Donnerstagsrealitäten :: Wenn nichts mehr geht

Wenn die Nacht mit Fieberkind und wechselhaft wachen Kleinkindern verläuft, hat so ein Tag eigentlich keine Chance. Da hilft dann nur noch eins: Kaffee ins Getriebe und auf Automatik schalten.

Es gibt Menschen, die an dieser Stelle wohlsortierte Heilkräuter drapieren und fotografieren und gleich mal einen Blogpost über die natürlichen Hausmittelchen entwerfen. Ich bin in der Hinsicht fürchterlich pragmatisch. Bei Fieber bin ich entspannt bis 39, wachsam bis 40 und dann tröpfelt der gängige Fiebersaft aus der Apotheke auch schon in den Mund des kranken Kindes. Denn was mir – vor allem nachts – wichtig ist: Schlaf. Sowohl fürs Kind als auch für mich. Da wickel ich keine Waden, da bin ich nur halb Mensch. Da ist mir Erholung für alle wichtig, denn so einer Nacht folgt oft ein laaanger Tag.

Ich bin auch kein Mensch, der gleich zum Arzt rennt. Auch nicht in die Apotheke. Bei Husten wird abgewartet und Zwiebel ans Bett gestellt. Bei verstopften Nasen kauf ich Taschentücher nach. Und an Tag drei – was immer, immer (und auch dieses Mal) ein Freitag ist, hadere ich bis kurz vor Ordinationsschluss, ob ich zum Arzt fahren soll oder nicht.

Dennoch lässt mich natürlich das kranke Kind nicht so kalt, wie das hier klingen mag. Ich bin in Sorge und die gepaart mit Schlafmangel ist für mich die absolute Erschöpfungskombination.

Das Haus hab ich heut verlassen lediglich um zur Post zu fahren und Herrn Klein von der Schule zu holen. 5 Minuten Frischluft am Tag sind auch nicht förderlich um Energie in den trägen Körper zu jagen. Am Abend werden alle irgendwie versorgt, dann wünsche ich mir nur eins: dass sie jemand ins Bett beamt. Dass ich umfallen darf und vor allem eines: allein sein. Denn kranke Kinder kleben. Wenn man dazu noch ein stillendes Kleinkind hat, ist die Menge an erträglicher körperlicher Nähe bald ausgereizt. Da stoße ich an vorher ungeahnte Grenzen. Das Kleinkind, dass grad gehen lernt und sich deshalb umso öfter an mich klammert. Das fiebrige Kind, das einfach fiebrig und arm ist. Da will ich am Abend niemanden mehr in den Schlaf kuscheln. Da will ich davon laufen. Stattdessen kommt dann noch das große Schulkind und beschwert sich jämmerlichst, dass nie nie niemals jemand mit ihm zuerst kuschelt sondern immer immer immer erst die anderen dran sind. Was schlichtweg nicht stimmt, aber sein Sinn für Gerechtigkeit hat unter der letzten schlaflosen Nacht genauso gelitten. Da liege ich dann in viel zu engen Betten an kleine Körper gekuschelt und sehne mich nach einem heißen Bad und ruhiger Entspannung. Aber selbst dazu fühle ich mich zu müde.

Tja. Nun schlafen sie alle. Sind versorgt in ihren Betten. Schlummern zugedeckt und träumen von… ja wovon eigentlich? Und ich könnte einfach einmal viel zu früh ins Bett gehen. Alles aus, alles dunkel, Decke über den Kopf. Aber so ein verpuffter Abend – der macht mich dann noch frustrierter. Manchmal ist das Leben wirklich mühsam und man steht sich selbst im Weg. Schlaftrunken und erschöpft. Aber hey, ich stehe! Und wünsche mir und uns eine gute Nacht. Achja, und Euch natürlich auch.

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Comments

  1. Hut ab, dass du nach so einem Tag noch einen Blogpost zauberst. Gute Besserung an die kleine Patientin und eine erholsame Nacht und alles Liebe für dich und die ganze Familie.

    • Danke Dir! Ich sag dir – wenn ich an solchen Tagen nicht noch IRGENDWAS Produktives mache, dann werd ich richtig frustriert… Aber jetzt Bett. Gute Nacht!

  2. Ohh wie ich das kenne. Das Davonlaufenwollen. Und das Machenwollen. Gerade dann. Und es hat sehr lange gedauert bis ich kapiert habe warum ich am Ende solcher Tage so extrem ungeduldig mit den Kindern bin, so wütend … obwohl sie doch krank sind, die Armen. Eben aus den Gründen, die du auch schreibst. Und dass das Machen am Ende des Tages hilft.
    Gute Besserung!

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