Warum Eltern die gleichen Probleme haben wie Paare ohne Kinder und worauf es wirklich ankommt

Eltern werden und Paar bleiben. Das ist ja anscheinend die große Herausforderung. So scheint es zumindest, wo einem immer wieder über den Weg läuft welch Schwierigkeit es ist, als Eltern auch noch Paar zu bleiben. Vor allem das erste Jahr sei so sehr anstrengend. Und dann das zweite Kind. Ich habe mir dazu bei meiner letzten Laufrunde mal ein paar Gedanken gemacht (was man halt so macht bei Sonnenschein an der Donau??)

Ich habe mich gefragt, was denn so die Schwierigkeiten sind, wenn man Eltern wird mit dem Kind. Dabei sind mir einige große Themen eingefallen:

  • Erreichung (und auch Überschreitung) eigener Grenzen sowohl psychisch als auch physisch (z.B. durch Schlafmangel)
  • Unvorhersehbarkeit im Alltag – Rhythmus, Planbarkeit etc. ist alles ständig im Wandel
  • gemeinsame Zeit schwindend, weniger (gemeinsame) Unternehmungen ohne Kind
  • Veränderung des Freundeskreises
  • Sexualität
  • etc. etc. … vermutlich fallen Euch da noch tausend weitere ein.

Und da habe ich mich dann gefragt, was an all dem so schwierig ist für die Eltern. Wo die Probleme liegen, dass die Themen auf dieser Liste hier so schlecht zu bewältigen scheinen. Warum all diese Dinge dazu führen, dass wir an unsere partnerschaftlichen Grenzen stoßen, dass wir streiten, endlos und im Kreis diskutieren, uns schweigsam ärgern, nicht weiterkommen. Warum kommt es durch all das häufig schlussendlich zur Trennung?

Dabei tauchen bei mir immer zwei große Themen auf:

Kommunikation und Erwartungshaltung

Wenn die Erwartungshaltung nämlich zu hoch ist, nicht ausgesprochen, nicht reflektiert, dann kann das schnell zu Frustration und Ärger führen. Vor allem die unausgesprochene Erwartung („Er muss doch wissen, dass mich das stört.“) ist ein großes Thema und führt auf das zweite große Thema zurück: die Kommunikation. Wenn wir nicht achtsam, geduldig und wertschätzend miteinander reden können, wenn wir (wie so oft) gar nicht miteinander reden können, weil „einer nicht zuhört“ oder eine „nicht reden will“, dann türmen sich die Berge schweigsam und führen unweigerlich zu noch mehr Problemen. Denn Nichtkommunikation ist auch keine Lösung, im Gegenteil. Sie macht vieles noch so viel schwieriger. Und dazwischen liegen endlose Facetten an Missverständnissen.

Und so kam dann meine nächste Überlegung:
1 – Und haben Paare ohne Kinder diese Kommunikationsprobleme nicht?
2 – Sind sie in ihren Erwartungen klarer oder realistischer?
Ich denke: erstens: doch und zweitens: nein. Denn letztendlich sind Paare ohne Kinder ja die gleichen Menschen, wie Eltern. Nur sind die Themen, die ihren Alltag beschäftigen ganz andere. Aber wenn sie ein Problem haben, eine Schwierigkeit, dann kommt es auch bei ihnen drauf an, wie gut sie miteinander kommunizieren können. Wenn sie ihre Erwartungen bezüglich ihrer Hobbies, ihrer Leidenschaften, ihrer Urlaubsvorstellungen, ihrer Vorlieben, dem Sauberkeitszustand ihrer Wohnung oder ähnlichem nicht äußern können, wenn diese unrealistisch sind, dann haben sie genau das gleiche Problem wie Eltern. Und dann kann es langfristig bei ihnen genau so zum Knall kommen.

Deshalb sind die Themen Kommunikation und Erwartung in meinem Kurs „Paar sein und bleiben“ auch die ersten und größten. Weil sie alle anderen Themen tragen.

Denn die Kommunikation (oder deren Unfähigkeit) und die Erwartungshaltung (teils unrealistisch, teils unausgesprochen) sind grundlegende Themen, die ja nicht erst auftauchen, wenn wir Eltern werden. Nur landen wir als Eltern sehr schnell in der Sackgasse, weil die Elternthemen, wie ich sie oben aufgelistet habe, uns oft rasant und unvorbereitet treffen. Egal wie gut wir auf unser Kind vorbereitet sind, wie gut ausgestattet, wie belesen, wie emotional eingestellt – Schlafmangel, die Anforderungen, die ein Baby, ein Kleinkind an uns stellt, die können wir gar nicht vorhersehen, selbst wenn wir wollen. Viele Themen tauchen einfach so auf. Da kommen alte Geschichten aus der Kindheit hoch oder wir streiten plötzlich darüber, wer schon wieder die Windel wechselt, warum „Deine Mutter“ schon wieder vor der Tür steht, warum „immer ich“ die Wäsche aufhängen muss und Du „ständig“ mit Deinen Freunden weggehst. Da werfen wir uns schlafmangelbedingt Sätze an den Kopf, die wir klar und ausgeschlafen gar nicht denken würden. Oder doch? Nur würden wir sie dann schlucken und weiter schweigen? Es kommt der Tag, da sind wir uns in Erziehungsthemen uneinig. Bei manchen beginnt das im Kreißsaal, bei manchen erst nach einem Jahr, wenn der eigene Wille des Kindes sich immer lauter zeigt. Es kommt der Wunsch nach wieder mehr Leidenschaft und Romantik, nach Sex und gemeinsamen Unternehmungen zu zweit. Bei den einen vielleicht mehr als bei den anderen weil die Müdigkeit am Abend stärker ist als das Lustempfinden. Das muss kein Problem sein, kann aber zu unausgesprochenen Erwartungen führen und somit zum Problem werden.

Aber all das muss uns als Paar nicht aus der Bahn werfen, wenn wir in der Lage sind gut miteinander zu kommunizieren, uns zuzuhören ohne uns gleich angegriffen zu fühlen, uns stattdessen ineinander einzufühlen. Wenn wir wertschätzend und achtsam miteinander sind. Wenn wir unsere eigenen Erwartungen auch mal reflektieren und überdenken, sie klar äußern können, aber auch deren Ablehnung annehmen können. Wenn wir – und das betone ich immer wieder – auch miteinander lachen können. Nicht nur über die Niedlichkeiten der Kinder, sondern auch über uns selbst.

Aber wenn all das ein Paar ohne Kinder nicht kann, dann wird auch dieses Paar früher oder später der Knall treffen. Und deshalb bin ich der Meinung, dass wir Eltern grundlegend gar nicht schlechter dran sind als andere Paare. Wenn wir reden. Wenn wir an uns dran bleiben.

Denn im Übrigen habe ich eine kleine Recherche angestellt und herausgefunden, dass in Deutschland seit 2000 die Anzahl der Scheidungen sich ziemlich genau 50:50 aufteilt zwischen Paaren mit Kindern und Paaren ohne Kindern. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Deutschland).

Also liebe Eltern, schaut auf Euch und nicht nur auf die Probleme, die die Elternschaft mit sich bringt. Denn die lassen sich leichter lösen, wenn ihr miteinander reden könnt, Euch zuhören könnt. Uns haben die Zwiegespräche sehr geholfen und tun es noch immer. Ich habe Euch eine Anleitung für Zwiegespräche zusammengestellt, Ihr könnt sie Euch hier herunterladen. Und wenn Ihr merkt, dass Ihr da schon Schwierigkeiten habt, dann sucht Euch Hilfe. Bei Beratungen, in Kursen, in Coachings. Bleibt dran an Euch und werft auch mal eine zu hoch gesteckte Erwartung über Board. Lacht stattdessen, denn auch Lachen ist Kommunikation. Eine sehr schöne Art sogar.

weiterführende Links zum Thema:

Du fehlst mir! – 7 Tips, wie wir die Babyzeit als Paar überstehen

Zurück in die Mitte des Flusses. Was tun, wenn wir als Paar auseinander driften?

Unser Freitagsdate: Das Zwiegespräch

6 Monate Zwie – Ein Rückblick

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