Dankbarkeit leben und spüren

Es ist mittlerweile wohl durchaus bekannt welch bereichernde und beglückende Wirkung eine regelmässige Dankbarkeitspraxis hat. Wer sich da nicht sicher ist, kann sich gleich mal hinsetzen und sich überlegen, wofür er so richtig dankbar ist. Im Leben. Im Moment. Sehr schnell tauchen da nämlich nach materiellen Dingen auch ganz eigene, innere Fähigkeiten, Qualitäten, Besonderheiten auf. Oder Ereignisse, Erlebnisse, besondere Momente.

Was diese Dankbarkeit erst so richtig wirksam macht ist das Gefühl, das dabei entsteht. Ein Glücksgefühl vielleicht, eine Wärme, ein Wohligsein. Denn natürlich kann ich aufzählen dass ich dankbar bin für meine Gesundheit, mein Haus, den vollen Kühlschrank, die Kinder oder den Luxus eines Urlaubs. Aber wenn ich mir nun noch die kleine Mühe mache, da genau hinzuspüren, werde ich merken, dass das noch eine ganz andere, besondere Qualität hat, die eben diese Dankbarkeitspraxis so wertvoll macht.

Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens. – Hans Christian Andersen

Viele Eltern bitten ihre Kinder, dass sie sich bei anderen bedanken. Für ein Geschenk, eine Süßigkeit oder weil jemand den heruntergefallenen Teddy wieder aufgehoben hat. Die Absicht dahinter ist klar und verständlich. Wir wollen unsere Kinder zu Dankbarkeit, vielmehr zu einer gewissen Höflichkeit erziehen. Es gehört sich so, dass man sich bedankt. Menschen erwarten das. Und wie stehen wir da, wenn unsere Kinder sich nicht bedanken? Und wie sollen sie es anders lernen?

Frau Kleins erstes Wort war Danke. Und auch Miniklein hatte das sehr früh in seinem Wortschatz. Er bedankt sich wenn man ihm bei etwas hilft, wenn wir “Gesundheit” sagen wenn er niest, wenn wir ihm etwas geben. Wohlerzogen? Vielleicht. Dabei habe ich noch nie zu ihm gesagt: “Sag bitte danke!”

Ich glaube, dass Kinder das einfach von uns übernehmen. Wenn wir uns eben auch bei ihnen bedanken. Und wenn sie sehen, wie wir mit anderen Erwachsenen interagieren. Darüber hinaus glaube ich, dass sie eine natürliche Dankbarkeit in sich tragen, ein Geben und Nehmen, das nicht voneinander abhängt. Sie basteln sich gegenseitig Geschenke ohne dafür etwas zu verlangen. Sie haben Freude daran und Freude an unserer Freude oder an der Freude der Beschenkten. Und wenn sie etwas geschenkt bekommen, ist da große Freude auf ihrer Seite, ohne dass sie das Gefühl haben, etwas dafür geben zu müssen. Solange sie das nicht auferlegt bekommen von uns Erwachsenen.

Und das ist ja oft auch das “Problem” mit unserer Dankbarkeit. Wir haben oft das Gefühl, etwas geben zu müssen, wenn wir etwas nehmen. Selbst eigene Fähigkeiten nehmen wir oft nicht einfach so dankbar an. Da folgt im Kopf schnell “Ja aber da habe ich ja auch lange für geübt oder gelernt.” Einfach annehmen. Dankbar sein. Genießen. Das fällt uns oft schwer. Dabei ist es so einfach. So wertvoll.

Unsere Kinder tragen das ganz natürlich in sich. Hören wir auf, sie zur Dankbarkeit zu erziehen. Vertrauen wir darauf, dass sie das von uns übernehmen. Und lassen wir ihnen das große Geschenk der Freude und des Glücksgefühls, wenn sich Dankbarkeit einstellt. Und kultivieren wir selbst eine eigene Dankbarkeitspraxis.

Wofür bist Du heute dankbar?

Dankbarkeit verändert das, was wir haben, in GENUG.

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Wie war dein Tag?

Auf mymonk gibt es gerade einen Artikel darüber, wie wir mit unseren Kindern ins Gespräch darüber kommen können, wie ihr Tag war. Weil Kinder ja so selten auf die spezifische Frage “Und, wie wars im Kindergarten / in der Schule?” reagieren. Da bekomme ich ja von meinen Kindern auch nur die österreichische Antwort: “Eh gut.”

Ich habe mir also abgewöhnt, diese Frage zu stellen. Na gut, hin und wieder kommt sie mir über die Lippen. Aber ich versuche spezifischer zu sein. “Und, wie war Englisch heute?” oder “Seid Ihr heute draußen im Garten gewesen?” Aber auch hier gibts oft nur kurze und knappe Antworten. Während ich mir auf die Zunge beiße, weil ich meine Frage aus Kindersicht selbst blöd finde.

Sara Goldstein hat nun auf mymonk eine Liste von 20 Fragen erstellt, die wir unseren Kindern stattdessen stellen können.

Ich denke mir aber: Es hat doch einen Grund, warum Kinder so knapp antworten. Und das ist ja nicht, dass sie mir der Frage per se nichts anfangen können. Es liegt daran, dass sie in diesem Moment vielleicht einfach keine Lust haben zu reden. Geht es uns nicht auch oft so? Wenn der Liepste heimkommt und fragt: “Und, wie wars heute so?” sage ich womöglich auch nur “Anstrengend.” oder “Ganz okay.” Weil ich mir die genaueren Erzählungen für später in Ruhe aufheben will. Weil ich gerade mit dem Kopf woanders bin. Weil ich gerade im Moment nicht abrufbar habe, wie lustig, wie witzig, wie genial oder wir irrsinnig wahnsinnig gewisse Situationen mit den Kindern waren. Oder auch, weil ich gerade einfach mal absolut keine Lust aufs Reden hab. Das ist im Übrigen auch ein Grund, warum ich manchmal auch bei Freunden oder Verwandten einfach nicht ans Telefon gehe. Ich will in dem Moment einfach nicht reden.

Was tue ich also, um vielleicht dennoch etwas über den Tag meiner Kinder zu erfahren?

  1. Ich erwarte nicht, dass sie mir alles erzählen. Wenn etwas aufregendes passiert ist, erzählen sie mir das schon noch. Vielleicht auch erst in drei Wochen. Manchmal erzählen sie mir auch die banalsten Banalitäten. Aber hey – sie erzählen. Das hab ich doch gewollt, oder? Manchmal erzählen sie Witze aus der Schule oder (noch schlimmer) aus dem Kindergarten. Und dann denke ich mir, dass es doch auch gar nicht schlimm ist, wenn sie nichts erzählen.
  2. Ich erzähle von meinem Tag. “Heute war ich mit Miniklein beim Arzt. Er hat eine Impfung bekommen.” – “Wirklich?? Hat er geweint???” Und schon sind wir im Gespräch. Herr Klein erzählt, dass er früher immer geweint hat. Frau Klein erzählt von ihrer letzten Impfung und welches Tier sie sich danach ausgesucht hat aus der ärztlichen Schatztruhe. Kleine Geschichten entstehen. Und haben selten mit ihrem Tag zu tun. Ich erzähle manchmal, welchen spannenden Menschen ich begegnet bin, ich erzähle wenn ich Kochdienst hatte. Was auch immer mir einfällt und was ich gern erzählen möchte. Und ganz oft, da erzähle ich auch gar nichts. Weil mein Tag nicht aufregend war oder weil das, was ich getan habe, für sie womöglich langweilig ist. Rechnungen schreiben, Emails beantworten, Minikleins Windeln wechseln, Blogartikel verfassen… Dann wundere ich mich aber auch nicht, wenn sie mir nichts erzählen. Weil ihr Tag vielleicht in ihren Augen auch nicht besonders aufregend war. Nicht erwähnenswert.
  3. Ich lasse los. Wenn ich meine Kinder tagsüber in den Kindergarten oder in die Schule gebe, so verbringe ich eben nicht mehr jede Minute mit ihnen und weiß nicht mehr, was sie rund um die Uhr tun. Das ist ja auch gar nicht schlimm. Ich muss ja nicht alles wissen. Ich schaue nicht, was es im Kindergarten zu essen gab. Wenns besonders lecker war, erzählt mir Frau Klein das von sich aus. Ich finde mich damit ab, dass ich nicht mehr alles erfahre. Anfangs, als Herr Klein noch winzig war und in den Kindergarten ging, fand ich das noch schlimmer. Das war für mich so neu und ich wollte einfach Teil haben an seiner Welt. Er war aber schon immer eher ruhig und wenigredend. Als hätte er nur ein gewisses Budget an Wörtern. Deshalb habe ich noch nie sonderlich viel erfahren. Stattdessen habe ich erkannt, dass es wertvoller ist mit ihnen die Zeit zu genießen, die wir gemeinsam verbringen. Gemeinsame Erinnerungen gestalten und erleben. Gemeinsame Geschichten in die Welt malen.

Ich halte es für wertvoll auf das zu hören, was unsere Kinder uns von sich aus erzählen. Weil das etwas ist, was aus ihnen von ganz innen herauskommt. Und wenn sie wenig reden, dann sollten wir besonders auf das achten, was sie erzählen um zu erkennen: Was ist ihnen wichtig? Was beschäftigt sie? Worauf achten sie in ihrem Alltag? Was bewegt sie? Das sind die spannenden Erzählungen, die Kontakt wertvoll machen. Die uns in Beziehung treten lassen miteinander.

Und was besonders wertvoll ist, ist das gemeinsame Schweigen. Das auszuhalten. Das zuzulassen. Das schenkt uns nicht nur die Möglichkeit, besondere Nähe zu erleben, sondern gibt auch unseren Kindern die Fähigkeit, das in ihrem Leben weiter zu ermöglichen. Denn Schweigen kann eine ganz besondere Form des Miteinanders sein.

Wie sind Eure Kinder? Erzählen sie viel und gern von ihrem Tag? Oder sind sie eher die ruhigen Gesellen, die in 4 Wochen ein kleines Erlebnis von gestern erzählen?

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Podcast Folge 9 – Selbstregulation bei Kindern stärken

Heute habe ich endlich mal wieder eine neue Podcast Folge für Euch. Es geht um ein Thema, was mich selbst zuweilen immer wieder beschäftigt und nun auch in einer meiner Emailbegleitungen ein wesentliches Thema ist: Die Selbstregulation bei Kindern und wie wir sie stärken können. 

Selbstregulation ist die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Impulse und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verstehen und damit den Umständen entsprechend umzugehen. Es bedeutet individuelle Möglichkeiten und Wege zu entdecken, um uns selbst emotional und physisch zu regulieren.

Kinder haben diese Fähigkeiten nicht in sich veranlagt, sondern müssen diese erst erlernen und ihr Gehirn entsprechend entwickeln. Dazu brauchen sie unsere Unterstützung. Wie wir sie als Eltern da gut begleiten können – darum geht es in dieser Podcastfolge. Gespickt mit Beispielen und Erzählungen habe ich das Thema einmal für Euch ausgerollt und hoffe, Ihr könnt einiges daraus mitnehmen.

Ich freue mich über Feedback und Kommentare, auch aufgetauchte Fragen hier in den Kommentaren oder per email.

 

Ein interessanter Artikel zum Thema: Selbstregulation bis ins Schulalter

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