Die Wahrheit. Nichts als die Wahrheit.

Auf der Pikler Spielraum Tagung vor kurzem war es vor allem ein Vortrag, der mich am meisten berührt hat. Nicht nur für meine zukünftige Tätigkeit, sondern vor allem auch privat hinsichtlich der medizinischen Vergangenheit (und Zukunft) von Herrn Klein.
Denn ja – es gibt ihn tatsächlich. Diesen Kinderarzt, der sich Zeit nimmt. Der mit einem Kind redet, bevor er es berührt. Und der hinterfragt.

Dieser Kinderarzt heißt Doktor Wolfgang Schaller und ist mittlerweile in Pension. Außerdem wäre Salzburg dann doch etwas zu weit weg, für Routineuntersuchungen als auch für Notfälle.
Was Doktor Schaller jedenfalls herausgefunden hat, während seiner Zeit als praktizierender Kinderarzt, ist vor allem eines: Kinder brauchen Wahrheiten. Viele Probleme wie Schlafstörungen oder anhaltende Schreiphasen sind in der Tiefe der Seele eines Kindes begründet, oft im Unterbewusstsein, und können durch Reden und Erzählen der Wahrheiten, die in der Familie schlummern, behoben werden. Können.
So hat er von Fällen berichtet, wo eben solche Schlafprobleme verschwanden, weil er nach einem Gespräch mit den Eltern herausfand, welche Probleme es während der Schwangerschaft, Geburt oder Nachgeburtszeit gegeben hat, die Eltern bat, dem Kind davon zu erzählen und so unbewusste, tief sitzende Ängste gelöst hat.
Immer wieder hat er bei den Eltern nachgebohrt, und „Beichten“ hervorgeholt, die geheilt haben.
Wie wertvoll ist es für ein Kind, wenn es eben diese Wahrheiten erfährt, anstatt verängstigt oder verunsichert aufzuwachsen?
Und letztendlich ist es ja nicht nur Heilung für das Kind, sondern auch für die Eltern. Deren Sorgen oder Probleme erhört werden, die diese Aussprechen können. Und die dann, mit einem entspannteren Kind eine wesentlich entspanntere Zeit leben und genießen können.

Genauso können es ja auch ganz einfache Wahrheiten sein, die den Eltern gar nicht als Problem aufgefallen sind. Zum Beispiel Babies, die sich einfach nicht aus den Armen der Eltern lösen lassen. Die schreien, sobald sie allein im Bett oder auf einer Decke liegen. Hier hat er oft herausgefunden, dass diese Kinder oder deren Mütter nach der Geburt medizinische Hilfe benötigt haben, die eine Zweisamkeit und das Bonding unterbrochen haben. Neugeborene, Babies mit Gelbsucht, von Operationen noch geschwächte Mütter oder sonstige Notfälle nach der Geburt. Selbst wenige Stunden unter der Wärmelampe sind für einen Säugling eine lange Trennung von der Mutter, nachdem es 9 Monate in deren Bauch gelebt hat.

Eine weitere, sehr sehr interessante Methode, die er immer wieder empfohlen hat, ist, dass die Eltern den Kindern nicht nur die Wahrheiten erzählen, sondern mit ihnen an den „Ort des Geschehens“ – das Krankenhaus – zurückkehren. Denn Gerüche und Geräusche setzen sich im Unterbewusstsein fest. Gerade bei Babies mit Schlafproblemen kann es also sein, dass diese Gerüche und Geräusche eben während des Schlafes auftauchen und zu Unruhe und Angstzuständen führen. Dem kann entgegengewirkt werden, wenn die Eltern mit dem Kind ins Krankenhaus, in den Kreißsaal oder auf die Station zurückkehren und ihm dort erzählen, was mit ihnen (oder ihnen selbst) geschehen ist und warum.

Gerade hier habe ich also mit dem Ohr einer Mutter eines mit angeborenen Herzfehler geborenen Kindes zugehört und gespannt gelauscht. Schon lange habe ich mich gefragt – Was hat diese Zeit vor der OP, die 6 Monate des unerträglichen Warten und Bangens, die OP selbst, die Zeit auf der Intensivstation und die Zeit danach mit ihm angestellt? Welche Fragen werden auftauchen, wenn er sprechen kann und versteht? Aber was schlummert jetzt schon tief in ihm? Wann soll/darf/muss ich damit beginnen, dies zu verarbeiten? Für ihn und für uns alle?

Hier bekam ich also meine Antwort von Dr. Schaller: Wahrheiten (vor allem große und schwerwiegende) sollte man einem Kind bis zum Schuleintritt jährlich erzählen. Das hat mich überrascht. Auch die Kinderkardiologin sprach vor der OP davon, dass es gut wäre, die OP so weit wie möglich hinauszuzögern, da von solchen Eingriffen später Probleme beim Schuleintritt auftauchen könnten. Vor allem je eher man operiert. Genau weiß ich den Hintegrund nicht, was das mit dem Schuleintritt genau zu tun hat, aber die Aussagen von zwei Ärzten diesbezüglich, haben mich darin bestärkt, es herauszufinden.

Doch bis dahin habe ich beschlossen, mit Leander die Stationen seines Herzfehlers aufzusuchen. Und so begab ich mich letzte Woche mit ihm ins Wiener AKH, ganz ohne Termin, ohne ersichtlichem Grund, dennoch etwas nervös.
Ich begann auf der Herzambulanz. Hier waren wir regelmässig vor der Geburt und müssen auch jetzt noch zu Nachkontrollen in gewissen Abständen erscheinen. EKG, Herzultraschall und Blutdruckmessung stressen hier nicht nur den kleinen Mann, sondern auch uns. Es war Freitagnachmittag und die Ambulanz geschlossen. So konnte ich ihm in Ruhe erklären, was sich hinter den Türen befand, was wir gewöhnlich dort machten, wenn wir herkamen, und warum. Er hörte mir zu, zeigt auf Türen und auf seine Brust, wo ich vorher mit dem Finger das Aufkleben der Elektroden nachgeahmt hatte. Er schaute sich kurz um, betrachtete die Schaukelpferde, hielt sich aber nicht lange auf. So, als ob er sagen wollte: wir gehen eh gleich wieder, ja?
Das taten wir. Hinüber zum Labor, wo ihm oft genug in den kleinen Finger gestochen und Blut herausgequetscht wurde. Er zeigte danach auf die Tür und auf seinen kleinen Finger. Er hatte also verstanden. Kurz überlegte ich, ob ich mit ihm den Gang zum OP nachgehen sollte. Aber es erschien mir fürs erste zu viel. Nicht nur für ihn, auch für mich. Also begaben wir uns auf die Intensivstation. Als wir vor der Schleuse standen, wurden meine Knie weicher. Ich hielt Leander fest im Arm und erklärte ihm, dass er dort sehr viel geschlafen hatte. Dass er dort allein war, und wir nicht da, als er aufwachte. Dass wir ihn nur besuchen durften, und wie schwer uns das fiel. Er nickte. Schaute sich um. Aber war ruhig. Von dort fuhren wir mit dem Lift auf Ebene 08.
Ebene 08 – mein persönlicher Alptraum. Die Stationsoberschwester war an der Rezeption und um Fragen auszuweichen hielt ich mich mit Leander direkt am Lift auf. Ging nicht weiter in die Station hinein. Ich erzählte ihm, dass wir hier beide gewohnt haben vor und nach der OP. Doch während ich redete, sagte er „Nein. Nein. Nein!“ Ich weiß nicht, ob er meine Anspannung so sehr spürte, oder ob in ihm selbst etwas aufkam. Von Damals. Von dem Wahnsinn dort. Und so folgte ich seinem Nein und wir beendeten den Besuch fürs erste. Es brauchte noch eine Weile, bis ich mich erholt hatte, meine Knie mich wieder sicher trugen.
In 2 Wochen haben wir eine Untersuchung auf der Herzambulanz. Ich bin gespannt, wie diese verlaufen wird. Nicht nur aus medizinischer Sicht.
Aber es ist heilsam zurückzukehren und sich diesen eigenen Ängsten zu stellen. Es verknotet sich mein Magen jedes Mal, wenn wir mit der U6 am AKH vorbei fahren. Es wäre gut, das etwas zu beheben. Und wenn das bei mir funktioniert, warum dann nicht auch bei Leander? Und wie gut ist es, wenn er jetzt die Möglichkeit hat all das mit uns zu bewältigen, als in 20 Jahren mit einem Therapeuten?

Als angehende Familienbegleiterin hat es mich bestärkt darin, diesen Ansatz von Dr. Schaller weiter zu empfehlen. Nur muss ich dabei vorsichtig sein.
Denn hier können Dinge an die Oberfläche gelangen, denen wir auf Grund unserer psychologisch nicht allzu fundierten Ausbildung und den wenigen Vorkenntnisse in diesem Bereich nicht gewachsen sind. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Aber es ist gut zu wissen, dass es für viele Probleme Lösungen gibt fernab von Schlaf- oder Schreiambulanzen. Und wieder einmal gilt es, sich als Familienbegleiterin ein Netzwerk an Fachpersonen aufzubauen,
zu denen man verweisen kann, wenn man an seine Grenzen stößt.

Ich bin Dr. Schaller zu tiefst dankbar für diese Einblicke in seine Arbeit. Und ich hoffe, dass es doch mehr solcher achtsamer und empathischer Kinderärzte gibt.

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Mit Familien wachsen

Als ich zur PiklerSpielraum Tagung nach Salzburg fuhr, tat ich dies hauptsächlich aus der Motivation heraus, irgendwann einmal eigene Spielräume zu leiten. Doch dafür gab ich mir selbst noch Zeit. Mein momentaner Fokus liegt auf der Familienbegleitung. So hatte ich nicht erwartet, wie sehr mich diese Tagung nicht nur unterstützen und bereichern, sondern auch unglaublich berühren würde.

Direkt am Freitag begann das Wochenende mit einem Vortrag von Anna Tardos, der Tochter Emmi Piklers, zum Thema „Familien begleiten in Eltern Kind Gruppen“

Als erstes stellte sie die Frage: „Sollen/Müssen/Dürfen wir Eltern begleiten?“
Die vermehrt auftretenden Schrei- oder Schlafambulanzen, das vermehrte Aufsuchen von Therapeuten oder Pädagogen seitens der Eltern, beantwortet diese Frage allein schon. Hinzu kommen die unzähligen unterschiedlichen Fachmeinungen, zwischen denen sich Eltern einfach nicht mehr auskennen. Kinderärzte, Hebammen, Therapeuten – sie alle reden wirr auf die Eltern ein. Aber sie alle leben einen großen Unterschied zur eigentlichen Familienbegleitung – sie kennen die Familie oft nur wenig, versuchen zu wenig zu verstehen, sondern eher, ihre Fachmeinung loszuwerden.
Daher ist es klar: Familienbegleitung ist notwendig und gefragter denn je. Das macht es nicht zu einer Marktlücke, mit der man versuchen sollte, sein Geld zu verdienen. Vielmehr sollten wir uns bewusst sein, welch verantwortungsvollen und sensiblen Job wir gewählt haben. Aber wie können wir den nicht nur ausüben, sondern dabei hilfreich und bereichernd sein?

Schon Emmi Pikler hat sich mit dieser Frage befasst. Sie war jahrelang private Kinderärztin und hat Familien auch über die medizinischen Anliegen hinaus begleitet. Die wenigsten wissen das, weshalb sie oft als „die mit dem Kinderheim“ abgestempelt wird, die angeblich eine Pädagogik entwickelt hat, unter der ihr Heim gut und einfach läuft. Dabei hat sie so viel mehr getan. Vieles davon wird in dem Blog hier noch auftauchen.
Emmi Pikler hat sich nicht nur gefragt „Wie kann ein Kind sein?“ sondern auch „Wie sind Kinder?“ Sie hat also vor allem die Kinder beobachtet und in ihnen gelesen. Dann hat sie mit den Eltern gearbeitet, sie begleitet.
Natürlich hat sie damals recht kämpferisch und dogmatisch gearbeitet. Das bestätigt heute sogar ihre Tochter Anna Tardos. Anna hat in ihrem Vortrag eindringlich betont, dass wir nicht missionarisch sein dürfen. Dass wir Eltern nicht verschrecken sollen, indem wir dreimalklug und weise den Eltern vermitteln, dass sie bisher alles falsch gemacht haben. Vielmehr kommt es darauf an, die Eltern zu verstehen und zu kennen. Denn sie haben ihre eigene Geschichte, ihren kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund. Wir müssen ihre Motivation kennen, ihre Persönlichkeit.

Vor allem aber – und das ist wohl fast noch wesentlicher – dürfen wir Lösungen nur anbieten. Nicht aufzwängen. Und nicht einmischen. Wie können keine Familie beraten, unterstützen und begleiten, die nicht von sich aus zu uns kommt und uns fragt. Wo keine Frage ist, können wir nichts tun.

Am Heimweg im Zug habe ich eine Mutter gesehen, die ihr Kind, das noch nicht gehen konnte, an den Händen geführt hat. Den Gang rauf und runter. Natürlich tut es mir irgendwo weh, das zu sehen. Aber dabei das Lächeln der Mutter und die Zweisamkeit der beiden. Eine Harmonie, die man nicht zerstören darf. Also habe ich sie angelächelt und bin vorbeigegangen.

Was genau können wir aber tun als Familienbegleiterin? Anna Tardos sagt – wir können mit den Kindern arbeiten. Mit den Kindern reden, sie beobachten, auf sie eingehen. Wenn wir den Eltern quasi „vormachen“, wie wir Probleme lösen können, geben wir die Möglichkeit nachzuahmen. Ohne dabei zu bewerten oder zu belehren. Ein Angebot.
Und – und das hat mich besonders beeindruckt – können wir Eltern aufzeigen, was ihre Kinder können, was sie tun. Damit wertschätzen wir nicht nur das Kind, sondern vor allem auch die Eltern. Und das ist es, was es oft braucht. Eine kleine Anerkennung. Eine wertschätzende Geste.
In einem Spielraum können wir das natürlich noch viel einfacher. Wir erleben das Kind dabei im Spiel, in Konflikten mit anderen Kindern und ganz bei sich. Wir können so viel mehr über die Familie erfahren. Und „vorbildlich“ arbeiten. Ein Grund, warum ich die Familienbegleitung mit der Spielraumleitung kombinieren möchte.

Aafke, eine Niederländerin, die ich auf der Tagung kennenlernte, erzählte mir, dass sie Anna Tardos vor Jahren in Ungarn kennengelernt hat und Seminare bei ihr besucht hat. Dass Anna damals noch ebenso dogmatisch und missionarisch war, wie ihre Mutter. Dass sie gelehrt hat, was richtig und was falsch ist. Was Pikler und was nicht.
Und wie sehr sie sich nun gewandelt hat, wenn sie davon spricht, dass wir uns nicht einmischen dürfen. Die Piklerpädagogik nicht als das Heiligtum vermitteln.

Es gehört also zu einer guten Familienbegleiterin auch, dass wir mitwachsen mit unserer Berufung. Dass wir Meinungen ändern und dies akzeptieren können. Mit offenem Herz und wachsamem Geist. Ehrlich und Achtsam.

Ich danke Anna für diesen wundervollen und sehr lebhaften Vortrag. Für diese offene Einsicht in die Welt der Familienbegleitung. Und freue mich auf die Herausforderungen, die mir auf meinem Weg begegnen werden.
Ich danke aber auch Emmi Pikler. Sie hat so viel erforscht und erfahren, weitergegeben und (wenn auch dogmatisch) gelehrt, dass es mir heute noch möglich ist, mehr davon zu erfahren und zu diskutieren. Mit vielen Ansätzen ihrer Erkenntnisse im Hinterkopf werde ich arbeiten. Weil ich sie für wertvoll halte. Nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie. Warum, dazu werde ich im einzelnen noch berichten auf dieser Seite. Wenn es um Bindung und Beziehung geht, um liebevolle Pflege, um freie (Bewegungs)Entwicklung. Um die Vorbereitung auf das Kind vor der Geburt. Um Problembewältigung danach. Und so vieles mehr.

Diese Arbeit ist nicht nur verantwortungsvoll und sehr sensibel. Sie ist so reich und berührend. Ein wundervoller Weg, der vor mir liegt. Danke!

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Die Antwort steckt in Dir

Unlängst war ich bei einem Vortrag von Mag. Daniela Pichler-Bogner zum Thema „Einfühlsamer Umgang mit Wut und Aggression“. Dazu werde ich noch ausführlicher berichten. Was mich an diesem Vortrag in meiner Rolle als angehende Familienbegleiterin besonders beeindruckt hat, war die letzte Stunde – die offen war für Fragen aus dem Publikum. Wie man sich bei der Thematik vorstellen kann, gab es davon einige.

Ich kenne Daniela aus meiner Pikler-Ausbildung, die sie leitet. Bereits dort habe ich ihre Art mit Fragestellungen umzugehen schon erfahren und schätzen gelernt. Bei ihr gibt es fast ausschließlich nie eine direkte Antwort. Was folgt sind Gegenfragen oder Bitten um nähere Erläuterungen und Beispiele. Dabei verstrickt sie nicht nur den/die Fragende/n in ein Gespäch, sondern begleitet ihn auf einem Weg sich selbst ihre/seine Frage zu beantworten. Dies macht sie so eindrucksvoll vorsichtig und wertfrei, lässt Raum für Gefühle und Zeit, bis alle Fragezeichen weggeschmolzen sind. Zumindest soweit, dass man mit dem Rest allein weiterarbeiten kann. Oder weiterdenken.

Beispiele:
Eine Mutter fragt, was sie tun kann, da ihre Tochter immer wieder nach dem Zähneputzen plötzlich Hunger hat (was sie – die Mutter – sichtlich nervt).
Daniela: „Geht es Ihnen nie so?“

Ein wenig die eigenen Hintergründe, die eigenen Gedanken herauskitzeln. Hinterfragen, was die eigentliche, wirkliche Frage ist. Nämlich „Ist das ok?“ „Darf ich das zulassen?“

Eine Mutter erklärte, dass ihre Tochter immer wieder allein über die Straße gehen will, sie das aber nicht zulassen will. Ergebnis: Kind tobt. Was tun?
Daniela: „Was haben Sie denn bisher getan?“
Mutter: „Es ihr erklärt, dass ich das für gefährlich halte.“
Daniela: „Und, wie hat sie reagiert?“

Ich möchte gar nicht weiter auf die Ergebnisse dieser Fragen eingehen, sondern einfach nur auf den Verlauf. Wie er einen Weg lenkt, der selbständig zur Antwort führt. Wieviel besser fühlen wir uns, wenn wir (durch Hilfe) unsere Fragen selbst beantworten können, als wenn uns jemand eine vorgefertigte Antwort präsentiert? Womöglich noch eine, die unsere Frage nicht gänzlich beantwortet oder die sich schlussendlich als „falsch“ herausstellt? Das ist wohl auch noch ein großer Brocken, den ich für mich persönlich zu überwinden habe – meine vermeintlichen Ratschläge und Tips nicht immer gleich an den Mann/die Frau zu bringen, sondern erst einmal zu schauen, was das eigentliche Problem ist. Die eigentliche Frage. Die wiederum kennen wir oft selbst nicht. Wir haben ein Problem, stoßen irgendwo an und reden davon. Was aber ist die Frage, die dahintersteht? Wenn wir uns derer bewusst sind, sind wir oft schon einen großen Schritt weiter.
Brigitte Moser, bei der ich im Spielraum und Gesprächsabend bin, sagt am Anfang jedes Gesprächskreises immer: „Jede Frage, die in Euch auftaucht, taucht deshalb auf, weil die Antwort schon in Euch steckt.“

Was für mich an diesem Abend schlussendlich besonders eindrucksvoll gezeigt wurde, war, dass eben keine dieser Fragen einfach so beantwortet werden konnte. Dass es individuelle Situationen und Probleme waren, die einzeln beleuchtet werden mussten und für die es nur ganz spezifische Wege gab. Und so ist es doch im Zusammenhang mit Kindern und Familie. Egal wie viele Meinungen und Ratschläge wir uns einholen, wirklich helfen wird am Ende der, den wir uns aus all diesen selbst zusammengeschweißt haben.

Abgesehen davon hat dieser Abend wieder gezeigt, dass man diese Art von Gesprächsführung nicht aus dem Textbuch lernen kann. Man muss hinaus in die Praxis. Und deshalb darf ich keine unnötige Zeit verlieren. Und muss dranbleiben, an meinem Leben 2.0.

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