Donnerstagsrealitäten oder die sensible Phase für Ordnung

Heute ist mal wieder Donnerstag und es ist mir eine Freude Euch an unserem Alltag teilhaben zu lassen. Wir haben den Tag heute mit Staubsaugerhintergrundmusik begonnen.

Miniklein ist völlig vernarrt in den Staubsauger. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich Staubsauger hasse. Ich hasse hasse hasse sie. Sie sind laut. Unfassbar laut. Wenn wir Gangputzdienst haben, dann fege ich lieber die 30m2 Gangfläche vor der Wohnung anstatt mit dem lärmenden Monster umherzusausen. In echt. Nunja, jedenfalls wedelt Miniklein schon morgens mit seinen Ärmchen in Richtung Schrank, in dem das lärmende Monster leise schläft. Eine zeitlang half es, ihm das Ding vor die Nase zu stellen und er schob es selig umher. Doch nun reicht das nicht mehr, es möchte bitte eingeschaltet sein. Er weiß auch genau wo das geht, aber den Knopf zu drücken schafft er noch nicht allein. Also stellen wir den Staubsauger meist auf die kleinste Stufe und schalten ihn ein. Ein leise lärmendes Surren beginnt. Stetig und dauerhaft. Dennoch ist es angenehmer als das armwedelnde Geschimpfe von Miniklein. Und das alles bereits um 7Uhr morgens, vor dem ersten Kaffee. Ohmmmmm

So also auch heute morgen. Herr Klein ließ sich vom Staubsauger mitreißen und beschloss die Küche zu saugen. Nicht nur das, er öffnete sämtliche Laden, räumte sie aus, saugte sie aus und räumte sie wieder ein. Etwas, was schon längst fällig war, wozu ich mich einfach nicht aufraffen konnte.

Wunderbar, könnte man nun sagen. Traumhaft! Was für ein tolles Kind! Hurra! Ich lächelte hingegen und genoss den Moment. Denn schließlich kenne ich meine Kinder schon etwas länger und weiß: die sensible Phase für Ordnung brach bei ihnen nicht wie geplant zwischen 2 und 3 Jahren herein, sondern taucht verteilt auf ihre gesamte Kindheit stückhaft immer mal so für 10 Minuten auf. So wie heute Morgen.

Man darf sich darüber erfreuen. Aber man sollte sich nicht allzu viel davon erhoffen. Heute Nachmittag spielen sie schon wieder im Playmo Chaos umgeben von den gestrigen Unterhosen, die dort ausgezogen ins Eck geschleudert wurden, sie suchen Stifte und die eine bestimmte Playmo Figur mit dieser ganz speziellen Kappe! Tja und wo der zweite Schuh von Miniklein ist, finde ich hoffentlich noch heraus bevor er aus ihm herausgewachsen ist. Das andere Paar, eigentlich noch ein Tick zu groß, suchte der Liepste soeben verzweifelt. Und fand es – wo sonst – auf dem Badewannenrand. Der ganz normale Wahnsinn.

Aber ich bin ja ein bisschen selbst Schuld. Ich habe Phasen, da habe ich alles im Griff, da habe ich Routinen und bin selig über die abendlich wieder hergestellte Ordnung in der Wohnung. Momentan hingegen habe ich Chaos im Kopf und daher auch wenig Energie für das richten der Unordnung hier. Was davon was bedingt weiß ich nicht, aber sicher hat das eine mit dem anderen zu tun. Ich bin nur noch am Herausfinden welches ich eher richten kann. Tja und das bekommen die Kinder natürlich mit. Auch, dass ich die Sachen von Miniklein beim Wickeln abends einfach neben den Wickeltisch fallen lasse. Grundsätzlich der sicheren Überzeugung, dass ich diese nach dem Wickeln zur Wäsche räumen werde. Aber nach dem Wickeln ist Stillen angesagt und danach hat mich die entsprechende Demenz voll im Griff.

Ich glaube wirklich, dass viel Ordnungsverhalten der Kinder an uns liegt. Dass sie sich vieles abschauen. Ich glaube aber auch, dass viel Chaos und Unordnung kindlich normal ist. Und dass wir das nicht allzu früh zu streng und vehement einfordern müssen. Weil der wirkliche Sinn für Ordnung, für Sauberkeit und Überblick früh genug kommt. Es liegt halt an uns sie dahingehend zu unterstützen. Aber dafür müssen wir das im Vorfeld erst einmal selbst im Griff haben. Und da liegt im Moment mein Hauptfokus.

Dennoch freue ich mich über die geputzten Laden in der Küche. Räume den Staubsauger ins Eck und freue mich über die Stille in der Wohnung. Bis heute Abend, wenn alle wieder da sind.

 

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Comments

  1. In manchen Punkten sind wir uns so ähnlich. Ich habe auch immer die Schmutzwäsche beim Wickeltisch auf den Boden fallen gelassen. In der festen Überzeugung, sie dann auch bis zum Wäschekorb zu befördern… Und da lag sie dann oft noch den nächsten Tag über. Vom Stillsessel hatte ich immer die beste Aussicht auf den wachsenden Schmutzwäschehaufen.

    Aber letzte Woche habe ich endlich abgestillt und ich kann sagen: In dem Maße, in dem ich weniger gestillt habe, hatte ich wieder mehr Energie für mich selbst, für mein Chaos im Kopf und schlussendlich auch für die Schmutzwäsche. Sie landet nun direkt im Wäschekorb und nicht mehr auf dem Boden. Das mit der Stilldemenz wird ja oft belächelt. Aber das kann nur jemand belächeln, der es nicht selbst erlebt hat.

    Überhaupt wird mir gerade der Zusammenhang zwischen Chaos im Kopf, Energielevel und Chaos um mich herum immer deutlicher.

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