Total verknotet – von den grauen Zeiten im Elterndasein

Es gibt sie, diese Tage im Elterndasein, da geht nichts mehr. Da möchte man hinschmeißen, kündigen und davonlaufen. Einen neuen Job suchen. Von vorn anfangen. Alles zusammenknüllen und ein neues frisches Blatt vom Block nehmen und bei Null beginnen. Aber genau das geht nicht, denn wenn uns das im Elterndasein so geht, dann stecken wir meist mittendrin. Die Kinder können wir nicht zerknüllen und bei Null anfangen auch nicht, weil das Thema – welches auch immer das ist – nun schon eine gewisse Geschichte und Brisanz hat.

Und dann flippen wir aus. Aber gar nicht so sehr wegen des Themas, sondern deshalb, weil wir nichts, nichts, nichts tun können. Weil unsere Kinder sind, wie sie sind. Und weil sie das, was sie ungut, unzufriedenstellend und doof finden, auf ihre ganz eigene Weise zeigen. Und gar nicht immer gleich ersichtlich ist, was nun genau hinter diesen eigenartigen Verhaltensweisen steckt. Und selbst wenn wir drauf kommen, heißt das noch lange nicht, dass wir die Auflösung des Knotens haben. Dann heißt es weiter grübeln und hinterfragen wie eine Kriminalbeamte. Motiv gefunden. Aber Täter flüchtig und unauffindbar.

Und an diesen Tagen hilft uns nichts. Das Wissen, dass alles nur eine Phase ist zum Beispiel. Das ist uns dann herzlich egal, denn wir sind mitten drin in dieser Phase, wir wissen nicht, wann sie endet, weil wir auch nicht wissen, was sie beendet. Ob wir aktiv etwas tun können oder ob sie sich in Wohlgefallen auflöst, wie so viele Phasen.

Es hilft uns auch nicht der Gedanke, dass all das normal ist, dass alle oder viele Kinder das gleiche Problem haben. Vielmehr die Eltern der Kinder, denn die Kinder haben oft gar kein Problem mit den Dingen, die uns an den Rande des Wahnsinns treiben. Sie tun ja nur, was ihrer Natur entspringt. Sie spiegeln uns fröhlich, setzen Zeichen, äußern Bedürfnisse, entwickeln sich halt. Und all das tun sie auf unterschiedlichste und nicht selten unverständlichste Art und Weise. Dass das alle Kinder tun und nicht nur meines, ist mir dann ziemlich egal, denn es löst mein Problem nicht. Es macht meinen Tag nicht einfacher, die nervenaufreibenden Situationen nicht leichter.

Und dass so viele andere verstehen können, wie es einem geht, das ist sehr nett und lieb gemeint. Aber es hilft auch nicht. Es tut gut zu hören, dass man nicht vom Mond ist mit seiner Verzweiflung, ja. Aber es hilft aus dieser Misere nicht herauszukommen. Dennoch stecken wir fest. Hängen tief drin und kriegen die Füße nicht aus dem Sumpf gezogen. Egal wer uns da draußen auf die Schulter klopft.

Ja Ihr Lieben, diese Tage gibt es. Diese Tage erlebe ich gerade. Sehe alles wie einen Film vor uns ablaufen und bin dennoch selbst Darstellerin. Eine Marionettenpuppe, für die ich selbst verantwortlich bin und immer wieder scheine ich die Fäden falsch zu ziehen. Egal was ich tue, es hilft nichts oder es macht alles noch schlimmer. Was ich noch tun kann, weiß ich nicht. Vermutlich gibt es nichts und es hilft nur Geduld zu haben, abzuwarten und Nerven zu bewahren. Aber das ganze Thema wäre nicht so brisant, wenn ich zu all dem fähig wäre. Langfristig. Denn einen Tag gelingt es mir. Da bin ich ruhig, geduldig, achtsam, liebevoll. Aber mit jedem Tag, an dem all das nichts bringt, an dem sich die Situationen häufen, verliere ich die Nerven nach und nach, sie fallen mir aus der Hand und ich kann sie nicht wiederfinden. Bis keine mehr übrig sind und ich explodiere. Und ich uns damit vier Schritte zurück schicke.

Was uns Mütter (und auch Väter) oft quält ist der Glaube, es falsch zu machen. Bei den anderen läuft das doch auch. Die haben das im Griff. Wir nicht. Wir machen irgendwas grundlegend falsch. Wir sind unfähig. Aber der erste Schritt hinaus aus dieser Misere ist zu erkennen, dass es diese Phasen, Tage, Zeiten, Situationen, Verhaltensweisen und all diesen unguten Mist, den wir nicht mitbestellt haben, als wir auf den Babyknopf gedrückt haben, gibt. Wir können nicht immer etwas tun. Es ist nun so mit den Kindern, dass wir nicht mehr über alles die Kontrolle haben.

Es braucht Zeit um zu erkennen, welcher Weg hier für uns ganz individuell der richtige ist. Und manchmal auch nur über Hilfe von außen führt. So wie unserer das nun tun wird. Denn wir hängen zu fest, sehen vor all den Ästen und Zweigen den Wald nicht mehr, kein Fünkchen Licht mehr.

Und dennoch weiß ich, dass ich irgendwann in ein paar Monaten oder Jahren mit dem Liepsten sitzen werde bei einem Glas Rotwein und wir werden zurückblicken und aufatmen. Froh sein, dass es vorbei ist, geschafft. Und wir erlöst sind von diesem Knoten. Und vielleicht sehen wir dann den nächsten noch nicht. Mögen wir uns dann ein wenig in seliger „Alles im Griff“ Stimmung suhlen. Das haben wir uns dann auch echt verdient.

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Comments

  1. Wie du es mal wieder schaffst, diese ganzen Gefühle, dieses innere Chaos so treffend in Worte zu fassen – das beeindruckt mich! Ja… Diese Tage an denen einem die Nerven so durch die Finger gleiten… Ich kann das so gut nachvollziehen! Und man möchte doch einfach nur alles gut machen…
    Ich weiß das hilft dir nicht weiter – aber das ist mal wieder ein toller Text! Danke dafür! Und ich drücke die Daumen, dass diese Phase bald überstanden ist ;)

  2. Dein Text berührt mich. Ganz tief in meinem Herzen. Weil ich die Gefühle so gut nach fühlen kann. Du schreibst dicht und plastisch – und schon fühle ich wieder, was ich selbst an dem ein oder anderen solchen Tag hier bei uns fühlte. Ich danke Dir, daß Du Deine Gedanken und Texte mit uns teilst. Und ich wünsche Euch Kraft und Zuversicht, gute Nerven und ganz viele wundervolle Herzmomente in all dem Gefühlschaos. <3

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