Ein Jahr Elfur – Danke !

rp_Bildschirmfoto-2014-10-28-um-21.19.12-300x260.pngDie Elfur Familienberatung gibt es nun seit einem Jahr. Seit einem Jahr melden sich Menschen, vorwiegend Mütter, bei mir mit ihren Anliegen ihre Kinder betreffend. Die Themen reichen dabei von Schlafproblemen über Trennungsängste (beiderseitig) bis hin zur eigenen Abgrenzung. Und sind dabei buntgemischt und immer wieder neu.

Jede einzelne Beratung ist so individuell wie die Familie, die dahinter steht. Auf jede Anfrage muss ich mich ganz speziell einlassen und kann niemals eine rundum Rezeptantwort tippen. Und genau das ist es, was mir so Freude bereitet. Was mich so fordert und meine Arbeit so aufregend macht.

Meine erster Zweifel, als ich die Elfur Onlineberatung startete, war: Werden Menschen diese Emailberatung annehmen? Werden sie dieses Medium ernst nehmen und vertrauen, dass auch auf diesem Wege etwas Hilfreiches entstehen kann? Und die erleichternde Antwort ist: Ja. Sie tun es. Sie nehmen es dankbar an und schütten mir ihr Herz aus. Sie sind froh über meine Sichtweise, die ihre nicht selten umkrempelt. Und auch wenn ich nicht immer ein fixes Ziel erreichen kann – weil das ja auch gar nicht immer gesteckt ist – so kann ich auf dem Weg begleitend hilfreich sein. Hier geht es ja nicht um gute Noten in der Matheprüfung am Schluss oder den endlich gewagten Sprung vom 10-er Brett als stolzes Ergebnis. Viel mehr geht es darum, dass die Eltern sich wieder wohler fühlen, und sicherer. Dass sie ihre eigenen Ansichten wieder verstehen oder reflektieren. Dass sie wieder erkennen, was für sie wichtig ist und ob sie damit auf dem für sie richtigen Weg sind. Und wenn nicht, wie sie diesen im manchmal dunklen Wald des Elternseins wieder finden.

Es ist eine bereichernde Arbeit für mich. Aber auch eine fordernde. Eine email dauert seine Zeit. Sätze so zu formulieren, dass zum einen mein Verständnis aber auch meine Worte so ankommen, wie ich sie meine, ist nicht immer leicht. Doch auch, oder gerade diese sprachlichen Feinheiten, mag ich ja besonders.

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Und so möchte ich mich heute bedanken für das Vertrauen in meine Arbeit. Und verlose unter allen Kommentaren das Buch “Grenzen, Nähe, Respekt” von Jesper Juul. Weil ich Juul sehr schätze, weil er meine Arbeit sehr beeinflusst und weil ich glaube, dass jedes seiner Bücher für Eltern auf irgendeine Art und Weise hilfreich sein kann. So, wie ich es mir weiterhin für meine Elfur Familienberatung auch wünsche.

Die Verlosung endet am 9.11.2014. Weil das für mich altes Ossikind ein besonderer Tag ist.

Alles Liebe,

Nadine

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Betäubt heißt nicht traumatisiert – Wie ich mein Kind durch eine OP begleiten kann

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuf Grund meiner Erfahrungen werde ich immer wieder von Eltern angesprochen, deren Kinder vor einer Operation stehen. Egal ob große Eingriffe oder kleinere Sachen wie Mandeln oder Polypen – sowohl für Eltern als auch für Kinder ist es eine herausfordernde Situation, die schwer fällt. Unser Kind wird in fremde Hände übergeben, ihm werden – wenn auch nur kurz – durch eine Betäubung Schmerzen zugefügt, es hat Angst und es fühlt sich unsicher und ausgeliefert. Wie gern würden wir es davor bewahren.

Doch wir sind nunmal keine Ärzte, zumindest nicht die, die unser Kind gerade braucht, und so hilft es nichts als einen Weg zu finden, wie wir alle gemeinsam einigermaßen unbeschadet durch diese Zeit hindurchgehen können.

Vertrauen in uns
Aus besagter Erfahrung – sowohl mit großer stundenlanger HerzOP als auch mit minimalem Eingriff einer Frakturrichtung – kann ich eines versichern: Wir Eltern wachsen an diesen Ereignissen. Wir entwickeln Kräfte, die wir uns im Vorfeld nie zugeschrieben hätten. Das geschieht oft auch erst in letzter Minute, wir spüren es kaum und es wird uns vielleicht auch erst hinterher bewusst.

Als der Liepste am Morgen vor Herrn Kleins HerzOP selbst in Tränen ausbrach, sah ich plötzlich meine Stütze schwinden. Bis dahin hatte ich mich voll und ganz darauf verlassen, dass er mich auffangen könnte, wenn ich es nicht mehr schaffe würde. Wenn meine Kräfte aufgezehrt wären. Doch in dem Moment wusste ich: Hier muss ich selbst durch. Ich muss das schaffen. Und als ich dann mit meinem 6 Monate altem Baby allein auf die AnästhesistInnen wartete, während der Liepste draußen wartete, weil nur ein Elternteil mit hinein durfte (hilfreich, wenn solche Details im Vorfeld geklärt sind, wir waren da sehr überrumpelt, dass einer draußen bleiben musste), da war ich plötzlich ruhig und stark. Da hielt ich ihn im Arm und erklärte ihm in Ruhe, was nun mit ihm geschehen würde. Und als die Ärzte kamen, da gab ich ihm einen Kuss und gab ihn voller Hoffnung und Zuversicht zum ersten Mal für mehrere Stunden weg von mir. Die wohl schwersten und längsten Stunden meines Lebens. Natürlich fiel dann draußen alles von mir ab und die Tränen flossen nur so, aber da war der Liepste und wir stützten uns gegenseitig. Und als wir wieder ruhiger wurden, da waren wir sogar fröhlich. Erleichtert, dass dieser Tag endlich da war und bald hinter uns liegen würde. 

Hätte mir das im Vorfeld jemand gesagt – ich hätte nie geglaubt, dass ich so stark sein könnte. Dass ich das so schaffen würde. Wir können darauf vertrauen, dass wir an den Herausforderungen, die uns gestellt werden, wachsen.

Positive Gedanken
Für uns scheint dieser schwere Tag, der uns bevorsteht, immer nur dunkel und grau. Dabei hilft es uns viel mehr, wenn wir erkennen: Das wird ein guter Tag. An diesem Tag bekommt unser Kind die notwendige Heilung, die es braucht. Und letztendlich ist es der Tag, der die lange Zeit des Wartens beendet. Je länger sich eine OP hinauszögert, umso mehr zehrt sie an unseren Nerven, umso mehr sind wir erfüllt von Fragen, Ängsten und Sorgen.

Vorbereiten
Es kann – je nach OP – im Detail wirklich schwer sein zu erfahren, was genau mit unseren Kindern geschieht. Aber es hilft uns zu verstehen und unser Kind entsprechend auf den Eingriff vorzubereiten. Es gibt viele Bücher und darin kann man dann immer ein paar Bilder finden, die zeigen, was auf unsere Kinder zukommt. Natürlich bringen diese Bücher bei kleinen Säuglingen noch nichts, aber sie können dann Jahre später helfen die OP zu verarbeiten.
Manche Eltern meinen, es wäre besser den Kindern nichts zu sagen und sie mit der OP zu überrumpeln. Weil sie meinen, die Kinder würden unnötig zu viele Ängste haben. Oder weil sie selbst Angst haben ihren Kindern mit der Wahrheit zu begegnen. Weil sie selbst voller Ängste sind.

Bei uns im Zimmer lag nach der OP ein Junge aus Rumänien. Sein Vater war mit ihm bis nach Wien gekommen für eine Herzkathederuntersuchung. Der Junge, der im Schulalter war, hatte keine Ahnung, warum er wirklich da war. Sein Vater hatte nur eine Untersuchung  erwähnt, aber nicht, dass er eine Narkose bekommen würde und dass man ihn am Herzen untersuchen würde. Die Nacht ging ganz gut, doch als der Junge am Morgen nichts mehr essen durfte und dann noch ein OP Hemd anziehen sollte, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Dass da mehr, schwerwiegenderes auf ihn zukam. Man sah, dass er immer ängstlicher und panischer wurde. 

Wie mag es dem Jungen gehen in einem Krankenhaus, dass so schon Angst vermittelt. Unwohlsein. Wenn er dann noch vom eigenen Vater so hintergangen wird. Der Vertrauensbruch kann für Kinder schwerer zu verdauen sein, als wenn sie von ihren Eltern gut und einfühlsam durch einen Eingriff und alle damit zusammenhängenden Ängste und Sorgen begleitet werden.

Die Kinder verstehen ja noch nichts? Nun, Kinder verstehen mehr, als wir glauben. Auch Säuglinge kann man auf Untersuchungen vorbereiten. Auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen, nicht alle Zusammenhänge begreifen, so spüren sie: Ich bin hier wichtig, Ich werde ernst genommen, es geschieht etwas mit mir und ich kann mich darauf vorbereiten. Letztendlich hilft es auch uns Eltern, wenn wir mit dem Kind über seine Ängste reden. So verstehen wir besser, was in ihm vorgeht. Und je mehr wir uns damit auseinander setzen, umso heilsamer ist das für uns selbst.

Das bedeutet nicht, dass wir dem Kind nun von früh bis spät von der OP erzählen. Aber in ruhigen Minuten, am Abend. Dann, wenn wir auch die Zeit haben, auf ihre Reaktionen einzugehen.

In Kontakt bleiben
Im Krankenhaus sind Ärzte oder Schwestern nicht immer darauf aus die Kinder in das, was sie mit ihnen vorhaben, aktiv einzubeziehen. Dort wird oft auf die Ablenkungsmethode gebaut. Auf den Überraschungseffekt von hinten. Ich halte davon nichts. Ich bin dafür, dass wir die Kinder auch während der bewussten Eingriffe wie Röntgen, EKG, Venflon setzen, Infusionen legen etc. darüber informieren, was da mit ihnen geschieht. Ohne Ablenkung. Das bedeutet, das wir manchmal gegen die Ärzte und Schwestern arbeiten. Es bringt nichts, mit den Ärzten zu diskutieren. Es hilft mehr die Personen auszublenden und ganz beim Kind zu bleiben. Mit dem Kind reden und die Kommentare des Personals ausblenden. “Du darfst ruhig schreien. Es mag weh tun, aber es muss leider sein. Du darfst schreien so laut wie Du musst. Aber es ist wichtig, dass Du still hältst.” Nicht jeder Arzt wird das verstehen. Aber darum geht es nicht. Es geht um uns und unser Kind. Um den Kontakt zwischen uns. Das Kind soll sich gut begleitet und aufgehoben fühlen und nicht als ein Opfer. Natürlich müssen wir bei all dem auch mit den Ärzten arbeiten, wir müssen ihre Anweisungen weitgehend befolgen. Letztendlich sind wir auf ihre Hilfe, ihre Informationen und ihre Unterstützung angewiesen. Wir dürfen gern auch viele Fragen stellen und versuchen unsere Wege mit denen der Ärzte und Schwestern zu vereinen. Aber wir können nicht nur unseren durchpeitschen. Wir müssen auch nicht nur den des Personals einfach so hinnehmen.
Nicht jede Schwester ist uns sympathisch, aber wir müssen keine besten Freunde werden, wir müssen nur gemeinsam “funktionieren”. Es ist eine Gratwanderung zwischen guter Beziehung zum Personal, das wichtig ist für eine gute Atmosphäre, aber gleichzeitig auch einer guten Beziehung zu unserem Kind, das uns braucht. Jede Sekunde.

Hilfe suchen und annehmen
So ein Krankenhausalltag ist anstrengend und zehrend. Viele Untersuchungen, die unser Kind unruhig machen. Und selbst nach der OP, wenn das Kind sich “nur noch” erholen muss, ist es anstrengend. Wir sind ständig auf Abruf, die Kinder selten zufrieden und entspannt. Es ist wichtig, dass wir da mal Tapetenwechsel bekommen. Für mich war es enorm hilfreich, wenn der Liepste mal ein paar Stunden übernahm, damit ich mal raus konnte. Raus aus dem Krankenhaus, runter vom Geländer voll weißer Kittel und Menschen mit Verband oder Infusion im Arm. Ein Kaffee trinken, eine ruhige Dusche daheim oder ein neues paar Schuhe kaufen. Egal was hilft – tut es. Sucht Euch jegliche Hilfe, die Ihr bekommen könnt und nehmt Auszeiten. Kümmert Euch auch um Euch, denn Eurer Kind braucht einigermaßen gut funktionierende Eltern.

Vertrauen in unser Kind
Zu guter letzt möchte ich sagen: Vertrauen wir unserem Kind. Meistens fürchten wir uns, dass es einen Schaden davonträgt. Seelisch. Dass es traumatisiert wird. Doch ein Kind hat enorme Kräfte und Fähigkeiten. Es wird nicht traumatisiert, weil es für einen Eingriff von uns getragen wird und dabei weint. Es wird traumatisiert, wenn wir diese Situation im Nachhinein nicht mit dem Kind besprechen und es nicht einfühlsam durch diese Zeit begleiten. Wir dürfen darauf gefasst sein, dass unser Kind immer wieder davon redet, dass es gewisse seelische Empfindungen davonträgt. Aber wenn wir diese auffangen und mit dem Kind gemeinsam bearbeiten, so kann es gut heilen.

Herr Klein war 3 Jahre lang extrem ärztephobisch. Er schrie jeden an, der ihm zu nahe kam und seinen Körper auch nur im entferntesten untersuchen wollte. Er ließ sich nicht einmal wiegen oder die Körpergröße messen. Ein Gipswechsel fühlte sich an wie eine Folter. Er hatte Angst irgendwo zu liegen, wo sich Menschen über ihn beugten. Es war anstrengend für uns alle. Aber wir haben es immer ernst genommen. Haben die unverständlichen Kommentare der Ärzte und Schwestern ausgeblendet und sind bei ihm geblieben. Und als ich irgendwann ganz verzweifelt war und bereit mit ihm die Sache therapeutisch anzugehen, hat sich alles schlagartig gewandelt. Mittlerweile kommuniziert er mit Ärzten, er lacht über ihre Faxen, er macht beim Zahnarzt den Mund auf und lässt sich sogar die Augen untersuchen. Er hat einfach Zeit gebraucht. Zeit um Geschehenes zu verarbeiten und Zeit um Vertrauen (wieder)zugewinnen.

Eine OP ist ein unvermeidlicher Eingriff. Er schüttelt uns durch und fordert uns. Aber er traumatisiert uns nicht, wenn wir uns bewusst sind, dass es Zeit braucht, um das Ganze zu verarbeiten. Letztendlich verbindet uns das. Ich habe das Gefühl, dass uns die Herz OP als Familie noch enger zusammen gebracht hat. Weil wir gemeinsam da hindurchgewandert sind. Haben gemeinsam gelitten und gemeinsam gekämpft. Aber ich glaube, dass wir es gemeinsam auch gut geschafft haben.

Ich wünsche allen Familien viel Kraft für diese Zeit. Und ich bin jederzeit gern bereit Fragen diesbezüglich zu beantworten oder Euch in sonst einer Weise zu beraten. Schreibt mir einfach eine email an hilmar {at} buntraum . at

Hier könnt Ihr noch den gesamten Erfahrungsbericht der HerzOP nachlesen. Darin erfahrt Ihr viele weitere Details rund um die Zeit vor und nach der OP. 

Habt Ihr noch hilfreiche Tips? Schreibt sie in den Kommentaren. Es wäre wundervoll, wenn das eine rundum unterstützende Quelle für Familien in medizinisch schwierigen Situationen sein könnte.

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Das muss er doch lernen. Da muss er durch.

IMG_9078Nicht alles haben können. Teilen. Warten. Ein- und durchschlafen. Grüßen. Bedanken. Leise sein. Ruhig sein. Brav sein. Empathie. Die Klobenutzung. All diese und viele andere Dinge muss ein Kind doch lernen.
Zumindest ist das oft die weitreichende Meinung. 

Zweifelsohne müssen Kinder gewisse Dinge lernen. Vielmehr wollen sie diese Dinge lernen. Was wir als Erwachsene lernen müssen, ist, ihnen zu vertrauen. Denn zwischen “Das muss er lernen.” und “Das muss er lernen.” liegen Welten. Große, weite Welten.

Kinder lernen von früh bis spät. Sie lernen beim Aufstehen, dass Mama morgens anders tickt als Papa. Sie lernen, dass der Lieblingskäse mal aus ist. Und sie lernen, dass sie die festen Schuhe anziehen müssen, weil es regnet, obwohl sie die Sandalen wollen. Sie lernen beim Spielen unterschiedliche Farben, Formen, Materialien, auch, wenn ich das nicht bewusst fördere. Sie lernen beim Mittagessen heiß und kalt zu spüren und unterschiedliche Geschmäcker. Nachmittags auf dem Spielplatz lernen sie das Teilen oder Nichtteilen und dessen dazugehörige Gemütszustände. Im Supermarkt lernen sie das Habenwollen und nicht alles haben Können. Auf dem Heimweg lernen sie das schnelle Laufenwollen und Nochnichtkönnen, Sie Lernen Hinfallen und Schmerzen – die Schwerkraft und ihre Folgen. Am Abend erfahren sie Müdigkeit und ihre Facetten.

All das und vieles mehr lernen sie Tag für Tag. Jeden Tag. Immer wieder neu.

Wir können uns nun hinstellen, und immer wieder betonen, dass das nun der Lauf der Dinge ist, das Leben, und man dieses und jenes eben lernen muss. Eine schmerzhafte Impfung. Dass Mama kurz allein aufs Klo will. Da muss er durch. Nur stelle ich mich als Erwachsener dabei drei Stufen über die Gefühle des Kindes. Und fahre brachial mit der Eisenbahn darüber hinweg. Ja, das ist das Leben. Doch anstatt das zu betonen, kann ich vermitteln: Das ist schwer. Das tut weh. Das ist unangenehm. Es macht wütend. Traurig. Manchmal Angst. Der Lerneffekt bleibt der Gleiche. Vielmehr noch: Er wird intensiver. Weil die Gefühle eben wahr- und ernstgenommen werden. Weil eine Situation viel intensiver erlebt wird. Weil sich liebevoller, sicherer Halt auf eine Lernerfahrung positiv auswirkt.

Häufig spielen Angst und Unsicherheit beim Erwachsenen mit. Angst, dem Kind nicht rechtzeitig genügend zu vermitteln. Egal ob Wissen, Sozialverhalten, Wahrnehmung. Nicht genug auf das Leben da draußen vorzubereiten. Also berufen wir uns auf ein “Das muss er doch lernen.” Und dann lehren wir das Teilen. Dann forcieren wir ein “Hallo” oder “Danke”. Dann wischen wir ein vermeintlich kleines Aua mit einem “Das is ja nix, is gleich vorbei.” weg und glauben, so lerne er Aufzupassen.

Aber dieses Lehren, dieses überfahrende Abwinken unter dem Deckmantel des Lerneffekts, ist schmerzhafter als ein geklemmter Zeh. Natürlich muss man durch einen gebrochenen Arm durch. Auch durch eine kurze Trennung von der Mama oder die vom Papa verweigerte Schokolade. Durch die vielen Geschenke beim Geburtstag des jüngeren Bruders, die dem älteren nicht gehören. Aber mit liebevoller Begleitung ist es nicht mehr so ein “Durchkommenmüssen” sondern ein Hindurchbegleitetwerden und dabei erfahren, wie es sich wirklich anfühlt. Ein Gestärktwerden für weitere solcher Erfahrungen. Ein gemeinsames Lernen von Strategien und Möglichkeiten, die Situationen angenehmer zu durchleben. Ist es nicht das, was wir uns für unsere Kinder wünschen?

Ich wünsche mir dazu mehr Vertrauen in die Kinder. In ihre Aufmerksamkeit und Beobachtung des Lebens, in ihr Bestreben danach, so sein zu wollen wie wir und unser Verhalten zu Imitieren. Darin, dass sie von und mit uns lernen. Denn dann lernen sie, wann wir Bitte oder Danke sagen, Hallo oder Tschüß. Sie lernen um etwas zu bitten, statt wegzunehmen. Sie lernen ihren Körper und ihre Wahrnehmung kennen und ihre Grenzen ernst zu nehmen. Sie lernen mit Schmerz und Wut umzugehen. Sie lernen uns zu vertrauen. Und sich selbst. Und das ist die beste Vorbereitung auf dieses Leben da draußen. Auf die große, weite Welt.

 

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