Zum Jahreswechsel :: Geduldig in die Fülle

Übermorgen beginnt das neue Jahr. Ich werde mit einem Monatsmotto für Januar als auch mit einem Jahresmotto die neuen Tage beginnen. Das tue ich nun schon seit letztem Jahr und finde das sehr hilfreich. Es tut gut für einen Monat, aber auch über ein ganzes Jahr hinweg den Fokus immer wieder auf etwas Bestimmtes zu richten. Mein Jahresmotto für 2017 war Geduld.

Ich möchte oft die Dinge am liebsten sofort, vorgestern oder überhaupt schon fertig gemacht haben. Ich nehme mir zu wenig Zeit für eine Sache, bin gern zu hektisch, zu ungehalten. Das wollte ich ändern. Nun bin ich sicher kein geduldiger Engel geworden im letzten Jahr. Aber ich habe oft im Tun bemerkt, dass ich schon wieder viel zu ungeduldig bin und mich ein wenig zum Innehalten gezwungen. Und ich habe auch gemerkt, dass manche Dinge nicht funktioniert haben, eben genau deswegen. Das war zumindest ein Lernprozess und mittlerweile gebe ich mir mehr Zeit und warte lieber etwas ab, anstatt etwas sofort, dafür aber nur halbherzig anzugehen. Und ich habe gemerkt, dass die Kinder immer wieder wunderbare Lehrmeister in Sachen Geduld sind. Ihnen zuzusehen, wie sie verzweifelt etwas probieren, wo man am liebsten einspringen und helfen möchte. Auf sie warten, wenn sie „nur noch schnell“ etwas fertig machen müssen. Mit ihnen spazieren gehen. Sie beim Einschlafen begleiten. Es gibt täglich Möglichkeiten seine eigene Geduld mit Hilfe der Kinder zu üben.

Geduld brauchte ich auch in meiner Arbeit. Als Selbständige ist das Einkommen nicht stetig und schlecht vorhersehbar. Oft hat mir wirklich nur die Geduld geholfen und die Zuversicht, dass sich das alles erst einspielen muss. Abgesagte Spielräume und Workshops waren keine leichte Übung für mich.

Umso fröhlicher hat mich mein Novembermotto gestimmt. Fülle habe ich mir da in den Kopf gesetzt. Denn ich hatte zuvor bemerkt, wie sehr ich vom Mangeldenken geprägt war. Immer nur das im Fokus, was nicht gut lief, was ich nicht hatte und was mir nicht gelingen wollte. Mit dem Umlenken auf die Fülle, änderte sich plötzlich so einiges.

Letztendlich habe ich schon immer gemerkt, dass das negative Denken immer nur Negatives anzieht, seitdem habe ich mich bewusster auf das Positive fokussiert. Dennoch habe ich immer eher etwas vermisst, was ich nicht hatte oder haben konnte, was ich nicht geschafft habe.

Und deshalb habe ich beschlossen, dass 2018 für mich das Jahr der Fülle wird. Denn Fülle hat wiederum sehr viel mit Achtsamkeit zu tun, die mich auch stetig begleitet und die ich immer wieder mehr oder weniger in mein Leben hole. Fülledenken heißt das zu sehen, was wir gerade jetzt haben. Was da ist, was in und um uns herum ist. Was uns bereichert und beglückt. Fülledenken heißt auch dankbar zu sein für all das. Dankbarkeit ist ein großer goldener Schlüssel zum Glück. Er öffnet uns an noch so dunklen Tagen die Tür zu mehr Freude und Licht. Fülledenken bedeutet auch neu und offen, zuversichtlich und interessiert in die Welt hinaus zu gehen und bereit zu sein das zu sehen, was schön ist, was bunt ist und glücklich macht. Das können die kleinen Dinge sein. Meist sind es gerade die.

Ich freue mich auf 2018 Ich habe viel vor, möchte aber auch vorsichtig sein, mich nicht übernehmen, denn gegen Ende des Jahres 2017 war ich doch sehr erschöpft und habe mir eingestehen müssen, dass drei Kinder einfach verdammt viel sind und viel brauchen. Viel Energie, viel Kraft, viel Zeit und viel ich. Das wird sich so schnell ja nicht ändern, wir feiern zwar im ersten Vierteljahr hier drei Kindergeburtstage, aber die Bedürfnisse werden durchs Älterwerden ja nicht unbedingt weniger.

So lassen wir das alte Jahr nun entspannt am Fuße der französischen Alpen ausklingen, steigen auf hölzerne Bretter und trinken Rotwein. Im Hintergrund bereiten die Jademond und ich alles vor für uns Jahr der Möglichkeiten, das am 1. Januar beginnt.

Euch allen wünsche ich ein gutes Hinüberkommen. Ich danke Euch sehr fürs Mitlesen hier, das bedeutet mir sehr viel. Und ich freue mich Euch auch in 2018 wiederzusehen. Bis dahin macht es gut.

Alles Liebe,

Nadine

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Bei mir bleiben. Eine einfache Übung für unterwegs.

„Hör doch nicht auf die anderen.“ und „Vergleich dich doch nicht so viel.“ heißt es gescheit unter Müttern, wenn diese mal wieder frustriert sind, weil bei der einen alles rund und bunt läuft und die andere gerade alle Nerven durch die Küche fetzt. Das Mütterbashing muss aufhören hieß es in einem Kommentar unter meinem Blogpost zum Thema Attachment Parenting. Und ich halte das für einen guten Ansatz. Aber einen sehr unrealistischen. 

Ich glaube nämlich nicht, dass das etwas sehr Neues ist und etwas, was wir einfach so abstellen können. Vor allem im Zeitalter vom Internet, wo wir noch mehr umgeben sind von noch mehr Stimmen von außen, ist es schwer sich abzugrenzen, sein Ding zu machen und andere machen zu lassen. Und selbst wenn uns das gelingt, so gibt es doch eben noch die vielen anderen Mütter oder Menschen generell, die das nicht tun und dann vielleicht doch Dinge sagen oder Blicke schicken, die uns treffen. Und das nehmen wir dann mal mehr oder mal weniger ernst. Aber gerade wenn es um die Kinder geht, werden wir sehr emotional.

Aber ich habe gute Nachrichten. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch einfache Übungen lernen können, besser bei uns und unserem Tun und Empfinden zu bleiben. Mir gelingt das momentan sehr gut dank einer Übung aus dem MBSR Kurs.

Unlängst traf ich wieder eine Mutter, die in ihrem Tun und Sein so ganz anders ist als ich. Da ich ihr aber immer wieder begegne, kann ich sie nicht einfach ausblenden und mich distanzieren. Das geht mir öfter so, vor allem seitdem die Kinder ihre Freunde finden, deren Eltern wir uns ja nicht aussuchen, mit denen wir aber doch auskommen wollen und sollen. Auch ohne dass wir beste Freunde werden müssen. Ich bin nunmal ein Mensch, der sich schnell durch das Tun oder Reden anderer verunsichert fühlt. Auch wenn ich weiß, dass mein Weg so, wie ich ihn gehe, gut und richtig für mich ist. Wenn andere da mit einer ganz anderen Präsenz auftreten und ihren Weg darstellen, dann führt das halt mal mehr mal weniger dazu, dass ich mich ärgere, verletzt bin, wütend werde oder einfach still und leise. Oder alles. Das hängt natürlich auch immer damit zusammen, wie es mir an diesem Tag geht. Ein blöder Kommentar übers Daumenlutschen meiner Kinder kann mich an guten Tagen  peripher tangieren, an schlechten trifft es mich. Und genau das ist auch der Clou des Ganzen.

Was ich nun seit Neuestem mache, wenn ich merke, dass mich etwas trifft, mich etwas beeinträchtigt oder bewegt, ist das Hineinspüren in mich selbst. Ich frage mich: Wie geht es mir jetzt? Genau jetzt? Was ist in mir? Das kann Wut sein, Verunsicherung, Verärgerung, Traurigkeit, Enttäuschtsein, Neid, das Gefühl zu Versagen. Dann frage ich gar nicht weiter, warum das so ist oder versuche das auch gar nicht abzustellen im Moment. Ich akzeptiere in dem Moment einfach, dass ich mich so fühle. Ich nehme das an und das macht etwas ganz Besonderes mit mir. Es holt mich ganz zu mir und ganz in den Moment. Es bringt mich weg von sonstigen inneren Schimpftiraden über „die blöde Kuh mit ihrem dummen Gerede“ oder „ach als ob die das alles richtig macht.“ oder auch Gedanken wie „Wieso krieg ich das nicht auf die Reihe?“ oder sogar innere Angst, wirklich etwas falsch zu machen. Denn nein, wir können nicht perfekt sein und sollen das auch gar nicht. Aber das rettet uns noch lange nicht vor der Angst vorm Fehlermachen allgemein. Und die taucht einfach manchmal auf, wenn uns andere begegnen, die etwas ganz anders machen und es scheinbar funktioniert. Aber wenn ich einfach bei mir bleibe und akzeptiere, dass ich mich jetzt verunsichert fühle und mir zugestehe: „Ich darf mich so fühlen.“ dann rase ich nicht gleich auf der Suche nach Tips und Ideen, wie ich meine Situation retten kann, mit den Gedanken die Achterbahn entlang. Dann bleibe ich einfach einen Moment ruhig und bei mir. Und dann passiert es mir gar nicht so selten, dass ich dann feststelle: „Ja, ich fühle mich verunsichert. Das ist okay. Das geht uns allen mal so. Das heißt aber gar nicht, dass ich wirklich alles falsch mache gerade. Das ist eine Momentaufnahme. Das ist, weil gerade hier und da etwas unrund ist.“ Und plötzlich fliegen einzelne Puzzleteile herbei und fügen sich zu einem farbigen Bild, das eben noch ganz grau war. Es wird nicht gleich neongrün und kunterbunt, aber ist ein Bild, das meine Situation weitreichender beschreibt. Es holt mich nicht komplett heraus aus meiner Stimmung, aber es lässt mich auch nicht tiefer sinken. Und vor allem: Es holt mich weg von den anderen, gegen die ich sonst vielleicht wettern würde, die ich für meinen Ärger verantwortlich und denen ich meine Wut umhängen würde. Und letztendlich tut all das ja auch nicht gut. Auch wenn wir es als wohltuend empfinden, uns mal so richtig „auszukotzen“. Eigentlich stresst es uns, es lässt den Puls hochgehen, das Blut rast durch den Körper, wir regen uns maßlos auf ohne irgendwelche Ergebnisse oder wirkliche Entspannung hinterer. Stattdessen kann ich mich so zu mir selbst zurückholen. Und mich dabei auch noch besser kennenlernen.

Führt es nicht zu Distanz unter den Menschen?
Das dachte ich anfangs auch. Aber nein, im Gegenteil. Ich begegne diesen Menschen jetzt ganz anders. Ich fühle nicht mehr sofort dieses blöde Gefühl im Bauch. Ich weiß, dass ich eine gute Strategie in der Tasche habe. Und dass ich okay bin so wie ich bin. Und dass sie ja auch nicht perfekt sind. Ich schaue nicht mehr akribisch darauf, was sie falsch machen und lache höhnisch. Ich schaffe es wirklich besser ihnen einfach zu begegnen.

Und weil es mir damit so gut geht, habe ich das für Euch aufgeschrieben. Und wünsche Euch, dass Ihr das für Euch auch mitnehmen könnt. Als kleine Hilfestellung für die Wickeltasche, als Fallschirm für Spielplatzbesuche.

Also, wenn Euch mal wieder jemand nicht gut tut:

Ruhig einatmen

In Euch hinein spüren und fragen: Was empfinde ich?

Vielleicht auch fragen: Wo empfinde ich das? Im Herz, im Bauch, in der Brust?

Das Empfinden akzeptieren. Annehmen und mir erlauben: Ich darf mich so fühlen.

Mir bestätigen: Anderen geht es auch so. Ich bin nicht allein damit. 

Schauen und spüren, was passiert. 

Probiert es aus. Genießt es. Es kann kleine oder große Erkenntnisse mit sich bringen. Und garantiert ein wenig innere Ruhe und Kraft.

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Friday Fives

Es ist schon eine Weile her, dass ich die Friday Fives verabschiedet habe. Dennoch behalte ich mir eine gewisse Dankbarkeitspraxis bei. Vor allem dann, wenn es mir nicht so gut geht, versuche ich den Blick auf das Gute gerichtet zu halten. Was nicht immer leicht ist. Diese Woche war eine von der schwierigen Sorte, trieb mich hinfort in düstere Wälder und ließ mich dort allein verirren. Es war dunkel und kalt. Nun bin ich krank und verwirrt.

Deshalb möchte ich heute einmal wieder zurückblicken und schauen, was doch aber gut war. Denn auch davon gab es einiges und ich lasse nicht zu, dass das Ungute siegt.

1 – Babysitterin. Wir haben nun endlich eine Babysitterin, die fix auf Miniklein schaut, wenn ich Spielräume habe. Derweil habe ich das immer hausintern oder mit dem Liepsten gelöst. Aber das hat auch dazu geführt, dass ich ihn mal mitnehmen musste in den Spielraum, was nicht gut funktioniert. Denn dann bin ich unter zwei Hüten begraben – dem Mutterhut und dem Spielraumleiterinnenhut. So freue ich mich, dass die zwei sich gut verstehen und ich Miniklein während der Zeit gut versorgt weiß. Das lässt mich auch präsenter im Spielraum sein und tut mir gut.

2 – Feedback. Ich habe wundervolles Feedback zu meiner Seite und meinen Podcasts gehört. Wenn auch mit technischen Verbesserungsvorschlägen (ich weiß, die Podcasts brauchen dringend technische Aufarbeitung). Aber ich freue mich immer sehr über solches Feedback. Zu sehen dass das, was ich tue, draußen gut aufgenommen wird, lässt mich weitermachen und zeigt mir, dass ich das richtige tue.

3 – Ein neuer Workshop. Manchmal liege ich wirklich am Boden. Da bin ich verzweifelt, dass meine Artikel nur so wenig Reichweite haben. Einfach, weil die sozialen Medien so komplex und schwierig sind. Das macht mich oft wütend, vor allem dann, wenn ich sehe, welch andere Posts hier und da Herzchen bekommen, während ich mit viel Mühe und gedanklichem Input arbeite. Doch gerade dann, wenn ich da am Boden liege und mit den Fäusten auf den Boden klopfe, kommen mir neue Ideen in den Kopf. So auch mein Workshop „Achtsame Kommunikation mit Kindern“, den ich derweil vorbereite und auf den ich mich schon sehr sehr freue. Und ich freue mich, dass es schon Anmeldungen dafür gibt.

4 – virtuelle Unterstützung. Ich bin ja irgendwie wieder auf Twitter gelandet. Das ist mir so passiert. Da poste ich hier und da einzelne Gedankenfetzen, die irgendwie aus mir heraus müssen. Und das führt manchmal dazu, dass ein Austausch entsteht mit lieben Menschen, die verstehen, die ähnliches kennen, die hilfreiche Worte parat haben. Das tut mir gut. Das baut mich auf. Dafür bin ich dankbar.

5 – Glücksmomente mit den Kindern. Und mit den Kindern erlebe ich täglich wundervolle Momente. Miniklein gibt mir tausende Bussis. Er quietscht und kreischt vor Freude, wenn er seine Geschwister sieht. Er versucht ihre Namen zu sagen und ist einfach zuckersüß. Frau Klein sagt so schöne Dinge. Sie ist momentan so ganz bei sich. Sie malt tolle Bilder und knutscht mich ab. Sie ist ausgelassen und froh und ruft: „Ich hab Dich immer lieb, Mama!“. Herr Klein malt Comics und schreibt Geschichten. Er erzählt viel von der Schule und liest seiner Schwester Bücher vor. Ach, ich bin manchmal so verliebt in meine Kinder. Dabei vergesse ich dann das Kranksein und den Ärger des ganzen Tages.

Und nun, nachdem ich das aufgeschrieben habe, fühle ich mich voller Glück und Zauber. Ich habe es doch so gut.

Welche Glücksmomente hattet Ihr diese Woche? Wofür seid Ihr dankbar? 

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