Große Kinder kuscheln anders

Als Baby war Herr Klein eine Banane. Wann immer man ihn auf den Arm nahm, bog er sich zurück und hielt wie von einem Hochsitz aus Ausschau in alle Richtungen. Seinen Kopf auf meiner Brust? Da musste er schon Fieber haben, damit das einmal vorkam. Abends im Bett hampelte er neben mir herum, bis er irgendwann einschlief. Ich fand es schade, kein Kuschelkind zu haben.

Heute ist Herr Klein meist der letzte, bei dem ich abends noch im Bett liege zum Schlafengehen. Da lag ich lang erst bei Miniklein, der sich gern zum einschlafen in meinen Haaren verfängt. Dann bei Frau Klein, die am liebsten in mich hinein kriecht zum Kuscheln. Und dann zu meinem unkuschligen Großen. Doch dann greift er nach meinem Arm, legt ihn um sich herum und hält ihn fest. Und wenn ich mich bewege um aufzustehen, dann drückt er meinen Arm ganz fest an sich. Und hält und hält. Es braucht einige Versuche, bis ich gehen darf.

Nach so einem langen Tag, an dem ich ihn fast nur zum Essen und nach der Schule sehe, zeigt mir das immer wieder, wie sehr auch die scheinbar Großen, die schon so viel allein unterwegs sind, noch Nähe brauchen. Und dass die Kinder sich diese holen, wenn sie es brauchen. Und nicht, wenn wir meinen, mit ihnen kuscheln zu wollen.

Dabei fällt mir immer wieder auf, dass Kinder sonderbare Arten haben, unsere Nähe zu suchen.

Manchmal haben sie angeblich Bauchweh.

Manchmal gehen sie auf andere Kinder (ihre Geschwister zum Beispiel) los.

Manchmal betteln sienoch darum, dass man ihnen beim An- oder Umziehen hilft.

Manchmal wollen sie noch das vierte oder fünfte oder drölfzigste Buch vorgelesen bekommen.

Manchmal wollen sie im Bett noch zig Bücher anschauen, Lieder singen, Puzzle machen. Seelenkuscheln, habe ich das genannt.

Und manchmal kommen sie dann auch nach all der Kuschelei im Bett noch einmal heraus und „können nicht schlafen“, und weil erst 5 Minuten vergangen sind, wissen wir, dass sie es gar nicht erst versucht haben. Und dann wollen sie noch zwei Runden „Verrücktes Labyrinth“ spielen. Manchmal will ich ja abends einfach endlich Feierabend haben. Aber heute habe ich das einfach mitgemacht. Denn der Liepste ist nicht da und da brauchen wir alle am meisten einfach Wohlfühlzeit und Gutes für uns. Und natürlich gab es dann noch eine Kuschelrunde im Bett. Und so hat sich mein Feierabend nun um eine Stunde verschoben. Aber egal. Ich habe die Zeit mit dem Großen genossen. Das ist ja auch genauso schön wie ein Kuschelbaby. Oder vielleicht sogar ein bisschen schöner.

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3 Kinder – eins rutscht immer durch

Allmählich habe ich mich ja daran gewöhnt, dass ich drei Kinder habe. Drei! Lange Zeit war das für mich unfassbar. Ehrlich. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, passiert es mir immer wieder, dass ich nach hinten schaue und zum Liepsten sage: „Da sitzen echt drei Kinder! Unsere!!“

Bevor Miniklein auf die Welt kam, hatte ich beste Vorsätze. Ich wollte unbedingt verhindern, dass Frau Klein das klassische Sandwichkind wird. Also das Mittelkind, das irgendwo da in der Mitte hängt. Nicht so halb und nicht so ganz. Weil der Fokus immer so sehr auf groß oder klein gerichtet ist. Weil die Mittleren sich auch schnell mit dieser Rolle identifizieren. Ich wollte gut auf sie achten.

Die Realität ist eine ernüchternde.

Auf drei Kinder zu schauen ist machbar. Aber drei Kinder in ihrer Art mit ihren Bedürfnissen und in ihrer ganz individuellen Entwicklung wirklich zu sehen ist eine Herausforderung, der ich mich manchmal einfach nicht gewachsen fühle. Dabei halte ich mich für eine Mutter, die ihre Kinder viel beobachtet und viel reflektiert. Aber vieles fällt mir eben doch erst hinterher auf und nicht in dem Moment, in dem ein Kind etwas spezielles gebraucht hätte.

Herr Klein ist Spezialist darin einzufordern, was er braucht. Er kennt das von Anfang an und hat sich diese Fähigkeit schon immer gut zunutze gemacht. Aber das funktioniert bei ihm nur, wenn es um Bedürfnisse geht, die er selbst erkennt. Wenn er uns etwas zeigen will, wenn er etwas erzählen will, wenn er unsere Aufmerksamkeit will. Wenn es aber darum geht etwas einzufordern, von dem er selbst nicht weiß, dass es das ist, was er gerade braucht – wie Nähe, Verständnis oder das Erkennen von ihn plagenden Gedanken und Sorgen – dann steht auch er an. Weil wir aber daran gewöhnt sind, dass er doch holt, was er braucht, sehen wir oft nicht, wenn ihm dennoch etwas fehlt. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass er mir dahingehend entgleitet. Da weiß ich gar nicht, wie es ihm wirklich geht. Weil zu wenig Zeit im Alltag ist für so ruhige Momente mit ihm. Weil er dann in Redestimmung ist, wenn in mir alles nach Feierabend schreit und die Nervenenden glühen. Weil er dann fordert, wenn gerade alle anderen etwas wollen. Dann muss er einfach funktionieren und bitte nicht auch noch etwas wollen. Er weiß doch, wie hier alles läuft, er sieht doch, wie beschäftigt wir mit den anderen beiden sind, er muss doch verstehen, er ist doch schon groß… Dabei ist er ja auch erst 7.

Frau Klein – ja sie ist speziell. Sie läuft tatsächlich oft ungefragt einfach so mit. Sie macht ihr Ding und das erleichtert mir den Alltag. Sie nimmt, was sie kriegen kann und was nicht geht, fällt eben vor ihr zu Boden. Und zerspringt dann eben. Manchmal auch ihr kleines Herz. Dann tobt und schreit sie. Dann fliegen meine Nerven. Dann kommen wir nicht zusammen und ich merke – ach, da war wieder zu wenig Zeit und Raum für sie. Sie ist groß und doch so klein. Kein Kleinkind mehr und doch noch lange nicht groß. Und wenn ich dann versuche gut auf sie zu achten, rutscht mir das nächste Kind durch.

Miniklein ist klein und braucht noch viel. Er bekommt wohl momentan noch am meisten von mir und will doch noch mehr. Er schubst empört die Geschwister von meinem Schoß und fordert vehement ein, was ihm gehört. Mit Geschrei als Sprache und gestikulierenden Händchen wirbelt er uns alle durch den Alltag. Aber auch er rutscht mir durch. Wenn er allein auf einem Klettergerüst sitzt und nicht mehr runter kommt, während ich mal bei Frau Klein sein möchte. Wenn er so lange ums Haus spaziert bis ich entsetzt bemerke „Wo ist eigentlich Miniklein?“. Der steht dann plötzlich hinter mir. Wenn er mal nicht so schlafen darf, wie er will weil unser Alltag manchmal ein anderer ist als sein Schlafrhythmus. Wenn ich entsetzt bin über Dinge, die er tut weil er so klein ist wie er ist und eben noch nicht so groß wie seine Geschwister…

Ja, so rutscht hier jedes Kind mal durch. Ich kann nicht alle im Fokus haben. Wahrscheinlich ist da auch unmöglich. Dann wäre ich wahrscheinlich Supermom ohne eigene Bedürfnisse. Aber was kann man tun, damit dennoch jedes Kind genug von dem bekommt, was es braucht?

Anhalten. Innehalten
Wenn ein Kind außer sich ist, besonders ruhig ist, sich wehrt oder schreit, tobt oder schweigt, dann ist das für mich oft ein Alarmzeichen zu schauen: Was ist da genau los? Was fehlt? Das gelingt mir nicht immer sofort. Aber das ist auch besser so, denn im Moment bin ich oft selbst zu aufgebracht. Am Abend kann ich besser reflektieren und anhalten. Innehalten und überlegen: Wo fehlt gerade etwas? Was könnte ich übersehen haben?

Verständnis
Das sind ja nicht nur Hunger und Durst oder Nähe und Zuneigung. Da ist ja auch das (Er)kennen von entwicklungstypischen Phasen wie der Autonomiephase, dem Sauberwerden, dem Zahnwechsel, dem Schuleintritt oder das Auftreten entwicklungsbedingter Ängste etc. etc. Wo sie immer wieder mehr oder weniger von uns brauchen und es nicht nur darum geht sie einfach mal in den Arm zu nehmen und zu kuscheln, sondern auch zu verstehen: Da ist grad das im Kopf los. Das sollte ich nicht übersehen. Das könnte der Grund dafür sein.

Beobachten
Jedes einzelne Kind zu beobachten ist schwierig. Aber es gibt Momente, in denen uns das gut gelingen kann. Wenn wir es zulassen. Wenn wir statt aufs Handy zu schauen dem davonlaufenden Kind am Spielplatz zusehen. Wenn wir aufschauen, wenn sie uns rufen anstatt „jaja“ zu nicken. Wenn wir uns auf ihre sonderbaren Gespräche oder Spieleinladungen einmal einlassen. Nicht immer, aber hin und wieder. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, da läuft etwas unrund.

Akzeptieren
Wichtig ist aber auch zu akzeptieren, dass wir drei (oder auch zwei oder fünf) Kindern nicht immer gleichmässig gerecht werden können. Dass nicht alle das gleiche bekommen. Dass jedes Kind letztendlich ja auch seine eigenen Bedürfnisse hat und unterschiedliches braucht. Dass wir selbst nur Menschen sind und uns – so sehr wir es uns auch manchmal wünschen mögen – nicht teilen, klonen oder hin- und herbeamen können. Dass der Tag nur 24h hat. Dass wir dennoch viel geben. Und sie am Ende ja doch bekommen, was sie brauchen. Nur nicht immer sofort.

Wie geht es Euch mit mehreren Kindern? Habt Ihr auch öfter das Gefühl, dass Euch eines wo durchrutscht? Was tut ihr dagegen? habt Ihr Geheimtips? 

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Podcast Folge 9 – Selbstregulation bei Kindern stärken

Heute habe ich endlich mal wieder eine neue Podcast Folge für Euch. Es geht um ein Thema, was mich selbst zuweilen immer wieder beschäftigt und nun auch in einer meiner Emailbegleitungen ein wesentliches Thema ist: Die Selbstregulation bei Kindern und wie wir sie stärken können. 

Selbstregulation ist die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Impulse und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verstehen und damit den Umständen entsprechend umzugehen. Es bedeutet individuelle Möglichkeiten und Wege zu entdecken, um uns selbst emotional und physisch zu regulieren.

Kinder haben diese Fähigkeiten nicht in sich veranlagt, sondern müssen diese erst erlernen und ihr Gehirn entsprechend entwickeln. Dazu brauchen sie unsere Unterstützung. Wie wir sie als Eltern da gut begleiten können – darum geht es in dieser Podcastfolge. Gespickt mit Beispielen und Erzählungen habe ich das Thema einmal für Euch ausgerollt und hoffe, Ihr könnt einiges daraus mitnehmen.

Ich freue mich über Feedback und Kommentare, auch aufgetauchte Fragen hier in den Kommentaren oder per email.

 

Ein interessanter Artikel zum Thema: Selbstregulation bis ins Schulalter

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