Achtsamkeit

Plätzchen backen – wie es wirklich war

Advent. Da häufen sich ja die Blogartikel mit den besten und schon hundertfach gelesenen Plätzchenideen. Keksebacken heißt das in Österreich, wir als Piefke denken aber bei Kekse nur an die mit 52 Zacken, die nach Pappe schmecken. Also bleibe ich bei Plätzchen. Da leuchten dann selbige in herrlichem Lichte, bunt verziert und hübsch arrangiert mit Kerze daneben und Glitzer und Zeug. Ich kann solche Fotos nicht fabrizieren weil das Plätzchenbacken hier ganz andere Ergebnisse aufwirft. Und von gemütlich, heimelig und plüschig kann dabei auch nicht die Rede sein.

Heute steckte im Adventkalender der Kinder (ein Thema für sich, da könnte man ja Abhandlungen schreiben!) also eine Ausstechform und ein Zettel dazu, auf dem Stand „Das ist der schönste Tag in meinem Leben“ (nee quatsch, das ist ne Tocotronic Zeile, verzeiht). „Wir backen heute gemeinsam Plätzchen.“ Naja, die Kinder strahlten und ich schluckte den ersten Brocken Monkscher Panik.

Nach dem Mittag also hatte sich der Liepste pünktlich einen Termin mit einem Nachbarn ausgemacht. „Nur ne halbe Stunde“ und ich dachte: Gut, da kann ich schonmal den Teig machen und den Rest machen wir gemeinsam.“ Den Teig mach ich nämlich selbst. Denn wenn da Kinderhände Eier aufschlagen wollen, möchte ich gleich ein Reinigungstrupp per Trillerpfeife antanzen lassen. Zum Glück malten die Kinder sowieso fröhlich und zufrieden weihnachtliche Bilder und rückblickend hätte das auch so bleiben können.

Jedenfalls grub ich tief meine Hände in die Mehl-Butter-Eier Mischung, als Herr Klein rief „Ich will Michel hören.“ Miniklein hingegen wollte mehr Kakao und ich brauchte mehr Butter für den Teig. Dann legte ich ihnen die klebrigen Kugeln auf den Tisch und alles schrie „Hurra!“ Mit Ausstechern bewaffnet hingen die Kinder wie die Geier über dem Teig, während Miniklein geduldig und selig den Kaffee in der Kaffeelade in verschiedenste Gefäße schüttete. Montessori hätte ihre größte Freude daran gehabt. Und wäre ich perfekt montessorisch ausgestattet, so hätte er auch gleich noch eine Übung im Zusammenfegen nachlegen können, aber das musste ich dann selbst erledigen, während die Kinder den Teig quälten. Erste Formen wurden ausgestochen, ein Blech musste her. Ich schaute auf die Uhr. Der Liepste sollte langsam mal wieder auftauchen. Es war der Moment, wo zwei Hände nicht mehr genug waren.

Ich rollte Teigreste zusammen, klatschte sie auf den Küchentisch und erlegte sie mit dem Nudelholz. Autos, Ampelmännchen, Schweine und sonstige weihnachtliche Formen wurden ausgestochen, bis Frau Klein gelangweilt begann Teigreste bei sich am Platz zu horten, um da… ja was eigentlich? Ich spürte, dass Ihre Geduld am Ende war. Ich schob das erste Backblech in den Ofen, schaute wieder auf die Uhr und verschwand kurz auf meinem Örtchen der Stille. Als ich wiederkam lag Frau Klein unter dem Tisch und Herr Klein im Wohnzimmer. Miniklein mittendrin. Also holte ich tief Luft, Energie und weihnachtliche Stimmung aus irgendwo tief drinnen und stellte mich der zweiten Teigkugel. Meditativ und monkisch perfektionierte ich das Ausstechen mit möglichst wenig Rest, beließ es bei Sternen und Herzen und schob Blech um Blech in den Ofen. Die zwei kleinen Kinder spielten kreischend fangen, Herr Klein wartete auf die ersten Plätzchen, die den Ofen verließen. Kaum hatten das die anderen zwei bemerkt, wurde die erste Fuhre auch schon aufgefuttert. Unter dem Tisch lag mittlerweile mehr Mehl als im Teig war. Aus den Lautsprechern tüdelte Weihnachtsmusik.

Mit wenig Liebe aber viel Schwung schob ich das letzte Blech in den Ofen und machte mich an die Beseitigung des Chaos. Die Kinder schauten derweil die Sendung mit der Maus vom Vormittag nach. Ich verfluchte mal wieder das Haus, das meinen Mann verschluckt hatte und gesellte mich zu meinem eigentlichen Wochenendprojekt: Dem Bemalen von einzelnen Wänden in der Wohnung. Aber dazu mehr demnächst.

Also nein, keine schicken Superplätzchen hier. Aber sie schmecken. Und irgendwie waren wir (zeitweilig) alle einfach zusammen. Mal mehr, mal weniger. Mal lauter, mal leiser. Und vielleicht ist das ja auch viel wichtiger als schicke Plätzchen. Und mit ein wenig Glück sind die Autos und Schweine ja nun auch genug bis Weihnachten. Dann war es das bis nächstes Jahr. Und da wird – so glaube ich seit 7 Jahren – alles schon viel weniger chaotisch, weil die Kinder ja viel größer. Nunja. Weihnachten hat ja auch viel mit Glauben zu tun, nicht?

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SaD 02/13 – Ein Ball. Zwei Ball. 144 Bälle

IMG_3158Kinder mögen Mengen.Drei Kastanien. Eine kleine Box Duplo oder ein „Starterset“ diverser Holzbausteine befriedigt sie oft nicht. Wer Kinder im Bällebad, in großen Sandkisten oder im Laubwald erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Sie erfassen die Dinge ganz. Mit allen Sinnen.
Sie schaufeln, schütten, sammeln. Sie räumen aus und wieder ein. Verteilen alles um sich herum und fühlen sich darin auch noch wohl. Für uns Eltern ist das oft diese Vorstellung von Unordnung und Unruhe.

Ich habe heute eine Anregung im Hut, die für noch mehr Unordnung sorgen wird. Noch mehr Chaos im Wohnzimmer. Aber gleichzeitig noch mehr sensorische Stimulation:

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Eine Schüssel Tischtennisbälle. (144, um genau zu sein)

Warum? Nun. Tischtennisbälle haben zum einen eine sichere Größe. Anders als Murmeln, Kastanien, Steine oder weiße Bohnen gelten sie als das kleinste Maß, was man an Spielzeug unter 3 Jahren anbieten kann. Dennoch kann man mit ihnen genau die Freuden, die die oben genannten Materialen mit sich bringen, erleben.

Man kann sie:

  • ausleeren
  • sich über den Kopf kippenIMG_3167
  • schaufeln und schütten
  • werfen
    oder (wie im Hause Buntraum fröhlichst entdeckt)
  • so weit wie möglich durch den Raum spucken.

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Dabei klingen sie sonderbar. Probiert es aus. Nehmt eine Schüssel voll und leert sie auf den Boden. Und wenn man sich erst einmal mit dem Chaos, dass sie scheinbar verursachen, angefreundet hat, wird man eben jene wahre Freude daran entdecken.

Noch sehr kleine Kinder können sie auch sehr gut ergreifen.

 

Mit Tischtennisbällen kann wirklich nichts passieren, und dennoch können Kinder auf so vielen Ebenen damit spielen und experimentieren. Und wenn mal einer kaputt geht, so wirft man ihn ins kochende Wasser und er poppt wieder.

Niemand ruft:IMG_3169

„Der Sand bleibt im Sandkasten!“ (Das Wasser in der Badewanne, das Essen auf dem Tisch…)
„Nein, wirf das nicht!“
„Pass auf, das geht kaputt!“
„Nimm das nicht in den Mund!“ oder ganz und gar:
„Sei vorsichtig!“

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Darüber hinaus habe ich persönlich das Einsammeln der Bälle als sehr meditativ empfunden. Und als kleine Vorübung für die Geduld und Ruhe bei ausgeleerten Duplo/Lego Kisten.

Da sie eine einheitliche Farbe haben, erscheint das Chaos auch gar nicht so wirr. Und es gibt und gab Momente, an denen ich selbst den Drang verspürte, die ganze Schüssel auszuleeren.

Viel Spaß !

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