In Stille stillen

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Ich kann mich nicht erinnern, wie meine Einstellung zum Stillen war, bevor ich das erster Mal schwanger war. ich weiß es wirklich nicht. Selbst bin ich als “Flaschenkind” groß geworden. Meiner Mutter wurde nach meiner Geburt gesagt, sie hätte nicht genug Milch. Ich habe das nie hinterfragt, bis ich selbst erfuhr, wie das mit dem Stillen funktioniert.

Heute glaube ich, dass das nur die Ende der 70er im Osten waren. Da wurde Stillen nicht unterstützt. Sonst hätte sie vielleicht die Chance gehabt. Egal wie, ich bin groß geworden und habe keinerlei Allergien oder sonstige erkennbare Folgen.
Der Liepste wurde bis zum dritten Lebensjahr gestillt. Quasi das andere Extrem.

Als ich dann schwanger wurde, begegnete ich dem Thema Stillen und war überzeugt, dass es richtig
und wichtig sei. Und dass das schon funktionieren würde. Das tat es auch. Ein wenig zu gut.

Ich hatte anfangs einen viel zu starken Milchspendereflex, der sowohl mich als auch Herrn Klein belastete. Er kam mit der plötzlichen Milchmenge nicht zurecht, ich mit dem ständigen Aus- und Überlaufen nicht. Ich stillte vorzugsweise daheim, weil mich das klebrige Chaos unterwegs enorm stresste.

Nach 3 Monaten hatte sich das eingependelt. Ich begann auch unterwegs zu stillen. Herr Klein war ein angenehmes Stillkind, dass sporadisch und wenn, dann kurz und zügig trank. Trotz allem suchte ich mir immer einen relativ ruhigen Ort zum Stillen. Ich mochte keinen Trubel um uns dabei, ich mochte keine Passanten und vor allem mochte ich beim Stillen dennoch bei meinem Kind sein. Stillen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, es ist auch Beziehung und Bindung. Das nahm ich sehr ernst.

Mit einem Jahr war Herr Klein abgestillt. Das war von ihm wie von mir so geschehen ohne daran herumzutun oder es zu erzwingen. Es war einfach so.

Frau Klein ist jetzt 14 Monate und ihre Hauptnahrung ist nach wie vor Muttermilch. Sie isst gern, sie kaut alles und sie spuckt fast alles wieder aus. Mit nur 6 Zähnen mache ich ihr da keinen Vorwurf. Ich stille sie nach Bedarf.

Auch sie stille ich unterwegs. Aber genauso am liebsten an ruhigen Orten. Ich unterstütze, dass Stillen eine Natürlichkeit und Notwendigkeit ist. Für mich ist es wundervoll, dass ich es kann und ich bin stolz, dass ICH meine Kinder ernähren kann. Aber ich setze mich deswegen dennoch nicht gern in ein volles Restaurant oder die Ubahn. Bin ich an überlaufenen Orten finde ich einen Platz der statt hin, weg von der Masse zeigt. Ich respektiere die Privatsphäre anderer und vor allem die meines Kindes und mir. Ich möchte kein Aushängeschild für die Natürlichkeit des Stillens an jedem Öffentlichem Fleck sein. Nicht, weil ich das verurteile, sondern weil ich das nicht bin. Weil ich stillend nicht nach außen, sondern lieber nach innen – zu meinem Kind – wirksam sein möchte. Ich wurde auf diese Art bisher noch nie angewidert, stattdessen eher lächelnd und nickend angeschaut. Ich lächle andere stillende Mütter an und freue mich, dass das Stillen heutzutage wieder normaler ist als eben Ende der 70er im Osten.

Stillen ist etwas wunderbares, ich wünsche es jeder Mutter, die dazu bereit ist. Ich tue es gern und so lange Frau Klein mich braucht. Aber am liebsten da, wo ich mich in Ruhe und Zufriedenheit weiß. Weil es für mich mehr ist, als Füttern.

 

Weitere Artikel zum Thema: Wenn ich esse, esse ich.

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Comments

  1. Ich denke so geht es den meisten Müttern, v.a. wenn die Kinder noch klein sind. Ich habe mich da zur Not auch schon auf der Toilette eingeschlossen und mich auf den Klodeckel gesetzt wenn’s anders nicht in Ruhe möglich gewesen wäre. Bei meiner Tochter und nach einem gewissen Alter wurde ich etwas gleichgültiger. Ich habe mich noch immer etwas zurückgezogen aber nicht mehr unbedingt versteckt. Bin halt auf eine Parkbank, auch wenn ich da den Leuten zugewandt war oder an den Rande des Schwimmbeckens auf der Treppe im Wasser sitzend. Stillen in Ruhe so gut es geht und so dezent wie möglich aber kein Verstecken mehr denn man darf auch sehen bzw. erahnen, dass gestillt wird (ohne dass die Frau sich dabei entblösst) denn es ist etwas völlig Natürliches das nicht hinter verschlossene Türen muss… Je mehr stillende Mütter man in der Öffentlichkeit sieht, desto natürlicher wird es, v.a. auch für zukünftige Eltern…

    • Ja, genau so meint ich das. Versteckt habe ich mich auch nie, aber dezent und in Ruhe (soweit möglich) war mir wichtig.

  2. Ich stille meinen Sohn seit nunmehr 4 Jahren und meine Tochter auch schon über 10 Monate. Stillen war/ist mir immer sehr wichtig gewesen und für mich ein wesentlicher Bestandteil unserer Beziehung. Mein Sohn hat erst mit ca 1,5 Jahren angefangen ein wenig zu essen bzw das Essen runterzuschlucken. Er wollte den Busen zum Hunger stillen, bei Angst, Unsicherheit, Schmerzen und noch vielem mehr. Kurz bevor er in den Kiga hab ich mitgezählt und allein untertags kamen wir auf ca 25 Mal Busen auspacken. Insofern war ich wenig zimperlich mit den Stillplätzen. Er trank in der U-Bahn, am Spielplatz direkt an der Sandkiste, im Gehen etc etc. Man könnte sagen, wir haben das öffentliche Stillen bei uns publik gemacht :)
    Und trotzdem: 3 Wochen nach der Geburt meines Sohnes bekam ich bereits die Frage gestellt, ob ich noch stille! Und ständig musste ich mich rechtfertigen, weil ich nicht fix alle 3 Stunden stillte… Die Zeit, in der den Müttern eingeredet wurde, dass sie zu wenig Milch hätten, ist zwar vorbei, aber stillen ist trotzdem noch etwas besonderes, fast alternatives…

  3. Eins muss ich zum Stillen loswerden: es braucht drei Dinge, damit das Stillen funktioniert.
    1. die Mutter, die dazu bereit ist.
    2. das Kind das mitmacht
    3. das Umfeld (im weitesten Sinn wie Beziehung, Krankheit, Gesundheit)
    Ist nur eines davon im Ungleichgewicht, funktioniert das Stillen nicht. SAuch wenn dien Mutter will.
    Seid nicht stolz, weil ihr stillen könnt ,sonder froh.

    • ja, das stimmt wohl, es gehören einige Faktoren dazu. Natürlich bin ich sehr froh, dass das alles so reibungslos geklappt hat. Dennoch erfüllt es mich auch mit Stolz, dass ich eben so lange als Hauptnahrungsquelle dienen kann. Das eine schließt ja das andere nicht aus.

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