Gewohnheiten

WMDEDGT – Ein ganz normaler Mittwoch

Jeden 5. des Monats sammelt Frau Brüllen Blogbeiträge zum Thema „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Und das passt ja sehr gut zu mir, weil ich dazu tendiere zu glauben, dass ich ja nix schaffe hier und nix mache. Also habe ich mir vorgenommen da heute mal wieder mitzumachen.

Der Wecker klingelt ja gewöhnlich zu früh hier. Nach und nach tauchen alle Familienmitglieder in Küche/Wohnzimmer auf. Ich warte sehnsüchtig auf den ersten Kaffee. Der Liepste war die letzten Tage in Deutschland und Holland und hat dort heimische „Spezialitäten“ mitgebracht. Schokostreusel fürs Frühstückstoast. Das soll es also geben und die Kinder sind natürlich begeistert. Während ich mich an meine Kaffeetasse klammere, versuchen die anderen verzweifelt die Streusel auf dem Toast statt unter dem Tisch zu behalten. Holland – wir haben da ein paar Fragen!!!

Jedenfalls bin ich froh, als kurz vor 8 alle aus dem Haus sind und ich in Ruhe umringt von Schokostreuseln meinen Kaffee trinke. Es folgt der Blick in die Emails und das weite Web, eine Dusche und ein Anruf bei der Kieferorthopädin, weil die Bewilligung für die Zahnspange für Herrn Klein da ist. Leider hat das bei der Krankenkasse so lange gedauert, dass er den grausamen Abdruck noch einmal machen muss für die endgültige Spange. Mir verknotet es dabei den Magen. Dann ein Gang in den Keller um mir eine Waschmaschine für nachmittags zu reservieren. Um 9.45Uhr habe ich eine Shiatsubehandlung bei Isa von Shiatsu für Zwei. Hmmmmm. Oben im Meditationsraum scheint die Sonne, es ist herrlich warm und mein steifer Nacken bekommt, was er verdient. Der Rücken freut sich ebenfalls über Entspannung und überhaupt sind diese Shiatsubehandlungen ja eigentlich ein Muss für alle Eltern, finde ich.

Danach sitze ich beseelt mit einem Tee daheim und beantworte Emails, richte ein paar technische Fehler im Online Kurs „Achtsam Familie“ und schaue wie es meinem Buch geht. Ich knete und forme ein paar neue Ideen in meinem Kopf zurecht, dann muss ich auch schon wieder los. Immerhin ist morgen Nikolaustag, da muss noch einiges besorgt werden. Also auf ins Einkaufszentrum, aka Hölle. Dort in die Buchhandlung. Zum Nikolo gibt es bei uns immer für jedes Kind ein Buch, das ist mittlerweile eine schöne Tradition. Herr Klein bekommt „Das verrückte Baumhaus“. Davon hatte er Band 3 zum Geburtstag bekommen und er hat es geliebt. Miniklein bekommt „Lieselotte ist krank“ denn wir lieben Lieselotte. Frau Klein bekommt CDs von Kiri Rakete, denn die hat sie am Freitag auf einem Konzert gesehen und war begeistert. Und sie liebt Musik. Ist zwar kein Buch, aber so ähnlich.

Vom Einkaufszentrum aus geht es direkt zum Supermarkt, Schokonikolos besorgen und dann ab in den Kindergarten, Kinder einsammeln. Die Sonne lacht, also geht es danach noch eine Runde auf den Spielplatz. Hmmmm die Sonne tut gut, auch wenn es sehr kalt ist. Minikleins liebster Freund kommt auch eine Runde dazu und mit ihm fährt er dann nach Hause, während ich mit Frau Klein zur Schule fahre. Der Weg dahin ist sehr schön, es ist fein mal mit ihr allein zu sein. Sie redet dann ganz anders und viel mehr. Wir genießen das beide sehr.  In der Schule sammeln wir Herrn Klein ein. Der geht oft gern allein nach Haus, aber derzeit hat er eine Phase, wo er das nicht will und dann will ich ihn da auch nicht drängen. Mir ist lieber er geht guter Dinge den Weg und die Straßen entlang, als unwillig. Das kommt ja alles noch früh genug. Ich muss noch ein wenig an ein Gespräch von gestern Abend denken, wo es darum ging, dass wir als Kinder sogar allein in den Kindergarten gegangen sind quer durch die Kleinstadt. Das ist heute undenkbar. Naja in einer Stadt wie Wien sowieso. Unterwegs sage ich Herrn Klein, dass er nochmal zum Kieferorthopäden muss. Er ist nicht begeistert aber zu meiner Überraschung weniger geschockt als ich. „Naja, wenigstens weiß ich jetzt, wie das ist. Dass das voll scheiße ist.“ Und ich denke mir: Recht hat er. Fluchen darf er.

Daheim experimentiert Herr Klein zu meiner großen Freude mit Kneteherstellung herum und will dann unbedingt zum Supermarkt um Lebensmittelfarbe zu besorgen. Frau Klein will unbedingt mitgehen und so gehen die beiden allein einkaufen. Auch so ein Erstes Mal, jedenfalls für Frau Klein. Aber man sieht, wie sie in solchen Momenten aufblühen und ich mag es sehr, diese Art des Selbständigwerdens in ihrem eigenen Tempo. Ich wurde früher oft gedrängt dazu beim Bäcker selbst zu bestellen oder einkaufen zu gehen, das hat mich irre gestresst. Da genieße ich es zu sehen, wie die Kinder das dann machen, wenn sie bereit dazu sind.

Kaum zurück fliegen beide Kinder im Haus aus zu ihren Freunden und ich habe Miniklein wieder bei mir. Der hilft mir beim Wäschemachen mit großer Begeisterung. Uns ist ja gerade die Waschmaschine eingegangen, also müssen wir nun gut planen und die Waschmaschinen im Haus in unseren Alltag integrieren. Erstaunlicherweise geht das besser als mit eigener Maschine, ich habe seitdem viel weniger Wäsche herumliegen hier. Zauberhaft.


Wir schauen noch ein paar Bücher an, dann ist schon Abendessenzeit. Alle Kinder fliegen wieder ein und wir essen gemeinsam, dann schauen sie ihre tägliche Serie. Und irgendwie fällt dann allen ein, dass sie ja noch ihre Schuhe putzen müssen. Große Aufregung macht sich breit, natürlich müssen alle Bürsten verwendet werden, egal wie, tüchtig muss es aussehen. Und ich bin beeindruckt, dass Herr Klein noch immer an all den Zauber glaubt.

Die Aufregung wühlt alle auf und sie ins Bett zu kriegen ist ein bisschen wie ein Rudel kleiner Katzen in einen Korb zu bringen. Am Ende liegen nun aber alle drei schlafend in ihren Betten. Wir werden jetzt ihre Schuhe befüllen und dann die Fotokalender für die Verwandtschaft bestellen. Und ich werde noch einen kurzen Text für meine 100 Tage Schreiben Challenge verfassen. Die macht mir irre große Freude. Achja und Schuhe muss ich auch noch putzen, denn die Kinder haben schon gesagt, dass wir ja unsere auch rausstellen müssen. Tja.
Aber dann, ja dann werde ich hundemüde ins Bett fallen. Tja, was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Manchmal frage ich mich das wirklich. Aber wenn ich das dann so aufschreibe, frage ich eher: Wieviele Tage stecken eigentlich in so einem Tag??

 

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Was machst du eigentlich den ganzen Tag

Jeden 5. des Monats sammelt Frau Brüllen Tagebuchbloggerei. Ich wollte da schon immer mal mitmachen, aber dann war immer schon der 7. und überhaupt. Die Tage überholen mich manchmal im Sturzflug.

Dieser Donnerstag fing so an wie fast jeder Tag. Die Kinder tapsen in unser Bett oder wollen laut rufend geholt werden. Dann wird noch bis zur letzten Minute gekuschelt, während der Liepste schon in der Küche einladend herumscheppert. Ich wandle umher auf der Suche nach einer Strickjacke. Ja, es ist Herbst. Eine Tasse heißes Wasser soll mich aufwärmen, bevor mein Körper nach Kaffee schreit, während die Kinder ihre Essenswünsche lautstark verkünden.

Nach dem Frühstück wird im Galopp in die Klamotten gehüpft, Zahnbürsten werden geschwungen und im letzten Moment noch Aufsätze unterschrieben. „Ganz toll“ steht da als Bewertung der Lehrerin und ich schiebe ein „Hey cool, der war ja komplett fehlerfrei.“ hinterher. Dann verlassen 3 von 5 das Haus und ich bleibe mit Miniklein zurück. Er hängt müde an mir und ich sehne mich schon vor 8 nach seiner Schlafenszeit. In alter Nostalgie schalte ich mal wieder Radioeins per livestream ein und tanze mit Miniklein durchs Wohnzimmer. Mehr ist hier grad eh nicht zu machen.

Gegen 9 kommt eine Nachbarin und wir hausverwalten ein paar Rechnungen und schicken Mahnungen. Und während wir die Zeit vertratschen schläft Miniklein auf meinem Schoß ein wie ein Baby. Ich hachze und seufze. Dann lege ich ihn in sein Bett und tanze jubilierend ins Wohnzimmer zurück. Ding Dong Freizeit!! Und während ich mein Geschwisterbuch Hand in Hand: Geschwisterbeziehungen verstehen und begleiten* überarbeiten will, wacht Miniklein auch schon wieder auf. Ding Dong Feierabend!!

Um 11:30Uhr gehen wir essen. Wir haben mit ein paar Nachbarinnen eine kleine feine Mittagsrunde gebildet, so dass wir nicht allein in unseren Wohnungen essen müssen. Wir tratschen und essen, die Kinder flitzen umher und ich merke heute, wie mir doch alles etwas viel ist. Ich bin noch immer angeschlagen von meiner Verkühlung. Hülft nix.

Um 12:30Uhr mache ich mich auf den Weg. Ein kleiner Einkauf und ab in die Schule. Herr Klein möchte heute gleich nach dem Essen geholt werden und ich gönne ihm diese Freiheit noch. Danach holen wir Frau Klein ab und hüpfen noch ein wenig hinüber auf den Spielplatz, wo wir ein paar sonnigwarme Blättertänze erleben.

Dann wollen alle Kinder heim und wir spazieren durch den immer stürmischer werdenen Herbstwind.

 

Daheim will ich endlich das Granola aus dem Buch Goodbye Zucker: Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen – Mit 108 Rezepten* ausprobieren und mische Kokosraspeln mit Nüssen und Kokosöl. Im Ofen riecht das ganz wunderbar und macht mir Lust aufs Frühstück.

Herr Klein macht nebenbei Hausaufgaben und will dann sein Bilderbuch fertigstellen. Er träumt davon, dass es im Buchladen aufliegt und ich muss ihm die entsprechenden Vorgänge erklären, die es dazu braucht. Er schaut mich mit großen Augen an…

Dann nimmt dieser Nachmittag seinen wohnprojekttypischen Lauf. Die Kinder suchen andere Kinder, finden diese nicht, dafür aber wiederum andere, irgendwer läutet und sucht die umherziehenden Kinder. Und in unserer Wohnung befinden sich stets zwischen 1 und 7 Kindern. Mir schwirrt der Kopf während ich im Kinderzimmer das Prinzessinnenschloss abbaue, weil niemand damit spielt. Frau Klein nickt nur und sagt: „Ja, damit spielt niemand. Aber Mama, nicht verschenken!“ Sie kennt mich gut. Ich trage es vorerst in den Keller.

Gegen 18Uhr werfe ich alle nichtmeinigen Kinder hinaus und wir essen zu Abend. Ich genieße die Stille und ein bisschen Blödsinn mit den Kindern. Nach dem Essen fange ich Miniklein ein und mache ihn bettfertig. Dann geht’s ab in seine Höhle, während die anderen beiden ihre abendliche Serie schauen. Fast schlafe ich mit Miniklein ein, aber halt. Noch ist nicht Feierabend. Jetzt die anderen zwei. Umziehen, Zähneputzen und Klo machen sie schon so gut wie allein, was mich erfreut. Zwischendrin fragt Herr Klein denkbar beschäftigt „Mama muss man das Buch dann da hintragen zu diesem – wie heißt das?“ – „Verlag.“ „Nein, das kann man schicken. Das schaut sich dann wer an und entscheidet, ob sie es drucken wollen.“ Herr Klein wird immer kleiner.
Wir lesen noch ein paar Bücher gemeinsam und dann kuschle ich beide ins Bett. Sie jammern und schimpfen, weil der Papa die ganze Woche spät heimkommt. Und ich jammere und schimpfe innerlich ein bisschen mit.

Feierabend. Ich wundere mich noch etwas über meine „Die ganze Welt ist doof.“ Stimmung, bis mir ein Blick in den Kalender sagt, dass schon wieder 4 Wochen um sind seit der letzten ähnlichen Stimmungslage. Also Wärmflasche und ab ins Bett, lautet der Plan. Morgen warten zwei Spielräume auf mich. Gute Nacht!

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