Konflikte

Podcast Folge 9 – Selbstregulation bei Kindern stärken

Heute habe ich endlich mal wieder eine neue Podcast Folge für Euch. Es geht um ein Thema, was mich selbst zuweilen immer wieder beschäftigt und nun auch in einer meiner Emailbegleitungen ein wesentliches Thema ist: Die Selbstregulation bei Kindern und wie wir sie stärken können. 

Selbstregulation ist die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Impulse und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verstehen und damit den Umständen entsprechend umzugehen. Es bedeutet individuelle Möglichkeiten und Wege zu entdecken, um uns selbst emotional und physisch zu regulieren.

Kinder haben diese Fähigkeiten nicht in sich veranlagt, sondern müssen diese erst erlernen und ihr Gehirn entsprechend entwickeln. Dazu brauchen sie unsere Unterstützung. Wie wir sie als Eltern da gut begleiten können – darum geht es in dieser Podcastfolge. Gespickt mit Beispielen und Erzählungen habe ich das Thema einmal für Euch ausgerollt und hoffe, Ihr könnt einiges daraus mitnehmen.

Ich freue mich über Feedback und Kommentare, auch aufgetauchte Fragen hier in den Kommentaren oder per email.

 

Ein interessanter Artikel zum Thema: Selbstregulation bis ins Schulalter

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Deine Wut ist okay. (Nur wie Du sie äußerst, nicht)

IMG_0883Wir kennen sie alle. Diese Kinder, die immer wieder auffallen. Der eine beißt jedes Kind. Die andere kratzt alle. Prügeln um sich, machen alles kaputt, verursachen Chaos und Wirbel. Schrecken die Kleinen, nerven die Großen und hören auf nichts. Wenn die schon auftauchen, kann man eigentlich nur gehen. Ist nichts gutes zu erwarten, kann nur wieder im Chaos enden. Schlimm, diese Kinder.

Sind wir solchen Kindern dreimal begegnet, ist die Schublade bereits klar. Bei jeder weiteren Begegnung haben wir fixe Vorstellungen und Bilder im Kopf. Vorurteile, die sich oft leider auch wieder und wieder bestätigen. Die Kinder bestätigen somit ihre eigene Schublade und somit ihren Weg. Denn das Problem ist in Wirklichkeit nicht das Kind selbst, sondern der Platz in der Gesellschaft, den es sich erschaffen hat. Aber erschaffen warum? Kein Kind wird so geboren. Kein Kind trägt in sich ein Gen zum Prügeln. Kinder werden so. Und nicht selten ist es ein Hilfeschrei. Ein Schrei nach Unterstützung um Wege zu finden, sich anders zu äußern, die eigenen Gefühle und Empfindungen zu erkennen, einzuordnen und zu regulieren.

Oft sind wir nun auf der Suche nach Hilfe für das Kind. Auch die eigenen Eltern – das beste wollend. Ärzte, Therapeuten, Pädagogen und sonstige Bekannte und Verwandte werden um Rat gebeten. Was tun mit dem Kind? Welche Form von Hinbiegung kann helfen? Was ist kaputt, was repariert gehört? Und wer kann das tun? Somit rückt das auffällige Kind immer mehr auffällig in den auffälligen Mittelpunkt. Bekommt zu spüren, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Dass geredet wird. Und wehrt sich. Es will da raus, aus dieser Situation falsch zu sein. Immer alles falsch zu machen und dafür geschimpft, bestraft und entsprechend gesondert behandelt zu werden. Eigentlich, eigentlich will es nur normal sein. Es sucht Kontakte. Es sucht Beziehungen. Es sucht den Weg raus aus der Schublade hinein in die Normalität.

Wie können wir solchen Kindern helfen? Was brauchen sie wirklich?
Es ist nicht leicht die Schublade wieder wegzudenken. Aber es hilft, die Gesamtsituation in Betracht zu ziehen, wenn ich die Möglichkeit habe. Wann macht ein Kind das, was es tut? Was will es uns eigentlich sagen? Körperliche Attacken sind auch immer wieder Hilferufe. Sie äußern auf eine unangemessene Art ihre Sorgen. Es liegt an uns, diese zu verstehen. Das gelingt uns nur, wenn wir uns zurücknehmen und das Kind neutral betrachten. Nicht als schlimmes Kind, nicht als Prügeljan. Ganz einfach als Kind mit Emotionen und Empfindungen.

Leider ist das nicht immer leicht, weil der Grund für solche Handlungen nicht unbedingt momentane Situationen sind, die wir sehen, sondern längst eingefahrene Erfahrungen und Muster, die uns unbekannt sind. Weil sie schon seit Woche oder Monaten, ja manchmal seit Jahren nicht die Begleitung finden, die sie brauchen. Weil auch ihre Eltern nicht wirklich wissen, was sie tun sollen. Sie schimpfen, sie erklären liebevoll, sie strafen und sie predigen. Sie haben oft “alles schon versucht” und nichts scheint zu greifen. So entwickelt sich auch daheim ein Kreislauf und eine Dynamik, der das schlimme Kind erst ein schlimmes Kind sein (werden) lässt. Und dann sind es die Eltern selbst, die ihr eigenes Kind nicht mehr sehen und verstehen. Weil sie mit hineingeraten in diese Schublade. Weil sie die Eltern dieses schlimmen Kindes sind. Weil sie scheinbar ihre Kinder nicht im Griff haben, versagen, unfähig sind. Und sich ebenso auffällig und falsch fühlen. Von manch anderen Eltern genau so betrachtet und behandelt werden. Verschubladet. Sie verlieren den eigentlichen Kontakt zum Kind, gehen auf andere Ebenen und suchen Lösungen für das Kind. Und nicht für sich gemeinsam. Ein natürlicher und oft unaufhaltsamer Weg in die falsche Richtung.

Die schlimmen Kinder werden dann schnell in ihren Handlungen gebremst. Werden sie lauter, wilder, grober, wird sofort gestoppt. Halt. So nicht. Stop! Situationen werden komplett gemieden oder so scharf beobachtet, dass eingegriffen wird, sobald Unmut meilenweit entfernt spürbar ist. Die Kinder? Kommen gar nicht dazu, ihre Gefühle zu äußern, geschweige denn, sie zu begreifen. Denn niemand interessiert sich für das dahinter. Alle wollen nur stoppen, wo es unangenehm wird und unangebracht ist. Niemand kann zulassen und ertragen, was einmal hinaus gehört. Raus aus dem kleinen Körper und aufgefangen von Menschen, die verstehen. Viele Eltern könnten das, wenn sie verstehen würden, dass das eigentlich das ist, was die Kinder brauchen. Keinen Therapeuten, keine Medikamente, keine Strafen, keine unzähligen Regeln. Kein Einbremsen und Zurechtweisen. Einzig Annahme. Auffangen. Erkenntnis der Gefühle, die tief schlummern. Zulassen dieser Emotionen. Und die Vermittlung: Deine Wut (oder was auch immer Dich treibt) ist ok, nur, wie Du sie äußerst, nicht. Denn das ist der Punkt. Bekommen die Kinder Mittel und Werkzeuge vermittelt, ihre Gefühle selbst zu regulieren, dabei aber die Erlaubnis, ihre Empfindungen als ok und in Ordnung zu erleben, dann brauchen sie nicht mehr über sich hinaus gehen und das Unangenehme, das Unverständliche und Quersitzende hinausprügeln. Dann können sie innerlich zur Ruhe kommen und entspannt erkennen, dass auch andere so empfinden. Und wenn da Ruhe ist, dann muss ein Kind nicht mehr zuschlagen, dann kann es Wege finden, diese Emotionen einzuordnen, anzunehmen und anders zu regulieren.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen erkennen, dass diese Kinder nicht das Problem sind, sondern ein Problem haben und um Hilfe bitten. Auf ihre eigene, ihnen oft einzig mögliche Weise. Sie wollen auf sich aufmerksam machen. Das gelingt oft durch auffälliges Verhalten. Die Aufmerksamkeit kommt. Zwar nicht die, die sie sich erhoffen, aber es ist eine da und mit ihr die Hoffnung, dass sie doch jemand einmal so erkennt, wie sie sind und sieht, was sie brauchen. Sie auffängt und annimmt. Der versteht, welcher Schuh wirklich drückt.

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