Babyspielräume :: Von Entfaltung und Zwischenräumen

Im Jänner freue ich mich auf neue Kurse und neue Kinder. Aber vor allem auf den neuen Kurs für Eltern mit Babies. In den bisherigen Spielräumen war das Einstiegsalter meist 7 Monate. Nun möchte ich aber auch vorher schon die Eltern einladen und abholen in einer Phase, die oft gespickt ist von vielen Meinungen und Kommentaren, verwoben mit Fragen und sorgenvollen Gedanken. 

Im Babyspielraum möchte ich eine entspannte Atmosphäre schaffen, in der es um kein Erreichen, kein Müssen und kein Sollen geht. In dem die Babies einfach nur Sein dürfen und zwar genau so, wie sie sind. In dem Eltern Möglichkeiten und wohlwollenden Raum haben ihre Fragen zu stellen oder einfach nur zu beobachten. Im Babyspielraum gibt es kein richtig oder falsch, kein schwarz oder weiß. Hier ist alles farblos bunt, genau so, wie es das Kind braucht. In genau diesem Moment.

Ich habe diese Babyzeiten immer sehr genossen. Stundenlang hätte ich meinen Kindern beim Erforschen ihrer Hände und Füße, der Schatten und Staubflusen, der Lichter und Sonnenstrahlen beobachten können. War fasziniert davon. Begeistert. Beglückt und erfüllt. Fernsehen habe ich es genannt.

Aber viele Eltern sind dabei verunsichert. Sollte er nicht längst… ? Ist das normal … ? Und die anderen können machen das aber so und der Kinderarzt sagt dies, die Hebamme hat das gesagt… ? Fragen über Fragen. Verunsicherung. Sorgen.

Im Babyspielraum wird all das entworren und geglättet. Da wird jede individuelle Situation als solche betrachtet, jedes Kind so, wie es ist mit dem, was es jetzt braucht.

Und die Eltern haben einen Raum, in dem sie mit all dem genau so sein dürfen. Wo sie entspannt sitzen und beobachten können, außerhalb ihrer vier Wände. Wo sie bei einer Tasse Tee umgeben von Gleichgesinnten begleiteten Austausch finden.

Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.

Vielleicht magst du das teilen, wenn Du Eltern mit Babies in dem Alter in Wien kennst.

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Spielmaterialien im Spielraum – Was mir wichtig ist

Der Herbst naht und damit die nächsten Spielraumkurse. Ich freue mich schon sehr darauf, die ersten Anmeldungen trudeln ein und ich habe begonnen meine Materialien zu sichten, zu erweitern, zu reinigen. Vor allem die kleinen Dinge landen ja öfter in Kindermündern und lagen nun einen Sommer lang im Keller. 

Wenn ich die Kisten raufhole und mich durch die Materialien wühle, möchte ich am liebsten immer selbst spielen. Und das sieht dann ganz anders aus als bei den Kindern. Denn die haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von Spiel. Und genau darum geht es mir auch im Spielraum.

Ich leite dort ja nichts an. Ich schaffe eine Umgebung, die die Kinder zum Spielen einlädt und ich lege Materialien bereit, die sie frei, offen und mit fragendem Blick empfangen. Wenn die Kinder dann direkt losstürmen, alles ausprobieren und letztendlich irgendwo hängen bleiben und ins Spiel versinken, sehe ich, dass die Rechnung aufgeht. Und das ist für mich das Zauberhafte am Spielraum nach Pikler. Das freie. Das offene. Die vielen Möglichkeiten.

Ich habe keine Montessori Materialien da und auch sonst nichts, was einen wirklich didaktischen Hintergrund hat. Nichts von den vor mir bereitgestellten Materialien hat eine Vorgabe und wenn es sie hat, dann darf die im Spielraum gekonnt ignoriert werden. So habe ich natürlich Stapelbecher, weil die Kinder sie lieben. Aber ob sie damit Türme bauen, sei einsortieren, nach Farbe ordnen, daraus trinken spielen oder andere Spielmaterialien hineingeben, ist herrlich egal. Niemand zeigt ihnen, wie „man damit spielt“ oder was damit möglich ist. Das entdecken sie alles selbst.

Wichtig ist mir, die Kinder in ihrer natürlichen Neugier des Alltags einzufangen. So gibt es eben viele Dinge, die wir sonst in der Küche oder im Bad finden. Die wir täglich oder auch selten benutzen und die die Kinder faszinieren.

Sensorisch sollen die Materialien die Kinder vielfältig ansprechen. So gibt es verschiedenste Materialarten (Holz, Metall, Plastik, Textilien, Gummi etc.), Formen, Farben und Oberflächen zu erforschen. Die räumliche Wahrnehmung wird zum einen durch Behälter, Körbe, Schüsseln, Dosen etc. erforscht, aber auch im Labyrinth oder gar im Wäschekorb.

Motorisch sprechen natürlich die Piklergeräte die Kinder sehr an und fordern sie und uns Eltern und Pädagogen immer wieder aufs neue heraus. Krabbeln, klettern, stehen, gehen, fallen und aufstehen probieren und lernen die Kinder hier endlos und es ist immer wieder unfassbar faszinierend, wie individuell, wie ehrgeizig und willensstark die Kinder sich in der Hinsicht entwickeln. Dagegen kann jeder Kinoactionfilm für ich einpacken, ich finde das viel spannender ein Kind zu beobachten, dass es auf die Krabbelkiste hinaufgeschafft hat und nun versucht von da „oben“ wieder herunterzukommen.

Wichtig ist mir auch, dass Kinder eine Wertschätzung sich selbst und den Materialien gegenüber erfahren. So gibt es eben nicht nur Plastikbecher und Dosen, sondern auch Holz, Metall und Textiles. Das wiegt unterschiedlich, das ist in der Handhabung unterschiedlich. Natürlich wird mal ein Korb zerbissen, Metallbecher bekommen Dellen, Holzringe zerbrechen. Natürlich ist es aufwändiger diese Dinge zu reinigen, weil ich sie nicht einfach alle in die Spülmaschine geben kann, sondern manches mit Hand reinigen muss. Aber es ist mir wichtig den Kindern zu vermitteln: Du bist wertvoll, du darfst auch mit wertvollem Material spielen. So bekommen sie zum Trinken auch Gläser und keine Becher. Plastik möchte ich daher weitestgehend vermeiden. Natürlich gelingt das nicht komplett, aber der Fokus liegt dort.

Und während ich die Dinge nun dusche und spüle und auf mögliche Schäden sichte, freue ich mich schon wieder auf die vielen kleinen Hände, Augen und neugierigen Münder, die sich dann darauf stürzen. Ich freue mich auf die vielen neuen Herausforderungen, die sich mir immer wieder stellen im Spielraum. Und auf die wertvolle Zeit mit neuen Familien.

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Sechs Monate Spielraum – Was ich gelernt habe

Seit Jänner habe ich drei Spielraumgruppen nach Emmi Pikler geleitet. Habe ich Eltern im Beobachten ihrer Kinder beruhigt, unterstützt, begleitet. Habe ich Kinder leise schauen, fallen, lachen, weinen, entdecken, staunen, spielen und wachsen gesehen. Und mich selbst immer wieder aufs neue verzaubern lassen. 

Ich erinnere mich noch an meine ersten Spielräume vor 2 Jahren, als ich gerade frisch angefangen hatte, schwanger mit Miniklein war und obwohl vorfreudig dennoch unsicher war. Jeden Dienstag ging ich mit mulmigem Gefühl in den Spielraum, war mir nicht sicher, ob ich gut genug wäre, ob ich alles „richtig“ machen würde, ob die Eltern sich wohlfühlten, die Kinder das erlebten, was ich mir vorgestellt hatte. Irgendwie erleichtert ging ich dann in die Babypause. Dennoch fing ich nun von Neuem an. Etwas stärker. Etwas gewachsener. Doch nicht weniger unsicher. Die Pause war lang. Die Pikler Grundausbildung lag nun noch weiter hinter mir. Und die Hormone waren auch noch nicht alle wieder im Lot. Miniklein war ja nun kaum ein Jahr alt.

Letzte Woche habe ich zum letzten Mal vor dem Sommer die Matten verräumt, das Labyrinth im Keller verstaut, die Decken in den Schrank gefaltet, die Tür hinter mir geschlossen. und ich spürte eine Vorfreude auf den Sommer, aber auch auf den Neustart im Herbst. Ich spürte, dass ich gewachsen war, dass ich sicherer war in dem, was ich tat, dass ich gelernt hatte und um einige Erfahrungen reicher geworden war.

Die Tatsache, dass sich die frühe Gruppe von Jänner bis Juni fast komplett durchzog, dass fast alle immer weiter buchten, gab mir die Sicherheit, dass sie sich wohl fühlten. Jeden Dienstag kamen sie gern, die Kinder erkundeten von Mal zu Mal schneller den Raum, kannten sich aus, strahlten mich an, kamen mehr in spielerischen Kontakt untereinander.

Wo ich mich anfangs immer wieder ertappte beim Gedanken „Es ist so ruhig hier, niemand sagt etwas, ob das für die Eltern nicht komisch ist?“ – was ein ziemlich blöder Gedanke war, denn genau darum ging es ja im Spielraum nach Emmi Pikler – so spürte ich am Ende genau darin die Erleichterung, die Freude. Sowohl auf meiner Seite, als auch auf der der Eltern. Als ein Vater einmal kam mit seinem Sohn, sich setzte und sagte „So, und wie ich höre fängt jetzt die Entspannung an.“ da lächelte ich zufrieden. Offensichtlich hatte seine Frau ihm das so positiv vermittelt. Alles war gut.

Den Fragen, die im Spielraum auftauchten – von „Was tue ich, wenn die Situation (das Wegnehmen von Spielsachen) auf dem Spielplatz passiert, wo andere Mütter nicht so entspannt sind?“ bis hin zu „Wie gehe ich damit um, dass meine Schwiegermutter alles anders macht als ich?“ – konnte ich im Laufe der Zeit immer souveräner und sicherer beantworten. Ich spürte das Wissen in mir gepaart mit der Erfahrung meiner eigenen drei Kinder klar und fest in mir sitzen. Ein Halt, den ich vor zwei Jahren noch nicht hatte.

Auch die Frage nach dem richtig oder falsch habe ich hinter mir lassen können. Jeder Spielraum – auch wenn er an die Ideen Emmi Piklers, obwohl man richtigerweise Magda Gerbers sagen müsste, denn sie hat den Spielraum ursprünglich entwickelt und Emmi Pikler hat die Idee übernommen – ist anders und individuell von der Leiterin geführt und das soll auch so sein. Ich denke, wenn keine persönliche Note darin steckt, dann ist es ein Konzept. Ich möchte aber individuelle Arbeit leisten und den ganz eigenen Bedürfnissen der Eltern und Kinder begegnen.

Spannend fand ich immer wieder aufs Neue die Individualität der Kinder. Wie unterschiedlich sie liegen, krabbeln, sitzen, aufstehen, gehen, stehen, lachen und weinen. Wie unterschiedlich sie die Materialien verwenden. Das zeigt mir auch wieder, wieviel wertvoller am Anfang offene und freie Materialien sind statt den didaktischen Spielsachen mit pädagogischem Hintergrund. Kinder wollen ausprobieren und testen, erforschen und entdecken. Im Spielraum ist genau das möglich. Faszinierend fand ich, wenn Miniklein, der beim Aufbauen und Herrichten oft noch bei mir war, so ganz anders mit den Materialien spielte als alle Spielraumkinder. Wenn er ganz anderes entdeckte.

Die größte Erkenntnis für die Eltern war wohl: „Wow, wie vertieft und selig mein Kind spielen kann. Zu Hause tut er das nie! Da hängt er ständig an mir.“ Die klare Antwort darauf ist natürlich: Hier bist du voll und ganz da. Kein Haushalt, kein Handy, kein Laptop, kein „eigentlich würde ich jetzt lieber“, kein „ja gleich.“ Auch wenn du im Spielraum als Mutter scheinbar nichts tust, „nur“ auf deinem Platz sitzt und schaust, nicht mit dem Kind spielst, sondern es einfach beobachtest, so tust du sehr sehr viel: Du gibst Halt, Sicherheit und das Gefühl: ich sehe dich. Ich interessiere mich für dich. Ich bin da, wenn du mich brauchst. Und die Kinder spüren das. Und brauchen genau das. Deshalb sind sie hier voll und ganz hier. Und können loslassen und frei spielen.

Ich denke, dass mir dieses halbe Jahr im Spielraum in meiner Rolle als Spielraumleiterin ganz gut gelungen ist. Offene Fragen gibt es für mich immer wieder, auch was das Thema Stürze und Hilfestellung der Eltern im Spielraum angeht. Da bin ich oft noch etwas unsicher. Aber deshalb vernetze ich mich nun auch mit den regionalen Spielraumleiterinnen hier in und um Wien, um solche Fragen zu besprechen und einfach um hilfreichen Austausch zu haben.

Es ist jedenfalls ein wunderbares Gefühl sagen zu können: Ich liebe meine Arbeit. Jetzt freue ich mich auf den Sommer und dann auf neue Gruppen im Herbst. Die Termine stehen nun fest und die Anmeldungen sind schon möglich.  Es gibt auch wieder zwei Schnupperstunden. Ich freue mich jedenfalls sehr auf neue Eltern und Kinder!

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