Spaß 34/14 – Wie ist das Wetter ?

IMG_0556Der gestrige Blogeintrag hat wie eine Bombe eingeschlagen. Ich habe einen Nerv getroffen, der wohl sehr sehr sehr viele Mütter berührt hat. Ein Gefühl beschrieben, das (fast) alle kennen. 

Nun ist es aber nicht immer so leicht. Wir lesen einen Artikel, stimmen voll und ganz zu, fühlen uns gut, weil wir erfahren haben, dass es nicht nur uns so geht und atmen auf. Und dann? Dann gehen wir zur Tagesordnung über und sind in nullkommanichts wieder genau da, in diesem Sumpf an  Stress und Genervtheit, an Unzufriedenheit und zu vielen und zu hohen Erwartungen. Wir fühlen uns unwohl, ungenügend, im schlimmsten Fall schuldig und unfähig. Und dann sind wir nicht mehr wir selbst, sondern eine Maschine, die nicht funktioniert. Was tun?

In der letzten „Mit Kindern wachsen“ Ausgabe habe ich einen Achtsamkeitsartikel von Lienhard Valentin gelesen und darin gab er ein paar Ideen, wie man im Alltag mit Kindern immer wieder „auf Kurs“ kommen kann, wenn man zu sehr in rote Bereiche gelangt und sich schwer tut, da wieder herauszukommen. Weil ja nicht jeden Tag ein Blogartikel erscheint, der mir sagt, dass das, was ich mache, eh gut genug ist.

Eine dieser Übungen ist ein sogenannter Wetterbericht. Wenn ich es mir zur Gewohnheit mache, immer mal wieder innezuhalten und zu schauen

„Wie ist die Wetterlage? Wie fühle ich mich? Was fühle ich?“

dann kann ich vielleicht schon rechtzeitig bemerken, dass ein Unmut aufkeimt, ein Ärger im Anmarsch ist. Aber auch Hungergefühle oder sanfte Kopfschmerzen können wir so erkennen und eventuell bekämpfen, bevor sie ausbrechen und über uns bestimmen. Jegliches Empfinden, was in uns schlummert, erkennen wir zuweilen viel zu spät.

Viel zu oft reagieren wir über, weil wir über unsere eigene Grenze hinausgeschossen sind. Gnadenlos. Ich zum Beispiel bekomme oft nicht mit, dass ich hungrig werde. Dann werde ich irgendwann unruhig, grantig, genervt und explodiere. Und nach der Explosion merke ich erst, was ich für einen Hunger habe und das der dazu geführt hat, dass ich nach und nach unentspannter und ungehaltener wurde. (Wieder mal ein Zeichen dafür, dass es wichtig ist, dass wir auf uns selbst achten und selbst solche „Banalitäten“ wie Essen und Trinken enorm wichtig sind und ernst- und wahrgenommen gehören.

Wenn wir also regelmässiger die Wetterlage überprüfen, haben wir die Chance, öfter rechtzeitig einzugreifen und den Kurs wieder auf grün auszurichten. Oder zumindest zu halten, ohne abzurutschen. Denn nein, es gibt nicht immer in jeder Situation gleich eine Lösung parat wie Essen oder ein Glas Wasser gegen Kopfschmerzen. Aber sich der Gefühlslage bewusst zu werden, kann viel bewirken. Annehmen, wie es uns geht und uns darin dennoch akzeptieren und mögen, genau so. Das ist es, was schon hilft. Was uns zu uns selbst zurück bringt und uns selbst handeln lässt und nicht diese Maschine, die dabei ist, funktionsunfähig zu stoppen.

Und – wie ist Eure Wetterlage gerade?

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Comments

  1. Ein ganz ganz bedeutender Artikel!! Ich habe mich soo damit identifizieren können! Erst vor kurzer Zeit ließ ich es (in einer aufregenden Situation) nicht zu, weder Hunger noch Durst haben zu dürfen und verdrängte diese Bedürfnisse – gerade auch, weil die anderen scheinbar mühelos auch nichts aßen und tranken…. dann, am späten Nachmittag hatte ich (zum ersten Mal) Unterzucker und fühlte mich so, als würde die Realität verschwimmen… mein Bewusstsein reagierte anders als gewohnt.
    Ich will nur sagen, dass gerade meine Generation (ich bin 54 Jahre alt) oft gar nicht gelernt hat, ihre Bedürfnisse zu artikulieren, weil sie niemanden interessierten. Man
    wuchs auf und hatte in erster Linie ruhig und unauffällig zu sein; eigene Interessen
    wurden von den Eltern selten wahrgenommen. Von daher ist es nicht einfach, eigene „Befindlichkeiten“ ernst zu nehmen.
    Ich habe mir Ihren Post aufgehängt; vielen Dank dafür!!!

  2. Interessant. Den Artikel habe ich auch vor einer Weile gelesen und mir viele Notizen gemacht. ich wollte ihn in einem Podcast oder Blogpost verarbeiten, weil er mich sehr angesprochen hat. Aber dann ist es wieder aus Zeitmangel in Vwergessenheit geraden. Ich fand den Artikel sehr wichtig für mich.

    Und meine Wetterlage? Die ist gerade sehr Tiefdruckig. Ich bin etwas angeschlagen udn fühle mich auf allen Ebenen ausgelaugt. Ich könnte mal drei Tage Wellness und nichtstun mit Abstand von Allem gebrauchen, aber so richtig bietet sich kein Zeitfenster. Also weitermachen und dankbar jede Miniauszeit nehmen. Heute erlaube ich mir, nicht so produktiv zu sein. Dh, nur ein bisschen Emails beantworten und Tee trinken. Ohne schlechtes Gewissen, nichts zu schaffen.

  3. Passt wieder mal wie die Faust aufs Aug! Ich nehme meist viel zu wenig Rücksicht auf meine Bedürfnisse und Gefühle, damit meine Kinder ja alles bekommen und es rundum rennt, funktioniert… und im Endeffekt rennts dann gerade deswegen unrund!
    Ich werd mir den Artikel wieder raussuchen – da bin ich beim Lesen wohl auch wieder drübergestolpert, ohne Zeit zu nehmen und mich damit näher auseinanderzusetzen…

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