Dein Lachen to the moon and back

23 Jahre ist es her. Du bist länger tot, als du je gelebt hast. Ich bin doppelt so alt, wie du warst. Und doch bist du der Große. Mein großer Bruder. Heute vor 23 Jahren plötzlich gestorben.

Was bleibt in der Erinnerung, die sich allmählich nebelt, ist dein Lachen. Dein strahlendes, breites Lachen. Dein Humor. Vielmehr Deine Ironie und Dein Sarkasmus. Den hattest du perfektioniert. Als ich klein war, hast du mich abends in dein Bett geholt und mir Geschichten erzählt, die ihr mit eurer Lehrerin angestellt habt. Die Arme. Naja, kein Wunder, dass sie regelmässig vor unserer Tür stand um mit Mama zu reden. Ich habe mich jedenfalls herzlich gekringelt im Bett bei deinen Erzählungen. Immer und immer wieder.

Wenn wir allein zu Haus waren, hast du mich streng ins Bett geschickt. Nur um mich dann irgendwann grinsend wieder rauszuholen. Dann haben wir Filme geschaut. Bei Louis de Funes haben wir uns die Bäuche gehalten. Du konntest ihn so herrlich nachmachen. Wir hatten es gut.

Als du dann bei der Bundeswehr warst und nur noch alle paar Wochenenden da, hatten wir ein liebevolles Begrüßungs- und Abschiedsritual. Wir haben uns gegenseitig mit den Wimpern die Augen gekitzelt. Heute mache ich das manchmal mit meinen Kindern und sie kichern so wie wir damals. Küken hast du mich genannt. Und irgendwie war ich das auch.

Die Gedanken an dich sind fröhlicher geworden. Natürlich tut es weh, dass du nicht mehr da bist. Das Gekicher und der Halt, den meine Kinder aneinander haben, zeigt mir immer wieder, wie sehr du mir fehlst. Wie sehr mir das fehlt. Dieses innere Band, das nur Geschwister so stark haben. Und viel länger haben sollten. Aber mir bleiben so viele bunte Erinnerungen. Ich halte sie fest und gefangen in meinem Herzen. Für immer. Und Dein Lachen wird ewig in mir strahlen – to the moon and back straight into my heart. I miss you. I love you.

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Weißt du noch – die Geburt unseres Kindes…

Mit fortschreitender Schwangerschaft und den Begegnungen mit anderen Eltern folgt oft immer wieder das gleiche Thema: Die Geburt. Wie und wo werde ich dieses Mal entbinden. Wie und wo habe ich zuvor entbunden und wie habe ich das erlebt? Und all dem folgt meist ein Austausch über die persönlichen Geburtserfahrungen beider Seiten. Nicht nur der meinen. Nicht nur der anderer Mütter, sondern auch der anderer Väter. 

Dabei ist mir besonders eines aufgefallen: Die unterschiedlichen Wahrnehmungen der gleichen Geburt. Das ist natürlich unvermeidlich. Die Frau erlebt die Geburt körperlich, der Mann erlebt das Ganze – egal wie involviert er ist – von außen. Körperlich vergleichsweise schmerzfrei. Anders emotional. Gezwungener weise distanzierter. Nur dabei, statt mittendrin. Sie erinnern sich an Details, die wir nie bemerkt oder längst vergessen haben. Und waren oft betroffener, als uns bewusst gewesen sein mag.

Aber all das ist auch gar nicht das Auffällige. Das, was mir auffällt, ist, dass es für beide immer ein sehr bewegendes, emotionales, sehr präsentes Thema ist. Eines, bei dem die Männer oft auch ungefragt erzählen, bei dem sie sich mehr einbringen, als bei anderen Themen die sich rund um die Familie oder die Kinder drehen. Aber auch ein Thema, bei dem beide ganz andere Erinnerungen mit sich tragen. Nicht immer nur gute. Und nicht selten unausgefochtene.

Die Geburt eines Kindes ist immer wieder ein einschneidendes Erlebnis. Eines, dass uns ewig in Erinnerung bleibt, egal wie viel wir davon vergessen. Denn das ist einiges und doch bleibt das Wesentliche hängen oder taucht wieder auf, wenn wir es zulassen und die Gespräche und Gedanken dahin lenken. Wir erinnern uns an einzelne Augenblicke, an Gefühle. An einzelne Wortfetzen und Gerüche. An Gesichter und wundersame erste Male. Die Geburt ist aber auch das Erlebnis, dass uns mit denen, die dabei waren, auf gewisse Weise verbindet. Oder – je nach Geburt – für immer distanziert.

Und gerade weil uns dieses Erlebnis auf ewig begleitet, ist es wichtig, dass wir es irgendwann gut und rein mit uns tragen können. Dass wir Wege finden, es so anzunehmen, wie es war. Und loszulassen von Vorstellungen oder Wünschen des Nichterfüllten. Das kann ein langer Prozess sein und es muss nicht immer die gesamte Geburt betreffen, sondern es können einzelne Momente sein, die wir uns anders gewünscht hätten, im Nachhinein am liebsten verdreht hätten. Es können Situationen von vor- oder nachher sein, denn das Geburtserlebnis hört nicht auf mit dem Moment, dass das Kind auf der Welt ist. Es hört auf mit dem Tag, an dem wir unser Leben in Ruhe und im Alltag mit Kind beginnen. Stunden, Tage oder Wochen nach der Geburt – das ist ganz unterschiedlich.

Und – das ist besonders wichtig: Das Geburtserlebnis haben nicht nur wir bestimmt. Es ist zu einem gewissen Teil mit beeinflusst durch die Menschen, die um uns herum waren. Sie haben nicht unbedingt die Geburt bewusst beeinflusst, aber sie haben im Nachhinein das Erlebnis ganz unbewusst mitgestaltet. Durch Worte, an die wir uns erinnern, durch bestimmte (Nicht)Handlungen und ihre (Nicht)Präsenz in gewissen Situationen. Und genau hier ist es wichtig, dass wir mit ihnen gemeinsam ein Erlebnis in uns tragen. Und dazu gehört das Gespräch.

Hebammen machen das oft ganz natürlich. Für sie ist es Teil ihrer Begleitung. Sie fragen nach den Empfindungen und wie die Geburt im Gesamten erlebt wurde. Sie besprechen mit uns die Erinnerungen und Abläufe. Aber was ist mit unserem Partner oder der geburtsbegleitetend Person? In wieweit haben wir mit ihm oder ihr die Geburt ausgesprochen? Denn immer wieder erlebe ich Sätze wie “Na Du hast ja…” oder “In dem Moment hätte ich Dich…”. Sätze, die mir zeigen, dass in beiden noch viel schlummert und brodelt, was nie gemeinsam besprochen wurde. Oder wenn – dann nicht ausgesprochen, nicht beseitigt und bereinigt wurde. Etwas, dass wir so ewig in uns tragen.

Eine Geburt erfordert im Nachhinein Kommunikation. Wenn wir wollen, dass wir das Erlebnis gemeinsam und in Ruhe abgeschlossen bei uns tragen, dann braucht es den Mut zum Gespräch. Früher oder später. Ein Gespräch, in dem beide die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen, Empfindungen, ihre Gedanken und Wünsche darlegen zu können. Das geht meiner Meinung nach nur, in dem beide einen Moment finden, in dem sie bereit dazu sind zuzuhören. Und das anzunehmen, was der andere zu sagen hat. Einen Moment, in dem nicht sofort zu Rechtfertigung oder Gegenschlag gegriffen wird, sondern in dem achtsam angenommen werden kann, was gesagt wird. Und in dem wir uns sicher und vertraut genug fühlen, um selbst von uns reden zu können.

“Ich weiß nicht, wie oft der Liepste und ich die Geburt von Herrn Klein schon erzählt haben. Sie war für uns beide ein ziemlich schockierendes Erlebnis auf Grund der Geschwindigkeit und Heftigkeit aller Momente dabei. Aber wenn wir davon reden, so habe ich das Gefühl, dass wir von ein und demselben Erlebnis, von ähnlichen Emotionen und Momenten erzählen. Dass wir es beide gemeinsam tragen und somit heute beide auch gut in uns tragen können.”

Wir werden dadurch die einzelnen Wahrnehmungen nicht umkehren können. Wir werden Schmerzen oder Emotionen, Gedanken oder Gefühle nicht verdrehen oder austauschen können. Aber wir haben so die Möglichkeit, einander näher zu kommen, uns durch dieses gemeinsame Erlebnis noch besser kennenzulernen. Und es so – wie unser geborenes Kind auch – gemeinsam getrennt in unseren Herzen zu tragen. Als Teil von uns. Als Teil unserer Geschichte.

Wie habt Ihr die Geburt erlebt und wie erlebt Ihr sie heute noch in Eurer Erinnerung? Habt Ihr sie einmal ganz in Ruhe miteinander besprechen können mit der Person, die Euch dabei am nächsten war? 

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Was ich manchmal vermisse

Das Tagträumen nach einer langen Nacht hinter der Bar.
Das Tagträumen nach einer langen Nacht hinter der Bar, vermisse ich schon manchmal

Viele Menschen fragen sich, was sich ändert, wenn man Kinder hat. Freunde haben damals zu uns gesagt: ‘Es ändert sich alles und es ändert sich nichts. Es kommt darauf an, was Du bereit bist zu ändern und was Du zu arrangieren weißt.” Sie hatten damit nicht ganz unrecht, nur hatte ich danach nicht erwartet, wie viel sich tatsächlich ändern würde. Und ich bin froh, dass ich es nicht wusste.

Heute vermisse ich so manche Dinge aus meinem früheren Leben als Nichtmutter. Nicht täglich und nicht ständig. Aber es taucht auf. Hier und da.

Im Moment sitze ich allein im Wohnzimmer, der Liepste ist aus und die Kinder schlafen. Ich surfe mich durch Youtube auf der Suche nach musikalischer Unterhaltung. Und vermisse das Tanzen. Das Weggehen und bei viel zu lauter Musik einfach nur mit den Füßen zu träumen. Zeitlos und frei. Auch zu Hause habe ich mehr getanzt. Aber das macht keinen Spaß heute, wenn die Musik nicht laut genug sein kann, damit man das Schleifen der Füße am Parkett nicht hört. Sonst wachen schließlich die Kinder auf… Apropos Musik. Ich vermisse die laute Musik am Abend. Ich war sehr musikvernarrt. Immer up to date in der (post)rock, electro, indie pop szene. Ich war auf Konzerten und genoss das, was Musik mit mir machte, wenn sie einfach laut und gut in mich einfuhr, meine Gedanken mitriss und mir Gefühle bescherte, denen ich mir vorher nicht bewusst war. Heute läuft Musik im Hintergrund. Und meistens auch nur die von damals. Was ist neu? Wen gibts eigentlich noch? Das letzte Mal war ich 2012 auf einem Konzert. Ach.

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verregnet beim Radiohead Konzert in Glasgow. Original Schottisch. trotzdem grandios.

Und bei der Musik von damals tauchen Erinnerungen aus alten Zeiten auf. Natürlich. Und dann vermisse ich das Kellnern. Die verdrehte Welt. Die langen Nächte, das Schlafengehen, wenn die Zeitungsausträger aufwachen. Die summenden Füße nach einer satten Schicht. Den Humor mit guten Gästen. Das geordnete Chaos hinter der Bar und in der Küche. Den Klatsch und Tratsch am Tresen. Das kühle Bier nach einer langen Schicht. Das Klimpern des Trinkgeldes.

Aber so gern wie ich gekellnert habe, so gern war ich selbst abends weg. Während unserer Zeit in Schottland war das ja das sozialste, was man tun konnte. Und ich vermisse es manchmal. Nicht das exzessive Trinken dort, sondern das spontane Unterwegssein nach der Arbeit. Das spontane Freundetreffen und Hängenbleiben. Das Uhrenvergessen und nicht ums Aufstehenkümmern. Natürlich hat man es oft und nicht zu selten bereut am nächsten Morgen. Aber immerhin war man dann nur mit sich selbst beschäftigt.

Wir haben auch gern Freunde eingeladen. Haben gekocht. Eine Flasche Wein geöffnet. Oder drei. Und sind vollgefressen bis in die frühen Morgenstunden gesessen und haben die Welt verbessert, gelacht und Geschichten gesponnen. Auch das vermisse ich. Obwohl es möglich wäre, machen wir es zu selten. Kaum noch. Hier im Haus sind wir schneller in Kontakt mit anderen als geplant. Deshalb kommt es seltener dazu, dass wir uns wirklich mit jemandem verabreden.

Viele und noch viel mehr Dinge, die ich vermisse. Wenn ich so allein daheim sitze und mich durch alte Songs grabe, wenn ich in die Vergangenheit reise und alte Zeiten neu belebe. Und Dinge, von denen ich weiß, dass sie wiederkommen. Wenn die Kinder älter sind, größer und wir wieder freier. Dinge, die dann ganz anders sind, erwachsener, älter. Besser?

Was ich aber nicht vermisse ist die Frage nach all den Dingen, die ich jetzt habe. Einen Mann, Kinder, ein erwachsenes Leben. Weniger auf der Suche zu sein. Dieses ständige Vermissen von Sicherheit. Das Gefühl angekommen zu sein im Leben – ich habe lange nicht geglaubt, dass es das gibt. Auch ohne Stillstand, in stetiger Bewegung, ist doch alles da, wo es sein soll. Jetzt. Hier. Dafür bin ich dankbar. Aber manchmal, nur manchmal, genieße ich auch das Vermissen des anderen Lebens.

Was vermisst Ihr aus Eurem Leben vor dem Elternsein? Erzählt. Kommentiert. Verbloggt es. Ich bin neugierig!

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