Ärger

Mit dem Drachen tanzen :: Von Wut und wie wir mit ihr umgehen

Derzeit (oder immer schon?) häufen sich die Texte zur sogenannten Trotzphase im Internet. Wie man ihr begegnet und am besten mit solchen wütenden Situationen mit dem Kind umgeht. Anschreien sei schließlich keine Lösung. 

Das teile ich im Grunde. Auch ich halte Schreien für eine sehr gewaltvolle Art der Kommunikation, die unsere Kinder sehr verletzen kann. Nun sind wir aber doch Menschen, Kinder bringen uns an unsere äußersten Grenzen und irgendwann bricht es aus uns heraus. Da las ich unlängst wieder einen Artikel, in dem ein paar Tips standen, was ich tun kann, wenn ich innerlich kurz vor dem Ausflippen bin. Atmen war dabei, bis 5 zählen und sogar Singen. Allein als ich das las, wäre ich am liebsten ausgeflippt, denn der Gedanke, dass ich singe, wenn mir nach Wüten und Schreien zumute ist, macht mich sehr aggressiv.

Nun muss ja jeder seinen eigenen Weg finden mit solchen Situationen umzugehen. Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Achtsamkeit. Dennoch (oder gerade deshalb) gelingt es mir nicht immer ruhig zu bleiben. Vielleicht ist es mein Anspruch, dem ich da nicht gerecht werde. Ich bemühe mich doch so sehr achtsam durch den Alltag zu gehen, dennoch komme ich an meine Grenzen. Wie kann das sein?

Das Problem, das ich sehe ist, dass es sehr oft Hinweise und Ratschläge sind, die das Ausflippen im Moment unterdrücken oder abschwächen sollen. Augen schließen, zählen, atmen… Aber damit begegne ich ja dem Gefühl, dass in mir drin ist nicht, sondern ich unterdrücke es. Und was passiert mit solchen Gefühlen? Sie brechen irgendwann heraus wie ein Vulkan. Und zwar dann, wenn es eigentlich gar nicht so dramatisch ist. Nur hat es sich bis dahin bis zum Bersten aufgestaut.

Ich denke, dass solche Momente, in denen wir laut schreien wollen, eine Geschichte haben, einen viel längeren Weg und Ursprung, als nur jetzt diesen Moment. Und es ist wertvoller da hinzuschauen. Denn dann kann ich meinen gesamten Alltag nachhaltiger achtsam beleuchten anstatt nur Situationen zu behandeln.

Da gibt es die Momente, die vorprogrammiert sind. Ein Beispiel von gestern. Ich räume den ganzen Tag die Wohnung um und auf. Während ich wo räume, leeren die Kinder, die gerade krankheitsbedingt hier herumspringen, sämtliche Spielsachen aus. Während ich die Knöpfe einsammle, leert Miniklein die Bügelperlen aus. So bin ich froh, als ich in Ruhe kochen kann und sehe nur mit halbem Auge, dass Miniklein mit seinem Lieblingsspielzeug – der Kaffeemühle – herumläuft. Das ist prinzipiell kein Problem (es sei denn er versteckt die Kurbel in Herrn Kleins Schultasche, wo wir sie wochenlang nicht finden), aber heute habe ich nicht gesehen, dass oben noch ungemahlene Kaffeebohnen drin sind. Ich koche selig, wo ich vorher die Küche gefegt hatte und er schmeißt die Kaffeemühle auf den Boden. Klar, dass ich da ausflippen will. Klar aber auch, dass das passieren musste. 

Es gibt also Situationen, die wir eigentlich verhindern können, wenn wir ein wenig aufmerksamer sind.

Es gibt auch Situationen, die wir verhindern können, wenn wir früher eingreifen. Wenn die Kinder hier fangen spielen und sich dabei immer wieder hinter meinen Beinen verstecken, finde ich das einen Moment noch lustig, obwohl ich weiß, dass es mich nervt. Weil sie mir irgendwann dabei die Hose herunterziehen und weil ich es nicht mag, wenn man an mir herumzerrt. Wenn ich da also nicht gleich, noch bevor es mich total wütend macht, reagiere, weil ich vielleicht hoffe, sie hören eh gleich wieder auf oder weil ich gerade in was ganz anderes versunken bin und nicht aufmerksam, dann flippe ich irgendwann richtig aus. Und das muss nicht sein.

Natürlich hilft es mir auch zu sehen, was im Moment die Bedürfnisse meiner Kinder hinter ihren Aktionen sind. Aber ehrlich gesagt fällt mir das beim Ausleeren von Milch auf den Boden etwas schwer. Und in dem Moment ist das auch gar nicht die Frage. Da ist die Frage: Wie kann ich reagieren? Wenn ich schlecht drauf bin und sowieso schon am Limit, ein langer Tag hinter mir liegt, ein Kind krank ist und ich eine lange To Do Liste habe, dann werde ich wohl recht genervt sein und gehörig ausflippen. Wenn ich gut drauf bin und gelassen, dann werde ich sagen: „Oje, jetzt hast du die Milch ausgeleert. Bleib da oben sitzen, ich wische das schnell weg.“ Dann weiß ich, dass mein Kind ein Kind ist, dann tue ich, was ich zu tun habe, denn er kann mit seinen 1,5 Jahren die Milch nicht wegwischen. Dann weiß ich, dass ich ihn demnächst nicht mit der Milch allein am Tisch lasse oder nicht so viel Milch ins Glas gebe. Dann sage ich hinterher „Wenn du fertig bist mit Trinken, dann stell das Glas einfach auf den Tisch, ich räum es dann schon weg.“ Denn ehrlich – mein Kind weiß, dass man Getränke nicht wahllos auf den Boden leert. Warum er es getan hat ? Es kann viele Gründe geben. Viel wichtiger ist doch der Punkt: Wenn ich gut bei mir bin, dann kann ich damit umgehen und ihm vermitteln, dass ich das nicht mag. Ohne Schreien, ohne Ausflippen.

Das heißt aber, dass ich auch auf mich gut achten muss. Im Moment flippe ich nämlich zum Beispiel recht viel aus. Nicht, dass ich immer gleich schreie, aber ich bin schnell gereizt und genervt. Für mich ist das nicht ein Zeichen, dass meine Kinder grad „voll arg drauf sind“ sondern dass ich gerade nicht gut auf mich achte und alles ein bisschen viel ist. Und da nehme ich mich auch nicht in die Mangel, sondern schaue, was gerade zwickt und wo ich was tun kann.

Das klingt alles schön und gut, oder? Aber nun können wir nicht immer jede Situation verhindern, manche erwischen uns auch eiskalt. Und ich finde dann ist es legitim in dem Moment mir selbst einzugestehen: Ich bin jetzt verdammt nochmal echt wütend. Ich versuche in solchen Situationen nicht die Kinder anzuschreien, sondern fluche eben mal laut vor mich hin. Dann kommt nicht die geballte Wut bei ihnen an. Natürlich spüren sie, dass ich verärgert bin. Aber das ist ja auch nichts schlimmes. Ich bin ein Mensch und ich bin authentisch. Ich habe Ecken und Kanten. Und ich kann auch hinterher mit ihnen reden und sagen, was mich so geärgert hat. Oft verstehen sie das auch. Wir behandeln unsere Wut immer als den bösen Drachen, den es zu besiegen gilt und der uns davon abhält die Bedürfnisse unserer Kinder und ihre wahren Gefühle zu sehen. Wir sollten lernen mit dem Drachen zu tanzen, denn wenn wir ihn nicht einen Platz in unserem Leben geben, wird er ihn sich immer suchen. Auf seine Art.

All dieses Ausflippen ist also nicht nur eine Situation, die ich veratmen oder ins Halleluja singen kann. Sie ist ein komplexes Konzept. Das gilt im Übrigen für das Leben mit Kindern allgemein, nicht nur während der Autonomiephase. Und es ist eine Utopie und ein viel zu perfektionistischer Anspruch, wenn wir uns nicht zugestehen wollen, dass wir einfach mal wütend sind und dass diese Wut auch mal raus muss. Wir können durch einen aufmerksamen Alltag und viel Selbstachtsamkeit an uns arbeiten und viele solcher Momente verhindern. Aber nicht alle. Wir sind Eltern. Wir sind Menschen. Wir wachsen mit und an unseren Kindern. Und sie mit uns. Das sollten wir nie vergessen. Und letztendlich ist auch immer die Frage, in welcher Beziehung wir mit unseren Kindern sind. Wenn diese liebevoll ist, wir hin und wieder ausflippen, dann ist das etwas anderes, als wenn ich bei jeder Kleinigkeit ausflippe und vor allem grundsätzlich dem Kind die Schuld gebe. Ich glaube aber, dass solche Menschen auch nicht empfänglich sind für Hinweise wie atmen oder bis 5 zählen. Und etwas ganz anderes brauchen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Alles nur ne Phase ?

IMG_2995Wenn wir Bekannten mit Kindern begegnen und fragen, wie es so geht, was sich so tut, fallen oft die gleichen Sätze immer wieder. „Ach, die Zähne. Er ist so zuwider grad. Die Nächte sind ein Horror.“ „Wir sind wohl mitten in der Trotzphase angekommen.“ 
Mir verknotet sich bei solchen Sätzen immer wieder der Magen. Nicht nur, weil die Kinder oft daneben stehen, wenn sie so schubladisiert werden, sondern auch, weil sich in ihrem kurzen Leben alles nur auf Phasen zu beschränken scheint.

Es ist schon richtig – das Leben eines Kindes verläuft in Phasen. Jede Entwicklung – ob körperlich oder seelisch, hat ihre Zeit und oft auch einen Namen. Und nicht selten hilft es uns als Eltern auch, diese zu kennen. Denn wie oft fragen wir uns, was denn nun wieder los ist, weil wieder alles anders ist, alles, was sich soeben schön eingespielt und routiniert hat, Kopf steht und nichts mehr ist wie vorher. Zu sehen, dass sich eine kleine weiße Spitze durch den Kiefer bohrt, dass neue Fähigkeiten geübt werden, neue Wörter sprudeln, hilft uns zu erkennen: unser Kind befindet sich in dieser und jener Phase der Entwicklung. Und ist deshalb selbst verwirrt und unruhig.

Doch die Gefahr, die ich sehe und oft auch erlebe: die Kinder werden abgestempelt. Zähne. Trotzphase. Entwicklungsschub der 19. Woche. Was auch immer. Das Kind ist nicht mehr Kind, sondern Objekt in einer Schublade. Dort ist es drinnen und jedes Verhalten wird darauf bezogen. Tobt? Trotzphase, jaja. Kreischt auf? Die Eckzähne. Unruhiger Schlaf? Entwicklungsschub. Lernt Krabbeln.

Und so verlieren wir ganz schnell, ohne es zu wollen, den Kontakt zum Kind. Wir sehen und beachten nicht mehr, was es genau jetzt in diesem Moment braucht. Was heißt das denn, in der Trotzphase zu stecken? Heißt es wirklich wahllos zu wüten und zu toben und – eben zu trotzen – bis nichts mehr geht? Nein. Das Kind entdeckt den eigenen Willen, neue Fähigkeiten, die es selbst und allein machen will und manchmal kann, oder eben auch noch nicht. Die uns fordern, unsere Geduld strapazieren. Und genau darauf können wir eingehen. Denn jede Situation ist anders. Und je mehr wir uns bemühen zu hinterfragen, was genau jetzt der Auslöser für einen Wutanfall ist und so viel näher rücken, in Kontakt treten und mit unserem Kind gemeinsam diese Phase durchleben, desto besser lernen wir unser Kind dabei kennen. Und ich wage zu behaupten, dass ein Kind, das sich auch in diesen schwierigen Phasen verstanden und begleitet fühlt, sie besser und leichter durchleben kann, als wenn ich mich hinstelle und die Situation mit einem Wort wegwische.

Es geht nicht immer. Es fällt uns im Alltag schwer jedes Drama zu verstehen. Auch ich kann das nicht und manchmal möchte ich einfach nur eben so laut schreien und toben, weil ich nicht weiß, was mein Kind will und ich es nicht erfahren werde, weil es das selbst oft nicht weiß. Doch dann kann ich mich noch immer hinstellen und sagen: „Ich hab keine Ahnung was Du jetzt brauchst. Und ich kann Dir gerade überhaupt nicht helfen. Ich brauche jetzt kurz 5 Minuten um selbst wieder durchzuatmen.“ Das zeigt meinem Kind: Ich bemühe mich, ich versuche es. Aber ich stemple es nicht ab.

 

Frau Klein wird in einer Woche zwei. Sie hat einen sehr starken Willen und weiß oft genau, was sie will oder nicht will. Momentan will sie vor allem eines: alles „leine“ machen. Alles. Sie kann das natürlich nicht immer. Aber das ist ihr egal. Ich habe gelernt, sie probieren zu lassen, egal was es ist. Denn wenn sie merkt, dass sie es nicht „leine“ schafft, dann bittet sie mich um Hilfe. In vielen Dingen hingegen überrascht sie mich, weil sie die nun tatsächlich allein kann. Und ich freue mich, dass ich Geduld aufgebracht habe zu warten. Sie tun zu lassen. Weil ich sie nicht einfach ihrer Trotzphase überlassen habe. Es gehört natürlich noch sehr viel mehr in diese Phase. Doch wenn wir versuchen zu sehen, was Gutes und Erleichterndes dabei entsteht, und nicht nur die anstrengenden und mühsamen Momente in den Vordergrund rücken, dann werden wir die Zeit gemeinsam viel sanfter durchleben können.

Und ich möchte doch auch nicht, dass, wenn ich mal gereizt oder genervt durchs Haus gehe, jemand sagt: „Ach, hast Deine Tage, hm? Na dann.“ Ich möchte vielleicht auch gar nicht immer sagen, was wirklich los ist, aber ich möchte nicht, dass ich einfach so abgestempelt werde. Ich möchte ernst genommen werden, egal, wie ich mich gerade fühle. Unsere Kinder wollen das auch. Also wenn Euch das nächste Mal jemand fragt, wie es Euch geht, was Ihr so macht, was sich so tut, dann  – egal wie schlecht die Nacht davor gerade war, egal ob Euer Kind Euch gerade vorher den letzten Nerv geraubt hat – findet etwas, was Euch zum Lachen oder Staunen gebracht habt und erzählt das. Es fühlt sich sehr viel besser an. Nicht nur für Euch.

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Erkenntnisse der Woche – Ein Plädoyer gegen die „Trotzphase“

IMG_0724Immer häufiger kommt es vor, dass Frau Klein morgens fürchterlich traurig, wütend und verärgert wird, wenn der Liepste und Herr Klein sich auf den Weg in den Kindergarten machen. Sie will mit. Sie steht an der Tür und will raus, lässt den Papa nicht los und weint. Wenn ich sie hochnehmen will, schreit sie noch mehr und strampelt mich weg. Manchmal legt sie sich auf den Boden und weint dort, haut mit dem Kopf auf den Boden. Dann irgendwann will sie auf meinen Arm. Dort tobt sie weiter. Will runter, aber das eigentlich auch nicht. Sie will dann an die Brust, oder die auch nur anschreien. Es dauert, bis sie sich beruhigt oder von mir beruhigen lässt. Doch meist ist sie dann wieder ruhig und ausgeglichen.

Aha, Trotzphase, mag man nun sagen. Aber ich mag das Wort aus vielen Gründen nicht. Zum einen, weil ich selbst ein sehr „trotziges“ Kind war, ein sturer Bock auch gern genannt, und mir das heute noch sehr negativ im Ohr hängt. Zum anderen, weil es suggeriert, dass die Kinder hier absichtlich den Eltern das Leben zur Hölle machen. Vieles wollen sie, aber das sicher nicht.

Es ist ja auch gar nicht so, dass Frau Klein unbedingt in den Kindergarten will. Sie will einfach auch da hinaus, irgendwo hin. Teil sein von dem Ritual der beiden anderen. Sie ist ja eine halbe Stunde später wieder ganz sie selbst, spielt zufrieden und plaudert vor sich hin. Bis ihr wieder etwas begegnet, was sie nicht kann, nicht darf oder nicht will.

Was ich in diesen Momenten sehe ist kein Trotz. Ich sehe hier großen Ärger, Wut und viel Verzweiflung. Weil Kinder in dem Alter einfach gefangen sind zwischen Wollen und Nichtkönnen, zwischen Klein und Groß, zwischen Sein und Werden.

Das heißt nicht, dass ich ihr nun jeden Wunsch erfülle und alles erlaube, damit sie nicht wüten oder toben muss. Natürlich muss sie erfahren, dass sie dieses oder jenes nicht darf, einiges nicht kann oder nicht will, was sie soll. Aber das lernt sie nicht, indem ich sie nun ignoriere, sie anschreie oder zurechtweise. Das lernt sie am besten, wenn ich ihr vermittle, dass ich hier bin, in der Nähe, die sie erreichen kann, wenn sie mich braucht. Dass ich sie hier und da verstehe, dass ich ihren Ärger selbst aus Erfahrung kenne. Dass sie nicht allein ist mit ihren Gefühlen. Das ist nicht immer leicht, nein. Und es gelingt mir auch nicht immer. Aber abzuwinken und zu sagen „Trotzphase, müssen wir durch. Alle.“ macht es uns nicht leichter. Im Gegenteil. Es treibt uns nur weiter auseinander, sorgt dafür, dass wir nebeneinander, statt miteinander dahinsegeln.

Wenn ich zur Post gehe, um ein Paket zu holen, dieses aber mit meiner Jahreskarte nicht bekomme, weil sie heute auf den Reisepass als Lichtbildausweis bestehen, möchte ich mich auch auf den Boden werfen und toben. Weil ich das Paket haben will, weil ich bis zur Post gelatscht bin bei der Hitze mit 2 Kindern im Gepäck. Und weil ich nun noch einmal kommen muss. Wenn dann jemand sagt, ich soll mich mal nicht so anstellen, dann schreie ich sicher noch lauter, dass ich mich aber anstelle weil ich sauer bin und wütend und genervt. Und dass ich weiß, dass mir das jetzt nichts bringt, es mir aber einfach jetzt hilft, diese Wut rauszulassen. Nun gut, ich schreie natürlich nicht, wüte nur noch eine weile vor mich hin, aber auch nur, weil ich gelernt habe, mit diesen Gefühlen umzugehen. Irgendwie. Mehr oder weniger. Kinder können das noch nicht. Sie können oft nicht einmal verbalisieren, was genau sie jetzt wollen. Oder eben nicht wollen. Können oder Nicht können. Nicht dürfen oder sollen.

Vielleicht sollten wir also alle eine ärgerliche, wütende oder verzweifelte Ich-will-kann-aber-nicht-Situation aus unserem Leben in der Hosentasche tragen. Und diese herausziehen, wenn wir unser Kind mal wieder nicht verstehen. So ein wenig Einfühlungsvermögen hilft da sehr. Nicht nur unserem Kind, das sich dann verstandener fühlt, sondern auch uns, dass wir überhaupt erst einmal verstehen, was jetzt los ist. Dass unser Kind eben nicht schreit und tobt und wütet, um uns das Leben für ein bis zwei Jahre schwer zu machen. Sondern dass es eben da festsitzt in diesem Entwicklungsschiff, dass immer weiter treibt, Welle für Welle neues über Bord schwappt aber noch lange nicht am Ziel ist. Am Ziel „Mitmachen, selber machen, selber können“. Aber wir können es immer wieder in sichere Hafen ziehen, einen wilden Sturm dort abwarten und es dann wieder aufs Meer hinauslassen. Ohne das Tau zu fest oder zu locker zu lassen. Dann können wir gemeinsam segeln. Durch diese Phase. Denn ja, eine Phase ist es, aber keine trotzige. Eine anstrengende, ja. Aber nicht nur für uns anstrengend, sondern auch für unsere Kinder. Besonders für unsere Kinder.

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