Empathie

Aus dem Spielraum :: Ich spiel aber so

Wenn ich morgens meinen Spielraum einrichte, die Geräte aufstelle und die Materialien in Körbe schütte und diese im Raum verteile, dann beginnt mein inneres Wesen bereits zu spielen. Ich fühle die Materialien, ich möchte sie anordnen, aufstapeln, zu neuen Gebilden aufstellen. Stets ist es mein Kopf, der zuerst denkt, dann tut. Dann freue ich mich auf die Kinder im Spielraum. Und wenn sie da sind erkenne ich: sie spielen ganz anders.

Die Kinder können es oft kaum erwarten, dass ihre Eltern sie auf den Boden setzen und „frei“ lassen. Dann haben sie oft schon etwas im Auge und krabbeln oder robben zielstrebig darauf zu. Andere halten kurz inne, schauen zu mir, beobachten und tasten sich dann vorwärts. Sie betrachten die Spielsachen nicht lange, sie greifen zu, stecken sie in den Mund, lassen sie fallen, heben sie wieder auf…

Ihr Spiel kommt aus einem ganz anderen Antrieb heraus. Er ist freier, kommt aus ihrem ganz inneren Selbst. Und das ist das schöne am Spielraum. Hier dürfen sie genau das sein: frei und sie selbst. Niemand hat Erwartungen an sie. Niemand zeigt ihnen, wie etwas geht. Manchmal hängen sie an der Bogenleiter, ein Bein durch die Sprossen gesteckt, eines draußen. Nein, so kommen sie da nicht rauf und nicht rüber, aber sie erfahren ganz andere Dinge. Räumliche Wahrnehmung. Körperliche Wahrnehmung. Wie bin ich da hingekommen, wie komme ich wieder zurück?

Im Spielraum gebe ich den Kindern nichts vor. Nur eine sichere, vorbereitete Umgebung, in der sie all das erfahren können. Auch das Fallen, denn die Höhen der Geräte sind gerade sicher genug, damit ihnen auch beim Fallen nicht mehr zustößt als vielleicht ein blauer Fleck.

Die Materialien sind vielseitig und egal was ich glaube, wie man sie verwenden und damit spielen kann – die Kinder tun das ganz anders.

Es gibt heutzutage zu viele Spielzeuge mit didaktischem Hintergrund. Fördert dies. Unterstützt das. Beim einen lernen sie den Pinzettengriff. Braucht kein Kind, denn den lernen sie vor allem beim Essen auch. Oder beim Aufsammeln der Brösel unter dem Tisch nach dem Essen, Eltern wissen hier, wovon ich rede. Da gibt es Spielzeuge die lehren Farben und Formen, Zahlen und Buchstaben. Als wäre die Welt nicht voller Farben und Formen. Was die Kinder brauchen ist vor allem eines: Freiheit im Tun. Ihre eigenen Ideen, ihren eigenen inneren Antrieb auszuprobieren und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das allein fördert so vieles. Kreativität, Fragestellung, Lösungsfindung, Selbstentdeckung. Ohne dass wir es gezielt unterstützen oder fordern. Und das alles lässt sie im Leben so viel anderes entdecken, Neues erfahren, treibt sie weiter an noch mehr zu erforschen. Wenn wir sie nur lassen und ihnen zutrauen, dass all dieses Streben in ihnen steckt.

Jedes Mal, wenn ich den Korb mit den Ringen herrichte, lege ich einen der Holzringe um die Holzfigur. Es erscheint mir am logischsten. Es ist mein Spiel. Noch nie hat ein Kind das getan. Und genau darum geht es im Spielraum. Kein Sollen. Kein Müssen. Kein so oder so. Denn auch ein so herum oder ganz andersrum ist möglich. Und genau das führt zu dieser wunderbaren Atmosphäre. Geschäftiges Treiben. Angestrengtes Keuchen. Kreischen und Quieken. Ruhiges Tun. Zuschauen, was die anderen tun. Auch wollen. Spielmaterialen wegnehmen, zurück geben, festhalten, fallen lassen. Neues entdecken. Müdes weinen. Denn nach einer Stunde Spiel sind die Kinder vor allem eines: erschöpft. Rundum müde. Aber wären wir das nicht auch?

Ich liebe es, die Kinder jede Woche aufs Neue zu beobachten und zu erkennen, was sie beschäftigt, was ihr innerer Trieb ist, was sie begeistert. Und zu sehen, dass all das ganz natürlich tief in ihnen steckt.

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Entspannung im Alltag mit Kindern

Entspannung. Das ist immer das für die ohne Kinder. Das mit der Meditation, bei der wir immer einschlafen. Das mit dem Schweigeseminar, für das wir eine wertvolle Woche Urlaub hergeben müssten. Das ist dieser Urlaub mit nem Stapel Bücher, der bei uns seit ein paar Jahren durch Windeln und Sandspielzeug ersetzt wird. Oder?

Viele sagen mir: Dafür hast Du Zeit, wenn die Kinder groß sind. Genieße sie, so lange sie so klein sind. Ja, das würde ich wirklich gern öfter. Aber wenn ich nicht genügend Zeit und Ruhe für mich habe, nicht genug Möglichkeiten des Für-mich-seins, dann kann ich mir noch so viel Mühe geben den Moment zu genießen. Das klappt einfach nicht, da bin ich unzufrieden und unrund. Und dann sind leider die Kinder auch nicht mehr so plüschig, dass ich diese Momente festhalten und achtsam wahrnehmen möchte.

Die letzte Woche war wahnsinnig anstrengend. Abendtermine. Herr Kleins Geburtstag. Kindergeburtstag. Es war alles viel, zuweilen viel zu viel für mich. Und als ich am Samstag erwachte, mich das Nachgeburtstagschaos erblickte, Miniklein die Müslischüssel von Frau Klein so gut erwischte, dass ich Küchenboden und Küche wischen musste, da war ich alles andere als entspannt. Da hatte Frau Klein um 8Uhr morgens ihren ersten Meltdown und jammerte „Du sollst lieb zu mir sein.“ Und ich saß mit Tränen in den Augen am Küchentisch, über meiner Tasse Kaffee, die extra bitter schmeckte und am liebsten hätte ich sie der Müslischüssel hinterhergeworfen.

Irgendwie nahm der Tag dann seinen Lauf und am Nachmittag bat ich den Liepsten alle drei Kinder aus der Wohnung zu befördern, weil ich unbedingt aufräumen wollte. Weil ich längst begriffen hatte, was ich brauchte, um mich wirklich zu erholen und wieder Entspannung zu erfahren. Es war kein exklusiver Moment mit Frau Klein, auch wenn sie ihn dringend nötig gehabt hätte. Ich wäre nicht in der Lage gewesen. Es war kein zwölfter Kaffee auf dem Sofa. Es war eine aufgeräumte Wohnung, Ordnung, Ruhe und Sauberkeit. Und so begann ich und spürte mit jedem sauberen Eck, wie ich entspannter wurde. Wie ich fröhlicher wurde, zu mir kam und mich strahlend umsah: So ging Entspannung. Als die Kinder wiederkamen, hatte ich wieder ein Ohr für sie, und ein Auge für diese kleinen Momente.

Heute waren wir etwas unverplant. Wir hatten Pläne, aber keine Ahnung so recht wie und wann sich was ausgehen würde. Solche Tage machen mich gewöhnlich unrund. Weil ich aber nichts tun konnte, weil wir auf Nachricht vom Schwager warteten, beschloss ich eine kleine Kritzelei, die ich neulich inspirierend in einem Newsletter sah, auszuprobieren. Schließlich wollte ich heuer Osterpost verschicken. Und so setzte ich mich seit Ewigkeiten mal wieder hin und begann mit Pinseln und Farben zu spielen, kritzelte mit Stiften herum und war selig. Frau Klein setzte sich zu mir, pinselte ebenfalls und gemeinsam spielten wir auf Papier herum. Wie sehr mich das entspannte.

Am Nachmittag saßen wir hinterm aus an der Sandkiste. Dort liegen um den Kletterturm herum so ganz kleine Kieselsteine. Mein liebstes Spiel ist es immer, darin zu graben und die schönen runden flachen Steine herauszusammeln und mit ihnen kleine Gebilde auf der Holzbank aufzulegen. Da kann ich reinkippen und selig spielen. Und es ist mir oft egal, wenn eine kleine Patschhand kommt und das Gebilde zerstört. Weil es nicht um das Ergebnis geht, sondern um das Tun.

Ich merke immer mehr, dass mich das Tun entspannt. Wenn ich tun kann, was mir gut tut, was mir Freude macht, was sich wie Spiel anfühlt. Danach kann ich wieder viel entspannter für die Kinder da sein. Deshalb ist es ja auch für Kinder so wichtig, dass sie frei und vertieft spielen können, ohne Vorgaben und Anweisungen. Weil sie darin versinken und entspannen. Viel mehr, als wenn wir sie anleiten.

Heute Abend habe ich noch Yoga gemacht, weil mein Rücken mich plagt. Natürlich ist das wunderbare Entspannung, zum Abschluss noch eine kurze Meditation. Herrlich. Aber ich weiß genau, dass das nicht regelmässig und nicht jeden Tag möglich ist. Schon gar nicht dann, wenn ich es brauche: morgens oder am späten Nachmittag, wenn alle Kinder hungrigmüde sind. Und ich war froh, dass ich an diesem Wochenende mal wieder erkannt hatte, dass Entspannung auch ganz anders gehen kann. Und dass Entspannung auch etwas ganz anderes sein kann als das, was wir uns oft darunter vorstellen. Denn ich kann einen Kaffee auf einer Picknickdecke wunderbar entspannend finden, aber wenn ich dabei das Gefühl habe, die Wohnung bräuchte dringend … oder ich würde jetzt gern lieber … oder eigentlich wäre jetzt ein Buch perfekt… dann ist das keine Entspannung, sondern purer Stress.

In Zukunft werde ich mir also merken, dass ich bei dringendem Entspannungsbedarf mal eine Runde aufräumen sollte, oder mir Zeit für Kreatives geben sollte, was sogar neben den Kindern geht, weil sie sich oft anstecken lassen.

Womöglich werde ich morgen früh als erstes den Schreibtisch aufräumen, damit ich dann ganz entspannt arbeiten kann.

Was entspannt Euch im Alltag mit Kindern? Wie gelingt es Euch Momente für Euch zu finden?

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Singt, schweigt, träumt und lacht und macht bloß keine Hausaufgaben !

Herr Klein ist nun seit einem dreiviertel Jahr in der Schule. Er geht dort wirklich gern hin, es gab nie Probleme bisher und er lernt mit großem Eifer und echter Begeisterung. Das macht mich sehr froh, denn ich war prinzipiell sehr begeistert vom Freilernen. Aber das Konzept verträgt sich nicht mit meinem Streben danach zu arbeiten und meine Ideen, Träume und Wünsche zu verwirklichen. Ich bin nicht dafür geschaffen mit den Kindern auf Dauer daheim zu sein. Da braucht es meiner Meinung nach ein gewisses Commitment, das ich ehrlich gesagt nicht habe.

Umso erleichterter bin ich, dass wir für Herrn Klein eine Schule gefunden haben, die freudvolles Lernen ermöglicht. Und die Schule da lässt, wo sie ihr Fundament hat – im Schulgebäude.

Leider ist das nicht überall der Fall. Erst jetzt wieder tauchen im Bekanntenkreis die leidigen Hausaufgabenthemen auf. Und das macht mich sehr wütend. Unser Bildungssystem macht mich oft wütend – wo fixe Stundenpläne und Noten individuelle Schüler in Schubladen pressen, wo mit Text und Theorie Alltagswissen vermittelt wird und das in einem Zeitalter, in dem Hirnforschung und Neurobiologie von vorn bis hinten versuchen zu beweisen, dass Lernen anders viel besser, erfolgreicher, zielführender und vor allem: freudvoller geschehen kann.  Aber dass obendrein auf die strengen Schultage auch noch stapelweise Hausübungen gepackt werden, und das bereits in der ersten Klasse – da, wo Kindern die Schule und das Lernen entweder schmackhaft gemacht oder von vornherein verdorben wird – das macht mich besonders wütend!

Es sind aber leider nicht nur die Lehrer*innen, die von diesen Hausaufgaben überzeugt damit die Nachmittage von Familien regieren, sondern es sind auch Eltern, die der Meinung sind, dass Hausaufgaben wichtig sind für ihre Kinder. Weil sie anscheinend nur so und schon unbedingt jetzt auf das Lernen und Pauken im Gymnasium vorbereitet werden müssen, weil sie sonst anscheinend verloren gehen in unserer Leistungsgesellschaft und chancenlos hinterherhecheln. Und weil Eltern scheinbar große Angst haben, dass, wenn sie nicht täglich über die Fähigkeiten und Leistungen ihrer Kinder im Bilde sind, verpassen, wo sie stehen und was sie können oder eben nicht. Das macht mich gleich noch wütender. Denn, liebe Eltern, ich rate Euch eines: wenn Ihr wissen wollt, wo Eure Kinder in ihrem Wissen stehen – dann verbringt Zeit mit ihnen. Redet mit ihnen, unternehmt Dinge mit ihnen, lauscht ihnen, hört zu auch wenn sie nichts sagen sondern „einfach nur spielen“. Denn im Spiel, da findet so viel lernen statt. Spielen ist letztendlich lernen. Statt am Wochenende über Hausaufgaben zu debattieren – geht mit den Kindern hinaus. In den Wald, in die Welt, ins Theater, in Museen, verbringt Zeit und habt Spaß miteinander. Lernt Euch kennen, erzählt Euch Geschichten, kickt Bälle, radelt neue Wege entlang, schnitzt Figuren, probiert Neues und lümmelt faul auf dem Sofa herum, singt, schweigt, träumt, lacht. Oh ja, lacht!
Bei all dem lässt sich so viel lernen, ohne dass man es lernen nennen muss, ohne Ziel und Vorgaben, ohne richtig oder falsch, ohne super oder verfehlt. Einfach nur durch die Freude am gemeinsamen Tun. Einfach nur durch die Neugier auf die Welt. Wir haben den Vorteil in einer Welt zu leben, in der wir all das tun können. Warum tun wir es nicht?

Natürlich ist das Leben nicht nur Spiel und Spaß. Wir müssen lernen und uns Wissen aneignen, weil nicht alles auf der Straße liegt, was wir für gewisse Berufe und Jobs brauchen. Aber deshalb müssen wir den Kindern nicht in der ersten Schulklasse, in ihren ersten Monaten im Bildungsgefüge den Spaß nehmen und den Frust auf den Tisch legen! Nein wir dürfen sie nicht am Anfang plagen denn hier, ja hier wird die Grundlage gelegt für ihre Lernbegeisterung. Wenn Kinder zu Beginn mit Freude und Begeisterung neugierig lernen dürfen, erfahren, dass manches leichter, manches schwerer fällt, wenn sie Fehler machen dürfen und wenn sie sich nach vollgestopften Schultagen auf Freiheit und Erholung, Spiel und Spaß freuen dürfen, dann werden sie sehr viel wahrscheinlicher erfahren, dass Lernen etwas Gutes, etwas Schönes sein kann. Wenn wir jedoch mühsam und stupide den Stoff vermitteln, wenn wir ihnen Aufgabe um Aufgabe mitgeben, damit sie verinnerlichen, eintrichtern, im Gehirn verquirlen und vor allem pausenlos lernen, dann werden sie schnellstmöglich die Schule verfluchen und vom Lernen recht bald genug haben. Das ist aber schade, denn es gibt so vieles zu entdecken, zu erfahren, zu lernen und zu wissen auf der Welt. Aber wieviel einfacher wir lernen, wenn wir etwas lernen, was uns Spaß macht, das sollten doch wir Erwachsenen langsam wissen. Wir, die wir begeistert für unsere Hobbies, für weiterführende Ausbildungen und selbst gewählte Kurse lernen und lesen. Und ja – auch die Diskussionen mit Fussballkollegen um Abseits, Linienrichter und Elfmeter ja oder nein ist lernen. Eben da, wo die Interessen gerade liegen.

Warum haben Eltern solche Angst, dass ihre Kinder nicht genug lernen? Wo ist ihr Vertrauen hingekommen? Vertrauen dahingehend, dass unsere Kinder lernen wollen. Wenn wir sie lassen. Sie wollen lesen und schreiben, manche höchst eifrig, andere lassen sich dafür Zeit. Sie erfreuen sich daran zu erkennen wer größer, schneller, älter oder schwerer ist. Sie begreifen im Alltag die Wochen und Monate, die Uhrzeit, das Geld, die Post, woher Essen kommt, wovon wir krank werden und wie wieder gesund. Ich könnte endlos aufzählen was unsere Kinder wie und wo einfach so lernen ohne dass jemand vor ihnen steht und erklärt und abfragt. Aber das versuchen Menschen, die viel bekannter und einflussreicher sind bereits. Und ich wundere mich, ich staune und frage entgeistert: wovor habt Ihr Angst, liebe Eltern? Welche Erwartungen habt Ihr an Eure Kinder, dass Ihr verunsichert und streng auf die Hausaufgaben besteht, beharrt und Wochenenden zu Schuldebatten werden lasst?

Und wann werdet Ihr liebe Lehrerinnen und Lehrer endlich begreifen, dass Schule Spaß machen kann? Und wenn sie Euch keinen Spaß mehr macht, vielleicht solltet Ihr dann Eure Hausaufgaben machen und Euch mit der Frage auseinandersetzen: Habe ich den richtigen Beruf gewählt? Lebe ich meine Berufung und wenn nicht – welche ist das?

Es ist nie zu spät umzulernen und sich neu zu orientieren, aber es ist immer zu früh neugierigen Köpfen das Lernen zu verderben!

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