Vortrag

Friday Fives

IMG_4486Die gefürchtete Woche ist geschafft. Schnell in die Vergangenheit damit, aber nicht, ohne vorher noch ein paar schöne und dankbare Momente herauszupicken, bevor die mit ins Dunkel wandern.

1 – Mut und eine kleine Frechheit. Wir haben am Vorabend vor der OP entdeckt, dass wir das Vorgespräch im Krankenhaus versäumt hatten. Und somit die OP nicht mehr gesichert war. Ein ziemlicher Schock, immerhin hatten wir Blutbefunde, die OP Freigabe vom Kinderarzt und uns alle seelisch und moralisch drauf eingestellt. Vor allem auch Herrn Klein. Nun war wieder alles offen. Am Telefon im Krankenhaus sagte man uns, wir bräuchten nicht kommen, wenn wir nicht zum Vorgespräch waren. Herr Klein jubilierte, wir waren mit den Nerven durch. Aber nach einer Weile in Schockstarre haben wir beschlossen, dennoch hin zu fahren, uns ein bisschen “dumm” zu stellen und mit Kind an der Hand und Befunden in der Tasche das Beste zu versuchen. Um so im Zweifelsfall zumindest schneller einen neuen Termin zu bekommen. Gute Entscheidung. Wir wurden eingeschoben und Herr Klein wurde wie geplant operiert.

2 – schlafende Übergabe. Bisher waren die Übergaben an das Anästhesistenteam bei den OPs immer mit viel Schreien und Weinen verbunden. Weil Herr Klein immer noch voll bei Bewusstsein war. Dieses Mal haben sie ihn vorher schon benebelt, er hat das Legen den Venflons gar nicht wahrgenommen und wurde erst in den OP gebracht, als er schon unter Narkose war. Der Liepste war bis dahin bei ihm. Endlich mal eine relativ gute Erfahrung mit einer OP.

3 – Redseligkeit. Normal ist Herr Klein ja sehr verschlossen und spricht nicht über das, was ihn beschäftigt. Aber jetzt ist das anders. Vielleicht hängt es mit seinem Alter zusammen, mit der eher positiveren OP Erfahrung. Und mit einem Buch, das wir vom Krankenhaus zum Thema bekamen. Egal was, ich bin froh, dass ich so etwas besser einschätzen kann, wie es ihm geht. Und er ein wenig mehr abarbeiten kann.

4 – Zeit und Geduld. Die Eingewöhnung spitzte sich die Woche so weit zu, dass Frau Klein sich gar nicht mehr von mir löste, enorm klammerte und beim Betreten des Kindergartens zu mir sagte: “M. daurig is.” Die Pädagogin fragte mich, wie lange ich Zeit hätte für die Eingewöhnung und zeigte mir damit, dass auch sie für viel Zeitlassen sei. Nun ist Frau Klein krank, also beginnen wir nächste Woche, wenn sie wieder gesund ist, nochmal ganz in Ruhe weiter vorn.

5 – Kleinsche Freunde. Herr Klein darf ja nun nach seiner OP eine Woche nicht in den Kindergarten. Sein Freund hier im Haus ist auch gleich freudig daheim geblieben und so können sie den ganzen Tag spielen. Sie machen keine Pause, sind den ganzen Tag hoch beschäftigt und haben ihre Freude. Dafür liebe ich dieses Haus.

So, das is doch wieder ganz erfreulich. Und nun gehe ich trotz Fieberkind zu einem Schreibkurs, den ich schon vor Monaten gebucht habe. Und schreibe ich so ins Wochenende… Euch allen auch ein schönes solches!

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Hausgeplauder I Ein hoher Preis

STAATSPREIS ARCHITEKTUR UND NACHHALTIGKEITAls wir um diese Zeit vor 5 Jahren beschlossen, gemeinsam mit einem Bauträger als Baugruppe bei einem städtischen Wettbewerb mitzumachen, waren wir Neulinge und Pioniere auf diesem Gebiet. Aber wir wollten bauen und brauchten Bauland. Das in der Stadt zu finden – was nun mal unser Anspruch war – ist sonst sehr schwierig und kostspielig. Das Konzept war nicht nur für uns, sondern auch den Bauträger komplett neu und ein Versuch. 

Als wir dann im April vor 5 Jahren tatsächlich gewannen und klar war, dass wir unser Haus nicht mehr nur träumen, sondern auch bauen und beleben würden, wussten wir noch lange nicht, was für ein Projekt wir da wirklich gestartet hatten.

Heute sind wir alles andere als eine Gruppe von Ökos. Wir sind wirkliche Vorreiter einer Bau- und Lebensweise und vor allem im Bezug auf die Art und Weise, wie wir zu diesem Projekt gekommen sind, in welchem Tempo es entstanden ist und in welcher Bauweise das Haus entstanden ist.

All das ist nicht gewöhnlich und auch nicht normal. Es ist besonders und neu und war deshalb für die Jury des Staatspreises für Architektur und Nachhaltigkeit 2014 Grund, dass wir genau diesen gestern erhalten haben.

Ein Wahnsinn.

Nach dem Umweltpreis 2012 und dem VCÖ Mobilitätspreis 2014 ist das nun der nächste Preis, den unser Haus trägt. Wir sind natürlich sehr stolz und glücklich, auch wenn dieser “Ruhm” und “Trubel” manchmal etwas anstrengend sein kann. Wenn man nie weiß, ob man beim sonntäglichen Müllrausbringen ins Hausschlapfen nicht einer Gruppe junger StudentInnen oder bayrischer Baugruppeninteressierten in die Arme läuft. Weil es mal wieder an der Küchentür klopft und jemand aus einer anderen Baugruppe fragt, welcher Boden denn dort verlegt sei, ob wir den gemeinsam ausgewählt haben und wie belastbar er sei. Weil mal wieder ein engagierter Fotograf für irgendwelche Pressemitteilungen oder solch oben genannten Preiskrönungen durchs Haus marschiert und man plötzlich Statistin für lebhafte Aufnahmen ist.

Doch letztendlich macht es Freude immer wieder über das Haus, das Projekt und das Leben hier zu erzählen. Und den Leuten zu versichern: Es sieht nicht nur von außen schön aus, es lebt sich wunderbar und wir sind natürlich immer daran interessiert unsere Erfahrungen und Erlebnisse weiter zu geben, damit es mehr davon geben kann und mehr Menschen so leben können.

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Hausgeplauder – Ein Ameisenhaufen mitten in der Stadt

Großgruppen-Ameisenhaufen inklusive Kinderunterhaltung
Großgruppen-Ameisenhaufen inklusive Kinderunterhaltung

Wenn wir vom Wohnprojekt erzählen, gibt es immer wieder Menschen, die sagen: Das ist mir zu viel Verpflichtung. Da muss ich zu viel tun, und dafür habe ich keine Zeit oder keine Lust. Nunja, ausschließlich Konsumenten, die nur von der Gemeinschaft profitieren, ohne selbst etwas beizusteuern, haben wir tatsächlich nicht so gern. Aber es geht gar nicht darum, dass jeder hier sein Pensum an Arbeit absolviert, sondern eher, dass jeder sich da einbringt, wo es ihm wichtig ist, ihm Freude bereitet. Dass das manchmal in Arbeit ausartet, ist dabei nicht ausgeschlossen. 

Tatsächlich haben wir die Vorgabe, dass jeder im Monat 11h für die Gemeinschaft leistet.  Aber es ist nicht vorgeschrieben, was das ist. Ich kann hier für andere Babysitten, ich kann im Sommer die vielen Grünanlagen gießen, ich kann mich in den diversen Arbeitsgruppen einbringen und das wiederum öffnet ein breites Spektrum an vielfältigen Tätigkeiten. Und dabei wird niemand zu etwas verdonnert. Auch wenn es sich vielleicht manchmal so anfühlt. Aber hey, setzt man sich nicht lieber selbst hin und bespricht die Gestaltung des Kinderspielraumes, als dass irgendeine externe Hausverwaltung hier Vorgaben gibt und sich sonst nicht kümmert, unnötigen “Sperrmüll” abtransportiert und die Räume zu leeren, traurigen Höhlen verkommen? Genau. Und so kann ich mich in der Gruppe, die für die Sauna, die Bibliothek, die Küche, die Werkstatt oder sonstige Räumlichkeiten zuständig ist, einbringen. Ich kann aber auch trockenen Stoff mit erarbeiten, so wie ich in der AG Finanzen und Recht. Da hat man allerdings den Vorteil, dass man immer auf dem aktuellsten Stand der Zahlen und Fakten ist. Ohne dass man – auch so wie ich – viel Ahnung davon haben muss. Das ergibt die “Weisheit der Gruppe”. Auf die bauen wir übrigens schon sehr lange. Eigentlich, seitdem das Projekt entsteht ist.

Vor Weihnachten saß ich eines nachmittags und bestellte sämtliche Schalter-, Kasten- und Türbeschriftungen für das gesamte Haus. Das dauerte in Summe drei Stunden. Hat auch nicht sonderlich viel Spaß gemacht, gebe ich zu. Aber wenn die dann mal da sind (apropos, wo bleibt die Bestellung?) und aufgeklebt (was sicher auch nochmal drei Stunden dauert…) – dann sieht das schön aus. Und macht Freude, wann immer man durchs Haus geht. Bis man sich vielleicht dran gewöhnt hat. Aber eigentlich gewöhnt man sich in diesem Haus an fast nichts. Weil keine Zeit ist. Weil so vieles noch im Wandel ist. So vieles noch entsteht und so einiges sich auch immer wieder verändert. Weil immer irgendwo kleine fleißige Ameisen sitzen und diesen Haufen hier am Sein, Werden und Bestehen halten. Und keine von diesen Ameisen möchte tauschen. Nur manchmal Pause machen vielleicht. Das geht aber auch. Dafür gibt es die sogenannte Wohnprojekt Karenz. Die gilt nicht nur für frische Mütter, sondern für jede/n, die/der es braucht. Aus welchem Grund auch immer. Es mag ganz angenehm sein, sich für eine Weile zurückzuziehen, keine AG Treffen im Kalender tummeln zu haben. Aber dann gibt es so Momente, wo man denkt: “Mist, das würde ich gern wirklich mit entscheiden, da sollte ich mich einklinken.” Macht ja nix. Kann man ja auch. Die Karenz ist ja kein Verbot. Und am Ende macht es auch genau so viel Freude, wieder zurückzukehren und im Bilde zu sein. Denn das fehlt auch, wenn man nicht “dran bleibt”. Dann weiß man wieder nicht mehr, was genau die Preise jetzt für die Gästezimmer sind, wie und wo man die bucht. Dann hat man den neuen Code für einen Schlüsseltresor nicht mitbekommen. Oder versäumt, wer jetzt eigentlich wofür und wie zuständig ist. Ist auch nicht so leicht zu überblicken, dieser Ameisenhaufen. Muss man aber auch nicht. Einfach rein und mitmachen. Irgendeine Arbeit fällt immer ab. Und wer rechtzeitig kommt, der sucht sich die, die am meisten Freude macht. Welche das ist? Tja, das sieht jede Ameise anders. Und wenn man doch mal nicht weiter weiß und eine Info nicht hat, dann gibt es ja genug nachbarschaftliche Ameisen, die aushelfen können.

In diesem Sinne gehe ich mal und schreibe eine ungeliebte email an alle mit einer neuen Info. Und hoffentlich lesen die auch alle Ameisen, sonst laufen wieder ein paar eine Weile in die falsche Richtung und machen anderen Ameisen noch mehr Arbeit. Wie draußen im Wald, also, unser Häuschen hier. Nur eben doch nicht.

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