Friday Fives

Es ist schon eine Weile her, dass ich die Friday Fives verabschiedet habe. Dennoch behalte ich mir eine gewisse Dankbarkeitspraxis bei. Vor allem dann, wenn es mir nicht so gut geht, versuche ich den Blick auf das Gute gerichtet zu halten. Was nicht immer leicht ist. Diese Woche war eine von der schwierigen Sorte, trieb mich hinfort in düstere Wälder und ließ mich dort allein verirren. Es war dunkel und kalt. Nun bin ich krank und verwirrt.

Deshalb möchte ich heute einmal wieder zurückblicken und schauen, was doch aber gut war. Denn auch davon gab es einiges und ich lasse nicht zu, dass das Ungute siegt.

1 – Babysitterin. Wir haben nun endlich eine Babysitterin, die fix auf Miniklein schaut, wenn ich Spielräume habe. Derweil habe ich das immer hausintern oder mit dem Liepsten gelöst. Aber das hat auch dazu geführt, dass ich ihn mal mitnehmen musste in den Spielraum, was nicht gut funktioniert. Denn dann bin ich unter zwei Hüten begraben – dem Mutterhut und dem Spielraumleiterinnenhut. So freue ich mich, dass die zwei sich gut verstehen und ich Miniklein während der Zeit gut versorgt weiß. Das lässt mich auch präsenter im Spielraum sein und tut mir gut.

2 – Feedback. Ich habe wundervolles Feedback zu meiner Seite und meinen Podcasts gehört. Wenn auch mit technischen Verbesserungsvorschlägen (ich weiß, die Podcasts brauchen dringend technische Aufarbeitung). Aber ich freue mich immer sehr über solches Feedback. Zu sehen dass das, was ich tue, draußen gut aufgenommen wird, lässt mich weitermachen und zeigt mir, dass ich das richtige tue.

3 – Ein neuer Workshop. Manchmal liege ich wirklich am Boden. Da bin ich verzweifelt, dass meine Artikel nur so wenig Reichweite haben. Einfach, weil die sozialen Medien so komplex und schwierig sind. Das macht mich oft wütend, vor allem dann, wenn ich sehe, welch andere Posts hier und da Herzchen bekommen, während ich mit viel Mühe und gedanklichem Input arbeite. Doch gerade dann, wenn ich da am Boden liege und mit den Fäusten auf den Boden klopfe, kommen mir neue Ideen in den Kopf. So auch mein Workshop „Achtsame Kommunikation mit Kindern“, den ich derweil vorbereite und auf den ich mich schon sehr sehr freue. Und ich freue mich, dass es schon Anmeldungen dafür gibt.

4 – virtuelle Unterstützung. Ich bin ja irgendwie wieder auf Twitter gelandet. Das ist mir so passiert. Da poste ich hier und da einzelne Gedankenfetzen, die irgendwie aus mir heraus müssen. Und das führt manchmal dazu, dass ein Austausch entsteht mit lieben Menschen, die verstehen, die ähnliches kennen, die hilfreiche Worte parat haben. Das tut mir gut. Das baut mich auf. Dafür bin ich dankbar.

5 – Glücksmomente mit den Kindern. Und mit den Kindern erlebe ich täglich wundervolle Momente. Miniklein gibt mir tausende Bussis. Er quietscht und kreischt vor Freude, wenn er seine Geschwister sieht. Er versucht ihre Namen zu sagen und ist einfach zuckersüß. Frau Klein sagt so schöne Dinge. Sie ist momentan so ganz bei sich. Sie malt tolle Bilder und knutscht mich ab. Sie ist ausgelassen und froh und ruft: „Ich hab Dich immer lieb, Mama!“. Herr Klein malt Comics und schreibt Geschichten. Er erzählt viel von der Schule und liest seiner Schwester Bücher vor. Ach, ich bin manchmal so verliebt in meine Kinder. Dabei vergesse ich dann das Kranksein und den Ärger des ganzen Tages.

Und nun, nachdem ich das aufgeschrieben habe, fühle ich mich voller Glück und Zauber. Ich habe es doch so gut.

Welche Glücksmomente hattet Ihr diese Woche? Wofür seid Ihr dankbar? 

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Was unsere Kinder uns sagen wollen

Was unsere Kinder uns sagen wollen, sprudelt selten durch Worte aus ihnen heraus.

Es tapst nachts leise in unser Schlafzimmer und schlüpft unter unsere Bettdecke.

Es bleibt unberührt auf dem Teller liegen.

Es fliegt in hohem Bogen durch das Wohnzimmer. Trifft uns nicht selten schmerzhaft.

Es quietscht, kreischt oder saust in sonstigen Tonlagen um unsere Ohren, nach einer Umrundung unseres Kopfes tief ins Trommelfell hinein.

Es klatscht hüpfend kleine Hände aufeinander.

Es zeigt mit großen runden Augen und ausgestrecktem Finger in die Ferne.

Was sie uns sagen wollen, ist nicht immer greifbar oder verständlich.

Es breitet sich nachts nass auf ihrem Bettlaken aus.

Es hinterlässt Beißspuren auf unserem Arm. Oder dem anderer Kinder.

Es schubst, zwickt und kratzt die, die gerade wehrlos in der Nähe sind.

Es fließt in tausenden glitzernden Tränen über ihre Wangen.

Was unsere Kinder uns sagen wollen, wissen sie manchmal selbst nicht so genau.

Es zerrt, drückt und schiebt an ihren Kleinen Körpern herum, dass der sich biegt und windet.

Es wird mit Fäusten in den Boden geprügelt, mit dem Kopf an die Wand geschlagen.

Es nimmt abends leise unsere Hand und hält sie sich auf die Wange.

Es drückt rotztriefende Bussis auf unseren Mund.

Was unsere Kinder uns sagen wollen ist versteckt in unserem Alltag. Es lauert da, wo wir es lange nicht wahrnehmen. Hinter offenen Türen. Liegt offensichtlich vor unseren Füßen, dass wir darüber stolpern. Was es braucht ist Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, offen und interessiert ihr Verhalten verstehen zu wollen. Dann können wir hören, lesen und lernen. Erfahren und entdecken. Und aus dieser gemeinsamen Reise eine spannende Abenteuerfahrt machen.

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Mit dem Drachen tanzen :: Von Wut und wie wir mit ihr umgehen

Derzeit (oder immer schon?) häufen sich die Texte zur sogenannten Trotzphase im Internet. Wie man ihr begegnet und am besten mit solchen wütenden Situationen mit dem Kind umgeht. Anschreien sei schließlich keine Lösung. 

Das teile ich im Grunde. Auch ich halte Schreien für eine sehr gewaltvolle Art der Kommunikation, die unsere Kinder sehr verletzen kann. Nun sind wir aber doch Menschen, Kinder bringen uns an unsere äußersten Grenzen und irgendwann bricht es aus uns heraus. Da las ich unlängst wieder einen Artikel, in dem ein paar Tips standen, was ich tun kann, wenn ich innerlich kurz vor dem Ausflippen bin. Atmen war dabei, bis 5 zählen und sogar Singen. Allein als ich das las, wäre ich am liebsten ausgeflippt, denn der Gedanke, dass ich singe, wenn mir nach Wüten und Schreien zumute ist, macht mich sehr aggressiv.

Nun muss ja jeder seinen eigenen Weg finden mit solchen Situationen umzugehen. Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Achtsamkeit. Dennoch (oder gerade deshalb) gelingt es mir nicht immer ruhig zu bleiben. Vielleicht ist es mein Anspruch, dem ich da nicht gerecht werde. Ich bemühe mich doch so sehr achtsam durch den Alltag zu gehen, dennoch komme ich an meine Grenzen. Wie kann das sein?

Das Problem, das ich sehe ist, dass es sehr oft Hinweise und Ratschläge sind, die das Ausflippen im Moment unterdrücken oder abschwächen sollen. Augen schließen, zählen, atmen… Aber damit begegne ich ja dem Gefühl, dass in mir drin ist nicht, sondern ich unterdrücke es. Und was passiert mit solchen Gefühlen? Sie brechen irgendwann heraus wie ein Vulkan. Und zwar dann, wenn es eigentlich gar nicht so dramatisch ist. Nur hat es sich bis dahin bis zum Bersten aufgestaut.

Ich denke, dass solche Momente, in denen wir laut schreien wollen, eine Geschichte haben, einen viel längeren Weg und Ursprung, als nur jetzt diesen Moment. Und es ist wertvoller da hinzuschauen. Denn dann kann ich meinen gesamten Alltag nachhaltiger achtsam beleuchten anstatt nur Situationen zu behandeln.

Da gibt es die Momente, die vorprogrammiert sind. Ein Beispiel von gestern. Ich räume den ganzen Tag die Wohnung um und auf. Während ich wo räume, leeren die Kinder, die gerade krankheitsbedingt hier herumspringen, sämtliche Spielsachen aus. Während ich die Knöpfe einsammle, leert Miniklein die Bügelperlen aus. So bin ich froh, als ich in Ruhe kochen kann und sehe nur mit halbem Auge, dass Miniklein mit seinem Lieblingsspielzeug – der Kaffeemühle – herumläuft. Das ist prinzipiell kein Problem (es sei denn er versteckt die Kurbel in Herrn Kleins Schultasche, wo wir sie wochenlang nicht finden), aber heute habe ich nicht gesehen, dass oben noch ungemahlene Kaffeebohnen drin sind. Ich koche selig, wo ich vorher die Küche gefegt hatte und er schmeißt die Kaffeemühle auf den Boden. Klar, dass ich da ausflippen will. Klar aber auch, dass das passieren musste. 

Es gibt also Situationen, die wir eigentlich verhindern können, wenn wir ein wenig aufmerksamer sind.

Es gibt auch Situationen, die wir verhindern können, wenn wir früher eingreifen. Wenn die Kinder hier fangen spielen und sich dabei immer wieder hinter meinen Beinen verstecken, finde ich das einen Moment noch lustig, obwohl ich weiß, dass es mich nervt. Weil sie mir irgendwann dabei die Hose herunterziehen und weil ich es nicht mag, wenn man an mir herumzerrt. Wenn ich da also nicht gleich, noch bevor es mich total wütend macht, reagiere, weil ich vielleicht hoffe, sie hören eh gleich wieder auf oder weil ich gerade in was ganz anderes versunken bin und nicht aufmerksam, dann flippe ich irgendwann richtig aus. Und das muss nicht sein.

Natürlich hilft es mir auch zu sehen, was im Moment die Bedürfnisse meiner Kinder hinter ihren Aktionen sind. Aber ehrlich gesagt fällt mir das beim Ausleeren von Milch auf den Boden etwas schwer. Und in dem Moment ist das auch gar nicht die Frage. Da ist die Frage: Wie kann ich reagieren? Wenn ich schlecht drauf bin und sowieso schon am Limit, ein langer Tag hinter mir liegt, ein Kind krank ist und ich eine lange To Do Liste habe, dann werde ich wohl recht genervt sein und gehörig ausflippen. Wenn ich gut drauf bin und gelassen, dann werde ich sagen: „Oje, jetzt hast du die Milch ausgeleert. Bleib da oben sitzen, ich wische das schnell weg.“ Dann weiß ich, dass mein Kind ein Kind ist, dann tue ich, was ich zu tun habe, denn er kann mit seinen 1,5 Jahren die Milch nicht wegwischen. Dann weiß ich, dass ich ihn demnächst nicht mit der Milch allein am Tisch lasse oder nicht so viel Milch ins Glas gebe. Dann sage ich hinterher „Wenn du fertig bist mit Trinken, dann stell das Glas einfach auf den Tisch, ich räum es dann schon weg.“ Denn ehrlich – mein Kind weiß, dass man Getränke nicht wahllos auf den Boden leert. Warum er es getan hat ? Es kann viele Gründe geben. Viel wichtiger ist doch der Punkt: Wenn ich gut bei mir bin, dann kann ich damit umgehen und ihm vermitteln, dass ich das nicht mag. Ohne Schreien, ohne Ausflippen.

Das heißt aber, dass ich auch auf mich gut achten muss. Im Moment flippe ich nämlich zum Beispiel recht viel aus. Nicht, dass ich immer gleich schreie, aber ich bin schnell gereizt und genervt. Für mich ist das nicht ein Zeichen, dass meine Kinder grad „voll arg drauf sind“ sondern dass ich gerade nicht gut auf mich achte und alles ein bisschen viel ist. Und da nehme ich mich auch nicht in die Mangel, sondern schaue, was gerade zwickt und wo ich was tun kann.

Das klingt alles schön und gut, oder? Aber nun können wir nicht immer jede Situation verhindern, manche erwischen uns auch eiskalt. Und ich finde dann ist es legitim in dem Moment mir selbst einzugestehen: Ich bin jetzt verdammt nochmal echt wütend. Ich versuche in solchen Situationen nicht die Kinder anzuschreien, sondern fluche eben mal laut vor mich hin. Dann kommt nicht die geballte Wut bei ihnen an. Natürlich spüren sie, dass ich verärgert bin. Aber das ist ja auch nichts schlimmes. Ich bin ein Mensch und ich bin authentisch. Ich habe Ecken und Kanten. Und ich kann auch hinterher mit ihnen reden und sagen, was mich so geärgert hat. Oft verstehen sie das auch. Wir behandeln unsere Wut immer als den bösen Drachen, den es zu besiegen gilt und der uns davon abhält die Bedürfnisse unserer Kinder und ihre wahren Gefühle zu sehen. Wir sollten lernen mit dem Drachen zu tanzen, denn wenn wir ihn nicht einen Platz in unserem Leben geben, wird er ihn sich immer suchen. Auf seine Art.

All dieses Ausflippen ist also nicht nur eine Situation, die ich veratmen oder ins Halleluja singen kann. Sie ist ein komplexes Konzept. Das gilt im Übrigen für das Leben mit Kindern allgemein, nicht nur während der Autonomiephase. Und es ist eine Utopie und ein viel zu perfektionistischer Anspruch, wenn wir uns nicht zugestehen wollen, dass wir einfach mal wütend sind und dass diese Wut auch mal raus muss. Wir können durch einen aufmerksamen Alltag und viel Selbstachtsamkeit an uns arbeiten und viele solcher Momente verhindern. Aber nicht alle. Wir sind Eltern. Wir sind Menschen. Wir wachsen mit und an unseren Kindern. Und sie mit uns. Das sollten wir nie vergessen. Und letztendlich ist auch immer die Frage, in welcher Beziehung wir mit unseren Kindern sind. Wenn diese liebevoll ist, wir hin und wieder ausflippen, dann ist das etwas anderes, als wenn ich bei jeder Kleinigkeit ausflippe und vor allem grundsätzlich dem Kind die Schuld gebe. Ich glaube aber, dass solche Menschen auch nicht empfänglich sind für Hinweise wie atmen oder bis 5 zählen. Und etwas ganz anderes brauchen. Aber das ist ein anderes Thema.

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