Richtig oder falsch? SO erzieht man Kinder !

IMG_1750Unlängst las ich in einer Facebook Gruppe die Frage, ob das Praktizieren des Familienbettes bei RIE (der von Magda Gerber in Amerika eingeführten Piklerpädagogik) verboten sei. Verboten war tatsächlich der Ausdruck. Liebe Eltern – so erzieht man doch keine Kinder !

Nix is verboten. Nachsatz: Was nicht der gesamten Familie gut tut. Natürlich gibt es hinsichtlich der „Erziehung“ (obwohl ich persönlich das Wort ja verpöhne) unendlich viele Ratschläge und Meinungen. Da gibt es Experten und alle meinen sie die richtige und einzig wahre Art und Weise zu kennen, wie man im friedlichen Miteinander mit seinen Kindern lebt. Es schadet auch nicht da hin und wieder reinzulesen und sich diese Meinungen anzuhören. Zu reflektieren mit dem eigenen Wegen, vor allem, wenn man ansteht. Aber der einzig wirklich wahre Weg ist:

Tut, wonach Euer Herz strebt.

Und zwar das Herz Eurer gesamten Familie. Tut das, was Euch allen gut tut. Den Eltern und dem/den Kind/ern. Genießt all das und hinterfragt nicht das, was sich wohlig anfühlt.

Kein Kind ist glücklich im Arm der Mutter, wenn diese in dem Moment denkt „Verwöhne ich so mein Kind? Sollte ich lieber…?“

Was unsere Kinder wollen sind authentische Eltern. Eltern, die spontan sagen „So kommt, der Tag war bisher eine Katastrophe, wir gehen jetzt alle Eis essen.“ Die nicht auf Konsequenzen pochen, weil das in dem einen Ratgeber stand, der jetzt im Regal verstaubt. Kinder wollen Eltern, die auch mal einfach nur Erwachsene sein wollen, ihre Ruhe brauchen und Zeit für sich. Ohne dabei das Gefühl zu haben, die Bindung zum Kind wäre nun auf immer und ewig eine ambivalent unsichere.

Natürlich gibt es Wege und Muster, die wir einschlagen und somit Gewohnheiten „anerziehen“ können, die uns vielleicht irgendwann nicht mehr gefallen. Das heißt aber nicht, dass wir deshalb im Vorfeld etwas unterlassen müssen, was uns heute allen gut tut. Ich rede bewusst immer wieder von allen. Denn wenn etwas nur dem Kind, aber nicht den Eltern oder umgekehrt gut tut, dann tut es nachhaltig niemandem gut. Eine Familie funktioniert nur in der gegenseitigen Achtsamkeit. Es schadet also NICHT, sich im Vorfeld, vor der Geburt, mit dem Partner über gewisse Dinge zu reden und ein Fundament zu bauen. Was nicht heißt, dass man das im Laufe der Zeit nicht gemeinsam umwerfen kann. Kinder sind flexibel. Wir sollten es auch sein. Wir dürfen auch beim zweiten Kind die Dinge anders machen als beim ersten. Was uns dabei nicht hilft ist das schlechte Gewissen dem ersten gegenüber. Denn ein schlechtes Gewissen hilft niemandem, weder dem, der es in sich trägt, noch dem, der es unbewusst auslöst.

Wichtig ist, dass wir erkennen: wenn wir ein Problem haben, dass wir ein Problem haben. Und uns nicht davor scheuen nach Hilfe zu suchen, die Richtung zu ändern oder gar neue Wege einzuschlagen.

„Minds are like parachutes. They only function when they are open.“ (Oscar Wilde)

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Comments

  1. Das gefällt mir. Dann mache ich es wohl halbwegs richtig. :) Bei mir gibt’s ja keine festen Schlafenszeiten, weil ich das doof finde, keine festen Essenszeiten, und ich versuche mit den Kindern das Leben nach den Achtsamkeitsprinzip zu leben, so gut das geht („Bin ich jetzt müde? Habe ich Hunger?“). Authentisch. Fein.

    Lieben Gruss!

    • Verrückt. Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Aber eben – wenns für alle passt, isses ja genau richtig so. Liebe Grüße, nadine

  2. Danke!
    Es gibt Dinge, die man einfach nicht oft genug sagen kann.
    Schon relativ früh bei unserem ersten Jungen stellten wir fest, dass uns unser Bauchgefühl und unser „way of life“ (auch wenn er in keinster Weise aussergewöhnlich ist) am Besten durch’s Leben tragen. Besser als Ratgeber, fast immer auch besser als so „wie habt ihr es gemacht!?“-Gespräche. Immer, wirklich immer brachte die Zeit eine Lösung.
    Unser zweiter Sohn profitiert von dieser Gelassenheit. Wir haben unseren Weg gefunden, ein Weg, auf dem es uns allen gut geht

    Liebe Grüsse
    Nike

    • Das klingt sehr „gesund“. Ja, Gelassenheit macht hier beim Zweiten auch vieles einfacher. Und da profitiert dann aber auch unser Großer wiederum davon, nicht nur die Kleine. Und in Summe wir alle. So solls ja sein.

      Liebe Grüße,
      nadine

  3. Sehr schön geschrieben!
    Schade, daß es soviele Eltern (in meinem Umfeld), gibt, die sich nicht trauen, dies umzusetzen. Oder wenigstens mal auszuprobieren, wie es liefe, wenn sie auf ihr Bauchgefühl, ihre Intuition, ihr HERZ hörten, statt auf irgendwelche Leute und Bücher, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
    Einer Freundin hab ich „immerhin“ genug Mut machen können, daß sie sich eine natürliche Geburt zugetraut (und super gemeistert!) hat.
    Jetzt allerdings ist sie kurz davor, vor lauter Sorge, das Kind zu verwöhnen und nicht rechtzeitig einen Rhythmus einzuführen, die Ferber-Methode für ihr 3-monatiges Baby anzuwenden :'( „Da sagen doch immer ALLE, das ist das Beste und funktioniert!“
    …. was soll ich da noch sagen?!
    (sie weiß haargenau, wie super es bei uns mit Familienbett und lange lange ohne festen Rhythmus lief….)

    • ja schade. weißt Du warum sie so Angst hat ihr Kind zu verwöhnen? Oder hat sie nur Druck von der eigenen Familie? Kann man leider gar nicht viel machen außer vielleicht erwähnen, dass ja Ferber selbst sich mittlerweile von der Methode distanziert. Steht wohl auch in den neueren Büchern. Ich hab die aber nie gelesen.

  4. Also mir persönlich haben die zahlreichen Ratgeber (Largo, Juul, Dibbern, Messmer, Aldort,….) geholfen, aus der erlernten Spur herauszutreten und überhaupt meinen eigenen Weg zu finden, weil jeder von den Genannten genau dazu Mut macht und nicht mit Ängsten arbeitet (wenn das Kind nicht bis zum zweiten Geburtstag dies und das gelernt hat, werde ihr schon sehen was ihr davon habt, dann habt iihr den Tyrannen blablabla…).
    Deshalb würde ich sagen: Ratgeberliteratur ja, unbedingt, holt Euch Ideen und Inputs, aber nehmt nur das für Euch heraus, was wirklich zu Eurer Familie passt. Und lasst Euch keine Angst machen, Kinder sind robuster als man denkt.

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