Vom kleinen Glück

Heute früh habe ich mir die Affirmationskarte „Ich sehe das kleine Glück“ gewählt. Ich könnte mir auch einfach eine Karte ziehen, aber ich mag es lieber, wenn sie ein bisschen zu meiner Tagesverfassung passt, weil es mir dann leichter fällt sie in mein Tun und Denken zu integrieren. 

Begonnen hat der Tag (viel zu früh) damit, dass die Kinder sich vor Hunger mal wieder niedergeschrien haben. Als sie versorgt am Tisch saßen, habe ich mich noch mal aufs Sofa fallenlassen und die Augen geschlossen. Da kam Frau Klein zu mir, gab mir einen sanften Kuss auf die Wange und sagte „Schlaf gut, Mama.“ Diese Momente sind es, die das kleine Glück ausmachen.

Der Tag war dann sehr turbulent. Wir machten eine kleine große Radtour über 25km, ein erstes Picknick und haben unseren Balkon sommerfest gemacht. Dazwischen gab es aber viele Momente, in denen ich die Nerven verlor. „Das kleine Glück, Nadine!“ erinnerte mich eine Stimme in meinem Kopf und zwischendurch vergaß ich, was das war. Als ich eben bei Miniklein im Bett lag, er leise in den Schlaf dahin huschte, da überlegte ich, was das kleine Glück heute war. 

Ganz profan dachte ich die Radtour natürlich, das Picknick, aber es fühlte sich nicht so recht danach an. Es war mehr. Es war noch kleiner. Und noch wirksamer.

Unsere erste Pause auf der Radtour führte uns zu einem ganz kleinen, abgelegenen Donauarm. Er war versteckt hinter Büschen und Bäumen und sah furchtbar paradiesisch aus. Ich stand dort, genoß die Stille, Herr Klein neben mir schaute mich an und legte den Arm um mich. Dieses kleine zarte gemeinsame Genießen des Moments, der Zweisamkeit, die viel zu wenig Raum hat, die er auch viel zu selten einfordert, womöglich nicht mehr so häufig braucht, das war ein Moment des kleinen Glücks.

Auf der Picknickdecke saß Miniklein und betrachtete die weite Welt um sich herum. Ein Schmetterling flog aus dem Gebüsch auf und Miniklein rief laut „Oh! Oh!“ und schaute ihm verzückt hinterher. Das kleine Glück in Form von großer Verwunderung über diese Welt, die sich ihm da gerade öffnet. So wunderbar, das beobachten zu können. 

Frau Klein stürzte gewaltig mit ihrem Rad, rollte über sich selbst. Ich war hinter ihr und konnte nichts tun als zusehen. Ich nahm sie auf und sie weinte und schrie in meine Schulter. Die Erleichterung, dass ihr nichts weiter passiert war, außer einem aufgeschlagenen Knie, dass ich tat, was ich tun konnte – halten und trösten – und spürte wie ihr Schmerz Stück für Stück von ihr wich. Nein, wenn sie sich weh tun, ist das nicht das kleine Glück. Aber sie trösten und halten zu können, für sie da sein zu können, das empfinde ich als sehr wertvoll.

Die vorsichtig aus der Erde hinausspähenden grünen Blättchen meiner gesäten Pflanzen  – auch das ist das kleine Glück für mich. 

Dieser Tag war trotz allem Wüten und Grummeln sehr reich und beglückend. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Das kleine Glück ist oft so klein. Aber so viel wirksamer, als das große. 

Lächelnd hopsend stand sie nun noch einmal neben mir, hat den Tag abgerundet und mir noch ein Bussi gegeben, meine Frau Klein. Und dieses Mal habe ich zu ihr gesagt: Schlaf gut. Und ich hoffe das tut sie nun wie die anderen beiden auch. Denn jetzt genieße ich Zeit mit dem Liepsten. 

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