Donnerstagsrealitäten :: Familienzeit

Dieser Donnerstag war in zweierlei Hinsicht anders als andere. Zum einen war es ein Feiertag. Zum anderen war es ein Tag ausschließlich für die Familie. Dafür muss ich wohl ein wenig ausholen.

Das Leben hier im Wohnprojekt hat ja so seine Vor- und auch (wenige) Nachteile. Manche Dinge sind sowohl Vorteile als auch Nachteile. Die vielen Kinder zum Beispiel. Es ist grandios, dass die Kinder hier im Haus Freunde haben. Wir müssen fast nie playdates ausmachen oder ähnliches, weil die Kinder hier wissen: Wenn ich von Kindergarten/Schule nach Hause komme, dann sind da zig andere Kinder. Das hat aber eben den Nachteil, dass mittlerweile je.den Tag die Bude voller Kinder ist. Weil sich ab ca. 15:30Uhr fast alle 5-7jährigen Buben zusammenrotten und warumauchimmer meist bei uns spielen. Prinzipiell ja okay. Aber es führte zu einigen Beobachtungen:

  • Frau Klein war in letzter Zeit sehr neben sich. Sie suchte Anschluss, suchte eigene Freunde, aber im Alter der 4-jährigen ist dieses Zusammenrotten noch nicht so verbreitet. Sie suchte ihren Bruder, mit dem sie sonst so viel und wirklich harmonisch gespielt hat und der im Moment eher genervt von seiner kleinen Schwester schien. Die zwei konnten plötzlich kaum mehr zusammen sein, stritten heftig, kratzten, bissen, schrien… Nicht so ungewöhnlich unter Geschwistern, aber wenn man schon den Grund dafür meint zu entdecken – warum dann nichts dagegen unternehmen?
  • Herr Klein war nicht mehr wirklich bei sich. Er wollte oft so gern was malen oder schreiben. Das tut er wirklich gern. Aber sobald ein anderes Kind vor der Tür stand, war alles unwichtig und er ließ alles, was er gerade tat, fallen. Neulich sagte er auch: „Ja, ich sag ja manchmal ich will nicht spielen, aber dann sagen sie ‚bitte bitte bitte“ und dann muss ich doch.“
    Am Abend war oft komplett überdreht, überreizt, schrie, tobte, war außer sich.
  • Ich war zunehmend genervt, wenn hier nachmittags 3-5 Kinder mehr hausten, als normal. Weil nachmittags auch die anderen beiden – besonders Miniklein – mehr Aufmerksamkeit brauchen und ich das bei steigendem Lärmpegel extrem schlecht aushalte.

So beschlossen wir dieses Kindertreiben bewusst zu steuern. Denn das war es, was es brauchte. Und das war, was Herr Klein allein nicht schaffte. Was für sein Alter einfach auch zu viel verlangt war. So besprachen wir bereits gestern mit ihm, dass heute keine Kinder kommen würden, dass wir einfach nur unter uns bleiben würden. Er konnte das – nachdem wir es ihm erklärt hatten – wirklich gut nehmen und erzählte es auch gleich seinen Freunden.

Die standen natürlich dennoch heute früh um 9 vor der Tür. Aber ohne zu zögern wimmelte Herr Klein sie ab und blieb bei uns. Mehr noch: Er war entspannt, fröhlich und dieser Familientag unerträglich harmonisch. Am Frühstückstisch saßen wir in aller Ruhe – hier hibbelt Herr Klein meist schon rum, weil er auf 9Uhr wartet, der Startschuss für Kinderbesuche. Heute machten wir gemeinsam Faxen und die Kinder aßen auch viel mehr und in Ruhe. Danach spielte er in tiefster Harmonie mit seiner Schwester, Miniklein schlief zwei Stunden, was auch für Sonn- und Feiertage ungewöhnlich ist, weil es dafür sonst viel zu laut ist.

Wir hatten nichts Außergewöhnliches geplant, das brauchte es auch nicht. Alles, was wichtig war, war dass wir gemeinsam, da und füreinander greifbar waren. Ich ließ alle Arbeit liegen und konzentrierte mich zwischendurch ausschließlich auf ein paar gestalterische Dinge, malte und band ein paar Notizbücher für die Geschenkboxen der Lebenskönigin.

So war das ein lange nicht gehabte gemütlich schöner Feiertag. Morgen darf er wieder mit seinen Freunden spielen, er freut sich natürlich darauf.

Wir werden solche kinderfreien Tage nun öfter einlegen. Auf jedenfall sonntags – der ist ab jetzt unser Familientag. Denn ich möchte auch unbedingt einen Tag die Woche komplett arbeitsfrei haben. Auch wenn ich selbständig bin, so will ich nicht ständig selbst sein. Mehr dazu werde ich demnächst einmal schreiben.

Aber auch unter der Woche wird es nun einen kinderfreien Nachmittag geben, weil er das neben der Schule einfach braucht. Naja und dann sind schon bald Sommerferien, da wird sowieso wieder alles anders. Aber zumindest wissen wir nun wieder einmal mehr, worauf wir achten können, wenn man wieder alles aus dem Ruder gerät.

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Comments

  1. Hallo Nadine,

    Wie wäre es, wenn ihr ein schönes Schild gestaltet mit , Familienzeit‘ oder so ähnlich, und das an die Tür hängt.

    Dann müsste Herr Klein die Kinder nicht abwimmeln…..

    Liebe Grüße Karline

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