Was Kinderohren wirklich brauchen

Im Internet kursieren ja so Poster mit allzu vielen besonderen Sprüchen. Und da gibt es ein Poster, das mir immer wieder begegnet. Es heißt „Was Kinderohren brauchen“ und darauf sind meist so 5 Sätze drauf, die angeblich den Kinderohren gut tun.

Da liest man dann von „Ich hab dich lieb.“ über „Gut gemacht“ bis hin zu „Ich bin stolz auf Dich.“ alles mögliche.

An einem „Ich hab dich lieb.“ ist ja wirklich nichts zu rütteln. Aber bei einem „Gut gemacht.“ stellen sich mir ein wenig die Haare auf. Keine Sorge, ich verstehe schon, es ist als Motivation gemeint, als etwas, was ihnen gut tut, ihre kleine Seele stärkt. Aber letztendlich bewirkt ja dieser Spruch nur immer wieder das Gegenteil, das wurde ja von vielen Experten mittlerweile mehrfach ausdrücklich erwähnt. Nachzulesen hier oder hier. Und ein „Ich bin stolz auf Dich“ hat für mich auch sehr viel mit Leistung zu tun. Unlängst sollte ich aufzählen, worauf ich im Leben bisher so stolz war. Das fiel mir extrem schwer. Und ich habe lange überlegt. Letztendlich wusste ich, was das Problem war: Das Wort stolz. Es vermittelt in unserer Gesellschaft immer noch sehr viel Leistungsstreben. Ich denke schon, dass wir lernen sollten, selbst auf etwas stolz zu sein und uns hin und wieder auf die Schulter klopfen. Aber dass jemand anderer auf uns stolz ist, das hat für mich etwas mit Erwartungen zu tun. Viele von uns tun oder haben viele Dinge im Leben getan, um ihre Eltern stolz zu machen und das waren nicht immer Dinge, die sie gern getan haben. Versteht Ihr, was ich meine?

Ich finde, was Kinderohren wirklich brauchen sind Dinge, die ihnen einfach Sicherheit und Geborgenheit geben. So, dass Kinder das Gefühl haben, bei uns sein können wie sie sind. Auch nicht unbedingt etwas Besonderes. Wieso dürfen sie nicht einfach normal sein? Natürlich sind sie für uns ganz besonders, es sind unsere Kinder. Aber es impliziert, dass sie nur besonders etwas wert sind, wenn wir ihnen das immer wieder sagen. Ja, wir sind alle einzigartig und wertvoll, aber nur, wenn wir uns auch so fühlen und nicht, wenn wir das immer wieder von unseren Eltern gesagt bekommen.

Ihr könnt mich jetzt kleinkariert nennen oder überpsychologischpädagogisch. Aber mir ist das sehr wichtig, denn ich möchte meinen Kindern einfach das Gefühl geben, dass sie bei mir einfach so sein können, wie sie sind. Dass ich sie verstehe und dass ich für sie da bin. Ohne Bedingungen. Immer. Einfach so.

Ich denke, dass Kinder in einer Welt voller Nein auch öfter mal ein Jaaa! hören sollten. Ein Jaaa! zu ihren Wünschen und Ideen. Kein „Hm!“ oder „Jaja.“ Ein klares lautes begeistertes „Jaaa!“, das Freude vermittelt. „Jaaa, machen wir das!“ „Jaaa, das war ein toller Tag!“ oder auch ein „Jaaaa, Du hast es geschafft!“

Und auch ein „Danke!“ tut diesen kleinen Ohren mal gut. Anstatt immer nur von ihnen zu verlangen, dass sie es sagen, wenn es sich gehört. Ein „Danke!“ dass es Dich gibt in meinem Leben. Ein einfaches „Danke!“ , wenn sie uns ein Kunstwerk gemalt haben. Aber auch ein „Danke!“ dafür, dass Du mich jeden Tag wachsen lässt und mir die Welt mit Deinen Augen zeigst.

Das, so glaube ich, brauchen Kinderohren wirklich. Denn sie hören da draußen in der Welt genug anderes.

Naja, und was Kinderohren natürlich besonders brauchen, was ich nicht mit aufgeschrieben habe, weil es kein Satz ist, den wir ihnen sagen können, das ist Lachen. Redet Quatsch und lacht mit Euren Kindern. Das sind die Momente, die sie im Herzen tragen.

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Comments

  1. Danke für diesen Artikel.
    Ich sehe das auch so.
    Und ich bin meinen Kindern sehr dankbar, dass sie mir die Welt neu zeigen. Mit neuen Wegen, neuen Aussichten, neuen Erfahrungen
    Und ich muss immer wieder bei mir ansetzen, damit ich zu mir und somit zu ihrer Welt finde.

    Danke Kinder. Für das Lernen und wiedererinnern.

    Ihr seit wunderbar.

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