Karenz vorbei – dankbar mit einer Träne im Knopfloch

Heute ist der letzte Karenztag des Liepsten. Ab morgen muss er wieder ganz klassisch 9-5 ins Büro. Naja, dass das selten bei 9-5 bleibt, sondern sich darüber hinaus zieht, ist wohl normal. Leider.

Ich bin wehmütig. Sehr sehr wehmütig. Nicht nur, weil jetzt meine Zeit wieder begrenzt ist darauf, wenn die Kinder schlafen, sondern auch, weil ich es genossen habe mehr Miteinander zu haben. Am Nachmittag einfach mal statt weiter zu schreiben und zu tun einfach gemeinsam sein. Flexibler sein können. Mehr aufteilen können. Die Karenz sollte ja keine komplette Umkehrung dessen sein, was sonst Alltag ist, sondern die Möglichkeit, dass wir uns absprechen und Aufgaben aufteilen.

Funktioniert hat das nur bedingt. Als Selbständige ist es wohl einfach so, dass man stets und ständig das Gefühl hat, etwas tun zu müssen oder – so wie in meinem Fall auf jeden Fall – zu wollen. Ich habe so viele Ideen, dass ich einfach ständig denke „Ich würde jetzt so gern…“ Aber das wäre vermutlich auch so, wenn der Liepste immer daheim wäre oder alle Kinder anderweitig ganztags betreut.

Der Umschwung wird mir sicher schwer fallen. Gleichzeitig bin ich dankbar, dass wir diese Möglichkeit der Karenzteilung hatten. Das ist ja nicht allen Eltern vergönnt. Manche können es sich finanziell schlichtweg nicht leisten. Wir mussten auch in den sauren Apfel beißen und die kürzeste Karenzdauer wählen, weil nur so genug Geld drin war, um das Gehalt des Liepsten zu ersetzen. Ansatzweise. Sparen mussten wir dennoch. Und dafür bin ich jetzt noch mit Miniklein daheim, obwohl die Karenz aus ist. Denn der Krippenplatz ist erst ab Herbst möglich. Also arbeite ich weiter nebenbei und durch das Arrangieren von Betreuung anderweitig.

Manche bekommen aber diese Möglichkeit auch nicht, weil der Arbeitgeber einfach nicht zustimmt, dass der Mann in Karenz gehen kann. Da muss wohl noch sehr viel Bewusstseinsbildung geschehen, dass das bei Firmen durchsickert, dass auch Männer längere Zeit für die Familie da sein möchten und sollen. Oder auch dass Männer gern pünktlich Feierabend machen, um wenigstens am Abend bei der Familie sein zu können.

Wenn ich mir natürlich Alleinerziehende ansehe, dann weiß ich, dass ich hier auf hohem Niveau jammere. Das ist mir bewusst. Deshalb bin ich eben auch sehr dankbar dafür, dass wir diese 4 Monate gemeinsame Zeit hatten.

Eine Zeitlang hatte ich das Gefühl die Zeit rast mir davon und ich komme zu nix. Aber jetzt im Rückblick habe ich gemerkt, dass ich doch einiges geschafft habe in den letzten 4 Monaten.

  • Ich habe meine Spielräume so gut zum Laufen gebracht, dass ich nun wegen der großen Nachfrage weitermache. Wie ich in der Zeit Miniklein betreuen lasse, muss ich noch organisieren. Ich selbst fühle mich auch etwas gesattelter in meiner Arbeit im Spielraum und ich freue mich, dass sie nun so gut laufen.
  • Ich habe meine Online Kurse überarbeitet und umgestaltet. Das wird vermutlich ein ewiges Tun sein, denn hier habe ich noch unendlich viele Ideen. Aber diese Kurse sind viel Arbeit und so braucht das alles seine Zeit. Es macht mir aber einfach enorm viel Spaß und es freut mich, wenn KursteilnehmerInnen immer wiederkehren und jeden neuen Kurs von mir auch buchen. Das zeigt mir, dass das gut ist, was ich da mache.
  • Ich habe einen neuen Online Kurs – die Lebenskönigin – erstellt. Das war der größte Arbeitsbrocken, ich bin noch in den letzten Zügen, weil natürlich immer irgendwas ist, dass man nicht so voran kommt, wie man denkt und plant. Aber ich bin stolz wie Oskar, dass ich diesen erstmals großen Kurs fast fertig habe und freue mich unendlich darauf, dass er startet. Vor allem auch weil ich schon so viele tolle Anmeldungen habe!
  • Ich habe meinen Blog sehr viel umgestaltet und bestückt. Habe wieder mehr geschrieben und zu meiner Stimme zurückgefunden.
  • Ich habe meinen Podcast wiederbelebt und schon weitere Pläne für weitere Folgen. Hurra!
  • Ich bin gewachsen und habe viel gelernt. Über mich. Über das, was ich tun will. Ich bin dabei mein Leben zu gestalten und es formt sich ganz wunderbar. Und es bahnen sich genau die richtigen Wege, was mir Vertrauen gibt und mich stärkt. Ich habe Visionen und Ziele und selten habe ich die so verfolgt wie momentan.

Und neben all dem hatten wir eine schöne Zeit zu fünft. Die Kinder haben es natürlich auch sehr genossen, dass der Paps so viel für sie da war. Und das finde ich ganz wunderbar.

Ich bin gespannt, wie es uns von nun an gelingt, dass wir weiterhin eine gute Balance finden zwischen Arbeit und Familie. Gleichwertig. Oder zumindest annähernd.

Wie war das bei Euch? Konntet Ihr Euch die Karenz aufteilen? Und wenn ja – wie habt Ihr das erlebt?

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Comments

  1. Das tönt wunderbar und würde ich mir auch so wünschen. Obwohl ich nicht ganz genau weiss, was die Karenz in Österreich ist (ähnlich wie Elternzeit in Deutschland?). Hier in der Schweiz liegt das jedenfalls noch total im Argen. Väter haben Anrecht auf 1 Tag Absenz nach einer Geburt (manche Firmen sind freiwillig grosszügiger, vielleicht 5 Tage oder so), die Mütter haben Anrecht auf 14 Wochen Mutterschaftsurlaub (80% Lohn, auch hier gibt es grosszügigere Firmen mit 16 Wochen zu 100% Lohn). Meist nimmt man 2 Wochen vor der Geburt weil hochschwanger arbeiten nicht mehr geht, dann sind’s sogar nur noch 12 Wochen…. Da brauchts noch viel Gesellschaftsarbeit! Liebe Grüsse, Tina (nach der Geburt unseres zweiten Kindes werde ich zusätzlich ein paar Wochen unbezahlten Urlaub dranhängen, bevor ich nach 6 Monaten wieder einsteigen werde. Mein Mann arbeitet zum Glück „nur“ 70%, dass er doch auch etwas mehr zu Hause sein wird. Mal schauen, wie es wird!)

  2. Mein Partner könnte /.traute sich zwar nicht in Karenz zu gehen. Allerdings ist es bei seinem Arbeitgeber für Weiterbildung ok auf 4 Tage zu kürzen- leider miteingebunden den Lohn. Unter diesen Deckmantel und natürlich Lohnverzicht verbringen wir nun einen Wochentag mehr zusammen… Schon traurig das Weiterbildung mehr zählt als Zeit mit Kind, oder?

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