Entspannung

Entspannung im Alltag mit Kindern

Entspannung. Das ist immer das für die ohne Kinder. Das mit der Meditation, bei der wir immer einschlafen. Das mit dem Schweigeseminar, für das wir eine wertvolle Woche Urlaub hergeben müssten. Das ist dieser Urlaub mit nem Stapel Bücher, der bei uns seit ein paar Jahren durch Windeln und Sandspielzeug ersetzt wird. Oder?

Viele sagen mir: Dafür hast Du Zeit, wenn die Kinder groß sind. Genieße sie, so lange sie so klein sind. Ja, das würde ich wirklich gern öfter. Aber wenn ich nicht genügend Zeit und Ruhe für mich habe, nicht genug Möglichkeiten des Für-mich-seins, dann kann ich mir noch so viel Mühe geben den Moment zu genießen. Das klappt einfach nicht, da bin ich unzufrieden und unrund. Und dann sind leider die Kinder auch nicht mehr so plüschig, dass ich diese Momente festhalten und achtsam wahrnehmen möchte.

Die letzte Woche war wahnsinnig anstrengend. Abendtermine. Herr Kleins Geburtstag. Kindergeburtstag. Es war alles viel, zuweilen viel zu viel für mich. Und als ich am Samstag erwachte, mich das Nachgeburtstagschaos erblickte, Miniklein die Müslischüssel von Frau Klein so gut erwischte, dass ich Küchenboden und Küche wischen musste, da war ich alles andere als entspannt. Da hatte Frau Klein um 8Uhr morgens ihren ersten Meltdown und jammerte „Du sollst lieb zu mir sein.“ Und ich saß mit Tränen in den Augen am Küchentisch, über meiner Tasse Kaffee, die extra bitter schmeckte und am liebsten hätte ich sie der Müslischüssel hinterhergeworfen.

Irgendwie nahm der Tag dann seinen Lauf und am Nachmittag bat ich den Liepsten alle drei Kinder aus der Wohnung zu befördern, weil ich unbedingt aufräumen wollte. Weil ich längst begriffen hatte, was ich brauchte, um mich wirklich zu erholen und wieder Entspannung zu erfahren. Es war kein exklusiver Moment mit Frau Klein, auch wenn sie ihn dringend nötig gehabt hätte. Ich wäre nicht in der Lage gewesen. Es war kein zwölfter Kaffee auf dem Sofa. Es war eine aufgeräumte Wohnung, Ordnung, Ruhe und Sauberkeit. Und so begann ich und spürte mit jedem sauberen Eck, wie ich entspannter wurde. Wie ich fröhlicher wurde, zu mir kam und mich strahlend umsah: So ging Entspannung. Als die Kinder wiederkamen, hatte ich wieder ein Ohr für sie, und ein Auge für diese kleinen Momente.

Heute waren wir etwas unverplant. Wir hatten Pläne, aber keine Ahnung so recht wie und wann sich was ausgehen würde. Solche Tage machen mich gewöhnlich unrund. Weil ich aber nichts tun konnte, weil wir auf Nachricht vom Schwager warteten, beschloss ich eine kleine Kritzelei, die ich neulich inspirierend in einem Newsletter sah, auszuprobieren. Schließlich wollte ich heuer Osterpost verschicken. Und so setzte ich mich seit Ewigkeiten mal wieder hin und begann mit Pinseln und Farben zu spielen, kritzelte mit Stiften herum und war selig. Frau Klein setzte sich zu mir, pinselte ebenfalls und gemeinsam spielten wir auf Papier herum. Wie sehr mich das entspannte.

Am Nachmittag saßen wir hinterm aus an der Sandkiste. Dort liegen um den Kletterturm herum so ganz kleine Kieselsteine. Mein liebstes Spiel ist es immer, darin zu graben und die schönen runden flachen Steine herauszusammeln und mit ihnen kleine Gebilde auf der Holzbank aufzulegen. Da kann ich reinkippen und selig spielen. Und es ist mir oft egal, wenn eine kleine Patschhand kommt und das Gebilde zerstört. Weil es nicht um das Ergebnis geht, sondern um das Tun.

Ich merke immer mehr, dass mich das Tun entspannt. Wenn ich tun kann, was mir gut tut, was mir Freude macht, was sich wie Spiel anfühlt. Danach kann ich wieder viel entspannter für die Kinder da sein. Deshalb ist es ja auch für Kinder so wichtig, dass sie frei und vertieft spielen können, ohne Vorgaben und Anweisungen. Weil sie darin versinken und entspannen. Viel mehr, als wenn wir sie anleiten.

Heute Abend habe ich noch Yoga gemacht, weil mein Rücken mich plagt. Natürlich ist das wunderbare Entspannung, zum Abschluss noch eine kurze Meditation. Herrlich. Aber ich weiß genau, dass das nicht regelmässig und nicht jeden Tag möglich ist. Schon gar nicht dann, wenn ich es brauche: morgens oder am späten Nachmittag, wenn alle Kinder hungrigmüde sind. Und ich war froh, dass ich an diesem Wochenende mal wieder erkannt hatte, dass Entspannung auch ganz anders gehen kann. Und dass Entspannung auch etwas ganz anderes sein kann als das, was wir uns oft darunter vorstellen. Denn ich kann einen Kaffee auf einer Picknickdecke wunderbar entspannend finden, aber wenn ich dabei das Gefühl habe, die Wohnung bräuchte dringend … oder ich würde jetzt gern lieber … oder eigentlich wäre jetzt ein Buch perfekt… dann ist das keine Entspannung, sondern purer Stress.

In Zukunft werde ich mir also merken, dass ich bei dringendem Entspannungsbedarf mal eine Runde aufräumen sollte, oder mir Zeit für Kreatives geben sollte, was sogar neben den Kindern geht, weil sie sich oft anstecken lassen.

Womöglich werde ich morgen früh als erstes den Schreibtisch aufräumen, damit ich dann ganz entspannt arbeiten kann.

Was entspannt Euch im Alltag mit Kindern? Wie gelingt es Euch Momente für Euch zu finden?

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Urlaub mit Kindern – erholsam ist anders. Oder?

BildIn einem Monat fliegen wir für 3 Wochen nach Amerika. Jawohl. Nicht wirklich der Urlaub, den man sich mit kleinen Kindern erholsam und angenehm vorstellt. Und sicher sind wir eigentlich auch eher überzeugte Bauernhofurlauber. Aber es gibt viele gute Gründe für diese Reise und schlussendlich geht es bei einem Urlaub mit Kindern nicht nur um das Ziel, sondern um ganz andere Werte.

Ich bin bei den Überlegungen und Plannungen der Reise auf so einige Gedanken zum Thema Urlaub mit Kindern gestoßen, die ich heute mit Euch teilen möchte.

1 – Urlaub war früher. Jetzt gibts Urlaub.
Das Wort Urlaub steht für Entspannung und Erholung. Für Spaß und Energietanken. Für Freizeit und in den Tag hineinleben. Ausschlafen. Nichtstun. Gutes Essen und schöne Erlebnisse.
Als Eltern von Kleinkindern können wir uns von einigen dieser Begriffe verabschieden. Das hilft, die Messlatte herabzusetzen. Denn Kindern ist es egal, ob wir Urlaub haben oder nicht. Sie schlafen so wie immer oder ganz anders, aber nicht unbedingt durch oder aus. Wer mit Kindern in den Urlaub fährt, um sich zu erholen, um auszuspannen und auszuschlafen, wer in Ruhe und ausgiebig Essen gehen möchte und drei Bücher lesen, der kann bitter enttäuscht werden.
Stattdessen darf Urlaub mit Kindern als eine Möglichkeit angesehen werden, wieder zum Wesentlichen zurückzukehren. Momente zu genießen. Qualitativ wertvolle Zeit miteinander zu verbringen. Füreinander da zu sein. Urlaub ist eine Chance, um wieder in ein vom Alltag gerostetes Gefüge zurückzufinden. Nutzen wir sie.

2 – Alle Bedürfnisse wahrnehmen
Nur weil es Kindern womöglich am Bauernhof gefällt, heißt das nicht, dass ich nun ewig auf ein Urlaub am Meer oder in den Bergen verzichten muss. Es gilt viel mehr Kompromisse zu finden. Zu schauen, wo alle Bedürfnisse wahrgenommen werden. Wir waren letztes Jahr am Bauernhof und natürlich möchte Herr Klein dieses Jahr und immer und immer wieder dort hin. Er kennt aber auch nicht viel anderes. Er wird sicher auf der Reise in und durch die Staaten ebenfalls viel spannendes erleben und wer weiß, womöglich möchte er nächstes Jahr lieber mit dem Flugzeug wohin, anstatt auf den Bauernhof.
Und nur, weil es oft heißt, dass Städtereisen mit Kindern anstrengend sind, muss man nicht darauf verzichten. Wichtiger ist nur zu erkennen, was ich in einer Stadt mit meinen Kindern anfangen kann, was möglich ist und was schnell zu viel wird.

3 – Absprachen
Ich finde es besonders wichtig, dass man vor dem Urlaub schon klar kommuniziert, was die eigenen Erwartungen sind. Möchte ich gern wandern, will ich eine bestimmte Sehenswürdigkeit sehen, möchte ich gern Zeit für mich haben um ein Buch zu lesen oder zu schreiben, ist es mir wichtig hin und wieder auszuschlafen? Wenn man das im Vorfeld auf den Tisch legt, kann man überlegen, was davon man wie in den Urlaubsalltag integrieren kann. Ich weiß zum Beispiel, dass diese Reise sich viel nach dem Liepsten richten wird. Weil es seine Familie ist, die wir hier und dort besuchen und überhaupt ein Stück seiner Vergangenheit. Dennoch habe ich mittlerweile auch gewisse Erwartungen, die wir absprechen müssen. Und zwar bevor wir drüben im Mietauto durch die Gegend reisen.
Aber auch mit den Kindern kann man sich absprechen. Welche Vorstellungen sie haben. Was sie sich wünschen. Was ihnen wichtig ist. Wir werden erstaunt sein, was dabei rauskommt.

4 – Entspannung & Flexibilität
Sagte ich nicht, dass Entspannung womöglich nicht an erster Stelle steht im Urlaub mit Kindern? Richtig. Dennoch kann ich mich selbst entspannen. Kann Erwartungen loslassen. Kann Vorstellungen umkrempeln und Routinen und alteingesessene Abläufe daheim lassen. Auch im Urlaub darf ein Tag nicht perfekt laufen. Auch im Urlaub darf mal jemand schlechte Laune haben. Wenn wir immer gleich denken „Na super, und das im Urlaub.“, werden wir selbst nicht sonderlich viel Freude empfinden und verbreiten. Nehmen wir den Druck von diesem einen Jahresurlaub, der perfekt sein muss und gleichzeitig die Energietankstelle fürs ganze Jahr. Urlaub darf auch schief gehen. Vor drei Jahren fuhren wir mit Herrn Klein nach Kroatien Zelten. Direkt am Meer. Es war idyllisch und kinderfreundlich. Aber es war heiß und das Meer hätte Herrn Klein nicht egaler sein können. Er hatte keinen Bock auf den kiesigen Strand und noch weniger auf das Wasser. Eines Nachmittags brachen wir das ganze ab und fuhren zurück ins Burgenland zu den Großeltern. Dort verbrachten wir einfach noch ein paar ruhige Tage.
Auch hinsichtlich des Essens sollten wir uns entspannen. Wenn Kinder zwei Wochen lang das Gleiche wollen, weil sie das probiert haben und es ihnen schmeckt – so sei es. Wenn sie fertig sind – lassen wir sie spielen gehen. Es gibt nichts Langweiligeres für Kinder als satt am Tisch zu sitzen. Wir Erwachsene haben da auch keine Freude an ihnen.
Im Urlaub darf man viele Prioritäten verschieben, ohne Angst haben zu müssen, dass sie sich einschleichen und bleiben. Auch Kindern ist bewusst, dass Urlaub anders ist.

Ja, wir dürfen Pläne haben. Und Ideen. Unzählige Ideen. Aber wir dürfen auch alles über den Haufen werfen und neue brüten. Oder gar nichts brüten, sondern einfach nur sein. Den Moment genießen. Von eigens auferlegten Vorgaben absehen und sich dem Lauf der Dinge fügen, macht uns alle entspannter. Letztendlich zwingt uns das Wetter ja oft zur Flexibilität. Aber auch (krankheitsbedingte) Ausfälle oder sonstige Pannen. Der Liepste hat auch schon auf der Radtour durch Island Fieber bekommen und wir mussten pausieren und die Route ändern. Viele neue und schöne Dinge können sich da ergeben. Wenn wir uns darauf einlassen können.

5 – Weniger ist mehr
Es braucht nicht jeden Tag ein neues Vollzeitprogramm. Es braucht keine Dauerbespassung und ständige Action. Die Umstellung auf eine neue Unterkunft, neue Umgebung, neues Essen und womöglich neue Zeitzonen kosten Kinder genug Energie. Wir müssen sie nicht jeden Tag neu fordern und ihnen Spannung und Unterhaltung bieten. Oft sind wir bestrebt, die Kinder auszupowern, damit sie am Abend gut (ein)schlafen. Doch powern wir uns so alle aus und sind am Ende womöglich noch erschöpfter als vorher. Die Kinder zeigen uns, wann sie genug haben. Auf ihre Art und Weise. Es tut gut, die Signale zu erkennen. Der Liepste tendiert auch dazu, alles mögliche in kurze Zeitspannen zu pressen. Ich muss ihn da oft (schon im Vorfeld) stoppen. Denn auch er ist dann schnell gestresst und überfordert. Und dann wird Urlaub das, was wir so schon täglich haben.

6 – Den Kindern folgen
Wenn wir unsere Kinder gut beobachten, wenn wir ihre Anzeichen gut erkennen, dann können wir eine gute Zeit miteinander verbringen und genießen. Überreizung oder Langeweile. Große Freude oder elternbeglückendes Mitschwimmen. Was immer wir erkennen – nehmen wir es ernst und nicht persönlich. Dann haben wir auch die Chance, diesen Urlaub das werden zu lassen, was er sein soll – genußvolle, gemeinsame Freude.

Wo fahrt Ihr in den Urlaub hin? Oder seid Ihr schon wieder da? Was sind Eure Erwartungen oder Vorstellungen? Und welche Geheimtips habt Ihr, damit der Urlaub wirkliche freudvolle Zeit wird? 

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Spaß 04/14 – Entspannen

IMG_3236Entspannung ist was sehr Angenehmes. Etwas Erholsames. Und wir alle können eigentlich nie genug davon bekommen. Umso erstaunlicher ist es eigentlich, dass wir den ganzen Tag lang so viel VERspannen. ANspannen. UNentspannt sind. 

Gerade jetzt eben. Wie sitzt Du da? Gibst Du Dir Mühe den Kopf zu halten? Hälst Du das Handy fest in der Hand? Ist Dein Rücken gekrümmt vor dem Bildschirm und die Schultern dabei etwas nach oben gezogen – also angespannt? Hebst Du einen Fuß etwas an – spannst die Unterschenkelmuskulatur? Sind Deine Kiefer aufeinander gepresst? Lass all das mal los. Bewusst. Lass den Unterkiefer hängen. Die Schultern fallen. Leg die Füße ab, so, dass auch die Unterschenkel baumeln können. Gib Deine Hände in Deinen Schoß, entspanne die Arme.

Den ganzen Tag über spannen wir viel mehr Muskeln an, als wir eigentlich benötigen um zu tun, was wir tun müssen. Selbst wenn wir im Bett liegen, pressen wir die Kiefer zusammen. Achtet mal darauf. Ich muss mich jeden Abend wieder erinnern, dass ich keine Anspannung im Körper brauche, wenn ich doch einfach nur schlafen will. Und wirklich schlafen wir auch viel besser, wenn wir alles „fallen lassen“. Uns einmal fallen lassen.

Bei unseren Kindern können wir genau das sehr gut beobachten. Heinrich Jacoby nannte Ihr Verhalten „zweckmässig“. Weil sie nur die Teile ihres Körpers verwenden, die sie wirklich brauchen. Im Laufe der Jahre verlieren wir leider diese Zweckmässigkeit. Darum war Jacoby der Meinung, Unzweckmässiges Verhalten lässt sich durch zweckmässiges Experimentieren verändern.“

Ein Anfang ist wirklich, wenn man in alltäglichen Situationen entspannt, was gerade nicht benötigt isst. Schließt beim Zähneputzen die Augen, lasst in der U-Bahn die Schultern hängen, den Unterkiefer fallen. Legt die Hände in den Schoß, wenn Ihr einen Film schaut, und entspannt die Pomuskeln jederzeit. Dabei werdet Ihr merken, wie oft Ihr wirklich etwas entspannen könnt. Und dabei immer mehr Anspannung loslassen.

Euer Nacken, Eurer Rücken, Euer Kopf, ja sogar Eure Kiefer und Zähne werden es Euch danken. Und falls Ihr darüber jetzt nachdenkt – schließt dabei einfach die Augen.

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