Das Glück des Freien Spiels

Freies Spiel ist Konzentration.

Ist Anspannung.

Ist Freude.

Ist Glück.

Ist versteckter Ernst.

Es ist all das, was selbst gewählt ist und begeistert.

Wo niemand sagt „Schau mal.“ oder „So geht das.“

Wo nur Ja! ist.

Wo pures Erleben ist. Wo Lernen möglich ist, das Spaß macht.

Freies Spiel ist das, was entsteht, wenn wir mehr lassen und zutrauen. Vertrauen.

Freies Spiel ist pures Glück. Denn es lässt so vieles zu.

Entdecken.

Staunen.

Wundern.

Die Zauberhaftigkeit der Welt.

 

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Sechs Monate Spielraum – Was ich gelernt habe

Seit Jänner habe ich drei Spielraumgruppen nach Emmi Pikler geleitet. Habe ich Eltern im Beobachten ihrer Kinder beruhigt, unterstützt, begleitet. Habe ich Kinder leise schauen, fallen, lachen, weinen, entdecken, staunen, spielen und wachsen gesehen. Und mich selbst immer wieder aufs neue verzaubern lassen. 

Ich erinnere mich noch an meine ersten Spielräume vor 2 Jahren, als ich gerade frisch angefangen hatte, schwanger mit Miniklein war und obwohl vorfreudig dennoch unsicher war. Jeden Dienstag ging ich mit mulmigem Gefühl in den Spielraum, war mir nicht sicher, ob ich gut genug wäre, ob ich alles „richtig“ machen würde, ob die Eltern sich wohlfühlten, die Kinder das erlebten, was ich mir vorgestellt hatte. Irgendwie erleichtert ging ich dann in die Babypause. Dennoch fing ich nun von Neuem an. Etwas stärker. Etwas gewachsener. Doch nicht weniger unsicher. Die Pause war lang. Die Pikler Grundausbildung lag nun noch weiter hinter mir. Und die Hormone waren auch noch nicht alle wieder im Lot. Miniklein war ja nun kaum ein Jahr alt.

Letzte Woche habe ich zum letzten Mal vor dem Sommer die Matten verräumt, das Labyrinth im Keller verstaut, die Decken in den Schrank gefaltet, die Tür hinter mir geschlossen. und ich spürte eine Vorfreude auf den Sommer, aber auch auf den Neustart im Herbst. Ich spürte, dass ich gewachsen war, dass ich sicherer war in dem, was ich tat, dass ich gelernt hatte und um einige Erfahrungen reicher geworden war.

Die Tatsache, dass sich die frühe Gruppe von Jänner bis Juni fast komplett durchzog, dass fast alle immer weiter buchten, gab mir die Sicherheit, dass sie sich wohl fühlten. Jeden Dienstag kamen sie gern, die Kinder erkundeten von Mal zu Mal schneller den Raum, kannten sich aus, strahlten mich an, kamen mehr in spielerischen Kontakt untereinander.

Wo ich mich anfangs immer wieder ertappte beim Gedanken „Es ist so ruhig hier, niemand sagt etwas, ob das für die Eltern nicht komisch ist?“ – was ein ziemlich blöder Gedanke war, denn genau darum ging es ja im Spielraum nach Emmi Pikler – so spürte ich am Ende genau darin die Erleichterung, die Freude. Sowohl auf meiner Seite, als auch auf der der Eltern. Als ein Vater einmal kam mit seinem Sohn, sich setzte und sagte „So, und wie ich höre fängt jetzt die Entspannung an.“ da lächelte ich zufrieden. Offensichtlich hatte seine Frau ihm das so positiv vermittelt. Alles war gut.

Den Fragen, die im Spielraum auftauchten – von „Was tue ich, wenn die Situation (das Wegnehmen von Spielsachen) auf dem Spielplatz passiert, wo andere Mütter nicht so entspannt sind?“ bis hin zu „Wie gehe ich damit um, dass meine Schwiegermutter alles anders macht als ich?“ – konnte ich im Laufe der Zeit immer souveräner und sicherer beantworten. Ich spürte das Wissen in mir gepaart mit der Erfahrung meiner eigenen drei Kinder klar und fest in mir sitzen. Ein Halt, den ich vor zwei Jahren noch nicht hatte.

Auch die Frage nach dem richtig oder falsch habe ich hinter mir lassen können. Jeder Spielraum – auch wenn er an die Ideen Emmi Piklers, obwohl man richtigerweise Magda Gerbers sagen müsste, denn sie hat den Spielraum ursprünglich entwickelt und Emmi Pikler hat die Idee übernommen – ist anders und individuell von der Leiterin geführt und das soll auch so sein. Ich denke, wenn keine persönliche Note darin steckt, dann ist es ein Konzept. Ich möchte aber individuelle Arbeit leisten und den ganz eigenen Bedürfnissen der Eltern und Kinder begegnen.

Spannend fand ich immer wieder aufs Neue die Individualität der Kinder. Wie unterschiedlich sie liegen, krabbeln, sitzen, aufstehen, gehen, stehen, lachen und weinen. Wie unterschiedlich sie die Materialien verwenden. Das zeigt mir auch wieder, wieviel wertvoller am Anfang offene und freie Materialien sind statt den didaktischen Spielsachen mit pädagogischem Hintergrund. Kinder wollen ausprobieren und testen, erforschen und entdecken. Im Spielraum ist genau das möglich. Faszinierend fand ich, wenn Miniklein, der beim Aufbauen und Herrichten oft noch bei mir war, so ganz anders mit den Materialien spielte als alle Spielraumkinder. Wenn er ganz anderes entdeckte.

Die größte Erkenntnis für die Eltern war wohl: „Wow, wie vertieft und selig mein Kind spielen kann. Zu Hause tut er das nie! Da hängt er ständig an mir.“ Die klare Antwort darauf ist natürlich: Hier bist du voll und ganz da. Kein Haushalt, kein Handy, kein Laptop, kein „eigentlich würde ich jetzt lieber“, kein „ja gleich.“ Auch wenn du im Spielraum als Mutter scheinbar nichts tust, „nur“ auf deinem Platz sitzt und schaust, nicht mit dem Kind spielst, sondern es einfach beobachtest, so tust du sehr sehr viel: Du gibst Halt, Sicherheit und das Gefühl: ich sehe dich. Ich interessiere mich für dich. Ich bin da, wenn du mich brauchst. Und die Kinder spüren das. Und brauchen genau das. Deshalb sind sie hier voll und ganz hier. Und können loslassen und frei spielen.

Ich denke, dass mir dieses halbe Jahr im Spielraum in meiner Rolle als Spielraumleiterin ganz gut gelungen ist. Offene Fragen gibt es für mich immer wieder, auch was das Thema Stürze und Hilfestellung der Eltern im Spielraum angeht. Da bin ich oft noch etwas unsicher. Aber deshalb vernetze ich mich nun auch mit den regionalen Spielraumleiterinnen hier in und um Wien, um solche Fragen zu besprechen und einfach um hilfreichen Austausch zu haben.

Es ist jedenfalls ein wunderbares Gefühl sagen zu können: Ich liebe meine Arbeit. Jetzt freue ich mich auf den Sommer und dann auf neue Gruppen im Herbst. Die Termine stehen nun fest und die Anmeldungen sind schon möglich.  Es gibt auch wieder zwei Schnupperstunden. Ich freue mich jedenfalls sehr auf neue Eltern und Kinder!

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Aus dem Spielraum :: Ich spiel aber so

Wenn ich morgens meinen Spielraum einrichte, die Geräte aufstelle und die Materialien in Körbe schütte und diese im Raum verteile, dann beginnt mein inneres Wesen bereits zu spielen. Ich fühle die Materialien, ich möchte sie anordnen, aufstapeln, zu neuen Gebilden aufstellen. Stets ist es mein Kopf, der zuerst denkt, dann tut. Dann freue ich mich auf die Kinder im Spielraum. Und wenn sie da sind erkenne ich: sie spielen ganz anders.

Die Kinder können es oft kaum erwarten, dass ihre Eltern sie auf den Boden setzen und „frei“ lassen. Dann haben sie oft schon etwas im Auge und krabbeln oder robben zielstrebig darauf zu. Andere halten kurz inne, schauen zu mir, beobachten und tasten sich dann vorwärts. Sie betrachten die Spielsachen nicht lange, sie greifen zu, stecken sie in den Mund, lassen sie fallen, heben sie wieder auf…

Ihr Spiel kommt aus einem ganz anderen Antrieb heraus. Er ist freier, kommt aus ihrem ganz inneren Selbst. Und das ist das schöne am Spielraum. Hier dürfen sie genau das sein: frei und sie selbst. Niemand hat Erwartungen an sie. Niemand zeigt ihnen, wie etwas geht. Manchmal hängen sie an der Bogenleiter, ein Bein durch die Sprossen gesteckt, eines draußen. Nein, so kommen sie da nicht rauf und nicht rüber, aber sie erfahren ganz andere Dinge. Räumliche Wahrnehmung. Körperliche Wahrnehmung. Wie bin ich da hingekommen, wie komme ich wieder zurück?

Im Spielraum gebe ich den Kindern nichts vor. Nur eine sichere, vorbereitete Umgebung, in der sie all das erfahren können. Auch das Fallen, denn die Höhen der Geräte sind gerade sicher genug, damit ihnen auch beim Fallen nicht mehr zustößt als vielleicht ein blauer Fleck.

Die Materialien sind vielseitig und egal was ich glaube, wie man sie verwenden und damit spielen kann – die Kinder tun das ganz anders.

Es gibt heutzutage zu viele Spielzeuge mit didaktischem Hintergrund. Fördert dies. Unterstützt das. Beim einen lernen sie den Pinzettengriff. Braucht kein Kind, denn den lernen sie vor allem beim Essen auch. Oder beim Aufsammeln der Brösel unter dem Tisch nach dem Essen, Eltern wissen hier, wovon ich rede. Da gibt es Spielzeuge die lehren Farben und Formen, Zahlen und Buchstaben. Als wäre die Welt nicht voller Farben und Formen. Was die Kinder brauchen ist vor allem eines: Freiheit im Tun. Ihre eigenen Ideen, ihren eigenen inneren Antrieb auszuprobieren und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das allein fördert so vieles. Kreativität, Fragestellung, Lösungsfindung, Selbstentdeckung. Ohne dass wir es gezielt unterstützen oder fordern. Und das alles lässt sie im Leben so viel anderes entdecken, Neues erfahren, treibt sie weiter an noch mehr zu erforschen. Wenn wir sie nur lassen und ihnen zutrauen, dass all dieses Streben in ihnen steckt.

Jedes Mal, wenn ich den Korb mit den Ringen herrichte, lege ich einen der Holzringe um die Holzfigur. Es erscheint mir am logischsten. Es ist mein Spiel. Noch nie hat ein Kind das getan. Und genau darum geht es im Spielraum. Kein Sollen. Kein Müssen. Kein so oder so. Denn auch ein so herum oder ganz andersrum ist möglich. Und genau das führt zu dieser wunderbaren Atmosphäre. Geschäftiges Treiben. Angestrengtes Keuchen. Kreischen und Quieken. Ruhiges Tun. Zuschauen, was die anderen tun. Auch wollen. Spielmaterialen wegnehmen, zurück geben, festhalten, fallen lassen. Neues entdecken. Müdes weinen. Denn nach einer Stunde Spiel sind die Kinder vor allem eines: erschöpft. Rundum müde. Aber wären wir das nicht auch?

Ich liebe es, die Kinder jede Woche aufs Neue zu beobachten und zu erkennen, was sie beschäftigt, was ihr innerer Trieb ist, was sie begeistert. Und zu sehen, dass all das ganz natürlich tief in ihnen steckt.

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