bald schwerer, der Wechsel mit 3 Jahren in den Neuen fiel ihm schwer. Doch dann kamen Freundschaften und er wuchs und wuchs und manchmal kam ich selbst mit seiner Entwicklung nicht hinterher. Vor allem im letzten Jahr ist er zu einem großen, starken und fröhlichen Menschen geworden, den ich in ihm immer vermisst hatte. Er ist leichter geworden und überrascht uns immer wieder.

Die Kindergartenzeit hat aber auch uns geprägt. Schließlich haben auch wir hier vieles lernen müssen. Das Loslassen von Vorstellungen und Erwartungen. Auch wenn mir das nicht immer gelungen ist, es ist leichter geworden. Vieles kritisiere ich noch immer, aber nicht nur an diesem Kindergarten, sondern an allen Montessorieinrichtungen, die ich in den letzten 5 Jahren kennengelernt habe. Doch ich habe gelernt, dass vor allem eines zählt: Der Blick auf das eigene Kind, statt auf die Pägagogin. Habe ich ein Problem mit der Art und Weise, oder hat das Kind es? Wem muss es hier gut gehen, dem Kind, oder mir? Wie geht es dem Kind also? Immer mehr habe ich dadurch gesehen: Herrn Klein geht es gut. Dann kann es auch mir gut gehen.

Auch Vertrauen haben wir lernen müssen. Vertrauen darin, dass Herr Klein ohne uns gut zurecht kommt. Dass andere gut für ihn sorgen werden. Dass er bekommt, was er braucht, aber auch lernt, danach zu fragen. Und auch Vertrauen in ihn. Dass er uns sagt, wenn ihm etwas nicht gefällt oder passt. Ohne ihn danach auszuquetschen. Ich habe Herrn Klein selten gefragt, wie sein Tag war. Weil er darauf nicht geantwortet hat. Aber wenn ihm etwas wichtig war, hat er mir das erzählt. Nicht gleich, aber am Abend oder ein paar Tage später. Wenn wir unseren Kindern vertrauen und ihnen das Gefühl schenken, dass wir für sie da sind und ihnen zuhören, dann kommen sie und erzählen.

Geduld haben wir gelernt und lernen wir noch immer. Zu oft haben wir geglaubt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Dass es ihm nicht gut geht. Und meistens hat sich dann alles einfach aufgelöst. Geduld zu haben und die Entwicklung eines Kindes seinem selbstbestimmten Tempo zu überlassen ist wohl eine große Schwierigkeit für uns Eltern. Vor allem, weil wir umgeben sind von anderen und stetig vergleichen. Bewusst oder unbewusst. Herr Klein hat nun eben das Los des Ältesten und an ihm wird viel herumgedoktort. Er ist unser Versuchskaninchen. An ihm sehen wir, was wie gut oder nicht gut funktioniert. Das tut mir etwas leid für ihn, aber immerhin haben wir gelernt ihn geduldig zu betrachten und kennenzulernen. Und wir werden besser darin.

Wohlgesonnenheit den PädagogInnen gegenüber,  damit tue ich – die sich so viel mit Pädagogik und Entwicklung beschäftigt – mir natürlich besonders schwer. Aber ich habe eben gesehen, dass es nicht der erste und auch nicht immer der zweite Eindruck ist, der etwas über eine Person aussagt. Eigentlich weiß ich das, aber es ist nicht leicht, das abzustellen. Schon gar nicht, wenn es um unsere Kinder geht. Aber auch hier gilt: Wie kommt mein Kind mit dieser Person zurecht? Und welche Macken kann ich ignorieren, weil sie irrelevant sind (und weil ich selbst ja schließlich auch genug habe)? Ich bin dankbar, dass Herr Klein mit allen PädagogInnen ganz gut zurecht gekommen ist.

Ach ja, diese Dankbarkeit. Die ist wichtig. Vor allem, wenn wir tendieren dazu nur das, was nicht so gut läuft, zu sehen. Das Non Plus Ultra gibt es beim Kindergarten nicht. Irgendwas ist immer. Und deshalb ist es wichtig, dass man sich auf das fokussiert, wofür man dankbar ist. Dankbar war ich dort für viele Freiräume. Es gab keine Zwänge, Herr Klein musste nicht mitsingen oder zu bestimmten Festen basteln. Er musste nicht vor den Fotografen und auch beim Sommerfest nicht mitagieren. Ich bin dankbar dafür, dass er immer so akzeptiert wurde, wie er war. Und ich bin dankbar, dass heute aus diesem Kindergarten ein fröhliches Kind spaziert, dass dort Freundschaften finden konnte, sich dort frei entwickeln durfte, vieles gelernt hat auch ohne es immer als Lernen zu erkennen, dem Werte und Regeln wichtig sind und der dort immer gern hinein- und auch wieder herausgehüpft ist. Ein Kind, das immer gesehen wurde, nie übersehen und nie übergangen.

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Heute scheint die Sonne zwischen Wolken. Heute schwanken wir zwischen Aufregung und Abschied. Zwischen Wehmut und Neugier. Heute weinen wir lachend und tragen ein Chaos im Herzen, das irgendwann, aber nicht heute, zu einem gut sortierten Neuanfang beitragen wird.

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Türen auf! Wie wir täglich neu mit unserem Kind in Beziehung treten

P1070938Aufmerksame Leser haben festgestellt, dass ich zwar sehr viel darüber schreibe, wie wir gut mit Kindern leben und Situationen meistern, aneinander wachsen und dabei dennoch bei uns bleiben. Aber ich erwähne dabei nie, was dabei wesentliche Essenz ist: Unsere Beziehung zum Kind. 

Und während ich das natürlich immer als gegeben vorraussetze, so ist es doch hilfreich immer wieder zu schauen: wie schaffe ich das? Wie kann ich eine gute Beziehung mit meinen Kindern leben und beibehalten? Es ist ja ähnlich der Beziehung zum Partner. Am Anfang ist alles neu, wir sind hoffnungslos verliebt und möchten alles geben, damit es dem anderen – also dem Kind – gut geht. Doch nicht nur der Alltag schleicht sich ein, auch die Persönlichkeit unseres Kindes zeigt sich mehr und mehr, es stellt Herausforderungen an uns, denen wir nicht gewachsen scheinen und wir müssen immer wieder neu fragen: Wer bist Du? Wie können wir gut miteinander auskommen? Was braucht es?

Denn Beziehung bedeutet genau das. Dass ich mein Kind nicht zu einer Person forme, die mir vorschwebt, sondern dass ich sie so annehme, wie sie ist. Dass ich eben immer wieder bereit bin, sie neu kennenzulernen. Mit all ihren Facetten. Um nämlich diesem Kind immer wieder neu zu begegnen, immer wieder offen und ehrlich sagend: Wer auch immer Du bist. Ich liebe Dich. Genau so. Nur dann kann unser Kind auch ganz selbst sein, kann uns vertrauen und uns offen und ehrlich begegnen. Ist es nicht das, was wir uns wünschen von unserem heranwachsenden Kind?

Ich habe für Euch eine Liste erstellt, wie Ihr auf 10 einfache Weisen Eurem Kind im Alltag immer wieder neu begegnen könnt, mit ihm in Kontakt treten könnt und somit Eure Beziehung aufrecht erhalten und verbessern könnt.

1 – Ein neuer Morgen. Wenn wir unseren Kindern jeden Tag offen und neu begegnen, erwarten, dass die Welt täglich anders aussehen kann und die Macken und Vorlieben des letzten Tages heute komplett umgekrempelt sein dürfen, dann haben wir die Möglichkeit, dann können wir schon am Frühstückstisch entspannter in den Tag starten. Die Sonne geht auf, alles ist neu.

2 – Augenkontakt. Wir sehen unseren Kindern oft in die Augen, wenn wir wirklich wütend sind. Wir maßregeln oder schimpfen mit finsterem Blick und können starr daran festhalten. Aber was, wenn wir ihm etwas liebevolles sagen wollen? Oder nur ein einfaches „Ja, klar.“ entgegnen. Viel zu oft tun wir das beiläufig und in unser Handy, unser Buch oder auf die Tätigkeit schauend, die wir grad ausüben. Bewusster Augenkontakt lässt uns in ganz kleinen Momenten viel inniger begegnen.

3 – Fragender Blick. Wir müssen unser Kind nicht mit Fragen überhäufen um zu erfahren, wie es im Kindergarten, in der Schule, bei Freunden war. Wie es ihnen geht oder was sie beschäftigt. Alles, was es braucht, ist ein fragender interessierter Blick, wenn sie uns begegnen mit den Worten „Mamaaaa?“ oder „Papaaaa?“ Es ist nicht nur der Augenkontakt, der hier zählt, sondern auch die interessierte, immer wieder neu fragende „Was möchtest Du?“ Haltung, die unsere Kinder hier einladen kann, viel mehr, als nur ein einfaches Anliegen hervor zu bringen. Wenn sie spüren, dass wir ganz da sind, ganz interessiert sind, dann werden sie sich vertraut bereit sein, sich uns gegenüber zu öffnen.

4 – „Ja“ sagen. Im Nein sind wir klar. Deutlich. Manchmal laut. Das Ja hingegen murmeln wir vor uns hin. „Jaja.“ „Wie Du magst.“ „Ok.“ Schnell kehrt der Blick wieder zurück auf das, was wir gerade tun, wenn wir ihn überhaupt heben. Ein fröhliches „Ja.“ mit Augenkontakt, ein „Ja, klar!“ oder ein „Ja, gern.“ bringt Freude mit und wirkt entsprechend. Außerdem werden wir uns bei so einem Jahr bewusst, ob wir wirklich Ja meinen, oder ein eigentliches Nein umkehren, um „Ruhe“ zu haben.

5 – „Ich sehe Dich.“ Oft rufen uns unsere Kinder begeistert etwas zu. „Mama schau mal!“ Wir heben den Kopf, nicken, rufen „Jaha. Super!“ und versinken wieder im Tun. Im Montessorikurs sagte die Leiterin dann immer: „Tür zu. Chance vorbei.“ Und genau so ist es. Unsere Kinder öffnen hier die Tür für ein In-Kontakt-Treten. Und wir machen sie wieder zu. Indem wir nicht sehen, sondern sinnlos faseln. „Hey, Du bist ganz allein bis da rauf geklettert!“ oder „Du hast ein Polizeiauto gemalt.“ sind Sätze, die bedeuten, dass wir wirklich sehen, was unser Kind uns zeigen will. Oft schleudern wir ihnen ein leeres Lob entgegen, wo sie nichts weiter wünschen, als ein kurzes Kontaktaufnehmen. Weil sie sehen, dass wir abwesend sind, weil sie wissen wollen, ob wir sie sehen. Nicht immer gelingt uns diese Aufmerksamkeit. Aber ein „Es macht Dir Spaß, da immer wieder hinauf zu klettern. Ich sehe das.“ kann auch sagen: Genug, ich möchte jetzt weiter lesen, aber ich nehme Dich dabei wahr. Es ist mehr als ein halb abwesendes „Toll gemacht!“

6 – Worte schenken. „Du bist echt wütend.“ „Da bist Du abgerutscht und hingefallen. Das hat weh getan.“ Wenn wir unseren Kindern Worte schenken für ihre Gefühle und Emotionen, dann schenken wir uns damit Kinder, die sich artikulieren können. Und die, weil sei die Worte von uns bekommen haben, uns vertrauen und sie uns anvertrauen, wenn sie es brauchen. Wer wünscht sich nicht, dass seine Kinder ihm sagen, was sie beschäftigt? Dafür brauchen sie aber die Möglichkeit, das tun zu können und das Vertrauen, dass wir da sind.

7 – Nähe. Babys bekommen von uns gern sehr viel Nähe. Weil wir selbst diese Nähe gewinnen. Doch wenn die Kinder älter werden, beharren wir auf „Du kannst schon selbst gehen.“ oder „Nein ich trage Dich nicht. Du bist doch schon groß.“ Wir müssen unsere Kinder nicht tragen, bis uns der Rücken zerbricht. Aber wir dürfen sehen, wann sie uns brauchen. Sie sind nicht immer zu faul zum Gehen. Manchmal wollen sie einfach unsere Nähe, zeigen, wie klein sie dennoch sind. Das zu sehen heißt, unsere Kinder zu sehen so wie sie sind in dem Moment. Und nicht wie wir sie uns vorstellen in dem Alter. Herrn Klein habe ich manchmal gesagt: „Ok, mal sehen wie weit ich es schaffe.“ und heute sagt er oft: „Mama, kannst Du mich kurz tragen? Nur soweit Du kannst, ok?“

8 – Offscreen Time. Ein modernes Problem, dass uns, so glaube ich, wirklich ein wenig von unseren Kindern entfernt. Das ständige online sein, in Geräte starren und in andere Welten abtauchen macht Kindern Angst. „Mama, wo bist Du?“ hat Herr Klein oft gerufen, wenn ich neben ihm saß und ich dachte: „Was is das für eine Frage? Ich bin HIER.“ Dabei war ich das nur physisch. Bewusste Zeiten ohne mobile Geräte, ohne Computer, ganz im Hier und Jetzt, sind bereichernd für die Beziehung mit unseren Kindern. Weil wir uns viel bewusster sehen und wahrnehmen.

9 – Abwarten. Wenn wir unsere Kinder rufen, sie um etwas bitten, dann ist es wichtig zu verstehen, dass sie uns hören, aber Zeit brauchen, um aus ihrem Tun heraus aufzunehmen, was wir möchten. Es dauert manchmal bis sie reagieren, sie sind so im Moment, in ihrem Handeln vertieft, dass sie nicht alles stehen lassen um zu springen. Mir fällt das immer wieder auf, wenn der Liepste und ich die Kinder aus unterschiedlichen Ecken sehen, einer ruft und der andere sieht, dass das Kind sich längst bereit macht für das, was der eine Erwachsene will, der das aber nicht sieht und schon dreimal genervt nachfragt. Geduld. Das Zauberwort in jeder Beziehung, wird uns auch hier näher zusammenbringen. Weil eine Begegnung, die entsteht, wenn wir genervt nachgehakt haben, keine Qualität hat.

10 – ZubettbringZEiT. Ein langer Tag. Blanke nerven. Übermüdete Kinder und ein chaotisches Abendessen. Keine Seltenheit im Alltag. Jetzt nichts wie die Kinder ins Bett und Füße hoch – ehrlich, wie oft denken wir das? Aber wenn wir genau hier noch einmal durchatmen, inne halten und einen Moment Energie aus dem Nichts zaubern, wenn wir uns Zeit nehmen und Ruhe für das Zubettbringen, dann kann der Tag für alle doch irgendwie besinnlich zu Ende gehen. Und Kinder, die sich uns noch anvertrauen können am Abend, die nach vielem Chaos und Streit vor dem Schlaf spüren, dass doch alles irgendwie gut so ist, wie es ist, und sie okay sind, wie sie sind, die können ruhiger und entspannter schlafen. Und einem neuen Tag viel freudiger und fröhlicher entgegen blicken. Ein „Herrje, das war ein blöder Tag, was? Das schaffen wir morgen besser.“ schadet hier gar nicht. Und ehrlich: Uns geht es auch besser, wenn wir mit einer Umarmung, einem Kuss und lieben Worten die Kinder in die Nacht verabschieden. Erst dann kann auch uns wirkliche Entspannung überkommen.

Elternsein ist kein einfacher Nebenjob. Es ist Fulltime Nonstop Spot on sein. Kein Wunder, dass uns hier und da die Nerven durchknallen. Keiner verlangt, dass wir stets und ständig freudig strahlend unseren Kindern begegnen. Authentisches Wirsein ist genau so wichtig und wahrscheinlich der 11. Punkt in dieser Liste. Aber viel zu oft driften wir beim Abdriften ganz hinfort und vergessen, dass es auch ganz einfache, kleine Momente gibt, die uns in Beziehung mit unserem Kind treten lassen. Momente, in denen unsere Kinder uns die Türen öffnen und es an uns ist, hindurch zu treten, oder sie zufallen zu lassen.

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