Regelmässig Anker werfen für mehr Achtsamkeit

Das war ein langer erschöpfender Tag. Mit drei Kindern war ich beim Zahnarzt, wo zwei ihre Zähne zeigen sollten und das zum Glück und dank sehr liebevoller und kreativer Zahnärztin taten. Mit drei Kindern bin ich dann heim um abzuladen und umzuladen, um dann mit drei Kindern zum Schwimmkurs zu fahren, wo allerdings nur eines schwimmen lernt und die anderen beiden mit mir warten. Terminlich eine Katastrophe, dieser Tag. Und energetisch auch.

Normalerweise sind das Tage, an denen ich recht schnell die Nerven schmeiße und nicht wieder finde. Doch in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass ich zwar noch immer hin und wieder die Nerven von mir werfe, sie aber scheinbar ein Seil bekommen haben. Und ich sie wieder einziehen kann. Mich wieder berappeln kann. Darüber bin ich sehr froh, denn genau das brauche ich im Alltag mit drei Kindern. Da darf kein Tag mehr, nur weil er besch… beginnt, einfach so weitergehen. Da brauche ich meine Anker hier und da, die mich zur Ruhe kommen lassen, mich wieder auf die Erde bringen und neue Chancen verteilen für neue Situationen, die mich neu fordern.

Das sind die Anker, die ich täglich werfe:

Morning Pages
Nur in Ausnahmefällen lasse ich mir nehmen, meine Morning Pages zu schreiben. Sie sind nicht das allererste, was ich tue, weil ich nicht vor den Kindern aufstehen kann. Weil ich nachts noch stillen muss und meinen Schlaf brauche. Und weil hier dann morgens erst einmal andere Bedürfnisse dran sind. Aber wenn die großen aus dem Haus sind, bin ich dran. Mit einem Kaffee setze ich mich hin und schreibe meine 3 Seiten. Auf diesen 3 Seiten entstehen Ideen, da wachsen Projekte heran, da sortiere ich meinen Tag, da spüre ich, wie es mir geht, da sehe ich, was mich beschäftigt. Und erst dann, erst nach diesen 3 Seiten erlaube ich mir den Laptop zu öffnen oder das Handy einzuschalten. Erst dann betrete ich die Welt da draußen. Klarer, sortierter, mehr ich.

Realitätscheck
Ich neige dazu mich zu übernehmen und mir zu viele Dinge vorzunehmen. Deshalb habe ich begonnen einen Realitätscheck über meine To Do Liste zu schicken. Was von all dem ist wirklich wichtig, was ist wirklich möglich und was kann warten. Denn nach den Morning Pages bin ich nicht selten höchst motiviert, vergesse aber dabei, dass ja noch ein kleines Baby neben mir liegt, das mir gern kleine feine Striche durch die Planung macht. Diese Realität baue ich nun bewusst in meinen Alltag ein.

Augenkontakt
Mir ist aufgefallen, dass ich häufig ausflippe, weil ich den Kindern dreimal etwas sage, dreimal ihre Fragen beantworte, aber dabei scheinbar ins Nichts hineinzureden. Weil ich sie nicht ansehe. Weil ich weiter in meinem Tun bleibe. Weil sie mich nicht mit meiner Reaktion wahrnehmen. Nun versuche ich immer öfter innezuhalten und sie anzusehen. Ihnen bewusst zuzunicken, Ja zu rufen oder Stop. Dieser kurze Moment bewusster Kommunikation ist meist sehr wirksam und nachhaltig, weil sie damit gesättigter ins Spiel zurück kehren.

Spiegel
Was ist denn heute wieder mit Euch los? Wie seid Ihr denn drauf? Wenn mir solche Sätze in den Sinn kommen, dann schalte ich momentan den inneren Übersetzer ein und frage mich: Was ist denn heute wieder mit Dir los? Wie bist Du denn drauf? Und dann merke ich, dass ihr Verhalten ja doch nur eine Resonanz auf meine Stimmungslage, meinen Zustand ist. Weil ich gestresst, gehetzt, genervt bin. Nicht immer kann ich sofort etwas dagegen tun, aber häufig reicht mir schon zu erkennen, wie es mir geht und warum.

Screen off
Ich kann es nicht oft genug sagen. Aber das Handy in der Tasche zu lassen ist immer wieder Garant für viel bewusstere Kontakte mit meinen Mitmenschen und viel weniger Gereizt- und Genervtheit. Es gelingt mir nicht immer gleich gut, aber ich werde immer besser. Und spüre, was das mit uns macht. Wie viel inniger ich bei den Kindern bin, wie viel mehr im Jetzt. So kleine (Nicht)handlung, so große Wirkung.

Meditation am Abend
Weil ich, wie schon oben erwähnt, nicht einfach – wie so oft angeraten – in aller Früh noch viel früher und vor den Kindern aufstehen kann um irgendetwas zu tun, kann ich den Tag auch nicht mit einer Meditation beginnen. Auch wenn ich nicht bezweifle, dass das gut ist. Ich schaffe es einfach nicht. Stattdessen nutze ich die Zeit direkt nach dem Niederlegen aller Kinder – was zum Glück noch gleichzeitig geschieht – und verziehe mich für eine Meditationspause. Denn zu dieser Zeit fühlt sich mein Kopf an wie durchgerührt. Der Tag sinkt ein, die Eindrücke und Erlebnisse sacken, der Abend liegt lang und breit mit „Ich möcht so gern“ und „Ich sollt ja noch“ Ideen vor mir und zu oft endet dieses Kopfchaos darin, dass ich sinnlos im Netz umherirre und nichts wirklich tue. Dank der Meditation komme ich etwas zur Ruhe, etwas zu mir und kann mich neu ordnen. Es sind quasi ungeschriebene Evening Pages, denn der Effekt ist ähnlich den Morning Pages.

Schlaf
Ich bin eine Nachteule. Das ist nicht gut, denn die Nächte sind meist doch noch gespickt von ein paar Stillstops und das Stillen an sich raubt mir natürlich noch Energie, die ich tagsüber brauche. Also versuche ich seit geraumer Zeit zu normalsterblichen Zeiten ins Bett zu gehen, um eine gute wollige Mütze Schlaf zu bekommen und nicht komplett übermüdet in den Tag zu starten. Natürlich gibt es immer Schnupfnasen und aufgeregte Betthüpfer, die eine Nacht zum Tag machen, umso wichtiger ist es, dass ich hier und da Schlaf nachhole.

All diese Dinge und noch einige mehr habe ich mir nach und nach bewusst angeeignet, um besser durch den Alltag zu kommen. Und zu sehen, wie gut das tut, wie es wirkt und uns belebt, tut mir sehr gut. Natürlich gibt es nach wie vor solche Tage und solche. Aber es gibt kaum mehr Tage, die von früh bis spät einfach nur schlimm und katastrophal sind, an denen man sich am Ende Frau Flodder näher fühlt als Mutter Theresa. Ich schaffe es doch immer wieder auszusteigen, aus dem Trott und dem Alltagsradl.

In meinem Online Kurs „Achtsam Familie“ gehe ich genau auf diese Dinge ein. Weil ich glaube, dass Achtsamkeit mehr ist als Meditation im Morgengrauen. Für mich bedeutet Achtsamkeit auch Wertschätzung, Respekt, Aufmerksamkeit, Nähe, Kontakt, Self Care etc. und um all das geht es in diesem Kurs. Die Anmeldung ist noch bis Freitag möglich. Infos zum Kurs gibt es hier.

Was sind Eure Anker? Was hilft Euch gut durch den Tag zu kommen? 

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Comments

  1. Mir hilft Struktur (ich habe begonnen, einen Speiseplan zu machen und finde gerade toll, daß es gut funktioniert), bewusste Pausen (also auch mal den Kindern sagen: „ich leg mich jetzt mal für 10 min hin, bitte stört mich nicht“), Meditation (klappt noch nicht immer. Ich habe ein Headspace Abo – das ist eine gute Unterstützung) und gerade erst entdeckt: Szenenwechsel. Sich mal zum Arbeiten in ein Café setzen. Ausserdem nehme ich mir Auszeiten im Fitness-Studio mit Sauna, verabrede mich mit Freundinnen und mache Abends nichts mehr am Computer. Wir gehen hier alle (ausser die Teenagerin) bis 22 Uhr ins Bett. Meist früher.

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