Ich liebe Dich, Tante!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWährend der Eingewöhnung mit Herrn Klein im Kindergarten hatte ich die Möglichkeiten, den Kindergartenalltag einmal von innen her zu erleben. Das war sehr spannend. Es gab natürlich auch Momente, die ich fragwürdig fand. Einer war, wie ein Mädchen sich vor die Leiterin der Gruppe stellte und aus dem Nichts heraus „Ich liebe Dich, Tante!“, sagte.

Es war nicht nur die Tatsache, dass sie die Pädagogin „Tante“ nannte. Das ist eine ganz andere Geschichte. Es erschreckte mich, wie leichtfertig das Mädchen mit dem Satz „Ich liebe Dich“ umging.

Die Worte wiegen schwer im deutschen Sprachgebrauch. Vielleicht etwas zu schwer. Deshalb gibt es die etwas leichtere Alternative „Ich hab Dich lieb.“ Damit bin ich aufgewachsen. Ein „Ich liebe Dich“ hörte ich selten und es fällt mir womöglich auch deshalb so schwer, es selbst zu sagen. Selbst wenn ich es meine. Dennoch weiß ich tief im Inneren, wie sehr meine Mutter mich liebt. Daran musste ich nie zweifeln. Und genau darum geht es. Denn egal ob „Ich liebe Dich“, „Ich hab Dich lieb“ oder „I love you“ – es geht nicht so sehr darum, was davon wir unseren Kindern sagen, sondern dass sie verstehen, was wir damit meinen. Und dass sie sich dessen sicher sind. Nicht nur, wenn wir es ihnen sagen. Immer. Jederzeit. Ununterbrochen.

Es gibt für Kinder nichts schlimmeres, als die Sorge ob sie von ihren Eltern geliebt werden. Und deshalb halte ich es für wichtiger, dass wir viel öfter einfach

– Da sind. Komplett anwesend. Ohne Handy, Computer oder Gedanken an die Arbeit.

– Zeit nehmen. Für die extra Minute am Morgen, die das Kind braucht, bevor es in den Gruppenraum verschwindet.

– Ja! sagen. Ja! zum Pfützenhopsen. Ja! zum „Singst Du mir noch ein Lied?“ und noch eins. Und noch eins. Und noch… JA! zu zwei aufgestreckten Armen, die getragen werden wollen.

– Lachen! Gemeinsam. Auch über Dinge, die wir im ersten Moment für gar nicht ustig halten. Der Liepste und ich erinnerten uns gestern Abend an den Morgen, an dem Herr Klein, während wir noch dösten, den Joghurt über all seine Autos ergoss. Es sah aus wie eine Schneelandschaft und es war einfach diese typische Situation, die man im Kopf hat, wenn man an ein Leben mit einfallsreichen Kleinkindern denkt. Wir lachen heute noch sehr darüber.

– Verstehen. Dass ein Nein! schwer fällt. Dass die rote Tasse wichtiger ist als die gelbe. Dass der öffentliche Aufschrei gerade eigentlich Müdigkeit, Hunger und Selbstnichtverstehen ist.

– Umarmen. Drücken. Fest halten. Wenn so vermeintliche NIchtigkeiten zu übergroßen Kullertränen führen.

– Kämpfen. Gegen das böse Monster unterm Bett.

– den Tag mit viel Ja!, Liebe, Kuscheln und Lachen ausklingen lassen. Für bunte Träume und kuschliges Wohlsein.

Dann ist ein „Ich liebe Dich!“ nur das extra Stück Schokolade, das drölfzigste Gummibärli, die extra Kugel Eis auf einen Tag voll Süßem. Und nicht das täglich Brot.

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