Eltern, habt Interesse an der Medienbegeisterung Eurer Kinder!

Immer wieder bin ich entsetzt, wenn Eltern fragen welche Apps und Handyspiele für ihre 2-3jährigen Kinder geeignet sind. Mein erster Gedanke ist grundsätzlich: keine! In dem Alter brauchen Kinder das schlichtweg nicht. Und auch mein fast 8-jähiges Kind besitzt weder Handy noch ipad. Damit scheinen wir in der heutigen Zeit fast schon altmodisch.

Allerdings sparen wir uns auch lästige Diskussionen mit den Kindern darum, wann sie wie lange welche Medien nutzen dürfen. Und da bin ich froh. Ich sehe zwei verschieden Faktoren dafür, dass Eltern diese Diskussionen führen. Aber vorerst möchte ich meinen Zugang zum kindlichen Umgang mit den modernen Kommunikationsmedien darlegen.

Miniklein ist fast 2. Er kennt und liebt mein Handy. Natürlich. Er sieht mich ständig damit hantieren, es leuchtet und tut Dinge, wenn man darauf rumdrückt. Er darf es zuweilen in der Hand halten, wir schauen gemeinsam Fotos oder eigene Videos der Kinder darauf an. Da kreischt er und freut sich. Und das ist alles.

Als Herr Klein 6 war habe ich das erste Mal ein Spiel aufs Handy geladen. Allerdings nicht für ihn, sondern für mich. Ich hatte entdeckt, dass es das Computerspiel meiner Kindheit „Nu pogodi“ fürs Handy gab und bin fast ausgeflippt vor Freude. Natürlich wollten die Kinder es auch spielen, es wurde ihnen aber bald zu fad (vermutlich weil es nicht wie im Original Spiel mit der Zeit immer schneller wurde sondern in stetiger Langsamkeit dahinplätscherte). Kurz darauf wollte er  ein Autorennenspiel und ich habe geschaut was es so gibt. Er hat ein paar Mal gespielt, dann war es wieder genug. Zur Zeit spielt er hin und wieder ein Bike Race, was ich auch sehr witzig finde und wir lachen uns gegenseitig aus, wenn wir Etappen nicht schaffen oder zeigen uns Tricks und Kniffe.

Darüber hinaus hat er begonnen mit Siri zu kommunizieren (ihr Rechenaufgaben zu stellen) oder dem Liepsten sms zu schreiben. So lernt er das Handy und den Umgang damit kennen, die Möglichkeiten, die es bietet. Wir gehen dabei immer Schritt für Schritt vor. Ich zeige ihm nicht gleich die ganze Palette dessen, was möglich ist.

Am ipad schauen sie abends nach dem Essen eine Serie. Das ist Teil der Abendroutine, da freuen sie sich drauf, das dürfen sie und das ist okay für uns alle.

Hin und wieder schauen wir am Wochenende mal einen Film gemeinsam.

Ich halte diesen langsam und schleichenden Zugang zu den Medien für sinnvoll. Natürlich nutze ich das Handy viel mehr und sie sehen das auch, aber ich arbeite eben auch damit, ich brauche es und es ist essentiell geworden in meinem Leben. Das sehen sie auch so, sie fragen, wann sie eins bekommen und wenn ich sage „Nach der Volksschule“, dann ist das für sie okay. Natürlich kann sich das auch ändern, vielleicht bekommt Frau Klein mal früher ein Handy als Herr Klein. Das kommt dann drauf an, wie sich das entwickelt, wofür es gebraucht wird und wo sie in welchem Alter schon unterwegs sein wird.

Ich finde es auch wichtig, dass sie diesen Medien begegnen, aber ich glaube nicht dass sie dumm bleiben, wenn sie mit drei keine Lernapps verwenden. Ich selbst kenne diese Anziehungskraft dieser Geräte zu gut, weiß wie schnell man in den Sog gerät und wie schwer es ist herauszufinden, und deshalb möchte ich das nicht allzu früh beginnen. Ohne dabei große Verbote auszusprechen.

Oben habe ich angedeutet, dass ich zwei Faktoren sehe, die Eltern im Umgang mit diesen Medien und ihren Kindern haben:

Der eine ist, dass sie selbst unsicher sind was richtig ist und was nicht.

Dass sie sich leiten lassen von „den anderen“ und nicht darauf hören, was sie selbst eigentlich dazu für eine Meinung haben. Sie sehen es als „das böse und gefährliche Medium“, aber scheinbar hat man keine Wahl, scheinbar sind diese Medien so mächtig und die Erwachsenen, die heute fernsehsüchtig sind, sind die, die früher nicht fernschauen durften. Also lieber ein paar Apps herbei, verschaffen mir ja auch eine Schnaufpause und dann wird das schon. Dann spielen die Kinder zu viel und zu lange, können nicht aufhören, dann kommt in den Eltern wieder der „Das ist doch nur Blödsinn, was du da schaust/spielst“ Knopf hoch und der Konflikt ist vorprogrammiert. Das Internet ist nicht nur böse, es gibt sicher sinnvolle Apps und Spiele. Und einen Zugang zu schaffen zu den Medien ist wichtig. Aber ich muss mir einfach überlegen was ich will, was ich aushalte und was nicht. Es ist dabei egal, ob „die anderen Kinder“ das auch haben oder dürfen. Es haben auch andere Kinder Spielsachen, Klamotten und fahren auf Urlaube, die wir nicht machen und haben. Da muss ich auch bei mir bleiben und sagen „ja, und wir haben/machen das nicht“. Und das muss ich dann vielleicht begründen.

Das zweite ist, dass sie den Konflikt scheuen und ihren Kindern 

Viele Eltern scheuen ja schon den ersten Konflikt und geben den Kindern die Handys in die Hand, damit sie kurz mal ruhig sind, damit sie sich wickeln lassen, damit sie abgelenkt sind. Das ist ein weitreichendes und anderes Thema. Aber es führt natürlich dazu, dass wir hier das Handy einsetzen, wo wir es später vielleicht nicht haben wollen: In gemeinsamen Situationen, die wir miteinander verbringen können. Und in Situationen, die wir aushalten sollten, die wir ausdiskutieren oder reflektieren sollten. Weil diese unsere Beziehung ausmachen, sie wachsen lassen.
Wir scheuen die Konflikte mit unseren Kindern. Am Anfang setzen wir dafür die Technik ein. Am Ende haben wir die Konflikte wegen der Technik. Die scheuen wir dann und erlauben ihnen Spiele und Filme, die wir innerlich verabscheuen. Und wenn wir dann in Konflikte geraten darüber, dann holen wir die Moralkeule und sagen: Das ist doch eh alles nur Mist und sinnloser Quatsch. Und vermitteln unseren Kindern: Du interessierst Dich nur für Müll. Das hebt weder ihr Selbstwertgefühl, noch macht es Lust darauf ihre Interessen mit uns zu teilen.

Liebe Eltern. Der Umgang mit dem Internet, den Handys und den Medien ist okay. Das kann sich am Anfang auf Fotos und Heimvideos beschränken. Es können im Laufe der Zeit Spiele werden. Fotos selbst machen, Videos drehen ist ebenfalls Spiel und kann nebenbei zu sehr kreativen Ideen führen. Dann wird nämlich das Handy mit dem eigentlichen Spiel kombiniert. Es kann zur Kommunikation untereinander verwendet werden. Wenn Kinder frühzeitig sms schreiben und lesen, wenn sie anrufen und so die Scheu vor dieser Art der Kommunikation verlieren, die ich hege und pflege…
Aber fürchtet Euch nicht vor den Konflikten, die dabei entstehen können. Seid klar und steht dazu, was Euch in Eurer Familie wichtig ist. Und noch eins: Habt Verständnis und Interesse für das mediale Interesse Eurer Kinder! Fragt, warum sie etwas interessiert, was sie daran faszinierend finden. Bleibt in Kontakt mit ihnen, erlebt auch gemeinsam Spaß damit, lasst Euch mal mitreißen, auch wenn Ihr denkt „So ein Blödsinn!“ Ihr dürft auch sagen: „Okay, damit kann ich wohl nichts anfangen.“, aber macht nicht alles runter, was die Kinder interessiert. Das ist ja erst der Anfang von all dem, was da noch kommt….

 

 

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Eltern, fürchtet Euch nicht vor dem Nein Eurer Kinder!

Ich bin ja ein sehr konfliktscheues Wesen. Lieber schließe ich die Tür und verstecke mich, als mich einer Auseinandersetzung zu stellen. Naja oder zumindest habe ich das bisher so getan. Doch ich lerne und wachse. Ich lerne, dass Konflikte dazu gehören und nur gut gelöst werden können, wenn man sie anspricht. Und ich wachse an diesen Herausforderungen. Schuld daran sind meine Kinder. Danke!

Aber ich erlebe es immer wieder, dass Eltern die Konflikte – vor allem eben die mit ihren Kindern – meiden. Sie laufen mit ihnen gemeinsam Runden durchs Wohnzimmer, um das Kind anzuziehen. Weil es sich auf die Abmachung „nach jeder Runde ein Kleidungsstück“ eingelassen hat, nachdem es auf das „Ich möchte Dich jetzt anziehen.“ nicht reagiert hatte. Wir verbiegen uns vor dem Spiegel beim Zähneputzen mit Faxen und Reimen, wir machen Grimassen beim Wickeln, wir singen achso lustige Aufräumlieder. Wir verhandeln mit unseren Siebenjährigen als wären wir Marktverkäufer. Wir bieten hastig Alternativen, damit das Kind nicht schreit. Wir lenken ab. Wir zerdiskutieren die Formulierungen von Bitten und Aufforderungen, damit sie so beim Kind ankommen, dass es schnurstracks kooperiert. Und mein Eindruck dabei ist: Eltern fürchten die Auseinandersetzung mit ihren Kindern.

Wenn ich in Einzelgesprächen oder Familienbegleitungen sage oder schreibe: „Was genau willst Du vom Kind? Sag es ihm so!“ dann höre ich: „Da kommt sofort ein Nein.“ oder „Da reagiert er sowieso nicht drauf.“ oder: „Dann sagt er xyz.“

Und genau da ist das Problem!

Erstens: Wir haben schon im Vorfeld die Haltung, dass unser Kind nicht kooperieren wird. Natürlich wird es das dann auch nicht. Kinder spüren, ob wir ihnen etwas zutrauen, oder ob wir nur Floskeln ausprobieren, weil jemand gesagt hat, die würden „funktionieren“. Kinder funktionieren genauso wenig.

Das zweite Problem ist: Was ist schlimm dran, wenn das Kind dann „Nein.“ sagt oder nicht kooperiert? Das heißt doch nicht, dass die Welt zusammenbricht. Das heißt nur, dass ich hier einen Konflikt habe, den ich lösen kann. Ich kann nochmal hinterfragen, was genau ich hier will und warum. Und das weiter klar kommunizieren.

Frau Klein hat momentan so Abende, da will sie einfach nicht, was ich will. Es ist Zeit sich umzuziehen, das machen die Kinder normalerweise allein. Sie bleibt auf dem Sofa liegen und verweigert. Ihre einzige Antwort ist: „Nein, mache ich nicht.“ Hier gibt es für mich keine Diskussion in dem Sinne. Es ist spät, es ist Zeit und es ist der normale Ablauf. Also bleibe ich dabei, etwas deutlicher vielleicht: „Ich will, dass Du Dich jetzt umziehst.“ Sie bleibt beim Nein. Nun kann ich überlegen, was das Problem ist. Es ist ja nicht, dass sie sich gegen mich wehrt. Sie ist womöglich einfach schon zu müde. Sie braucht vielleicht einfach etwas Begleitung. Wenn ich schon recht genervt bin vom Tag, widme ich mich erst einmal dem Großen und lasse sie kurz in Ruhe. Atme selber durch und lasse mich nicht gleich davon aus der Bahn werfen. Dann kann ich ihr entgegen kommen. „Soll ich Dir helfen? Schau hier liegt Dein Schlafanzug.“ Dann muss ich ihr vielleicht einen Socken oder die Hose ausziehen, der Rest geht dann schon allein und sie ist wieder voll in der Routine drin. Manchmal hilft es auf die lustige Art. „Wenn Du Dich nicht umziehst, muss ich dich mit den Füßen an die Decke hängen.“ und ich nehme sie bei den Füßen und halte sie. Dann lachen wir und alles kommt auf Reihe. Denn manchmal ist eine Verweigerung einfach nur die Suche nach Nähe. Sie wollen ja nicht nur unsere Aufforderungen und Bitten erfüllen, sie wollen dabei immer wissen: Hast Du mich noch lieb? Darf ich so sein, wie ich bin? Auch wenn ich heute müde oder grantig bin? Sie können das eben nur nicht so ausdrücken.

Und natürlich testen sie unsere Grenzen aus. Wie lange kann ich das Schlafengehen rauszögern? Wie oft muss ich um ein Eis betteln, bis ich vielleicht doch eins kriege? Meint sie das wirklich so? Ist da irgendwo ein Hintertürchen offen?

Und das zeigt uns nur immer wieder: Wo bin ich klar? Wo weiß ich, was ich will und kann es gut kommunizieren? Wo schwanke ich? Und da sind meine Kinder großartige Lehrmeister. Sie fordern mich da immer wieder heraus. Das kommt Miniklein nun zugute. Denn dem gegenüber bin ich schon viel klarer, als ich es bei Herrn Klein damals war. Was aber auch nicht heißt, dass nicht auch wir unsere Auseinandersetzungen haben. Weil ja doch wieder jedes Kind anders ist. Aber damals habe ich mich noch vor jedem „Nein.“, jedem „Ich will aber nicht.“ gefürchtet, habe schon die ersten Nerven geschmissen beim Gedanken daran, wie viele Nerven ich nun wieder schmeißen werde. Und auch heute noch kann Frau Klein mir großartig mit einem „Ja aber trotzdem!!!“ trotzen, wenn ich ihr etwas verweigere. Auch wenn ich ihr erkläre, dass ich keine Kaugummis habe oder sie jetzt noch bei keinem Kind anklopfen darf, weil es noch zu früh ist. Es zeigt mir: Sie wollen es genau wissen. Sie wollen mir irgendwas sagen (meist etwas ganz anderes). Und ich habe gelernt: Ich kann das nehmen. Ich muss da nicht gleich nervös werden. Es wird nicht unbedingt ein Wutanfall folgen. Und selbst den kann man begleiten.

Und wenn ich dann so klar bin, dass sie laut brüllt: „Lieb sein!!!“ dann weiß ich, was sie eigentlich will. Und dass dieser Konflikt nur aus dem Weg muss, damit wir uns dem Wesentlichen zuwenden können.

Also fürchtet Euch nicht. Konflikte, Neins und Ablehnungen sind nicht das Schlimmste. Sie fordern uns, aber sie gehören auch einfach dazu. Es gibt keine Rezepte, sie zu umgehen oder ganz und gar auszuradieren. Das wäre unnatürlich und fad.

Humor und Spaß sind dabei immer erlaubt. Aber passt auf, dass Ihr nicht so lange mitspielt, dass Euch eigentlich der Spaß vergeht dabei. Denn wir laufen vielleicht eine Runde dem Kind lustig hinterher. Aber das Kind findet das wirklich lustig und läuft zwölf Runden, wo wir vielleicht irgendwann die Nerven verlieren. Weil wir ja eigentlich von Anfang an nicht laufen wollten, sondern ne Windel auf den nackten Po bringen wollten. Achtet darauf, dass Ihr nicht lustig Spiele und Späße mitmacht, die Euch eigentlich gegen den Strich gehen. Geht in Beziehung mit dem Kind, aber bleibt auch in Kontakt mit Euch selbst. Spürt Eure Grenzen.

Aber das wichtigste: Fürchtet die Auseinandersetzung nicht. Kinder spüren das sofort, sie spüren unsere Unsicherheit und die damit verbundene Möglichkeit von eventuellen anderen Wegen und Türen.

 

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Geschwister :: Warum sie streiten

Wie ein Tag mit Kindern beginnt ist wie ein Glücksspiel. Es kann harmonisch, ruhig und gemütlich sein. Es kann aber auch schon von (sehr) früh morgens klingen wie in einem Heim für zu schlachtende Kinder. Kreischen, Schreien, Streiten, Toben… Alles. Am häufigsten streiten dabei die Kinder untereinander, necken sich, provozieren sich, zucken aus und zwicken, beißen, treten zurück. 

Aber auch nachmittags, wenn ich die Kinder abhole, gibt es unterschiedlichste Arten von Situationen. Wie die Kinder ticken und miteinander sind steht nicht einmal in den Sternen, denn dann würde es irgendwo stehen. Ich kann mich selten auf etwas verlassen und das macht die Tage zuweilen so anstrengend und unvorhersehbar.

Dabei gibt es die unterschiedlichsten Gründe, warum die Kinder streiten. Und es zeigt mir immer wieder, dass Geschwisterstreit eine sehr breite Facette an Ursachen und Gründen hat. Und dass er so vieles über unsere Kinder, unseren Alltag, unsere momentane Situation sagt, dass ich ihn manchmal als Familientagebucheintrag hernehmen könnte, würde ich so eines führen.

Häufig glauben wir ja, die Geschwister streiten, weil sie

  • das gleiche Spielzeug wollen
  • nicht teilen wollen
  • unterschiedliche Dinge am gleichen Ort wollen
  • sich nicht mögen
  • einfach so sind und immer ärgern wollen
  • ihre Position ausspielen wollen.

Das sind zumindest einige Gründe, die ich immer wieder höre.

Wenn man sich aber Geschwisterstreit einmal genauer anschaut, dann gibt es dafür so viele Gründe, dass man am liebsten schreiend davonlaufen möchte, weil es dann eigentlich stets und ständig Grund gibt zu streiten.

  • Müdigkeit
  • Hunger
  • Schulstress / Kindergartenstress (mit PädagogInnen, mit anderen Kindern o.ä.)
  • Überforderung (durch uns, durch die Schule, durch schwierige Situationen etc.)
  • Eifersucht, Rivalität, Neid im Bezug auf uns Eltern oder andere Geschwister oder gegenseitig
  • Langeweile
  • Aufmerksamkeitssuche (meist an uns gerichtet durch die blumige „Prügel“ am Geschwister)
  • eigenes Unverständnis von Entwicklungsständen
  • genervte / gestresste Eltern
  • Erwartungshaltung der Eltern (unerfüllbar oder immer falsch)
  • Projektion von Schubladen der Eltern („die streiten sich nur“)
  • Vergleiche der Kinder voreinander von den Eltern („Deine Schwester macht das nie!“)

und jetzt höre ich schnell auf, denn jetzt kommen lauter Gründe, für die wir Eltern Schuld sind. Das sind wir ja nicht immer und schon gar nicht bewusst immer. Oft passiert das ganz unbewusst und nicht selten, weil wir es selbst so erlebt haben und es in uns so drinsteckt. Es ist nur so unfassbar hilfreich zu wissen, worauf wir als Eltern achten können. Denn dann bleiben ja immer noch genügend andere Gründe, warum Geschwister streiten.

Aber was hilft mir das alles zu wissen? Wie kann ich den Streit stoppen oder lösen?

Das ist natürlich nicht so einfach. Ich denke jedoch, dass es hilfreich ist zu wissen, dass Geschwisterstreit nicht immer bedeutet, dass unsere Kinder sich nur hassen oder uns nur „auf die Nerven gehen wollen“ oder wir irgendwas falsch machen. Die Geschwisterbeziehung ist eine ganz spezielle und besondere und deshalb sind auch die Streitigkeiten speziell und besonders, manchmal besonders brutal, laut oder häufig. Aber wir Eltern tendieren immer dazu das gleich zu stoppen und diese Streitigkeiten aufzulösen. Es ist aber oft hilfreicher zu schauen: Was ist hier eigentlich los? Was wollen meine Kinder mir sagen? Was brauchen sie gerade? Was ist mit jedem Kind im einzelnen los? Und was ist in unserer Familie gerade los?

So kann ich drauf kommen, dass Herr Klein gerade wieder wacklige Zähne hat und mich erinnern, dass im Buch Wackeln die Zähne – wackelt die Seele: Der Zahnwechsel. Ein Handbuch für Eltern und Erziehende* steht: „An seiner kleinen Schwester konnte er in dieser Zeit kaum vorbeigehen, ohne sie zu knuffen.“ Und dann habe ich das selbst erlebt….

So kann ich feststellen, dass ich momentan totalen Stress habe und extrem wenig Geduld für die Kinder.

Ich kann erkennen, dass Miniklein durch die Eingewöhnung in Kombination mit meinem Stress sehr anhänglich ist und mir so wenig Zeit und Raum lässt für die anderen beiden.

Ich kann sehen, dass Frau Klein versucht uns auf etwas aufmerksam zu machen. Dass wir sie zu wenig sehen oder immer wieder vergessen mit ihr das Puzzle zu machen oder das Buch anzuschauen, von dem wir am Heimweg manchmal reden und daheim dann schon wieder in ganz anderen Strudeln wandern.

Wir können sehen, dass die momentanen Spielinteressen der Großen weit auseinanderklaffen oder dass Herr Klein übersättigt ist vom Spiel mit seinen Hausfreunden und selbst nicht mehr ganz bei sich ist. So wie gestern, wo wir einen ausschließlichen Familientag einberufen haben.

Es geht also nicht immer darum, dass wir den Streit in der jeweiligen Situation lösen, sondern auch schauen, was wir generell oder langfristig tun können, damit wir diese Streitigkeiten abfangen können.

So eine Geschwisterbeziehung ist besonders und geprägt von sehr vielen Facetten. Es ist ein superspannendes weites Feld. Und deshalb habe ich nun auch einen neuen Online Kurs Geschwister konzeptioniert, in dem sämtliche dieser Zusammenhänge beleuchtet werden.

Und nein, meine Kinder streiten sich nicht dauernd, aber wir leben auch nicht in stetiger Harmonie. Die Auseinandersetzung mit der Thematik hilft mir jedoch sehr uns als Familie besser zu verstehen, mich selbst besser zu erkennen und meine Kinder ganz individuell zu betrachten. Und es macht so manchen lauten, wilden Morgen erträglicher.

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