Bewegung

Das Glück des Freien Spiels

Freies Spiel ist Konzentration.

Ist Anspannung.

Ist Freude.

Ist Glück.

Ist versteckter Ernst.

Es ist all das, was selbst gewählt ist und begeistert.

Wo niemand sagt „Schau mal.“ oder „So geht das.“

Wo nur Ja! ist.

Wo pures Erleben ist. Wo Lernen möglich ist, das Spaß macht.

Freies Spiel ist das, was entsteht, wenn wir mehr lassen und zutrauen. Vertrauen.

Freies Spiel ist pures Glück. Denn es lässt so vieles zu.

Entdecken.

Staunen.

Wundern.

Die Zauberhaftigkeit der Welt.

 

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Spielmaterialien im Spielraum – Was mir wichtig ist

Der Herbst naht und damit die nächsten Spielraumkurse. Ich freue mich schon sehr darauf, die ersten Anmeldungen trudeln ein und ich habe begonnen meine Materialien zu sichten, zu erweitern, zu reinigen. Vor allem die kleinen Dinge landen ja öfter in Kindermündern und lagen nun einen Sommer lang im Keller. 

Wenn ich die Kisten raufhole und mich durch die Materialien wühle, möchte ich am liebsten immer selbst spielen. Und das sieht dann ganz anders aus als bei den Kindern. Denn die haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von Spiel. Und genau darum geht es mir auch im Spielraum.

Ich leite dort ja nichts an. Ich schaffe eine Umgebung, die die Kinder zum Spielen einlädt und ich lege Materialien bereit, die sie frei, offen und mit fragendem Blick empfangen. Wenn die Kinder dann direkt losstürmen, alles ausprobieren und letztendlich irgendwo hängen bleiben und ins Spiel versinken, sehe ich, dass die Rechnung aufgeht. Und das ist für mich das Zauberhafte am Spielraum nach Pikler. Das freie. Das offene. Die vielen Möglichkeiten.

Ich habe keine Montessori Materialien da und auch sonst nichts, was einen wirklich didaktischen Hintergrund hat. Nichts von den vor mir bereitgestellten Materialien hat eine Vorgabe und wenn es sie hat, dann darf die im Spielraum gekonnt ignoriert werden. So habe ich natürlich Stapelbecher, weil die Kinder sie lieben. Aber ob sie damit Türme bauen, sei einsortieren, nach Farbe ordnen, daraus trinken spielen oder andere Spielmaterialien hineingeben, ist herrlich egal. Niemand zeigt ihnen, wie „man damit spielt“ oder was damit möglich ist. Das entdecken sie alles selbst.

Wichtig ist mir, die Kinder in ihrer natürlichen Neugier des Alltags einzufangen. So gibt es eben viele Dinge, die wir sonst in der Küche oder im Bad finden. Die wir täglich oder auch selten benutzen und die die Kinder faszinieren.

Sensorisch sollen die Materialien die Kinder vielfältig ansprechen. So gibt es verschiedenste Materialarten (Holz, Metall, Plastik, Textilien, Gummi etc.), Formen, Farben und Oberflächen zu erforschen. Die räumliche Wahrnehmung wird zum einen durch Behälter, Körbe, Schüsseln, Dosen etc. erforscht, aber auch im Labyrinth oder gar im Wäschekorb.

Motorisch sprechen natürlich die Piklergeräte die Kinder sehr an und fordern sie und uns Eltern und Pädagogen immer wieder aufs neue heraus. Krabbeln, klettern, stehen, gehen, fallen und aufstehen probieren und lernen die Kinder hier endlos und es ist immer wieder unfassbar faszinierend, wie individuell, wie ehrgeizig und willensstark die Kinder sich in der Hinsicht entwickeln. Dagegen kann jeder Kinoactionfilm für ich einpacken, ich finde das viel spannender ein Kind zu beobachten, dass es auf die Krabbelkiste hinaufgeschafft hat und nun versucht von da „oben“ wieder herunterzukommen.

Wichtig ist mir auch, dass Kinder eine Wertschätzung sich selbst und den Materialien gegenüber erfahren. So gibt es eben nicht nur Plastikbecher und Dosen, sondern auch Holz, Metall und Textiles. Das wiegt unterschiedlich, das ist in der Handhabung unterschiedlich. Natürlich wird mal ein Korb zerbissen, Metallbecher bekommen Dellen, Holzringe zerbrechen. Natürlich ist es aufwändiger diese Dinge zu reinigen, weil ich sie nicht einfach alle in die Spülmaschine geben kann, sondern manches mit Hand reinigen muss. Aber es ist mir wichtig den Kindern zu vermitteln: Du bist wertvoll, du darfst auch mit wertvollem Material spielen. So bekommen sie zum Trinken auch Gläser und keine Becher. Plastik möchte ich daher weitestgehend vermeiden. Natürlich gelingt das nicht komplett, aber der Fokus liegt dort.

Und während ich die Dinge nun dusche und spüle und auf mögliche Schäden sichte, freue ich mich schon wieder auf die vielen kleinen Hände, Augen und neugierigen Münder, die sich dann darauf stürzen. Ich freue mich auf die vielen neuen Herausforderungen, die sich mir immer wieder stellen im Spielraum. Und auf die wertvolle Zeit mit neuen Familien.

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Was machst du da? Was wird das? Warum machst du das?

Am Wochenende in Berlin haben wir immer wieder Spielplatzpausen eingelegt, damit die Kinder auch auf ihre Kosten kommen konnten. Zu meiner Freude sind in Berlin sämtliche Spielplätze ein reiner Sandboden. In Wien findet man meist nur Rindenmulch, Gras oder Kies. Ich mag den Sand so viel mehr, das ist für mich immer ein bisschen wie Strand daheim und ich kann selbst so gut darin versinken. Mit den Füßen, mit den Händen und mit den Gedanken.

Es dauert meist nicht lange, und ich sitze gänzlich im Sand und grabe mit den Fingern, ziehe Muster und lege Figuren. Häufig Mandalas oder irgendwelche Muster. Und dann dauert es wieder nicht lange und es steht ein Kind neben mir. „Was machst du da?“ fragt es verwundert. Und ich bin oft hin- und hergerissen zwischen den möglichen Antworten. Mal sage ich „Ich spiele.“ oder ich sage „Nichts, einfach nur sitzen.“ Und dann kommt sofort die nächste Frage „Aber was wird das?“ Wie überlege ich. „Weiß ich nicht.“ sage ich oft oder „Irgendein Bild.“ Und die Kinder, die nun noch nicht genug von meinen aussagelosen Antworten haben, fragen dann: „Aber warum machst du das?“ Und dann fällt mir auch nichts mehr ein außer „Einfach so. Weil es mir Spaß macht.“

Mich verwundert dieses Unverständnis oft. Nein, eigentlich finde ich es schade. Denn eigentlich sind es doch die Kinder, die so unnachvollziehbar in ihr Spiel versinken können. Wenn sie es denn können. Eigentlich sollten sie doch die Meister des „einfach so.“ sein. Die Könige der „Spaßdisziplin“. Aber nein, sie suchen nach Zielen, nach Gründen, nach dem Warum. Vielleicht ist es kindliche Neugier. Aber sie zeigt mir, dass es viel mehr von diesem einfachen Tun braucht. Denn gerade dieses „Was wird das?“ finde ich eine sehr unnötige Frage. Warum muss alles immer etwas werden, einen Sinn ergeben, ein Ziel haben? Und was mich am meisten irritiert, ist eben oft der unverständliche Blick meinem „einfach so“ folgend.

Heinrich Jacoby hat einst die Frage geprägt: „Ding, was willst du von mir?“ Er wollte, dass wir Dingen diese Frage stellen, anstatt immer zu fragen: „Was macht man damit?“ oder „Wozu ist das?“ Einfach zu schauen, was Dinge oder Situationen, Umgebungen aus uns heraus holen. Wir haben das verlernt. Wir sind effizient geworden, sinnvoll und effektiv. Wir sollen keine Zeit vertrödeln. Und doch tun wir es von früh bis spät im Netz. Da fragt niemand: „Was wird das?“ oder „Warum machst du das?“ Das ist normal. Ist das nicht ein bisschen krank?

Unsere Kinder sollen didaktisch spielen. Dabei gleich was fördern. Ziele erreichen. Gehirnareale anregen. Nur keine Zeit verlieren beim womöglichen Nichtstun. Deshalb legen wir Babys schon wertvolle Spielsachen parat. Und dann wundern wir uns, wenn sie mit vier Jahren fragen: „Was wird das?“

Ich wünsche mir wieder mehr tun, weil es Freude macht. Mehr „einfach so“ und „mal sehen, wohin es mich führt.“ Für mich. Für meine Kinder. Für uns alle.


Kindersand

Das Schönste für Kinder ist Sand.
Ihn gibt’s immer reichlich.
Er rinnt unvergleichlich
Zärtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behält,
Wenn man auf ihn fällt,
Ist er so weich.
Kinderfinger fühlen,
Wenn sie in ihm wühlen,
Nichts und das Himmelreich.

Denn kein Kind lacht
Über gemahlene Macht.

– Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller –

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