Kooperation durch Respekt und ohne Playbrush

Im letzten Gesprächsabend des letzten Spielraumblockes tauchte – mal wieder – das Thema Zähneputzen auf. Eines, bei dem Eltern immer wieder anstoßen und sofort geht eine Welle an Erzählungen los, wie das bei all den anderen zu Hause abläuft und was alles (nicht) funktioniert. Da hört man dann die wildesten Geschichten. 

Ich höre mir das oft erst einmal an und lasse die Eltern austauschen. Es tut ihnen oft gut da Luft rauszulassen. Ganz oft sagen sie auch: „Ich will ja nicht anfangen ihnen dabei Videos zu zeigen, wo kommen wir da hin?“ oder „Ich will ja auch nicht jeden Abend mit ihnen kämpfen.“ und „Aber es ist doch so wichtig…“

Und dann erkläre ich ihnen, was mein Ansatz dazu ist.

Bei allen drei Kindern habe ich das Zähneputzen von Anfang an großteils ihnen überlassen. Das heißt nicht, dass ich nicht dahinter war. Natürlich war ab dem ersten Zahn das Zähneputzen Teil der Morgen- oder Abendroutine und es lag an mir, das täglich einzufordern. Aber die Zahnbürste war dabei in den Händen der Kinder. Und sie taten damit, was sie für angenehm und gut befunden haben. Wenn sie fertig waren, habe ich sie gefragt, ob ich noch einmal nachputzen darf. Und ihre Antwort respektiert.

Das führte dazu, dass die Kinder oft tagelang selbst die Zähne geputzt bzw. die Zahnbürste zerkaut haben, ohne dass ich nachputzen durfte. Aber hin und wieder waren sie bereit und haben sich mal mehr, mal weniger ausführlich die Zähne putzen lassen. Auch hier habe ich darauf geachtet, dass ich stoppe, wenn es für sie genug ist. Hierbei ging es mir gar nicht so sehr darum, dass die Zähne gründlichst geputzt sind, sondern eher darum, dass die Kinder einen natürlichen Zugang zum Zähneputzen bekommen und es als etwas betrachten, was dazu gehört wie Hände waschen. Es ist Teil unserer Hygiene, wir kümmern uns um unseren Körper, aber wir gehen nicht gleich beim ersten Zahn davon aus, dass fiese Bakterien nur genau auf ihn gelauert haben. Denn am Anfang essen die Kinder ja auch (vorzugsweise) noch gar nicht so viele schädliche Dinge. Wenn aber von Anfang an ein Kampf entsteht, dann wird es schwer, den über die Jahre der Autonomiephase und vor allem des stetigen Zahndurchbruchs aufzuweichen.

Heute sind die Kinder 2, 5 und fast 8. Zähne kommen und gehen hier in dem Haus. Heute waren wir beim Zahnarzt und sieh haben zum Glück hinsichtlich der Zahnsubstanz keine Probleme.
Das Zähneputzen ist weiterhin ein ganz normaler Teil unseres Tagesablaufes ohne Kampf und ohne Geschrei. Dabei habe ich bei Weitem keine Wunderkinder, die alles mit sich machen lassen und dabei lächeln. Auch wir führen Kämpfe aus und Kooperation ist einfach nicht immer ihre liebste Beschäftigung. Aber ich habe gelernt, dass ein Durchsetzen meiner Vorstellungen auf Biegen und Brechen genau gleich nichts bringt.

Ich bin überzeugt davon, dass unsere Kinder gewollt sind zu kooperieren, wenn sie sich respektiert fühlen. Wenn wir ein Nein als Nein annehmen, dann kommt viel öfter ein Ja. Nicht selten steht Frau Klein abends müde vor mir und sagt: „Kannst Du mir bitte die Zähne putzen?“ Ich sehe das als Vertrauensbeweis, denn wenn wir mal ehrlich sind: Die Vorstellung, dass jemand anderer mit einer Zahnbürste in unserem Mund herumfährt, ist nicht die angenehmste. Und je intensiver der Kampf im Vorfeld, umso unsanfter wird die Zahnbürste putzen. Kein Wunder, dass die Kinder schreien und sich wehren. Vor allem, wenn sich stetig neue Zähne zeigen und das Zahnfleisch häufig besonders empfindsam ist.

Noch eine Meinung zur Playbrush, das kann man ja heute fast nicht mehr ignorieren:
Ich selbst habe schrecklich schlechte Zähne und empfinde Zähneputzen als äußert unangenehm. Ich mag weder den Geschmack von Zahnpasta noch habe ich gern Gegenstände im Mund. Ich habe eine Zahnarztphobie und all das geht nicht gut einher. Aber in der Achtsamkeitspraxis habe ich gelernt das Zähneputzen als eine besonders achtsame Übung zu sehen und so putze ich mir oft (nicht immer) die Zähne besonders fokussiert. Danach habe ich ein viel saubereres Gefühl im Mund. Vielleicht sollten wir also unsere Kinder wirklich bewusst Zähne putzen lassen, anstatt ihnen das Gefühl zu geben beim Handyspielen gleich noch eine unliebsame Tätigkeit zu erledigen. Denn was will ich? Dass mein Kind zweimal länger Handy spielt und sich dabei mit der Zahnbürste über die Zähne fährt, oder dass es bewusst Zähne putzt und hinterher auch weiß, was es getan hat? Wenn wir alles über Apps und Spiele, Videos und Liedchen erledigen, verlieren unsere Kinder nämlich auch etwas besonders wesentliches: Ihr Körpergefühl. Ich weiß nicht, ob ich möchte, dass mein Kind mit 16 einmal beim Zähneputzen Monster abballert, oder es spürt wie gut sich saubere Zähne im Unterschied zu dreckigen anfühlen.

Und letztendlich hat diese Art der Körperpflege, vor allem, wenn unsere Kinder noch viel auf uns angewiesen sind, sehr viel mit Beziehung zu tun. Es braucht Vertrauen und liebevolle Zuwendung, dazu gehört eben auch Respekt.

Hört auf Euch panisch um die Zähne Eurer Kinder zu sorgen und deshalb unnötige Kämpfe auszutragen. Schaut, dass Ihr überhaupt erst einmal einen guten und natürlichen Zugang zu diesen Dingen entwickeln lasst und nicht von Vornherein groß Katastrophe über den Badezimmerspiegel zu pinseln. Ja, Zähneputzen ist wichtig, und genau deshalb ist es wichtig, dass die Kinder das von Anfang an als etwas erleben, was auch liebevoll, freudvoll geht. Es muss nicht immer Spaß machen und superlustig sein, aber es muss auch nicht weh tun. Geht aufeinander zu und ein und habt Vertrauen, dass Eure Kinder gern kooperieren, wenn Ihr sie dabei respektiert.

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Zweisamkeit wiederfinden :: Was uns als Elternpaar zusammenhält

Das waren die Ferien. Der Sonntag geht zu Ende und morgen beginnt der alte Trott im Neuen Jahr. Zwei wunderbare Wochen liegen hinter uns. Faulsein. Ausschlafen. Gut und viel essen. Reisen. Gemeinsam sein. Aber auch Anstrengung hat sich unter die Tage gemischt und uns auf Trab gehalten. Drei Kinder sind drei Kinder. Und so kleine Zwerge wie Miniklein haben großes Chaospotenzial. 

Vor den Ferien war ich krank. Der Liepste hatte viele Termine. Beim Versuch den Alltag aufrecht zu erhalten, beim Wunsch nach Ruhe und Erholung in den Ferien für alle kommt eines schnell zu kurz: Die Zweisamkeit. Die Beziehung. Das Wir.

Mittlerweile kennen wir das. Wir spüren es und wir finden uns wieder im Chaos, im Gewirr. Aber es erschreckt mich immer wieder, wie schnell es geht, dass Mann und Frau sich abhanden kommen. Und es wundert mich nicht, dass viele Paare sich dabei verlieren, denn wenn man hier nicht vorsichtig und achtsam miteinander umgeht, kann das Ganze schnell in die falsche Richtung abwärts seinen Lauf nehmen.

Unlängst las ich einen Artikel darüber, warum die Mütter heute so erschöpft sind und während ich den Teil über die Erschöpfung basierend auf gesellschaftlichen Problematiken sehr gut, richtig und schlüssig fand, so konnte ich dem Teil, in dem sie die lebenslange romantische Beziehung als unmöglich hinstellte, nicht gut nachvollziehen.

Nun gibt es die lebenslange romantische Zweierbeziehung nur in Ausnahmefällen. Suggeriert wird aber, sie sei die Normalität.

Ich finde ja nicht, dass die romantische Beziehung heutzutage Normalität ist und ich habe auch nicht das Gefühl, dass uns das suggeriert wird. Ich finde auch überhaupt nicht, dass wir danach streben sollten, denn das ist ja auch für kinderlose Paare keine Realität. Vielmehr finde ich, dass uns nicht dauernd suggeriert werden sollte, dass die Trennung jederzeit eine Möglichkeit sei und dass Patchwork doch sowieso eine gute Alternative ist. Ich finde, dass wir als Paar doch einmal Gründe hatte, die uns zusammengeführt haben. Irgendwann wird es natürlich mal holprig und man verliert – vor allem mit Kindern – diese Gründe aus den Augen. Aber das heißt ja nicht, dass es das Ende sein muss. Im Gegenteil, wir können bewusst an und mit uns arbeiten und auch aus einer gewissen Verantwortung den Kindern gegenüber sollten wir das auch tun. Ich bin bei weitem niemand der sagt „Aber die Kinder! Denkt doch an die Kinder!“ wenn eine Beziehung wirklich scheitert. Aber ich finde, man sollte es wenigstens versuchen.

Und so habe ich heute noch einmal unsere 6 Strategien aufgelistet, die uns helfen an uns dran zu bleiben und uns im Alltagschaos und dem Strudel des Lebens immer wieder zu finden. Und das auf liebevolle Weise.

Bewusst machen, dass es so ist wie es ist
Der erste Schritt bei uns ist oft die Feststellung: „Hey, kennst Du mich noch? Erinnerst Du Dich noch an mich?“ Meist ist das als Spaß gemeint, aber dahinter steht oft ein: „Wir sehen uns kaum noch.“ Meist nickt der andere, weil er es auch längst spürt und dann wissen wir dass es an der Zeit ist, mal wieder genauer auf uns zu schauen. Wichtig ist ja, dass man sich das nicht vorwurfsvoll bewusst macht, sondern es einfach anmerkt. Denn es hat ja niemand „Schuld“, meist passiert es einfach mitten im Alltag. Man versucht gut organisiert durch die Woche zu kommen, wir jonglieren Termine und Einkäufe. Das ist alles nicht wenig und obendrein haben wir ja auch noch das Wohnprojekt. Schlimm ist, wenn hier schon gesagt wird „Du kümmerst Dich gar nicht mehr um mich.“ oder noch schlimmer, wenn man sich stumm und leise zurückzieht.

Das Zwiegespräch
Ich weiß, dass ich es schon oft erwähnt habe aber in meinen Augen ist und bleibt das Zwiegespräch die Rettung, teilweise Vorbeugung jeglicher Konflikte. Diese 90 Minuten helfen mir immer wieder zu sehen: So geht es ihm wirklich. Das geht in ihm vor. Das beschäftigt ihn. Denn viel zu oft interpretieren wir doch in gewisse Verhaltensweisen oder Aussagen etwas hinein. Ich bin da Expertin. Wenn der Liepste gestresst ist und so ganz in seinem Tun, dann fühle ich mich schnell „außen vor“ und „ungesehen“. Dann denke ich schnell einmal „Was hat er nur“ und „Liegt es an mir?“ Im Zwiegespräch merke ich, dass das so gut wie immer kompletter Blödsinn ist. Dann sehe ich, was ihn wirklich gerade so beschäftigt, dass sein Fokus anders gelenkt ist. Und er erfährt all das von mir. Und das in einem Rahmen, in dem man in Ruhe ausreden und ausdenken kann ohne unterbrochen zu werden, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Danach fühle ich mich dem Liepsten immer wieder gleich viel verbundener.

Und ein Buch, was ich in dem Zusammenhang immer wieder gern empfehle ist Die Wahrheit beginnt zu zweit: Das Paar im Gespräch*

Gemeinsame Zeit
Haha. Das klingt ja so herrlich einfach. Aber wenns so einfach wäre, dann hätte man es doch öfter, oder? Oder? Ich bin mir nicht sicher. Viele denken dabei gleich daran zu zweit auszugehen, Essen zu gehen, etwas zu unternehmen, was mit Kindern eben wirklich nicht immer so leicht ist. Aber das muss ja gar nicht sein. Wie oft hingegen sitzt man abends gemeinsam einsam in der Wohnung, jeder vor einem Bildschirm, jeder mit sich und seiner Welt beschäftigt? Klar, hin und wieder arbeite ich abends und wenn der Liepste Stress hat, dann auch er. Dann sitzen wir hier mit den Laptops und klappern stumm vor uns hin. Aber das machen wir uns bewusst. Es gibt aber auch die Tage, wo wir beim Frühstück schon erfreut feststellen: „Heute Abend ist gar nichts, oder? Da haben wir mal wieder Zeit für uns.“ Und das heißt nichts Großes. Das heißt, dass wir die Laptops schlafen schicken, wenn die Kinder das auch tun, dass wir vielleicht eine Flasche Wein öffnen, dass wir einfach gemeinsam sind, reden oder einen Film schauen, den wir gemeinsam auswählen. Wir haben ja keinen Fernseher, das wäre sonst vielleicht auch fatal. Und besonders hängen bleiben bei mir Abende wie solche, wo wir uns Songs aus unserer Vergangenheit vorspielen und dann Erinnerungen dazu erzählen, viel lachen und schmachten. Oder in gemeinsamen Erinnerungen an unsere Zeit in Schottland schwelgen. Und hin und wieder gehen wir auch aus. Das müssen wir dann gut planen, da besorgen wir uns dann Operntickets oder gehen mal Essen, in 3 Wochen gehen wir zum ersten Mal auf einen Ball (juhu!!) und das sind dann besondere Events für uns. Beides tut gut, am Wochenende freuen wir uns aber auch oft wirklich auf einen Abend einfach nur zu zweit im Wohnzimmer. Das kleine Glück und so.

Freiräume schaffen
Es ist aber auch sehr wichtig sich selbst und sich gegenseitig Freiräume zu schaffen. Auch wenn oder gerade wenn es stressig ist. Der Liepste ist selig, wenn er am Wochenende mal ausgiebig laufen gehen kann. Er geht hin und wieder wirklich gern mit den Kollegen nach der Arbeit noch auf ein Bier oder so wie heute mit einem Freund ins Kino. Im Alltag mit Kindern sind soziale Kontakte, die nichts mit Kindern zu tun haben, oft selten. Aber sie sind so wichtig und tun so gut. Und etwas zu tun, was einem gut tut, wie Laufen oder für mich eine Runde Yoga am Wochenende, das ist so wertvoll. Da fühlt man sich hinterher wieder mehr als Mensch, da kommt man gestärkt und zufriedener ins Geschehen zurück. Diese Freiräume muss man natürlich bewusst einfordern oder zumindest gut absprechen. So dass hier beide auf ihre Kosten kommen. Die Einstellung „Immer nur er und ich hocke hier mit den Kindern“ führt zu Frustration. Da muss man reden, aber nicht in diesem eben vorwurfsvollen Ton, sondern von sich aus beschreibend. „Ich habe das Gefühl…“  oder „Ich würde gern mal wieder…“ Das führt mich eben zum nächsten Thema…

Kommunikation
Wie wir miteinander reden spielt dabei eine wesentliche Rolle. Vorwürfe führen oft zu sofortiger Rechtfertigung, man fühlt sich getroffen und will die Schuld von sich weisen. Das bringt alles gar nichts. Aber reden müssen wir, denn sonst stauen sich Gefühle auf, die irgendwann aus uns herausplatzen, wenn ein ganz anderer Konflikt da ein Faß öffnet. Deshalb finde ich eben die regelmässigen Zwiegespräche so bereichernd und sinnvoll. Dabei kann man gut lernen seine Bedürfnisse darzustellen, ohne dem anderen dabei mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen ins Eck zu drängen. Dabei ist es wichtig Erwartungen klar zu kommunizieren. Das Ablesen der Bedürfnisse von den Lippen des anderen, vorzugsweise, bevor er sie selbst empfindet, ist alter Humbug. Wir alle nehmen die Welt anders wahr und wenn unser Fokus im Alltag auf „Funktionieren“ gerichtet ist, dann können wir nicht durch die Luft hindurch sehen, was der andere gerade wünscht. Sagt Euch, was Ihr braucht, was Euch wichtig ist, was Euch stört. Sagt es gleich und nicht erst, wenn es schon so richtig nervt und zwickt. Sagt es ruhig und bedacht. Es ist nicht immer leicht, es braucht Zeit, man muss das manchmal auch erst lernen. Wir haben ja nicht alle gelernt unsere Bedürfnisse zu artikulieren. Aber es lohnt sich.

Und vor allem: Schreibt nicht auf Twitter darüber, was Euch an Euren Partner*innen stört. Sagt es ihnen und klärt es.

Lachen
Vergesst nicht miteinander zu lachen. Auch über Euch. Und über die Kinder. Die geben so viel Grund zu lachen. Die Welt ist zu trübe manchmal, um nicht zu lachen. Ich habe heute  mit dem Liepsten beim Abendessen Tränen gelacht über einen Satz von mir. Es fühlt sich so wunderbar verbunden an miteinander lachen zu können. Vergesst das nicht.

Was hilft Euch in stürmischen Zeiten gemeinsam die Segel zu halten?

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Eltern, habt Interesse an der Medienbegeisterung Eurer Kinder!

Immer wieder bin ich entsetzt, wenn Eltern fragen welche Apps und Handyspiele für ihre 2-3jährigen Kinder geeignet sind. Mein erster Gedanke ist grundsätzlich: keine! In dem Alter brauchen Kinder das schlichtweg nicht. Und auch mein fast 8-jähiges Kind besitzt weder Handy noch ipad. Damit scheinen wir in der heutigen Zeit fast schon altmodisch.

Allerdings sparen wir uns auch lästige Diskussionen mit den Kindern darum, wann sie wie lange welche Medien nutzen dürfen. Und da bin ich froh. Ich sehe zwei verschieden Faktoren dafür, dass Eltern diese Diskussionen führen. Aber vorerst möchte ich meinen Zugang zum kindlichen Umgang mit den modernen Kommunikationsmedien darlegen.

Miniklein ist fast 2. Er kennt und liebt mein Handy. Natürlich. Er sieht mich ständig damit hantieren, es leuchtet und tut Dinge, wenn man darauf rumdrückt. Er darf es zuweilen in der Hand halten, wir schauen gemeinsam Fotos oder eigene Videos der Kinder darauf an. Da kreischt er und freut sich. Und das ist alles.

Als Herr Klein 6 war habe ich das erste Mal ein Spiel aufs Handy geladen. Allerdings nicht für ihn, sondern für mich. Ich hatte entdeckt, dass es das Computerspiel meiner Kindheit „Nu pogodi“ fürs Handy gab und bin fast ausgeflippt vor Freude. Natürlich wollten die Kinder es auch spielen, es wurde ihnen aber bald zu fad (vermutlich weil es nicht wie im Original Spiel mit der Zeit immer schneller wurde sondern in stetiger Langsamkeit dahinplätscherte). Kurz darauf wollte er  ein Autorennenspiel und ich habe geschaut was es so gibt. Er hat ein paar Mal gespielt, dann war es wieder genug. Zur Zeit spielt er hin und wieder ein Bike Race, was ich auch sehr witzig finde und wir lachen uns gegenseitig aus, wenn wir Etappen nicht schaffen oder zeigen uns Tricks und Kniffe.

Darüber hinaus hat er begonnen mit Siri zu kommunizieren (ihr Rechenaufgaben zu stellen) oder dem Liepsten sms zu schreiben. So lernt er das Handy und den Umgang damit kennen, die Möglichkeiten, die es bietet. Wir gehen dabei immer Schritt für Schritt vor. Ich zeige ihm nicht gleich die ganze Palette dessen, was möglich ist.

Am ipad schauen sie abends nach dem Essen eine Serie. Das ist Teil der Abendroutine, da freuen sie sich drauf, das dürfen sie und das ist okay für uns alle.

Hin und wieder schauen wir am Wochenende mal einen Film gemeinsam.

Ich halte diesen langsam und schleichenden Zugang zu den Medien für sinnvoll. Natürlich nutze ich das Handy viel mehr und sie sehen das auch, aber ich arbeite eben auch damit, ich brauche es und es ist essentiell geworden in meinem Leben. Das sehen sie auch so, sie fragen, wann sie eins bekommen und wenn ich sage „Nach der Volksschule“, dann ist das für sie okay. Natürlich kann sich das auch ändern, vielleicht bekommt Frau Klein mal früher ein Handy als Herr Klein. Das kommt dann drauf an, wie sich das entwickelt, wofür es gebraucht wird und wo sie in welchem Alter schon unterwegs sein wird.

Ich finde es auch wichtig, dass sie diesen Medien begegnen, aber ich glaube nicht dass sie dumm bleiben, wenn sie mit drei keine Lernapps verwenden. Ich selbst kenne diese Anziehungskraft dieser Geräte zu gut, weiß wie schnell man in den Sog gerät und wie schwer es ist herauszufinden, und deshalb möchte ich das nicht allzu früh beginnen. Ohne dabei große Verbote auszusprechen.

Oben habe ich angedeutet, dass ich zwei Faktoren sehe, die Eltern im Umgang mit diesen Medien und ihren Kindern haben:

Der eine ist, dass sie selbst unsicher sind was richtig ist und was nicht.

Dass sie sich leiten lassen von „den anderen“ und nicht darauf hören, was sie selbst eigentlich dazu für eine Meinung haben. Sie sehen es als „das böse und gefährliche Medium“, aber scheinbar hat man keine Wahl, scheinbar sind diese Medien so mächtig und die Erwachsenen, die heute fernsehsüchtig sind, sind die, die früher nicht fernschauen durften. Also lieber ein paar Apps herbei, verschaffen mir ja auch eine Schnaufpause und dann wird das schon. Dann spielen die Kinder zu viel und zu lange, können nicht aufhören, dann kommt in den Eltern wieder der „Das ist doch nur Blödsinn, was du da schaust/spielst“ Knopf hoch und der Konflikt ist vorprogrammiert. Das Internet ist nicht nur böse, es gibt sicher sinnvolle Apps und Spiele. Und einen Zugang zu schaffen zu den Medien ist wichtig. Aber ich muss mir einfach überlegen was ich will, was ich aushalte und was nicht. Es ist dabei egal, ob „die anderen Kinder“ das auch haben oder dürfen. Es haben auch andere Kinder Spielsachen, Klamotten und fahren auf Urlaube, die wir nicht machen und haben. Da muss ich auch bei mir bleiben und sagen „ja, und wir haben/machen das nicht“. Und das muss ich dann vielleicht begründen.

Das zweite ist, dass sie den Konflikt scheuen und ihren Kindern 

Viele Eltern scheuen ja schon den ersten Konflikt und geben den Kindern die Handys in die Hand, damit sie kurz mal ruhig sind, damit sie sich wickeln lassen, damit sie abgelenkt sind. Das ist ein weitreichendes und anderes Thema. Aber es führt natürlich dazu, dass wir hier das Handy einsetzen, wo wir es später vielleicht nicht haben wollen: In gemeinsamen Situationen, die wir miteinander verbringen können. Und in Situationen, die wir aushalten sollten, die wir ausdiskutieren oder reflektieren sollten. Weil diese unsere Beziehung ausmachen, sie wachsen lassen.
Wir scheuen die Konflikte mit unseren Kindern. Am Anfang setzen wir dafür die Technik ein. Am Ende haben wir die Konflikte wegen der Technik. Die scheuen wir dann und erlauben ihnen Spiele und Filme, die wir innerlich verabscheuen. Und wenn wir dann in Konflikte geraten darüber, dann holen wir die Moralkeule und sagen: Das ist doch eh alles nur Mist und sinnloser Quatsch. Und vermitteln unseren Kindern: Du interessierst Dich nur für Müll. Das hebt weder ihr Selbstwertgefühl, noch macht es Lust darauf ihre Interessen mit uns zu teilen.

Liebe Eltern. Der Umgang mit dem Internet, den Handys und den Medien ist okay. Das kann sich am Anfang auf Fotos und Heimvideos beschränken. Es können im Laufe der Zeit Spiele werden. Fotos selbst machen, Videos drehen ist ebenfalls Spiel und kann nebenbei zu sehr kreativen Ideen führen. Dann wird nämlich das Handy mit dem eigentlichen Spiel kombiniert. Es kann zur Kommunikation untereinander verwendet werden. Wenn Kinder frühzeitig sms schreiben und lesen, wenn sie anrufen und so die Scheu vor dieser Art der Kommunikation verlieren, die ich hege und pflege…
Aber fürchtet Euch nicht vor den Konflikten, die dabei entstehen können. Seid klar und steht dazu, was Euch in Eurer Familie wichtig ist. Und noch eins: Habt Verständnis und Interesse für das mediale Interesse Eurer Kinder! Fragt, warum sie etwas interessiert, was sie daran faszinierend finden. Bleibt in Kontakt mit ihnen, erlebt auch gemeinsam Spaß damit, lasst Euch mal mitreißen, auch wenn Ihr denkt „So ein Blödsinn!“ Ihr dürft auch sagen: „Okay, damit kann ich wohl nichts anfangen.“, aber macht nicht alles runter, was die Kinder interessiert. Das ist ja erst der Anfang von all dem, was da noch kommt….

 

 

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