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Donnerstagsrealitäten :: Die Sache mit der Achtsamkeit

In der Früh tapste Miniklein bereits um 5:30Uhr quietschfidel durchs Wohnzimmer. Ich bin ja grundsätzlich erst ab 7:00Uhr ansprechbar und das auch nur mit Kaffeetasse in der Hand. Aber heute war ich extrem entspannt. 

Bis gestern Abend waren die letzten Tage bummvoll gepackt und ich war ziemlich gestresst. Dann war ich beim 6.Modul des mbsr Kurses und danach war ich völlig ruhig und wieder mehr bei mir. Dieses Gefühl hielt heute Morgen noch inne.

Beim Frühstück flog eine Fliege über den Frühstückstisch. Gewöhnlich nerven mich diese Viecher ja sehr. Doch heute sah ich das Gesicht von Miniklein und erkannte: Für ihn ist so eine Fliege etwas ganz Neues. Er hat zwar schon freudigst Käfer und Ameisen beobachtet und versucht zu fangen, aber eine Fliege hat er so intensiv noch nie betrachtet. Und ich machte eine kleine Achtsamkeitsübung daraus. Ich ließ die Fliege einfach machen. Sie setzte sich auf den Tisch und Miniklein schaute mit offenem Mund, er bewegte seine Hand in ihre Richtung und zuckte zusammen, als sie davonflog. So konzentriert war er. So interessiert. Und ich fasziniert von seinem Tun, seiner Beobachtung, seiner Begeisterung.

Eine Weile haben wir diese Fliege einfach nur beobachtet. Ich habe sie sogar kurz auf meinem Arm krabbeln lassen, damit er sie von ganz Nahe sehen konnte.

Den ganzen Vormittag spürte ich diese innere Ruhe und Achtsamkeit in meinem Tun. Und genoss jede Minute. Ich wickelte Miniklein mit voller Aufmerksamkeit, wie es mir sonst selten gelingt, allein deshalb, weil ich es mir nicht einmal mehr vornehme im Alltag. Dabei ist es so wertvoll. Sein Lachen, die Begegnungen, die dabei entstehen, der Blickkontakt, die Kommunikation. Wunderbar.

Am Nachmittag überkam mich dann beim Abholen der anderen beiden Kinder wieder der ganz normale Alltagswahnsinn. Hitze und Sonne gepaart mit der nun doch spürbaren Müdigkeit und Erschöpfung der letzten anstrengenden Tage verfiel ich in Phrasen und Floskeln, die ich so gar nicht an mir mag. Alle Achtsamkeit wieder dahin. Und ich war doppelt frustriert. Weil ich mich so nicht leiden kann und weil das angenehme und ruhige Gefühl vom Vormittag einfach so verpufft war.

Doch ich legte mir einen Moment selbst die Hand auf die Schulter, sah mir ins Gesicht und sagte: Dass dir auffällt, dass die Achtsamkeit schwindet, ist auch ein Teil von Achtsamkeit. Die Wahrnehmung und die Annahme, dass es so ist. Sie allein kann uns helfen, wieder zurückzurudern, wieder zu uns und zur Ruhe zu kommen.

Miniklein schläft nun. Er hat mich heute sehr präsent und achtsam gehabt. Die anderen beiden müssen nun auch ins Bett und ich werde jetzt Handy und Laptop weglegen und noch ein paarmal tief und bewusst in mich hinein atmen, damit auch sie noch etwas achtsame Mama vom Kuchen abbekommen. Denn egal wie ein Tag war – ich wünsche mir und den Kindern, dass das Einschlafen liebevoll, kuschelig und angenehm ist. Und dann genieße ich noch eine Meditation in der Abendsonne am Balkon – vielleicht trägt die mich dann wieder achtsam in den neuen Morgen.

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Donnerstagsrealitäten :: Grenzüberschreitungen

Gestern im mbsr Kurs ging es um das Thema Grenzen. Körperliche Grenzen aber auch empfundene Grenzen. Wann tut etwas weh, wann tut mir etwas nicht gut? Wann stresst mich etwas und wie gehe ich damit um?

Mir ist dabei aufgefallen, dass ich sehr häufig erst dann zufrieden bin, wenn ich über meine Grenzen hinausgehe. Yoga muss in allen Körperteilen ziehen. Laufen muss totale Erschöpfung und Muskelkater mit sich bringen. Und ein Tag war ein guter Tag, wenn ich 67 ToDos abgehakt habe. Das alles hat mich sehr erschreckt, denn hier überschreite ich Grenzen, die ich mir selbst auferlege. Das ist fatal. Denn immerhin haben wir vor allem als Mutter sehr viele Grenzüberschreitungen im Alltag. Wir können nicht immer sofort aufs WC, wenn wir müssen. Und wenn, dann nicht immer allein. Wir können nicht in Ruhe duschen, wenn uns danach ist, sondern wenn es sich einrichten lässt. Wir können nicht in Ruhe essen, wenn daneben immer wieder jemand nach uns verlangt. Wenn wir stillen geben wir viel von uns, aber das auch selbst wieder aufzutanken, dazu kommen wir nicht immer ausreichend. Wir vergessen zu trinken, vom Schlafmangel ganz zu schweigen. Wir arbeiten abends noch weit über unsere Müdigkeitsgrenze hinaus. Und körperliche Nähe wird oft auch mehr eingefordert, als wir geben wollen würden. Weil auch das seine Grenzen hat – mir zumindest geht das oft so.

Und dann gehe ich dann, wenn es meine eigene Entscheidung ist, auch noch über meine Grenze hinaus. Eigentlich ziemlich blöd. Und deshalb möchte ich da nun mehr drauf achten. Heute habe ich gemerkt, wie schwierig das ist. Denn so ein Tag nimmt schnell seinen Lauf und schubst uns ganz unbewusst hier und da über unsere Grenzen hinaus.

Nach dem Kindergarten waren wir auf dem Spielplatz, dort tauchte dann auch Herr Klein auf mit seiner Klasse. Praktisch, ersparte mir den Weg zur Schule. Also blieben wir dort hängen. Irgendwann merkte ich, dass ein WC bald mal praktisch wäre, also erklärte ich den Kindern, wir müssten gehen. Sie waren mässig begeistert. Als wir vom Spielplatz wegkamen, merkte ich, wie sehr mich der Lärm dort angestrengt hatte. Der Weg geht dann kurz eine große Straße entlang und der Straßenlärm kam mir heute unerträglich vor. Ich war definitiv zu lange am Spielplatz, meine Nerven waren dünn und angespannt. Also nichts wie heim. Leider musste ich noch zum Supermarkt, eine Einkaufstour begleitet von Fluchen und Schimpfen. Die Gänge zu eng, man findet nichts, an der Kassa zu viel los und überall steht lästige Werbung und Süßkram, den die Kinder wollen. Halleluja. Die Kinder waren selbst auch total durch, jammerten und konnten nicht mehr gehen. Auch ihre Grenzen sind oft überschritten, wenn sie nach einer Kindergarten- und Schulwoche noch so viel mit anderen Kindern am Spielplatz umhertoben. Ruhepausen sind wichtig. Genau die sind hier im Hause rar. Kaum daheim warten schon die ersten Spielgefährten und klopfen an die Tür. Herr Klein sagte mir, er wolle heute mit niemandem spielen. Aber das schafft er nicht, wenn die Freunde dann vor der Tür stehen. Und so geht auch er regelmässig über seine Grenzen hinaus. Da braucht es noch etwas Führung von uns, deshalb habe ich das Abendprogramm früher eingeläutet und alle Kinder etwas zeitiger heimgeschickt.

Miniklein ist dann am Esstisch schon halb eingeschlafen – auch seine Grenze weit überschritten durch die Umstellung von zwei auf einen Tagschlaf.

Nun sitzen wir noch auf dem Sofa herum, Herr Klein malt, Frau Klein schaut Bücher an. Entspannungspause, bevor Zähneputzen und Umziehen anstehen. Ich spüre obendrein den Drang aufzuräumen, denn unordnungsmässig ist auch meine Grenze mal wieder überschritten. Ach und getrunken habe ich natürlich auch viel zu wenig heute. Und das bei 28Grad Außentemperatur.

Ich will nun versuchen am Abend öfter mal meinen Umgang mit meinen Grenzen zu reflektieren. Denn es hat mich wirklich erschreckt, wie ich bisher damit umgegangen bin. Und wie oft ich sie automatisch einfach so überschreite.

Schön, was dieser mbsr Kurs alles so bewirkt und beleuchtet.

Wie geht es Euch mit Euren Grenzen? Überschreitet Ihr sie sehr oft? Spürt Ihr das, oder passiert das auch so unbewusst? Wie geht Ihr damit um?

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Podcast Folge 7 – Achtsamkeit im Leben mit Kindern

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Hurra, ich habe mal wieder einen Podcast aufgenommen!

In der ersten aber eigentlich siebten Folge geht es um das Thema Achtsamkeit im Leben mit Kindern. Das ist ja ein sehr großes und weites Feld und so habe ich erst einmal kurz und knackig einen Überblick gegeben darüber

  • was Achtsamkeit eigentlich wirklich ist
  • was sie uns im Leben mit Kindern wertvolles geben kann
  • worauf es wirklich ankommt.

Am Ende habe ich noch eine kleine feine Achtsamkeitsübung für Euren Alltag mit Euren Kindern, die ihr ganz leicht umsetzen könnt, gegeben.

Im Podcast habe ich darüber geredet, wie anstrengend es ist, wenn wir so viel multitasken und dabei eigentlich weniger weiter bringen, als wenn wir eine Aufgabe wirklich bewusst und achtsam zu Ende bringen. Einen feinen Artikel dazu könnt Ihr hier lesen. „Wir sind zu lange im Büro.“

Ich freue mich über Feedback zum Podcast hier oder auf itunes. Danke euch und ein schönes Wochenende wünscht,

Nadine

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