Einmal zu kurz, einmal zu lang, endlich perfekt. Ein Geburtsbericht.

Als ich nach der Geburt von Frau Klein zu einem Termin noch einmal im Geburtskrankenhaus war, überkamen mich unzählige viele Gefühle und nicht nur positive. Und ich verließ das Krankenhaus mit dem Gedanken: Irgendwie brauche ich einen runden Abschluss. So etwas wie eine dritte runde Geburt, die die beiden ersten Erfahrungen zu einer guten rund macht. Doch wir wollten kein drittes Kind. Aber vielleicht habe ich damals schon geahnt, dass doch nochmal alles anders kommen würde.

Herr Kleines Geburt dauerte vom Blasensprung auf dem Sofa daheim bis zur Nachgeburt im Krankenhaus 1,25h. Er war geboren, da waren wir geistig noch nicht einmal im Krankenhaus angekommen. Ich war überrannt von Geschwindigkeit, der Heftigkeit der Presswehen, die mich allein am WC überraschten und der Brutalität einer von 2 Hebammen herausgezogenen Plazenta.

Frau Kleins Geburt begann etwas ruhiger. So ruhig, dass die Wehen irgendwann wieder stoppten, was frustrierte. Nach einer natürlichen „Wiedereinleitung“ ging dann alles so rasant wie beim ersten Mal. Froh, dass es geschafft war, aber rundum doch wieder unzufrieden. Ich war fast verärgert über die Schwäche der Anfangswehen im Vergleich zur Intensität der Presswehen am Ende.

Dieses Mal sollte alles anders werden. Schon die letzten Wochen fühlte ich mich anders als zuvor. Ich war aktiver. Beweglicher. Klar. Ich hatte nun zwei Kindergartenkinder, die ihren Alltag brauchten. Ich war unterwegs. Aber dadurch fühlte ich mich aktiver und fitter, sowohl geistig als auch körperlich.

Am Samstag, Tag 38+3 der Schwangerschaft, richtete ich endlich den Wickeltisch für Miniklein fertig her. Bisher war er zwar da, aber noch Ablage für Babygewand und Spielzeug der Großen. Es war der letzte Akt des Nestbaus, alles andere war fertig. Und Samstag Mittag dann auch das. Jetzt fühlte ich mich rundum bereit. Miniklein durfte sich jederzeit auf den Weg machen, durfte aber auch noch warten. Das überließ ich nun alles der Natur.

Am Nachmittag gingen wir ins Puppentheater um einen Gutschein zu besorgen. Danach wollten wir noch ins Verkehrsmuseum. Aber ich spürte bereits am Weg und in der U-Bahn, dass das alles etwas viel war. Nein, eigentlich spürte ich das schon früher. Daheim. Da hatte ich ein Ziehen im Rücken und danach war mein Kopf wie umgeschalten. Plötzlich war da eine Ahnung. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Irgendetwas war anders. In mir.

Im Puppentheater erklärte ich dem Liepsten, dass ich nicht mehr weiter ins Verkehrsmuseum gehen würde. Er glaubte, dass es mir einfach zu viel sei und ich beließ es dabei. Wir planten um, kauften nicht nur den Gutschein, sondern noch Tickets und 20min später saßen wir in der nächsten Vorstellung. Es schien absurd, aber gleichzeitig hoffte ich wohl, dass die Ablenkung des Stücks alles wieder etwas beruhigen würde.

Doch immer wieder veratmete ich leichte Wehen. Nach dem Stück war ich enorm genervt von all den vielen Menschen und Kindern und wollte dringend raus. Ich merkte, dass ich innerlich schon ganz woanders war. Und am Weg zur U-Bahn erklärte ich dem Liepsten, dass ich es nicht mehr heim schaffen würde, sondern mit einem Taxi ins Krankenhaus fahren würde. Er schluckte, rief mir ein Taxi und alles begann.

IMG_8701

Im Krankenhaus begann das übliche Prozedere. CTG und Untersuchung ergaben, dass ich bereits auf halbem Wege war, sprich der Muttermund 5-6cm geöffnet. Da alle Kreißsäle frei waren, wählte ich den einzigen mit Badewanne und wartete dort auf den Liepsten, der in unserem wunderbaren Haus die Kinder untergebracht und sich dann selbst ins Taxi gesetzt hatte.
An einem Seil hängend veratmete ich die nun intensiver werdenden Wehen. Ich genoss sie, denn von ihnen hatte ich während der Geburten davor keine oder zu wenige. Dieses mal war alles anders. Ich spürte einen Verlauf und das tat gut. Als der Liepste kam fühlte ich mich bereit für die Geburt. Dazu gesellte sich etwas Angst. Angst vor diesen fiesen intensiven Presswehen der letzten Geburten. Während ich am Kreißbett hing und eine weitere Wehe veratmete, erinnerte ich mich an die Achtsamkeitspraxis: Den Schmerz nicht abwehren, sondern ihn annehmen. Ich ahnte, dass mir die Angst vor den Wehen nicht gut tat, also versuchte ich mich nun auf das kommende einzustellen und alles so anzunehmen, wie es kam. Immerhin war das auch die einzige Möglichkeit.

Nach der Wehe bat ich die Hebamme die Badewanne einzulassen. Sie tat es, konnte aber nicht versprechen, dass wir es da noch hinein schaffen würden, denn sie brauche wohl sehr lange zum Einlaufen. Ich glaubte nicht, dass Miniklein so bald kommen würde und hoffte dabei sehr auf die Wanne, die Aussicht auf warmes Wasser schien mir gerade sehr erholsam.

Der Liepste hatte unsere mitgebrachte Musik aufgedreht und zwischen den Wehen bemerkte ich immer wieder, wie gut sie tat und wie sehr ich sie genoss (Mogwai). Dann bekam ich Hunger und ließ mich vom Liepsten in den Wehenpausen mit Obst- und Müsliriegeln füttern. Hierbei empfehlen sich die bereits vorportionierten Obstriegel von Alnatura, da geht sich so ein Portiönchen genau zwischen zwei Wehen aus… Ich war noch guter Dinge. Wir kicherten. Der Liepste massierte mir den unteren Rücken und alles fühlte sich rund und gut an. Ich war so euphorisch, dass dieses Mal alles anders war. Und vor allem so, wie ich es mir gewünscht hatte.
„Die war jetzt aber schon intensiv.“ sprach der Liepste, als ich eine Wehe erstmalig tönend veratmete. Und ich nickte. Die Hebammenschülerin hingegen kam immer wieder kopfschüttelnd aus dem Bad. Diese Wanne brauchte wirklich verdammt lange.

Die Musik sprang auf Sigur Ros. Auch gut, dachte ich. Die Hebammenschülerin kam und legte mir ein CTG an. Es nervte mich, weil sie so lange brauchte. Dann sagte sie, ich solle ans vordere Ende vom Kreißbett kommen. Bisher hing ich am hinteren, wo ich mich am Griff des Bettes anhielt. Aber das ging auch sehr auf die Beine. Die Hebamme schob mir eine Matte unter die Knie, der Liepste hielt meine Hände oder ich seine und von nun an wurde jede Wehe intensiver und ich immer lauter. Mein lauter werden bestätigte mir mehr, dass es nun aufs Finale zuging, als das, was ich spürte. Oder beides. Auf jeden Fall dachte ich „Verdammt, das wird wieder laut.“ Die Wehen kamen nun heftig und schüttelten mich. Ich riss mich zusammen dem Liepsten nicht in die Hand zu beißen. „Wo bleibt der verdammte Blasensprung?“ dachte ich und durchschrie eine Wehe. Ich solle mit anschieben. Und obwohl ich glaubte, es würde mich zerreißen, presste ich an. Kurz vorm Ende der Wehe platschte es. Endlich, dachte ich. Jetzt aber. Und als die nächste Wehe kam, da presste ich, was das Zeug hielt. Ich wollte, dass es aufhört. Jetzt sofort. Also raus. Ich spürte den Kopf so deutlich und wollte keine einzige weitere Wehe mehr abwarten. Raus damit. Jetzt. Laut und kräftig presste ich den Kopf aus mir heraus und glaubte es war geschafft. „Wenn Du noch einmal anschiebst, ist es draußen.“ Raus damit. Jetzt. Ich schob an und der kleine Körper fiel aus mir heraus in die Hände der Hebamme. Ein Blick nach unten zeigte mir: Ein Bub und ich dachte: „Sie werden sich so freuen. Sie haben sich so einen Bruder gewünscht.“ Typisch Mutter. Den Rest erledigten die Hormone. Miniklein war da!

Zart, mini und klein. Aber perfekt und fertig.

IMG_8707

Die Badewanne ließen sie dann prompt wieder aus. Miniklein hatte das Rennen gewonnen.

IMG_8718

Drei Stunden später packten wir unsere Sachen und fuhren heim. Glücklich und zufrieden. Jetzt sind wir fünf. Fünf! Das Leben ist zauberhaft und wundersam. Aber unbedingt schön.

Flattr this!

Comments

    • PS. Wenn Miniklein noch am Samstag zur Welt kam, hat er ja am selben Tag Geburtstag wie ich :-). So schön…!

  1. Herzlichen Glückwunsch. Miniklein ist gesegnet, in so eine liebevolle Familie hineingeboren zu werden. Toll gemeistert die Geburt! Wünsche einen guten Start ins neue Leben zu fünft und viel Kraft und Energie!

  2. Ich hatte auch so eine tolle letzte Geburt und freu mich für dich!
    Alle guten Dinge sind wohl 3 :)

    Alles Liebe und Gute, und viele schöne Kuschelstunden!!!

  3. Große Freude! Danke, dass du deine Erfahrung so klar und doch so emotional mit der ganzen Welt teilst. Viel Ruhe und Spaß beim Kennenlernen von Miniklein und Zusammenwachsen zu fünft!

  4. Ich hab Gänsehaut und Tränen zugleich! Miniklein ist gut angekommen! Und gesund! Und fertig! Und hat sich seinen Moment deines draußen Lebens selbst ausgesucht – ohne Wanne ;-)

    Wie schön!!!!

    Bei mir war die dritte Geburt auch die, bei der ich den Verlauf wirklich gespürt habe … Und sich den Kopf so schön rauskommen – einmalig!!
    5 bussis nach Wien!

  5. Herzlichen Glückwunsch! So ein schöner Geburtsbericht! Vielen Dank! Bei mir war die zweite Geburt auch wunderschön und ich wünsche mir noch sehr eine Dritte. Geburt kann so wunderbar sein!
    Euch ein gutes Ankommen und alles Gute fürs Wochenbett!
    Liebe Grüße Yvonne

  6. Oh, wie schön, er ist da!! So schön zu lesen, dein Geburtsbericht, macht Gänsehaut und Tränen in den Augen – und Lust auf eine Geburt, echt, so absurd das klingt… wunderbar, schön, dass du es so schön erleben konntest, und ihr jetzt zu fünft seid! Und sei versichert – es ist wunderbar, zu fünft zu sein!! :-) Alles alles Liebe für euch alle, wunderschöne, zauberhafte Kennenlernzeit! Elisabeth

  7. Willkommen im Leben kleiner Mensch.
    Euch Eltern wünsche ich herzlichen Glückwunsch zum neuen Baby.

    Auch bei uns war die dritte Geburt die schönste – und das Leben zu fünft ist wahrhaftig wunderbar und ereignisreich.
    Genießt die Kennenlernzeit,
    alles Liebe,
    Kathrin

  8. Herzlich Willkommen „Miniklein“!
    Eine schöne Kennlernzeit hier auf Erden wünscht euch fünf von Herzen
    Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Latest from Instagram

Copyright © 2017 · Theme by 17th Avenue