Auf Wiedersehen, Angst !

IMG_49661993 hat mein Vater durch einen Autounfall seinen Sohn verloren. Gestern hat er durch einen Motorradunfall seinen Stiefsohn verloren. Ein Schiss des Teufels auf den größten Haufen.

Ich hatte keine wirkliche Beziehung zu A., der gestern im Alter von 42 rasant aus dem Leben katapultiert wurde. Er war der Sohn der Frau, die mein Vater heiratete, nachdem er sich von meiner Mutter trennte. Mehr nicht. Wir sahen uns zu Geburtstagen, waren aber komplett verschieden und hatten uns nie viel zu sagen. Dennoch schockt mich diese Nachricht natürlich unendlich.

Was ich darüber hinaus als erstes verspürte war Angst. Diese unsagbare Angst, die in uns Eltern wohnt – die Angst um unsere Kinder. Sie hat mich erschlagen, gelähmt gehalten. Zitternd habe ich meine Kinder beobachtet, wie sie ahnungslos freudig im Leben stehen und spielen. Und das Gedankenkarussell begann sich zu drehen. Schneller und schneller.

Die Angst, liebe, mir nahestehende Menschen zu verlieren, trage ich schon lange mit mir herum. Als dann mein Bruder starb, wurde sie bestätigt und enorm verstärkt.
Mit der Geburt meiner Kinder war mir klar, dass ich diese Angst im Zaum halten musste, damit ich nicht vor Sorgen eingehe. Und so glaube ich manchmal, dass der Herzfehler, mit dem Herr Klein auf die Welt kam, meine persönliche Probe war. Ein Lebenstest in Optimismus. Zum Glück habe ich einen Mann, der davon so viel hat, dass er mir vorgelebt hat, wie das geht. Optimistisch sein. An das Gute glauben. Sorgen sich selbst überlassen.

Heute also diese heftige Watschen. Mein Vater, der zum zweiten Mal mit so einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat. Seine Frau, die … Man braucht wohl keine Worte dafür zu suchen. Und in meinem Kopf mit Zepter und Krone plötzlich wieder diese unsagbare Angst. Alles beherrschend.

Aber was bringt sie?

Ein Mensch, der leidet, bevor es nötig ist, leidet mehr als nötig. (Lucius Annaeus Seneca)

Wir können unsere Kinder nicht ewig beschützen. Wir können ihnen nur eine liebevolle und sichere Umgebung bieten, in der sie sich frei und glücklich entfalten können. In der sie wachsen und werden können. Aber wir können sie nicht einsperren. Nicht, wenn wir wollen, dass sie eigenständige Persönlichkeiten werden.

Also lasst uns einen Mistkübel nehmen und alle Ängste und Sorgen hineinwerfen. Lasst uns in die Augen unserer Kinder blicken und ihnen Liebe und Vertrauen senden. Lasst uns unsere Kinder hin und wieder ein wenig oder ein wenig mehr verwöhnen. Lasst uns hin und wieder ein paar Wünsche wahr werden lassen, ein paar Träume erfüllen. Umarmt Eure Kinder. Aber erdrückt sie nicht. Lasst sie frei – begleitet mit Zuversicht, guten Gedanken und positiver Energie.

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Biblio 05/13 – Von Märchenprinzen (und -prinzessinnen)

kinderliederHeute ist Herr Klein krankheitsbedingt daheim und ich habe uns mal wieder meine guten alten Kinderlieder aufgelegt. Die Musik meiner Kindheit… Dabei hat mich ein Lied heut besonders berührt. Vielleicht, weil wir grad in verschiedensten Lebensecken selber einen Märchenprinzen gebrauchen könnten… Also habe ich aus dem heutigen Bibliofreitag mal eher einen märchenhaften Musiofreitag gezaubert.

Gerhard Schöne singt im Lied „Der Märchenrpinz“ von Situationen, in denen man sich als Kind so gern einen Märchenprinzen wünscht. Einen, der einfach kommt und das Leben richtet. Und am Ende… ach, hört selbst.

http://www.youtube.com/watch?v=gvlEVMwErIc

Aber auch als Erwachsene wünschen wir uns doch immer öfter mal einen Märchenprinzen. Oder eine Märchenprinzessin? Egal, so manche Situationen…

Wenn der Märchenprinz erschiene,
Das wär wunderbar.
Doch du weißt es selbst,
Er macht sich heute leider rar.

Dauernd muss man ihn vertreten,
der scheint sich auszuruh’n.
Man muss selbst nach Wegen suchen,
Selber etwas tun.

Dann kann schon ein Märchenprinz kommen
Und alle schau’n staunend ihm zu.
Es können noch Wunder geschehen,
Der Märchenprinz aber, bist du!

Die gute Nachricht: Für unsere Kinder können wir sehr oft der Märchenprinz sein. In dem wir ihnen einfach ihre kleinen und großen Kinderaugenwünsche erfüllen. Nicht alle, aber immer noch sehr viele. Der Dank? Strahlendes Lächeln. Pure Freude und Begeisterung. Glückseligkeit.

Darüber hinaus wünsche ich unseren Kindern, dass sie auch selbst manchmal Märchenprinzen sind. Und sie „selbst nach Wegen suchen, selber etwas tun“. Für sich. Oder andere.

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Die Erleuchtung

Herr KleinVor einiger Zeit waren wir aus verschiedenen Gründen zur Familienberatung. Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem wir uns selbst nicht mehr herausfanden und ich hoffte auf eine kleine Wegweisung. Ehrlich gesagt befürchtete ich, dass wieder einmal aufgedeckt werden würde, wo wir als Eltern falsch abgebogen waren.

Und so begann ich die Sitzung – mit Herrn Klein auf meinem Schoß, Herrn Groß neben mir und Frau Klein fröhlich blubbernd am Boden auf einer Decke – mit den Worten: „Ich kann nicht mehr. Ehrlich gesagt: Ich will nicht mehr.“ Denn so war es. Herr Klein klebte förmlich an uns. Tagein Tagaus. Er war nicht in der Lage sich auch nur für kurze Zeit selbst zu beschäftigen. Folgte mir bis aufs Klo. Es war nicht so, dass er unsere körperliche Nähe suchte. Vielmehr suchte er Unterhaltung. „Mama, komm mit. Papa, komm mit.“
Langsam langsam hatte ich es geschafft, dass ich sagen konnte: „Ich brauche jetzt mal eine kleine Pause.“ Und diese sogar bekam.
„Aber ich merke, dass ich dann nicht will, dass diese Pause endet. Ich möchte für immer da sitzen bleiben und Pause machen.“ gestand ich Daniela, unserer Beraterin. Und sie nickte und sagte: „Verständlich.“

Ich war erleichtert und erstaunt zugleich. Ich hatte mir erwartet, dass nun ein langer Prozess begann um herauszufinden, warum ich so kein Interesse daran hatte mit Herrn Klein zu spielen, mit ihm zu sein. „Du bist erschöpft.“ sagte sie einfach. Und ich spürte die Tränen in mir hochsteigen.

Und dann redete sie von all dem, was ich doch schon wusste. Dass es wichtig ist, dass wir unserem Leben nachgehen. Dass wir auf uns achten. Nicht nur als Eltern, sondern auch als Menschen. Und dass wir dann da sind, wenn unsere Kinder uns brauchen. In diesem Moment kam mir die große Erleuchtung. Denn was ich in all dem „ich selbst sein“ und „auf mich acht geben“ vergessen hatte, war, dass ich nicht Mutter, und nebenbei Frau war. Sondern dass ich Frau war. Und Mutter. Denn nebenbei Mutter gibt es nicht. Selbst wenn wir wir selbst sind. Wenn wir lesen oder Kaffee trinken. Wenn wir im Kino sitzen oder im Büro. Wir sind Mutter. Immer. Wir denken an unsere Kinder. Wir sind jederzeit sprungbereit. Sämtliches alltägliches Dasein läuft immer wieder darauf hinaus, dass wir Mutter sind. (Oder Vater natürlich. Ich rede hier schlichtweg von mir.)

Aber das bedeutet nicht, dass wir nur mehr Mutter sind. Und uns Pausen für unser Leben nehmen dürfen. Im Prinzip dürfen wir den ganzen Tag Pause machen. Und wenn unsere Kinder uns brauchen, dann sind wir da. Ich könnte (theoretisch) den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und wenn Herr Klein ruft, er braucht eine frische Windel, so stehe ich auf und ziehe ihn um. Und wenn er fragt, ob ich mit ihm Zug spiele, so kann ich überlegen, ob ich darauf jetzt Lust habe, oder nicht.

Ich hatte also alles verdreht. ich war rundum Mutter und schnell zwischendurch mal – ja – Hausfrau. Nur abends war ich ich selbst. Und nun? Bin ich ich selbst. Den ganzen Tag. Und zwischendurch? Hausfrau. Und Mutter? Bin ich sowieso.

Aber es geht gar nicht darum, den ganzen Tag auf dem Sofa zu liegen. Es geht darum, dem Kind zu vermitteln, dass wir nicht als Entertainer den ganzen Tag zuständig sind. Und unsere Auszeit Kochen oder Wäsche aufhängen heißt. Denn so war es bei mir. Ich wollte mittlerweile lieber Bügeln, als mit Herrn Klein seine kleinen Züge die Holzschienen entlangfahren. Nur folgte er mir dann zur Waschmaschine, von da zum Wäscheständer. Und zurück. Warum?

Ich glaubte: weil mein Sohn nicht in der Lage sei, sich selbst zu beschäftigen. Weil er nicht fähig sei zu spielen. Und es machte mich rasend. Doch während ich genau dies mit Daniela beleuchtete, stand mein Sohn von meinem Schoß auf und nahm sich von ihr bereitgestellte Autos und Züge und – begann zu spielen. Völlig konzentriert und vertieft. So, wie ich es mir immer wünschte. Und so selten erlebte.

Ich weiß nun, dass er das nicht konnte, Weil ich ihn an der langen Leine hielt. Weil ich sagte „Ich will jetzt erst noch Wäsche aufhängen. Ich will mir jetzt erst noch einen Tee kochen. Ich muss erstmal die M wickeln, dann bin ich für Dich da.“
Immer diese Wörter die ihm sagten: gleich. bald. dann. Dann hab ich Zeit für Dich. Die ihm keine Ruhe schenkten. Die ihm nicht eindeutig sagten: Ich habe jetzt keine Zeit. So dass er sich damit hätte abfinden können. Denn das kann er. Es hat keine Woche gedauert, da saßen wir am Wochenende alle im Wohnzimmer. Frau Klein gluckste am Boden. Herr Groß las ein Buch und ich strickte. Und Herr Klein? Der spielte mit seinen Autos. Idylle, von der ich nie glaubte, dass sie für uns möglich sei. Idylle, die so einfach war, dass wir sie selbst nicht erkannten.

Aber die viel schönere Folge dieser großen Erleuchtung war: Ich habe wieder Freude daran, mit Herrn Klein zu spielen. Weil ich weiß, dass ich es nicht muss. Weil ich nur dann ja sage und mit ihm spiele, wenn ich wirklich Lust dazu habe. Und seitdem ich mir hin und wieder ein „Nein, jetzt nicht.“ (ohne gleich oder bald oder dann mal) erlaube, seitdem habe ich viel öfter Lust mit ihm zu spielen. Und auch Freude dabei. Ich kann mich wieder auf ihn einlassen und ziehe nicht sehnsüchtig die Hausarbeit vor. Er selbst kann sich besser mit sich selbst beschäftigen und akzeptiert das „Nein, jetzt nicht.“ oder „Ich mag grad nicht.“ viel problemloser als ein „Ja gleich, lass mich erst noch…“

Es klingt so einfach. So banal. Aber es ist gar nicht so schwer in die Schiene zu rutschen, auf der man plötzlich zum Entertainer für das Kind wird. Zur wesentlichen Stimulation und Impulsgebung. Es gilt wieder einmal auf sich selbst zu achten. Und ein „Ich hab jetzt keine Lust.“ genauso zuzulassen wie ein „Ich will das nicht.“ 

 

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