Herzbuch

Loslassen und neu anfangen

Das Jahr neigt sich. Ich hatte mich auf die Rauhnächte gefreut. Auf die ruhige Zeit dazwischen. Auf die Stille dieser Tage. Auf diesen Moment des Stillstandes. Im Alten verweilen und verschmitzt auf das Neue blicken. Bewegungslos. Reglos. Doch nun kam alles anders. Der Liepste musste nach Klagenfurt und ich bin mit den drei Kindern allein daheim. Keine Zeit für irgendetwas.

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Aber irgendwie ist das passend. Denn genau so verlief mein Jahr. Ich hatte Pläne. Hatte Ideen und Vorstellungen. Was ich nicht hatte war Zeit. Geduld. (Vor allem Geduld). Und am allerwenigsten hatte ich eine Vorstellung davon was es heißt drei Kinder zu haben. Die habe ich nun aber und das kostet mich im Moment mehr als ich je geahnt hätte. Kraft. Nerven. Zeit. Energie. Motivation. Und so musste ich mehr und mehr loslassen. Ideen. Pläne. Ziele. Das letzte Ziel ließ ich heute gehen. Es war das Größte. Das mir wichtigste. Eines, an dem ich festhielt wie ein Kleinkind an seiner Schaufel. Aber es bringt nichts. Es hat mich gestresst bis zuletzt und hätte ich es schon losgelassen, hätte ich mir vermutlich so einige genervt-gereizte Wutausbrüche erspart.

Aber das Loslassen ist nicht so meins. Nicht wenn es um Ideen geht. Um Pläne. Um mein inneres Eigentum.

Nun lasse ich allmählich das Jahr gehen. Und alles, was es hatte. Die Aufregung und der Zauber um die Geburt unseres dritten Kindes. Die vielen bunten Momente zu fünft. Den langen und zuweilen anstrengenden Sommer. Aber auch den wunderschönen Urlaub. All das Neue im Leben mit Schulkind. Die Herausforderungen zu fünft. Das tiefe Down im Herbst und alles, was sich danach in meinem Kopf getan hat. Das komplett verknotete Wirrwarr an Gedanken und das allmähliche Entwirren. Den Stillstand der letzten Wochen.
All das darf nun gehen. Vor mir liegt etwas Neues. Unangetastet und aufgeregt lacht es mich an. Doch ich bin zögerlich. Ich habe gelernt aus diesem Jahr. Ich springe nicht mehr drauflos. Ich halte inne und verharre. Höre in mich hinein. Höre mir zu. Höre auf mich und meine Gefühle. Meinen Bauch. Das ist nicht leicht. Ich war immer impulsiv. Und sicher bin ich das auch noch. Aber ich habe mir auch die Füße verbrannt. Ich bin achtsamer geworden.

2016 stand unter dem Wort simplify. Ich habe viel reduziert. Vor allem materiell. Die Wohnung ist leerer und überschaubarer geworden. Das ist sehr angenehm und hat auch den Liepsten sehr begeistert. Mein Leben ist nicht allzu viel einfacher geworden. Was einfach daran liegt, dass ich nun drei Kinder habe und alles wieder anders ist als vorher und alles stetig im Wandel. Generell habe ich aber das Gefühl, das ich auf einem guten Weg bin ein einfacheres, minimalistischeres und achtsameres Leben zu leben. Vor allem die Morgenseiten helfen mir dabei und auch die Abendmeditation, die ich wieder konsequenter leben möchte.

Für das neue Jahr habe ich mir schon ein neues Wort überlegt. Es war gar nicht schwer, denn es wurde heuer sehr deutlich, wo von ich viel zu wenig habe und wohin ich meinen Fokus unbedingt lenken sollte: meine Geduld. Mit mir selbst. Mit meinen Ideen. Mit meinen Kindern und mit den Menschen um mich herum. Das Loslassen meines letzten großen Zieles für 2016 spielt da schon mit hinein. Es ist ja nicht so, dass ich es für immer loslasse. Nur diese Chance, die ich da jetzt hergebe, die ich „nicht nutze“ verschiebe ich nur. Ich muss mir selbst einfach noch Zeit geben. Das hat viel mit dieser Geduld zu tun, die ich nie habe. Ich freue mich auf das Jahr unter diesem Wort.

Morgen will ich mit dem Buch der Möglichkeiten – dem Workbook von Jademond beginnen das alte Jahr zu verabschieden und aufs neue zu schauen. Ich liebe solche Workbooks und freue mich, dass sie so eines endlich auf deutsch umgesetzt hat.

Und Silvester will ich dann in Ruhe mit meinen Liepsten auf dem Land bei den Schwiegereltern verbringen. Darauf freue ich mich besonders.

Wie blickt Ihr auf das alte Jahr zurück? Oder schaut Ihr nur nach vorn? 

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