Donnerstagsrealitäten

 

Guten Morgen!

Letzte Woche habe ich mich von den Friday Fives verabschiedet und gesagt, ich hätte da schon eine neue Idee. Die habe ich nun noch ein paar Tage reifen lassen und jetzt ist sie da und sie kommt wild und laut daher. Denn sie ist real und pur und echt.

Die Donnerstagsrealitäten sind da.

Denn was mir heutzutage auf sämtlichen Blogs, vor allem aber auf Elternblogs fehlt, ist die Echtheit, die Realität, das Leben, wie es wirklich ist.

Da werden die schönsten Fotos geschossen von Situationen, die nicht alltagstauglich sind. Man bekommt den Eindruck alle frühstücken in seliger Harmonie, die Kinderzimmer sind durchdesignt, die Wohnzimmer wirken unbewohnt aufgeräumt und jede*r hat die besten Tips auf Lager für den Umgang mit Wutanfällen. Ich nehme mich da nicht komplett aus, aber ich merke, dass die Authetizität schwindet, wenn man immer nur versucht den Eltern zu erzählen, wie es perfekt läuft. Denn perfekt ist das Leben mit Kindern nicht. Und deshalb werde ich in meiner neuen Blogreihe zeigen, wie unperfekt unser Alltag ist. Wie unperfekt ich bin. Und wie unperfekt meine Kinder sind. Denn sie sind plüschig, zuckersüß und toll, aber es gibt Momente, da möchte ich auf den Balkon rennen renn ich auf den Balkon und halte mich sehr stark zurück nicht laut zu schreien. Morgens um 6.

Und auch das gehört hier her und dazu.

Und alles andere, das Schöne, das Harmonische, das bunte Treiben, das gibt es ja sowieso und weiterhin.

Und Ihr dürft gern, ja Ihr sollt sogar mitmachen. Denn es wird nur echt und bunt, wenn mehr mitmachen und je mehr sich trauen, umso realer wird die Welt da draußen.

Es geht mir dabei gar nicht so sehr nur darum jede chaotische und nicht aufgeräumte Ecke zu zeigen. Sondern auch von Tagen zu erzählen, die einfach nicht rund laufen, die morgens schon mit Geheule und Gejaule beginnen, wo wir vor dem ersten Kaffee schon die Nerven schmeißen. Oder Tage, an denen wir an uns zweifeln, gar nicht unbedingt als Eltern, auch als Menschen. Es geht darum zu zeigen, was Ihr wirklich esst, was auch mal nicht biofairundgesund ist, mit welchen Spielsachen außer BioholzdirektausdemWald Eure Kinder spielen. Denn manchmal fragt man sich ja, ob man das noch zeigen darf.

Es soll keine Jammerreihe werden, versteht mich nicht falsch. Ich jammere ungern. Ich möchte nur zeigen, wie ich wirklich bin. Und ich möchte das gern auch bei anderen sehen.

Und deshalb starte ich heute gleich mal durch mit unserem so überhaupt nicht harmonischen Morgen.

Es gibt ja Eltern, die stehen vor ihren Kindern auf. Wir tun das nicht, wir schaffen das auch momentan gar nicht, denn Miniklein ist garantiert vor uns wach. Der Liepste steht auf und ich wühle mich noch ein paar Minuten durchs Bett, bis auch ich ins Wohnzimmer taumel. Frühstück heißt bei uns: Alles auf den Tisch und los. Die Kinder essen eigentlich nie alle das Gleiche, das wäre zu einfach. Der eine will Müsli mit Joghurt, die andere Cornflakes mit Milch, nach drei Löffeln dann doch lieber Müsli, nein ein Brot und ach, eigentlich eher nichts und Miniklein verschmäht grundsätzlich das, was wir ihm geben und will was ganz anderes, am liebsten dann doch gar nichts und nur gatschen.

Der Liepste verpackt Brote in eine Dose und auch das ist herzlich unaufregend, macht aber nichts, wird trotzdem gegessen.

Dann gibt es meist Chaos, die Kinder spielen, dann sollen sie sich anziehen. Herrn Klein nervt, weil seine Hose ihm am Knöchel streichelt oder ein Pulli schief hängt, Frau Klein läuft eine halbe Ewigkeit nackt vor dem Schrank umher und sucht die Elsaunterhose. Miniklein mittendrin, will auf meinen Arm und nur dahin. Zahnbürsten suchen Münder, fallen runter, Miniklein öffnet den Mistkübel im Bad, ein Geruch von Windelinhalten verbreitet sich.

Die Uhr tickt und es beginnt die Schuhdiskussion. Winterschuhe oder nicht. Mützen? Welche Jacke, wie kalt ist es eigentlich und darf ich meine Puppe mitnehmen?

Wenn erst einmal alle im Lastenrad sitzen macht sich schon leichte Erholung breit. Vor der Schule die Schulkinder ausgekippt, im Kindergarten Frau Klein abgesetzt und aaaahhhhh, aufatmen, Ruhe.

Ein ganzer langer Donnerstag liegt vor mir, der Liepste – noch in Karenz – übernimmt Miniklein und ich widme mich nun all meinen Dingen. Und wenn ich mir da nicht genau überlege, was ich wann mache, dann wird auch das ein Chaos.

Und heute abend drehen wir das Morgenprogramm rückwärts, dann sind die Kinder wieder müde und Kaffee hilft dann auch nicht mehr. Aber es wird gekuschelt, egal wie blöd der Tag war. Und das ist ja irgendwie das, was zählt. Oder?

Ich freue mich auf Eure Realtiätsgeschichten. Wer nicht bloggt, der kann auch auf Instagram mitmachen und unter dem Hashtag #donnerstagsrealitäten mitmachen. Je bunter desto echter. Und los!

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Comments

  1. Super Idee! Ich hoffe, ganz viele machen mit! Ich lasse mich nämlich auch oft von solchen Darstellungen unter Druck setzen. Obwohl ich weiß, dass es gar nicht sein kann, habe ich das Gefühl, andere schaffen es, IMMER ruhig und geduldig zu sein, den aktuellen Entwicklungsschritt der Kinder richtig zu deuten und adäquat darauf zu reagieren und genau zu wissen, wann loslassen und wann festhalten gefragt ist… Toll, dass du dem die Realität entgegensetzt.

    Biofairundgesund und BioholzdirektausdemWald 😂

    • ja genau, das ist nämlich, was passiert, wir geraten unter Druck. Und das ist eigentlich nicht sehr fein, weil es unnötig ist und stresst. Ich hoffe auch, dass einige mitmachen. Umso echter wirds! Liebe Grüße!

  2. Heute war genau so ein Tag, wo Realität wahnsinnig gut tut. Danke dafür.
    Heute dachte ich mehr als einmal, dass ich wohl nicht dazu geschaffen bin, drei kleine Menschen gütig, mild und weise (haha, Träume …) im Leben zu begleiten. Ich hab dreimal „mach einfach und quassel nicht so viel“ und einmal „bist du verrückt?“ gesagt. Immerhin sind mir im Nachhinein auch Alternativen eingefallen. Und morgen ist ein neuer Tag, oder? Hoffentlich.
    Übrigens muss ich immer noch über deine Formulierung „und dann schmeißen wir alle im Kreis die Nerven“ aus einem der letzten Posts lachen. So bildlich. Manchmal hilft mir der Satz die Nerven tatsächlich wieder einzufangen.

    • Haha, das freut mich, wenn der Satz Dich weiter begleitet und Dich hie und da aus dem Nervenkarussell holt. Liebe Grüße!

  3. Danke für die neue Reihe. Für mich persönlich finde ich das allerdings nicht so bereichernd. Hier ist es mit drei Mädchen auch jeden Tag auf die eine oder andere Weise laut und chaotisch, gehetzt, da fallen Worte, die einem hinterher leid tun, da weiß man sich so manches Mal keinen Rat mehr, wie man reagieren soll. Da bestehen Brotboxen auch „nur“ aus einem geschmierten Brot und einem Gummibärchen, Esstische und Esszimmer sind vollgekrümelt und die Kinder verschmiert, alle wollen zur gleichen Zeit ins Bad usw. usf. Das ist normal und jeden Tag Realität.
    Ich persönlich lese aber auch keine Blogs mehr, in denen über perfekt inszenierte Kindergeburtstage, den aufwändigsten selbstgebastelten Adventskalender und die gesündeste und optisch ansprechendste Brotbox sowie die dazugehörige in jeder Lebenslage perfekt gestylte Mutter berichtet wird (Väter kommen da kaum vor). Das langweilt mich ungemein und daran messe ich mich nicht, denn es ist von meiner Realität kilometerweit entfernt und mir auch überhaupt nicht wichtig.
    Aber gerade deshalb habe ich Deine Friday Fives und Deine Erkenntnisse der Woche bisher so geschätzt – weil alles das angeblich Perfekte und Äußerliche darin nicht vorkam, sondern Du es vermocht hast, aus dem ganzen Staub der Woche die Goldkrümelchen zu sieben. Die Momente zu beleuchten, die trotzdem wertvoll, überraschend oder einfach etwas waren, woraus Du etwas gelernt hast oder lernen konntest. Momente, die sonst vielleicht untergehen, wenn sie nicht aufgeschrieben und festgehalten werden.
    Das nur als persönliches Feedback.

    • Liebe Susanne, vielen Dank für Dein Feedback. Da fällt mir gleich eine Idee dazu ein. Es wäre ja fein die Donnerstagsrealitäten zu zeigen und am Ende doch jedesmal ein kleines „Goldkrümelchen“ (was für ein schönes Wort) darin zu finden und zu erwähnen. Das werde ich mir für nächste Woche einmal merken und andenken, das könnte das Alte mit dem Neuen verbinden. Danke für Deinen Input!

  4. Spitzen-Idee!
    Ich habe weder Blog noch Instagram, aber das mach ich jetzt auch, ganz persönlich nur für uns 🙂

  5. Ich mag die Idee sehr. Zwar lasse ich mich nicht mehr so stark von irgendwelchen perfekt wirkenden Bildern und Schnipsel-Ausschnitten anderer Leben verunsichern wie ich es als ganz frische Mama getan habe. Aber irgendwas machen sie sicher trotzdem mit mir. Auch wenn ich sie hinterfrage und weiß, dass nirgendwo immer alles toll sein kann.
    Das Problem mit der Realität ist wahrscheinlich, dass sie verletzlicher macht. Deswegen: Dankeschön für deine Einblicke! :)

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